Afterwork-Tour versus Duringwork-Tour am Seekopf (945 m)

Immer wieder lese ich von Afterwork-Touren. Also die schnelle Tour danach. Somit ist meine heutige Tat außergewöhnlich zu nennen. Duringwork-Tour ist irgendwie anders und neu. Sozusagen die schnelle Tour zwischendurch. Der Snack unter den Touren – aber nicht wirklich empfehlenswert. Mit Zeitdruck im Nacken und gehechelten Telefonaten bleibt die Gaudi hinter ihren Möglichkeiten. Das sind nur zwei der groben Nachteile einer solchen Wanderung.

Zwischen zwei Terminen in Lunz am See hat sich ein Zeitkeil gedrängt, der genau die Besteigung des Seekopfs erlauben würde. So oft bin ich schon an der Einstiegsstelle mit der Tafel Seekopf vorbeigekommen, und heute ist es endlich soweit. Heute werde ich die Laus auf diesem Kopf sein.

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Auf der Seepromenade am Lunzer See rekeln sich farbenfreudige Bänke in der Sonne. Wie leuchtend bunte Blumen in einer Sommerwiese auf ihre Bestäuber, warten diese Bänke auf Besucherpopos. Es ist ein Wochentag, und den Pensionisten ist es offensichtlich noch zu frisch.

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Gleich am See beginnt ein unübersehbarer, gut beschildeter Steig.

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Neben gelben, mit Seekopf beschrifteten Tafeln, findet sich sogar ein mit Seilen abgesicherter Abschnitt.

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Ob die Oma mit dem Enkel nach dem Booterlfahren am See wirklich den steilen Aufstieg auf den Seekopf machen wird? Zumindest können sie sich nicht verlaufen, denn es finden sich viele Markierungen und Tafeln.

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Nach diesem ersten Waldabschnitt erreiche ich eine sonnige Alminsel mit Bank. Ganz still is es hier. Wunderbar, aber auch…

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…sonderbar. Denn hier finden sich keine Tafeln und Markierungen mehr, die den Weiterweg zum Seekopf anzeigen. Eigenartig. Wie Pheromonfallen für Wanderer gibt es am See Tafeln und Markierungen und hier – nichts mehr. Kein Weg, keine Markierung und schon gar keine Tafel. Wie die Katze vor dem Wäschetrockner komme ich mir vor. Wurde ich in in eine Falle gelockt? Ich bin ganz aufmerksam, ob nicht hinter einem Baum versteckt jemand auf mich lauert.

katznfutta

© Goldmann Verlag Gary Larson

Aber hier ist wirklich niemand! Heute nicht und vermutlich die nächsten Tage und Wochen auch nicht. Und wieder einmal finde ich eine nirgends verzeichnete…

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…Forststraße nur wenige Meter unter dem Gipfel. Was soll’s. Die einen suchen Pilze, die anderen Geocaches, und ich finde eben Forststraßen.

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Die letzten Meter zum Gipfel und…

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…konsequent, obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Seekopf (945 m).

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Ich verweile nicht und gehe am Aufstiegsweg zurück. Weil mir noch ein wenig Zeit bleibt, wandere ich in Richtung Lärchenstein weiter.

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Im ganzen Gebiet finden sich Dolinen, die auf den Almwiesen umzäunt werden müssen.

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Ich kürze die Forststraße durch ein weniger steiles Waldstück ein wenig ab, und an der ersten Aussichtsstelle, an der ich zum See sehen kann, drehe ich wieder um.

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See, Lunz und Lunzberg (1004 m).

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Schön langsam geht mir mein Zeitfenster wieder zu. Ich muss mich sputen. Für Abkürzungen ist mir aber in diesem Abschnitt das Gelände zu steil.

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Ich bleibe auf der Forststraße, aber die hat es nicht eilig, ins Tal zu kommen.

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Weiter unten kürze ich den Weg dann doch über diese Wiesenfläche oberhalb des Bauernhauses ab. Mit schnellem Schritt bin ich bald wieder am See.

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Jetzt haben sich doch zwei Besucher der leeren Bänke erbarmt. Interessant wäre es zu wissen, warum sie gerade auf einer gelben Bank und nicht auf einer roten oder blauen sitzen. Also, ich würde mich auf eine blaue Bank setzen. Ist das Zwang, Laune, Willkür, oder gar Schicksal? Ich weiß es nicht, aber eines weiß ich schon. So eine Tour mache ich nicht mehr, denn: Die Eile hat der Teufel erfunden (Türk. Sprichwort). Und weil Pünktlichkeit nicht nur die Höflichkeit der Könige sondern auch meine ist, erreiche ich zum vereinbarten Zeitpunkt meinen Termin.

Lunz ist schon ein feines Örtchen. Mit einem Boot über den See streifen und ein Eis mit der Zunge streicheln – das kann schon etwas. Der Besuch des Seekopfes ist nicht wirklich unerlässlich. Heute war dieses Unterfangen waldreich, heiß und aussichtslos. Wer ein wenig wandern will, kann ja bis zur oberen Almfläche ansteigen (bis dahin Weg und markiert) und über die Forststraße zum See zurück gehen. Das ist sicher die lohnendere Variante.

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Im Anstieg ca. 465 Hm, und zurückgelegte Entfernung ca. 6,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

 


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