Auf den Egger Berg (1134 m) und seine Nachbargipfel

Wieder einmal erkunde ich mein umliegendes Daheim. „Tausender-Berge“ nahe Lunz am See sind mein heutigesTourenziel. Zuvor allerdings gönne ich mir noch ein grandioses Vorspiel. Dazu gestalte ich die Anreise von Waidhofen/Ybbs nach Lunz am See heute anders. Über die Grestner (Ybbsitzer) Höhe fahre ich diesmal. Der Umweg ist mehr als gut begründet. Es wäre gar unverzeihlich, würde ich nicht so anreisen. Ein violettes Präludium wartet gleich neben der Straße auf mich, den bewundernden Stauner.

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Mein Tourenaperitif ist ein grandioses neapolitanisches Vorspiel in Form von abertausenden Neapel-Krokussen (Crocus purpureus).

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Der Italiener sieht ja Neapel als ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel, und das…

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…kommt schon ganz gut hin, denke ich mir bei diesem Sternenzelt.

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Zwischen Ybbsitz und Gresten (im rechten oberen Viertel bepfeilt) findet sich nur an wenigen Tagen im Jahr diese Zauberwiese.

Krokuswiesebeschriftetpfeil

Nur schwer kann ich mich von diesem Anblick losreißen, aber meine Beine sind schon ganz steigungsdeppert und gipfelsüchtig. Ich fahre über den Bodinggraben in den Hackstockgraben und parke mein Fahrzeug unterhalb der Hamothalm, nahe dem Bauernhaus Unterhackstock.

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Entlang des Bodingbaches wandere ich die Straße zur Hamothalm hoch. Laue Frühlingstemperaturen und ein lebhaftes Gluckern und Plätschern begleiteten mich.

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Beim Bauernhaus Oberhackstock erreiche ich dieses sonderbare, so noch nie gesehene Gebäude. Dieses Doppelwesen erzeugt im hinteren Teil Strom und in der vorderen Hälfte Vergebung.

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Ein helles Sirren verrät die unermüdliche Tätigkeit der Stromturbine. 41.000 KW werden hier jährlich produziert und damit über unterirdische Leitungen die angrenzenden Bauernhäuser mit Energie versorgt.

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Im vorderen Teil erzeugt eine lautlose Glaubensturbine beim eintretenden Wanderer Vergebung und Gnade. In Form von Liebe und Hoffnung verlässt diese Kraft mit seinem Besucher die Kapelle. Wenn alles gut geht. Wenn es schief geht, verlässt derselbe Ungustl die Kapelle, der sie auch betreten hat.

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Vergebung kann unsereiner ganz gut gebrauchen, wer macht auf dieser Seite des Daseins denn keine Fehler? Andererseits, so einen schönen Tag geschenkt zu bekommen, ist für einen wie mich Gnade genug.

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Bis hierher, zu den Hamothalmgebäuden, ist die Zufahrt mit dem Auto möglich. Für meine geplante Runde ist der tiefergelegene Stellplatz aber vorteilhafter.

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Trotz ihrer Abgelegenheit hat der Frühling diese Almwiesen auch schon gefunden. Schön ist es hier.

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Kehlige Rabenschreie begleiten mich bis an den höchsten Punkt, auf das Gscheid (843 m). Weiter bergab wandernd, fände ich mich in Maria Seesal wieder. Ich beschreite die sonnige Forststraße hinter dem Steinmarterl.

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Der Ötscher scheint zum Greifen nahe. Die Nähe des Winters auch.

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Aber jeden Tag ist es ein bisschen weniger kalt, und wo die Sonne…

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…zwischen den Bäumen durchkommt, ist es schon Vorfrühling.

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Die Forststraße reicht bis zum Gschliefkogel und erlaubt erste Ausblicke in den Nordwesten.

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Ich habe mir aber zuvor noch die Besteigung des abseits gelegenen Fuchslehen-Scheibenkogels bzw. Saurüssler Spitz (1011 m) vorgenommen.

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Dazu steige ich zuerst steil in dieser Waldflanke ab,…

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…um zu diesem sonnenbeschienenen Waldhang zu gelangen. Die sonnenaufgewärmten Bäume duften aromatisch-harzig. Holzig-würzig ist mein erster Frühlingsduft in diesem Jahr.

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Zitronenfalter stolpern noch fröstelnd durch die Luft. Die Landschaft um mich strahlt große Zufriedenheit aus.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Fuchslehen-Scheibenkogel (1011 m). Dieser Kogel wird auch noch Saurüssler Spitz genannt.

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Am tiefblauen Himmel versucht sich ein Flugzeugpilot als Miró der Lüfte.

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Ungeschickterweise verwendet er seinen Autopiloten als Lineal. Freihandfliegen wäre künstlerisch viel spannender.

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„Blaue Bildgründe verkörpern reine Malerei, die einem Gefühl der Einsamkeit und Verzweiflung entspringt, das mich unablässig verfolgt“ Joan Miró: Blau III

Ich wandere wieder zurück zur Forststraße…

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…und nehme mir für den baumfreien Ausblick Zeit.

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Der Maisberg (942 m) umkreist wie ein Mond seinen Planeten Prochenberg (1123 m).

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Der Schwarzenberg (956 m) bei Gresten.

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Jetzt wandere ich im Schnee spur- und weglos, aber pfeilgeleitet, zum Spitzkogel hoch. Oben finde ich eine angehende Forststraße und den Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Spitzkogel (1109 m).

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Vom Ötscher bis zum Dürrenstein, bis zum Hochschwab kann ich sehen.

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In direkter Nähe sind die von mir noch unbesuchten Grünkogel (1089 m), Schwarzkogel (1116 m), Hahmadkogel (1112 m) und Stockgrund (1051 m) zu sehen. Bald werde ich auch sie besteigen.

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Laut wie die Neapolitaner (Neapel geht mir heute nicht aus dem Sinn) sind hier die Vögel in ihren luftigen Häusern.

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Ich wandere zuerst noch auf der Forststraße weiter und verlasse dann diese, um nach wenigen Minuten zu den ersten Fußspuren zu gelangen.

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Fußstapfen im Schnee und eine Markierung weisen den Abstieg zum Bauernhaus Höhenstein. Die Runde über den Egger Berg endet hier und führt nicht mehr zum Spitzkogel weiter.

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Lustigerweise ist der runde Rücken im Bildvordergrund der Spitzkogel (1109 m), dahinter ist die Erhebung des Schliefkogels (?), und danach der Fuchslehen-Scheibenkogel (1011 m) zu sehen.

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Der Steig führt jetzt gut markiert immer an der baumfreien Kante mit freier Sicht in den Nordwesten weiter.

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Schnell erreiche ich so den nächsten Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Höhensteineck (1098 m).

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Vom Höhensteineck kann ich zu meinen nächsten beiden Gipfelzielen sehen. „Soll ich wirklich noch den abseitigen Bärenkogel mitnehmen“? frage ich mich. Aber Zeit habe ich noch genug, und den markierten Weg verlassen, ist für mich immer eine Verlockung.

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Ich quere in den schneereichen Hang auf den Hals zwischen den beiden Gipfeln zu.

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Meine Linie ist gut,…

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…und sogar ein schneebedeckter Weg findet sich. Zumindest mutet das jetzt so an.

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Hoch über den Bärenkogelgraben gelange ich rasch zur Einsattelung und auch bald auf den Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Bärenkogel (1045 m).

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Jetzt steht mir nur noch der lästige, baumverlegte Aufstieg auf den Egger Berg bevor. Der ist steil und anstrengend.

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Schnaufend bleibe ich immer wieder stehen und ich höre tief in mich hinein, auf die physiologischen Gezeiten in meinem Inneren.

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Verlässlich sind meine physiologischen Gezeiten aber schon. Wie altes Strandgut schwemmen sie mich auf den Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Egger Berg (1134 m).

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Der Zogelsgraben befindet sich direkt unter dem Gipfel, und rechts im Bild glaube ich den Zürnerberg (1096 m) bei Gaming erkennen zu können.

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Gamaschen habe ich keine mit, und das ständige im Schnee waten hat meine Füße auskühlen lassen. Darum halte ich mich nicht lange am Gipfel auf und wandere diesen Spuren im Schnee nach.

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Der Steig ist hier gut ausgeschildert und führt immer wieder über tolle Aussichtspunkte (Wiesenflächen)…

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…zu einem breiten Ziehweg. Der Schnee gibt auf ca. 1000 Meter auf, und bei diesem…

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…alten Gebäude erreiche ich die Straße. Sogar ein kleiner Parkplatz befindet sich hier und ein Wegweiser zum Egger Berg.

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Ich verlasse die asphaltierte Straße aber bald und wandere eine von Traktorreifen und Holzstämmen tief zerfurchte Forststraße bergab. Immer wieder herrliche Ausblicke begleiten meinen Abstieg, wie hier zu Scheiblingstein (1622 m) und Großer Hetzkogel (1582 m).

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Auf meinem reichlich in Lehm ausgekleideten Ziehweg gelingt mir eine Punktlandung beim parkenden Auto,…

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…aber zuvor auch im Lehm. Ganz unbefleckt kommt man offensichtlich nicht durchs Leben und ich nicht einmal auf fünf Waldberge.

Das hat mir heute richtig gut getan. Vielleicht ist ja dieser Bericht manchen ein Trost. Denn mittlerweile können sich viele unter Zunkunft nichts Schönes mehr vorstellen. Sie übersehen dabei, das solch ein wunderbarer Tag wie dieser, auch einmal nur unbekannte Zukunft war…

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Im Anstieg ca. 800 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 11,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Der großartige Bernhard Baumgartner hat sehr viel zu den Krokuswiesen bei Gresten in seinem feinen Blog zu sagen. (Abgerufen am 2.4.2016)

Leopold war natürlich (alle Tausender von NÖ) schon vor mir dort. (Abgerufen am 1.4.2016)

Von Wolfgang A. findet sich auf Gipfeltreffen ein Tourbericht von Norden (Kreuzkogelkapelle) kommend. (Abgerufen am 1.2.2016)

Auch Willy Kreuzer kennt sich in dieser Gegend bestens aus. Wie sein Bericht vom 3.4.2012 zeigt. (Abgerufen am 1.4.2016)

Mein elsterhaftes Verhalten hat mich diesmal ins Nest von Nicolas Bouvier geführt:

„(…) aber wer macht auf dieser Seite des Daseins keine Fehler“ habe ich mir aus „Die Erfahrung der Welt ausgeborgt“.

Die Bildbeschriftung erfolgte mit:

PanoLab  Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Version:  v 1.0.2    © 2007 Christian Dellwo.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region Ybbstaler Alpen (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.