Blockbuster am Traunsee – Der Traunstein

Er ist ein Blockbuster, ein felsiges Zentralgestirn. Durch seinen isolierten Standort überragt er jeden mit ihm sichtbaren Zweitausender – zumindest optisch, aber auf jeden Fall mit der Besucherzahl. Liebevoll „der Stoa“ genannt, wird er oft unterschätzt, und jährlich braucht es einige Hubschraubereinsätze, um verletzte oder auch verlaufene Bergwanderer in Sicherheit zu bringen.

Wiederum durch viele Berichte in diversen Bergsteigerforen neugierig geworden, mache ich mich mit Fredi auf den Weg. Wir wollen es klassisch halten, über den Naturfreundesteig aufsteigen und über den Hernler-Steig abklettern. In den Berichten ist auch von Parkplatznot und vielen Wochenendbesuchern die Rede. Darum nehmen wir uns am Mittwoch frei und sind überrascht, Parkplatznot und viele Besucher! So kenne ich das von keinem anderen Berg.

Ohne Hektik wandern wir zum Einstieg des Naturfreundesteiges. Wir warten brav bis auch wir mit dem Einsteigen an die Reihe kommen.  (Ganz so schlimm ist es nicht, aber schon ganz schön schlimm).

Der erste Ausblick über den See geht zu den Sonnsteinen schräg gegenüber.

Die Szenerie kann schon etwas und bereitet Vergnügen. Am steil aufragenden Sulzkogel vorbei, geht es fast immer sehr hurtig bergauf.

Die versicherten Abschnitte stellen nur für höhenängstliche Bergsteiger ein Problem dar. Sie sind ohne großes Geschick oder großem Kraftaufwand zu überwinden.

Die künstlichen Stufen sind gut gesetzt und bereiten Spaß.

Wir lassen uns Zeit und werden immer wieder von alten und jungen, dicken und dünnen Bergwanderern stöhnend und schnaufend überholt. Vielleicht beschleunigen ja die oftmals getragenen Turnschuhe den Aufstieg so entscheidend?

Der unglaubliche Ausblick von diesem Berg entschädigt uns für den Menschenauflauf. Bergeinsamkeit kann man ja auf vielen anderen Gipfeln finden.

Blick Richtung Gmunden.

Links der Erlakogel (1575 m), Ebensee (427 m) und rechts der Kleine Sonnstein (923 m).

Der heiße Tag verlangt nach ausgiebigen Schau- u. Trinkpausen. Wenn ich mich nicht täusche, rasten wir hier am sogenannten Überstieg. Diese Bezeichung stammt noch aus der Zeit, als der Steig über die steinschlaggefährdete Westwand führte.

Gut die Hälfte des Anstieges ist somit schon geschafft.

Immer wieder holen wir ehemalige Überholer wieder ein, um danach wieder von ihnen überholt zu werden.

Vom Austiegsgrat führt der Weg in dieses Schuttkar direkt zum „Bösen Eck“.

Seilversicherungen erleichtern den Durchstieg.

Eine der wenigen Gelegenheiten, Fredi ohne andere Bergwanderer zu fotografieren…

…nur wenige Minuten später schaut es anders aus.

Die Szenerie ist die Mühe allemal wert. Die Anlage des Naturfreundesteiges ist wirklich gelungen. Mir machen nur die Menschenmassen zu schaffen.

Kurz vorm Ausstieg beim Naturfreundehaus.

Das 1927 erbaute Naturfreundehaus auf dem Traunkirchner Kogel (1580 m).

Links der Fahnenkogel (1660 m) mit dem AV-Haus und rechts der Pyramidenkogel (1691 m) mit dem Gipfelkreuz.

Blick vom Ausstieg zum Höllengebirge.

Wir entschließen uns, vor der Einkehr in eine der Hütten, pflichtbewusst den Gipfel aufzusuchen.

Diesen erreichen wir auch nach kurzer Zeit, und es bietet sich in der sommerlich aufgeheizten Luft eine eigenwillige Gipfelschau. Selbst der Dachstein mit seinem verräterischen Weiß kann sich in der flimmernden Luft nicht verstecken.

Blick zu beiden Hütten: Links das Naturfreundehaus und rechts das AV-Haus.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfefoto Traunstein (1691 m).

Ganz nahe Gipfelziele: Links ist das Steineck (1418 m) zu sehen und der bewaldete, langgezogene Rücken rechts ist der Zwillingskogel (1402 m). Eine Überschreitung des Zwillingkogels von Grünau im Almtal zum Hochkogel (nicht mehr im Bild), geistert mir auch schon lange durch den Kopf.

Wenn es nicht so diesig wäre, könnte der Blick nach Norden schon fast mit der Erdkrümmung punkten. Diese liegt, wie man hier leicht erkennen kann, gleich hinter Wels.

Ein Gipfelbuch, das fast in Telefonbuchstärke aufliegt.

Schweißnasse Hemden werden gegen frische getauscht, und nach kurzer Gipfelrast (weil es einfach zu heiß ist) gehen wir zum AV-Haus.

Auf diesem Foto kann man ganz rechts den „Einstieg“ zum Hernler-Steig sehen. Aber zuerst geht es zur Hütte.

Blick zu felsdurchsetzen Wiesen und Latschen, darunter der See und darüber das Höllengebirge.

In der Hitze des späten Nachmittages, machen wir uns an den Abstieg. Der Steig beginnt gleich mit einer Seilversicherung.

Durch mächtige Wandabbrüche und Steilstellen leitet der Steig geschickt talwärts.

Immer milder wird das Licht.

Der Steig fällt die Wände abwärts, als wäre er vom Berg bei dessen Entstehung schon vorgesehen worden.

Manchesmal hilft auch Menschenhand mittels Leitern gehörig mit.

Ein gelungener Bergtag findet sein Ende. Für Einsamkeitssuchende ist seine Besteigung keine Empfehlung. Dies lässt sich schon alleine an den beiden, sich in unmittelbarer Nähe befindenden Schutzhäuser, ersehen. Ich habe die Besteigung nicht so schwer wie in manchem Tourenbericht geschildert, empfunden aber auch nicht so leicht wie andere Berichte suggerieren. Die Besteigung ist eine ernsthafte Unternehmung und sollte mit dem erforderlichen Respekt angegangen werden. Dieser schöne Berg verdient diese Achtung ohnehin.

Im Anstieg ca. 1255 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 7,4 km.

(Diesen Tourverlauf habe ich nachträglich eingezeichnet, es
handelt sich um keinen aufgezeichneten Track)

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB

Fleischmann (1981): Salzburger Land Salzkammergut. BLV Kombi-Wanderbuch, BLV Verlagsgesellschaft, München.

Hauleitner (2010): Salzkammergut Ost, Dachstein, Traunstein, Totes Gebirge. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Pichler (2001): Traunstein und Umgebung. Naturfreunde Österreich, Verlag Werner Pichler, Vöcklabruck.

Reinisch/Pürcher (1992): Erlebnis Salzkammergut. Verlag Styria, Graz.

 

 


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