Buchenberg im Winter

Buchenberg 790 m

Jahreszeitenserie über meine Besuche des Buchenberges (Obere Buchenbergkapelle).

Die Textierung ist für alle 4 Jahreszeiten sehr ähnlich. Ich habe nur die jeweils erforderlichen, kleinen Anpassungen vorgenommen.

Der Buchenberg mit seiner Oberen Kapelle ist der Hausberg der Waidhofener. Nur 790 m hoch bildet er die südliche Begrenzung der Stadt. Es gibt viele Wege zum Gipfel, von der Stadt sind 435 Höhenmeter zu bewältigen. Und so mancher Waidhofener leistet dieses Pensum täglich, an manchen Tagen sogar zweimal oder dreimal. Ich habe am heutigen Tag wie schon oft zuvor den Herrn Z. angetroffen. In diesem Jahr wird er 444 mal auf der Oberen Kapelle gewesen sein, und das in seinem 78. Lebensjahr. Das sind unvorstellbare 193.140  Höhenmeter! Solche “Hausherren” hat die Obere Kapelle einige. Auch mein Vater, 79 Jahre alt, bewältigte die 435 Höhenmeter vor zwei Jahren noch über 200 mal. Ich fand es die Jahre davor einigermaßen befremdlich, fast täglich auf den selben Berg zu steigen. Mittlerweile gehöre ich selbst zum erweiterten Kreis der Hausherren. Mit 100 Besteigungen in diesem Jahr habe ich allerdings einiges an Boden verloren. Das wunderbare am Buchenberg ist für mich, dass ich vor oder nach einem Arbeitstag, bei Finsternis und Schnee, ohne lange Autofahrt meinen Kopf “freigehen” kann. Ich erlebe den Wandel der Jahreszeiten fast Tag für Tag.

Beschreibung meiner Route über den Bußweg zur Oberen Buchenbergkapelle:

Ausgangspunkt ist die wunderschöne Allee zwischen Alpenstadion und Buchenberg.

In den Nachtstunden hat es stark geschneit. Die weiße Pracht liegt zwanzig Zentimeter hoch, und doch wird diesem Wintermärchen nur ein kurzes Dasein vergönnt sein. In zwei Tagen, bis zum Heiligen Abend, wird sich alles in Wasser verwandelt haben.

Im unteren Teil ist der Weg mit Geländer versehen, breit und von der Gemeinde bestens betreut…

…aber natürlich ohne Schneeräumung.

Sanft steigend wird man über den Sportanlagen (Tennisplatz, Kunstrasenfeld, Eisstockplatz, Alpenstadion) in die Höhe geleitet.

Knapp unterhalb der Unteren Kapelle – hier kann man am frühen Morgen gelegentlich Rehe sehen. Heute sehe ich keine Rehe aber den Sch. Hannes sehe ich vor mir. Er ist einer der Waidhofener Achtausenderbesteiger und besucht ebenfalls oft und gerne den Buchenberg.

Auf 440 m  erreiche ich auch schon die Untere Kapelle. Diese Kapelle wurde im Jahre 1854 erbaut.

Eine Besonderheit dieses Weges zur Oberen Buchenbergkappelle ist, dass ihn immer schon jemand gegangen ist. Soviel Schnee kann gar nicht liegen, eine Spur führt bereits zu ihr.

Man kommt zu einer Forststraße, geht 20 m links und findet dann den Kapuzinerbrunnen samt Abzweigung.

Auf diesem Foto gut zu erkennen: die Forststraße der Spaziergänger, Hundebesitzer, Läufer und Walker ist noch unberührt – aber der Weg zum Gipfel ist schon gespurt.

Es ist ganz still, nur ab und zu höre ich das dumpfe Aufschlagen von Schnee im Schnee, wenn Bäume sich von ihrer Last befreien.

In meiner Spätsommer-Beschreibung notiere ich für diese Stelle: „Ausblick auf Waidhofen – doch schon etwas Höhe gewonnen“. Das „sieht“ heute ganz anders aus.

Ich trage keine Kopfbedeckung oder gar Handschuhe, weil es dafür bereits zu warm ist.

Hier quert man den eigentlichen Rundwanderweg und steigt am Bußweg weiter auf.

Eine Stufenphobie sollte man nicht haben. Diesmal verschwinden diese fast unter der  Schneemenge.

Beim Ötscherblick war heute noch niemand, das wundert mich auch nicht, da die ersten Besteiger bereits in der Dämmerung oder sogar Finsternis des anbrechenden Tages gehen. Bettflüchtlinge allesamt.

Ich habe die Nebeldecke durchstoßen und bestaune dieses seltene Bild mit dem Eibenberg (779 m).

Auch der Glatzberg (904 m) ist nebelbegrenzt.

Es ist oberhalb des Nebels noch wärmer, und ständig tropft es von den Bäumen auf meinen Kopf.

Das Besondere am heutigen Tag ist für mich der gestrige. Der kürzeste Tag des Jahres war gestern und schon heute ist es wieder länger hell.

Selbst der Sonntagberg ist in den Nebelfluten nicht zu sehen.

Die Obere Buchenbergkapelle wurde im Jahre 1852 von den Bauersleuten Josef und Josefa Seisenbacher vom Untergrasberg “zu Ehren unserer lieben Frau, der glorreichen Maria”, errichtet. Angeblich soll es zu Gebetserhörungen gekommen sein, und eine Wallfahrt entwickelte sich. Die Pilger hinterließen Danksagungen und Heiligenbilder. (Diese Informationen stammen von Fr. Mag. Eva Zankl, Stadtarchiv W/Y).

Eines meiner Lieblingsmotive ist dieses unvergleichliche Fenster.

Wallfahrer kommen keine mehr, aber die Waidhofener bringen die Totenbilder ihrer Verstorbenen zur Kapelle.

Die Rückseite meines Lieblingsmotives. Umrandet von Totenbildern scheint es auch ein Fenster zwischen den Welten zu sein.

Der Abstieg im dämpfenden, abfedernden Schnee bereitet selbst in den steilen Passagen Vergnügen.

Dies war meine siebenundneunzigste Besteigung der Ob. Kapelle in diesem Jahr, und trotzdem bin ich der Meinung, heuer viel zu selten auf dem Buchenberg gewesen zu sein.

Diese Wintertour zeigt ein gänzlich anderes Bild als eine Herbstwanderung am selben Weg.

Wie nahe liegen doch unterschiedliche Lebenswelten beieinander. Zum Glück wird der Lärm vom Fuße des Berges nicht in die Stille oberhalb der Stadt hochgespült.

Im Anstieg ca. 435 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 3,73 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Angaben zur Oberen Buchenbergkapelle: Mag. Eva Zankl, Stadtarchiv W/Y


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.