Die Trinität und der Triebenkogel, der leider kein Dreitausender ist

Heute erfolgt mein dritter Besteigungsversuch des Triebenkogels (2055 m). Einmal schwächelte zur Abwechslung nicht ich, sondern die Ausrüstung, und ein andermal war dem feinen Herrn Tourengeher das Wetter zu schlecht. Es gibt Bergsteiger, die brauchen für den Nanga Parbat weniger Anläufe, aber was soll’s. Die Drei ist überhaupt die Zahl der Stunde. Dreieinig sind wir unterwegs: Alfred und Josef begleiten mich auf der Vollendung meiner Trieben-Triologie:

Triebenstein (1810 m) am 8.6.2013 Triebendreieck01

Triebenfeldkogel (1884 m) am 22.9.2013

Triebenkogel (2055 m) am 19.2.2015

Bei unserer Abfahrt in Waidhofen ist es noch nebelig diesig, aber nicht kalt. Hell und sonnig, aber dafür sehr kalt, ist es im Triebental. Minus 9 Grad, da schmerzen die Zähne wieder. Am Parkplatz beim Gasthaus Braun treffen wir nur auf ein Pärchen, das sich ebenfalls mit steifgefrorenen Fingern und vielleicht auch Zahnschmerzen bereit macht.

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Mittlerweile ist mir der Weg schon öfter vorgestellt worden und darum gut bekannt: Beim Gasthof Braun über die große Wiese zur Forststraße und diese immer dem Ardlingbach entlang. Neben dem Bach ist es auch gleich noch kälter. Über festgefrorene Schatten zieht die Spur hoch.

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Die bachgegebene Temperaturanzeige: Jedes Minusgrad hat hier seinen eigenen Eiszapfen.

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Etwas ist diesmal doch anders. Die breite Spur wechselt die Bachseite…

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…und führt das letzte Stück auf der anderen Seite…

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…zur Kälberhütte (1442 m).

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Auf der großen Wiese bei der Kälberhütte können wir erstmals zu Kreuzkogel (2027 m) und Geierkogel (2231 m) sehen.

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Obwohl schon eine ganze Weile unterwegs, sind wir noch gut eingepackt.

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Als Verheißung und Versprechen sehen wir die Abfahrtsspuren unserer vortägigen Vorgänger. Dort wollen wir auch in der Mittagssonne unsere Spuren hinterlassen. Vor dem Vergnügen kommt aber noch die Plag‘. Hier fällt mir auch noch ein Jan Rys Zitat ein: „Das Bergsteigen wird durch die Existenz von Bergen sehr erschwert“.

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Die breite Spur zieht jetzt nicht ins Braunkar, sondern nimmt den steilen Waldanstieg zwischen Schlapfen und Kar. Das ist jetzt nicht so malerisch wie der Weg durchs Braunkar, aber viel effektiver.

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Erster Rückblick zur Kälberhütte. Dahinter der Grat mit dem Vöttleck (1888 m).

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In vielen Kehren…

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…an vermoosten Baumskulpturen vorbei, zieht die Spur hoch.

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Fast an jeder zweiten Kehre finden sich gelbe Pinkelspuren im Schnee. Das gelbe Gold wurde allerdings bloß in homöopathischen Dosierungen abgegeben. Nur hingetröpfelt (geschüttelt), für einen steten gelben Faden hat es offensichtlich nie gereicht. Die Theorien zu solchen Erscheinungen reichen vom schneefressenden und darum in der Kälte oftmals pinkelnden Hund, über den älteren Schibergsteiger mit einer vergrößerten Prostata oder der Freundin, die sich nicht von der Spur weg ins Gelände traut. Lustiges zu diesem Thema „Brunzn in der Natur“ erfährt man in einer Diskussion auf gipfeltreffen.at. Weiters hat einer der Moderatoren auf diese amüsanten Skitouren-Verhaltensregeln verlinkt.

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Die Waldzone lichtet sich, und der Hang legt sich sogar ein wenig zurück. Die Spuranlage unseres unbekannten Vorgängers verrät den Gebietskenner. Idealer kann man nicht in der Flanke des Berges hochwandern. Sorgen mache ich mir nur um die Sonne, die droht nämlich den Hang hinunterzukugeln.

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Der Wald gibt auf. Wir aber nicht.

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Der breite, langgezogene Rücken ist schon ein wenig abgeblasen, aber gerade noch ohne Steigeisen machbar. Ein vertrautes Geräusch in dieser Kälte ist das rythmische Knarzen unserer Bindungen.

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Immer magischer wird der Tag. Mit jedem Schritt am Berg wird es blauer und blendender um uns.

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Opulentes Silberlicht und völlige Windstille verwandeln diesen niedrigen Zweitausender in einen Zauberberg.

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Wir erreichen den Gipfelrücken und werden von der Aussicht überrascht. Schon R. Musil wusste: „Aussichten, die noch nicht erreicht sind, lassen sich auch nicht vorhersehen.“ Hinter den ersten aufragenden Gipfelfelsen weitet sich der Horizont.

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Die letzten einfachen Meter über den abgeblasenen und windgeschundenen breiten Kamm, und dann ist es geschafft…

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…obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Triebenkogel (2055 m).

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Komplizen im Glück.

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Im Wirtshaus die Essensrestln einpacken und in der Alufolie heimtragen ist ja mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert – es wird sogar eingefordert.

So ähnlich ergeht es uns heute mit der Aussicht. Die ist unpackbar. Die ist selbst für unseren langen Gipfelmoment überreichlich. Und so werden unsere Kameras zur digitalen Alufolie, und wir tragen lustvoll Aussicht auf Vorrat nach Hause.

Große Grießstein (2337 m), Triebenertörl (1905 m) in der Bildmitte der Knaudachkogel (2227 m) .

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Vom Triebener Törl weiter auf den gut besuchten Sonntagskogel (2229 m) und…

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…weiter auf den Geierkogel (2231 m) mit seinem Doppelgipfel.

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Diese optische Völlerei erzwingt bei Fredi eine Auszeit.

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Ich kann aber noch. Im Vordergrund das Wirtstörl und der Kreuzkogel (2027 m). Im Hintergrund die Bösensteingruppe (2448 m) bis zur Hochhaide (2363 m).

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Im Vordergrund der Grat bis zur Kreuzkarschneid (1825 m). In der Bildmitte der felsige Triebenstein (1810 m). Dahinter der Scheiblingstein (2197 m), Große Pyhrgas (2244 m) und Bosruck (1992 m). Vor dem Pyhrgas ist der Pleschberg (1720 m) gut zu sehen.

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Ennstaler Alpen und Eisenerzer Alpen.

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Im Zoom-Vordergrund: Auch das Pärchen scheint im Gipfellungern sehr geübt zu sein. Im Hintergrund die Hochtorgruppe (2369 m), der Tamischbachturm (2035 m),  Hochzinödl (2191) und Stadelfeldschneid (2092 m).

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Unverkennbar in der Mitte der Eisenerzer Alpen: der Lugauer (2206 m).

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Im Vordergrund der Triebenfeldkogel (1884 m) und dahinter der Himmelkogel (2017 m), das Himmeleck (2096 m) und der Griesmoarkogel (2009 m).

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Es hört einfach nicht auf:

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Aber jetzt ist Schluss, denn die Abfahrt ruft bereits laut nach uns. Wie dieser Blick zeigt, ist die Abfahrt direkt vom Gipfel ins Braunkar nicht machbar. Darum entscheiden wir uns, den Gipfelrücken zurückzuwandern…

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…und über den windgepressten oberen Abschnitt abzufahren und noch vor den ersten Bäumen…

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…ins Braunkar auszuweichen. Das war eine kluge (glückliche) Entscheidung. Unverspurte Hänge warten auf uns. Aus untracked powder machen wir funtracked powder. Yeaahh!

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Bei so einer einsamen Abfahrt, über glänzende Silberhänge, kommt man mit dem Wesen dieser Landschaft ins Gespräch. Aber auch zurück…

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…zur Kälberhütte.

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Und wie im Aufstieg so sehr ersehnt, tragen wir uns tatsächlich ebenfalls in die weißen Hänge oberhalb der Kälberhütte ein.

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Der bessere Schifahrer muss manchmal in der warmen Sonne auf die willigen aber weniger geschickten Kollegen warten.

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Auf der Forststraße heißt es laufenlassen. Ich bin schnell. Und den Begriff Bleifuß wandle ich hier zum Bleischi.

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Dieser traumschöne Tag findet zuerst unter einer Nebelsonne,…

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…danach bei einer Fritatten-Suppen-Sonne und zum guten Schluss…

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…im warmen Gold der leuchtenden Biersonne sein würdiges Ende.

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Im Anstieg ca. 1010 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 10,9 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Auferbauer (1986): Ostalpen Band 4. AV-Skiführer, Bergverlag Rother, München.

Auferbauer (2004): Schitourenparadies Steiermark. Verlag Styria Pichler, Graz.

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Buchenauer(1975): Verliebt in die Heimat. Leykam Verlag, Graz.

Schall et al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost. Schall Verlag, Alland.

PanoLab  Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Version:  v 1.0.2    © 2007 Christian Dellwo.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.