Eisenerzer Reichenstein

Am 14. August 2002 wurden wir bei Sturm und Nebel von unserem Freund Franz auf den Eisenerzer Reichenstein geführt. Vor lauter Sturm hat es nur zur Hütte und nicht zum Gipfel gereicht.

Diesmal haben wir den Wetterbericht genauer studiert und sind an diesem Wunschtag nach Eisenerz gefahren.

In der Morgenschwüle fotografiere ich unser Tagesziel. Der Erzberg drängt sich ebenfalls auf das Bild.

Am Parkplatz des Präbichlerhofes herrscht schon geschäftiges Treiben. Viele kleine Gruppen verraten durch sympathisches, lautes Bellen ihre steirische Herkunft.

Für den heutigen Tag werden Temperaturen über 35 °C angekündigt. Sogar um 6:30 Uhr hat es schon weit über 20 °C.

Wir wollen zügig an Höhe gewinnen, um der ebenfalls rasch ansteigenden Temperatur davonzusteigen.

Im Hintergrund kann man gut erkennen, wie selbst die Kühe schon in den Morgenstunden Abkühlung suchen.

Der Blumenreichtum verzögert aber unseren zügigen Aufstieg. Wir tauchen in ein Meer aus Farben und Gerüchen.

Alpen-Ampfer

Brauner Storchenschnabel

Durch den hohen Ausgangspunkt dieser Wanderung, befinden wir uns schon bald in der Latschenzone.

Alpen-Leimkraut

Kugelige Teufelskralle

Alpen-Aster

Karthäuser Nelke

Wald Storchenschnabel

Wir meinen, im Bereich des Grüblzinkens, Steinböcke sehen zu können. Ohne Fernglas bleibt es aber bei einer Vermutung.

Wir erreichen das Obere Grübl. Vor zehn Jahren gab es hier noch eine Herde zotteliger Hochlandrinder. Jetzt schaut es nicht so aus, als würden diese Rinder noch aufgetrieben werden.

Im kleinen Schmelzwasserteich können wir eine große Anzahl an Molchen sehen. Wie Miniaturkrokodile schweben sie im Wasser.

Wie hingemalt zeigt sich unser Bergziel. Dunkles Grün im blauen Himmel mit leichten Grautönen akzentuiert.

Blick zum Rösselhals, bittere Schafgarbe im Vordergrund.

Rössel (1855 m).

Tiefblick zum Anstiegsweg und zum Präbichl.

Am Rösselhals angekommen, können wir dem Erzberg in die Rückseite blicken. Schwarzenstein, Stadlstein, Wildfeld und Kaiserschild sind ebenfalls erstmals zu sehen. Links der Bildmitte: Auf der Stang (1716 m)

Jetzt folgt die Querung im steilen Wiesenhang an der Westseite. Dieser Wegteil ist für mich der schönste Abschnitt der Wanderung. So stelle ich mir eine Andenwanderung oder Wege in Patagonien vor. Wir habe Glück, und können, durch die noch tief stehende Sonne, diesen Wegabschnitt im Schatten gehen.

Im Aufstieg entscheiden wir uns für die Stiege. Ein kurzer, mit Leitern gesicherter Felsaufschwung.

Diese Stiege kann auf dem Normalweg umgangen werden. Im Abstieg wollen wir diesen Normalweg gehen.

In steilen Kehren geht es im wahrsten Sinne des Wortes der Sonne entgegen.

Am Kamm eingetroffen, geht’s rechts zur Hütte und links zum Gipfel.

Es wird mir nicht gelingen, ein Gipfelkreuzfoto ohne Menschen zu machen. Menschenansammlungen, selbst kleine, bekommen mir nicht mehr, heute macht es mir nichts aus.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Eisenerzer Reichenstein (2165 m).

Grüblzinken (1990 m).

Vordernberger Zinken (1971 m).

Reichensteinhütte (2136 m) und dahinter der Westgipfel (2143 m).

Brandstein (2003 m), Frauenmauer (1827 m), Großer Ebenstein (2123 m), Polster (1910 m), TAC Spitze (2019 m), Hochwart (2210 m) und Hochschwab (2277 m).

Hochblaser (1771 m), Kaltmauer (1929 m) und Pfaffenstein (1871 m).

Hohe Lins (2028 m), Wildfeld (2043 m), Törlstein (1860 m), Stadelstein (2070 m) und Schwarzenstein  (1953 m).

Blick in das Obere Grübl und zum Rössel (1855 m).

Wir steigen vom Gipfel ab und gehen am Reichensteinhaus vorbei, über das Plateau zum Westgipfel (2143 m).

Dabei ergeben sich wunderbare Tiefblicke. Hier kann ich den Krumpenhals erkennen und gegenüber die Hohe Zölz (1897 m). Erst vor zwei Jahren habe ich sie bestiegen.

Blick auf den Theklasteig (Reichenstein – Reichenstein Überschreitung).

Dieses Plateau zeigt viele überraschende Gesichter.

Nur wenige Gehminuten vom Gipfel entfernt, ist es wunderbar still.

Ich erlaube mir aus Buchenauers „Bergwandern in der Steiermark“ zu zitieren: „Der reiche Berg ist auch reich gegliedert. Das erscheint einem, sieht man ihn aus der Ferne, fast nicht glaublich, ist der Eisenerzer Reichenstein doch von klotzartiger Form. In der Nähe aber erst erkennt man, wie weit seine Gratarme und Kämme hinausgreifen, wie breit und tief die Felskare sind, wie vielgestaltig die Wände…“

Der Westgipfel ist eigentlich kein Gipfel, nur eine sanfte Erhebung. Es gibt auch kein Gipfelkreuz. So wandern wir immer den Ostabbrüchen entlang, zurück zur Hütte.

Der Felsengrat der Rauchkoppe (1836 m). Diese habe ich über die Linsalm ebenfalls vor zwei Jahren mit Reinhard bestiegen.

Zu den folgenden Bildern möchte ich nochmals aus Buchenauer zitieren: „So ist der reiche Berg auch reich an Blumen und Pflanzen. Auch das Panorama vom Reichenstein ist reichhaltig“.

Blick zum Vorbau der Hohen Zölz  – dem Hüttstein.

Der Krumpensee und die Krumpenalm auf ca. 1416 m. Von der Hirnalm leicht zu erreichen und als eigenes Wanderziel auch ohne Gipfel einen Bergtag wert.

EEReichenstein_214 (CC)

Blick zu Gipfel und zur Roten Rinne. Spezialisten fahren diese Rinne im Winter mit Schiern ab – sofern sie über die Gipfelwechte kommen.

Vor dem Abstieg leisten wir mit Durst und Begeisterung unseren Hüttenerhaltungsbeitrag. Obwohl die Hütte mit Hubschrauber beliefert werden muss, sind die Getränke und der Topfenstrudel gar nicht teuer. Und obwohl viele Gäste zu versorgen sind, werden wir schnell und sehr freundlich bedient.

Im Abstieg auf dem Normalweg können wir den Anstiegsweg gut überblicken.

Im Frühjahr ist der Normalweg durch steile Schneefelder mitunter gefährlicher, als der vermeintlich schwierigere Weg über die Stiege.

Wir holen schon einmal Schwung, um damit das Rössel zu besteigen.

Auf verwachsenen, verdeckten Steigspuren, geht es nochmals aufwärts.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Rössel (1855 m).

Wir halten uns aber nicht lange am Gipfel auf. Die Hitze des Tages setzt uns schon spürbar zu.

Molch an Land. Vielleicht ist es im Tümpel schon zu warm?

Nach Durchschreiten des letzten Drehkreuzes…

…an hitzegeschädigten Kühen vorbei…

…in knieschonender Abstiegsweise…

…mit letztem Blick zur Leobner Mauer (1870 m), findet dieser heiße, lange, schöne Bergtag sein Ende.

Im Anstieg ca. 1030 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 11,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Buchenauer (1976): Bergwandern in der Steiermark. Tyrolia Verlag, Innsbruck.

Peterka (1982): Eisenerzer Alpen. AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Scharfetter/Buchenauer (1978): Eisenerzer Alpen, Bergwandern, Klettern, Schifahren. Verlag Styria, Graz.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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