Friesling – Prolling Stein – Reutberg

Die waldfreie Hochfläche des Friesling ist eine Aussichtsplattform aller erster Güte, und im späten Frühjahr zündet sie jedes Jahr ein Blumfenfeuerwerk im Sinne Andre Hellers. Angeblich war Frank Stronach mit dem Hubschrauber hier, um eventuell die Jagd zu pachten. Ob dies stimmt, weiß ich nicht . Was ich weiß ist, dass der Friesling zu jeder Jahreszeit einen Besuch lohnt.

Ich parke an der Straßeneinmündung zur Prolling, um mir bei der Rückkehr den Wiederanstieg auf die Große Kripp zu ersparen.

Ich gehe die wenigen Meter zur ersten Kehre der Straße und biege in einen dort einmündenden Ziehweg ein. Dieser soll mich zu einem Steig auf die Grosse Kripp führen. In der Kompasskarte ist er sogar als markierter Steig von der Grossprolling kommend verzeichnet. Den Steig gibt es so nicht mehr. Reste davon genügen mir aber, um auf die große Wiese am Scheitel der Kripp zu gelangen.

Reutberg_002 (CC)Der nicht markierte Pfad hat seinen Beginn dort, wo die Wiese endet, im rechten Winkel von der Forststrasse weg. Nur wenige Meter, und man findet ein unübersehbares Steiglein.

Dieser Weg bietet den kürzesten Anstieg auf den überaus lohnenden Friesling mit seinen beiden Gipfelkreuzen. Aber trotzdem braucht es noch 643 Höhenmeter durch steiles Waldgelände.

Immer wieder quert der Anstieg die Forststraße. Steinmänner weisen mir den Weiterweg.

Selbst im Winter wird der Friesling durch diese Waldschluchten bestiegen. Zwar nicht so oft, wie das gegenüberliegende Alpl (mit 1405 m die höchste Erhebung des Bauernbodens bzw. Oisberges).

Ein Insektenhotel der Extraklasse mit echten Appartments im oberen Bereich.

Eine der seltenen Ausblicksmöglichkeiten im Aufstieg. Man kann die Straße auf die Große Kripp erkennen, dahinter Opponitz und den Wetterkogel.

Es gibt eine heikle Stelle im Aufstieg und zwar dreht der Weg in die Südseite des Berges, und hier zweigt der Aufstieg am Kamm ab. Diese Stelle ist ausreichend auffallend und mit Steinmännern gekennzeichnet.

Zum letzten mal quere ich im Aufstieg die Forststrasse. Hier führt der Weg erst hundert Meter vom Ausstieg entfernt weiter.

Jetzt folgen die steilsten Höhenmeter – aber dafür mit Ausblick. Bei fortgeschrittener Vegetation wird der Steig wild überwuchert, und man muss achtgeben, ihn nicht zu verlieren. Aber wiederum reichen im bildlichen Sinn Steinmänner helfend die Hand.

Reutberg_021 (CC)Das schneebedeckte Alpl grüsst herüber.

Kurz vor dem Gipfel steht eine Bank mit toller Aussichtsmöglichkeit.

Der südwestliche Gipfel (1339 m) mit Gipfelkreuz und Gipfelbuch…

…und herrlicher Aussicht: Hallermauern, Voralm, Buchstein und vielen anderen.

Reutberg_029 (CC)Reutberg_033 (CC) Dürrenstein

Das Schmuckstück des Frieslings ist die große Gipfelwiese. Für Botaniker im Frühsommer eine Quelle der floralen Inspiration. Am anderen Ende der Gipfelfläche findet sich das zweite Gipfelkreuz am „richtigen“ Gipfel.

Ich habe Zeit und genieße die Ausblicke in meine unmittelbare Heimat.

Reutberg_044 (CC)Das große Gipfelkreuz am Friesling (1340 m) liegt etwas versteckt und bietet nicht die Ausblicke des kleinen Bruders.

Bild vom Gipfelkreuz in Richtung des kleinen Kreuzes.

Mein Weg führt mich in nördliche Richtung, den Kamm entlang. Beachtliche Schneemengen finden sich noch, aber auch ohne Schneeschuhe komme ich gut voran.

Ich begegne einem Fuchs noch in seinem Winterpelz. Auf wenige Meter Entfernung blicken wir uns an, und wie ich zur Kamera greife, dreht er um und verschwindet, ohne dass ich ein Foto machen kann.

Dass in diesen Bereichen die Jäger das Zepter in der Hand haben, ist alleine an diesem exklusiven Überstieg erkennbar. Vielleicht ist der nächste bereits betoniert.

Diese elenden Wildzäune finden sich zumeist im Kammbereich der Voralpenberge. Außer dass ich sie häßlich und lästig finde, fällt mir nichts dazu ein.

Eine Gipfelneuentdeckung: Der Prolling Stein (1204 m). Es gibt ihn auf keiner Karte, aber hier ist der Beweis. Einmal „beschönigt“ fotografiert und ein andermal…

…ohne Retusche.

Zum Reutberg ist es jetzt nicht mehr weit, und leider brauche in nur dem Zaun folgen.

Fast unverzichtbar aber obligatorisch: Gipfelfoto Reutberg (1192 m).

Links der Maisberg und rechts der Prochenberg.

Jetzt folgt der weniger angenehme Teil der Tour. Der Rückweg lässt sich im steilen Gelände nur über die nordwesliche Forststraße bewerkstelligen. Dazwischen gibt es aber immer wieder Lichtblicke, wie dieser riesige Seidelbaststrauch.

Selbst am Sonntag wird im Holz gearbeitet. Ich grüße freundlich und werde ebenso freundlich zurückgegrüßt. Bei uns im Ybbstal gilt eben die Hut-in-der-Hand Regel noch.

Hier versuche ich einen Überblick zu einem Teil des überschrittenen Grates zu geben – dafür brauche ich alleine drei Fotos.

Meine Frau hat mir erklärt, dass es sich bei Obstbäumen mit einem Rotanteil in der Blüte um Apfelbäume handelt und die…

…Weißblühenden sind Mostbirnbäume.

Die letzten Meter vor der asphaltierten Straße kann ich über Wiesen gehen, und dabei versuche ich auch, den in der Kompasskarte eingezeichneten markierten Weganfang zu finden. Erfolglos! Ich finde keine Spuren, die auf einen begangenen Weg hinweisen.

Im Anstieg ca. 855 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 16,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

 

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.