Gemeindealpe (1626 m) und Brei(n)mauer (1489 m)

Die Gemeindealpe habe ich bis zum heutigen Tag nicht aufgesucht. Mit ihren Gipfelaufbauten und Liftanlagen zählte sie nicht zu meinen bevorzugten Gipfelzielen. An diesem Herbsttag halte ich es anders und besuche sie. Diese Wanderung beweist auch wieder einmal, dass sich beim Wandern das Schöne oft ungeplant und unerwartet zeigt.


Ich habe vormittags in Lunz am See zu tun und nehme mir den Nachmittag frei. Ich will den verbliebenen Tag noch nutzen und die Gemeindealpe ausgehend vom Zellerrain besuchen. Ein wunderschöner, milder Herbsttag liegt in der Luft.

Vom höchsten Punkt der Straße führt eine rot markierte Zufahrt zum Hochbauern.

Erster Ausblick über die Mariazeller Bergwelt.

Nach kurzer Aufstiegszeit erreiche ich den Brunnsteinsattel. Hier zeigt sich das Ziel meiner heutigen Bemühungen bereits mit seinen mächtigen, künstlichen Gipfelaufbauten.

Auch der Erlaufsee ist in der Tiefe zu erkennen.

Viel zu schnell taucht vor mir die Brachalm und der zweite Eiserne Herrgott auf. Eigenartigerweise gibt es bereits auf 1409 m einen Eisernen Herrgott und ebenso hier auf 1468 m.

Einige Wanderer sitzen in der milden Herbstsonne vor der Jagdhütte auf der Brachalm.

Hier beginnt auch der reizvollste Teil der Wanderung über den breiten, gratähnlichen Rücken zur Alpe.

Latschen signalisieren den zunehmend alpineren Teil dieser Wanderung.

Mich überrascht, dass der Weg überhaupt nicht in den Boden gefurcht oder ausgetreten ist. Die Markierung führt über echtes Wiesengelände zum Rücken.

Obwohl windstill, wandern die Nebelfetzen in steter Bewegung über die Berghöhen.

Der Ötscher durchstößt die Nebeldecke nur mit dem obersten Teil seines Rundrückens.

Ein Bild wie aus dem Flugzeugcockpit fotografiert.

Der weniger mystische Teil der Wanderung spielt sich rund um den Gipfelaufbau ab. Lustige, und vor allem lärmende Wandersfrauen (Stimmen wie Glockenklänge), belagern den Gipfel. Und weil ich mich nicht so exponieren will, verzichte ich auf mein sonst so obligatorische Gipfelfoto: Gemeindealpe auf 1626 m.

Die Aufbauten rund ums Terzerhaus.

Im Abgehen gelingt mir doch noch ein Bild vom Gipfelkreuz ohne Gipfelstümerinnen.

Ich verweile nicht lange und trete den Rückweg über den Wolken an. Gleich nach dem Eisernen Herrgott verlasse ich den markierten Weg und gehe über den Rücken, um noch die Brei(n)mauer aufzusuchen. Die korrekte Schreibweise der Brei(n)mauer kann ich nicht klären. In der BEV Karte wird sie ohne „n“ geschrieben. In der Kompasskarte und vielen Internetbeiträgen wird sie mit „n“ geschrieben. Rührt diese Schreibweise aus der oftmaligen Verwendung der evtl. falschen Schreibweise in der Kompasskarte her, oder liegt einfach die BEV Karte falsch?

Diese Nebelspiele, einmal eine dichte Nebelwand danach wieder klare Blicke in alpine Almlandschaften, erinnern mich an ein wandelbares Labyrinth.

Die Nebelwatte erstickt alle Geräusche. Selbst die Vogelstimmen der Zurückgebliebenen werden von ihr geschluckt.

Auch das Licht wird von diesem großen Nebeltier verschlungen.

Und selbst der Gipfel scheint ein Opfer dieser ungreifbaren Materie geworden zu sein.

Die Sonne schafft den Durchbruch und weist mir den Weg zum „Gipfel“ Brei(n)mauer (1489 m).

In diesem Nebellicht erlangen die Dinge neue Bedeutung.

Im Wanderführer von Bernhard Baumgartner werden viele Dolinen und durch Karrenbildung zerfurchte Felsriegel beschrieben. Auch die tolle Aussicht zu Ötscher, Kräuterin und Fadenkamp lobt er im Führer. Diese An- und Aussichten habe ich heute natürlich nicht. Trotzdem hat mir dieser Nebeltag die mangelnde Aussicht mehr als ausgeglichen und ganz besondere Impressionen geschenkt. Eine wunderbare kleine Wanderung, die ich eventuell im Winter mit Schneeschuhen oder Schi wiederholen möchte.

Im Anstieg ca. 620 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 12,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Baumgartner (2006): Wandererlebnis Mariazeller Land und Ötscher. Residenz Verlag, St. Pölten.

Baumgartner/Tippelt (1998): Wandererlebnis Ötscher, mit Natur & Schitourenführer. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten.

Hauleitner (2003): Ötscher, Mariazell, Türnitz, Traisentaler Berge. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.