Größtenberg bei Gaflenz und Hirschkogel

Den langgezogenen Bergrücken, der mit seiner höchsten Erhebung, dem Wetterkogel (1115 m bzw. 1111 m), das Ybbstal von Oberland trennt, habe ich bereits vom Saurüssel bei Weyer bis zum Glatzberg (904 m) überschritten. Die direkten Zustiege von Gaflenz kenne ich noch nicht. Darum will ich heute über das Bürgertal bei Gaflenz auf den Hirschkogel gehen.  Bei noch ausreichender Schneelage idealerweise mit Schi. Mit einem kleinen Umweg gibt es auch einen Bonusgipfel fürs Tourenbuch, den 907 Meter hohen, bewaldeten Größtenberg.

Schmutzig grau ist der Himmel, selbst der Schnee scheint mausgrau diesen zu imitieren. Ich parke mein Fahrzeug am Straßenrand und gehe mit den Skiern auf der Schulter zu diesem Bauernhaus (Wieden).

Gleich hinter dem Bauernhaus kann ich die Ski anschnallen und den gut markierten Weg durch das Bürgertal nehmen. Für den Aufstieg liegt noch genug Schnee, ob die Abfahrt bis hierher auch möglich sein wird?

Ich brauche diese einsamen Touren. Sogar das Wetter passt mir so wie es ist. Es ist eine inwendige Angelegenheit. Nicht reden müssen, trödeln zu können, langsam sein dürfen. Nichts Spektakuläres erwartet mich. Viel bereits Bekanntes, Vertrautes aber auch Neues. Nicht nur außerhalb, auch in meinem Kopf.

Der Weg ist nicht zu verfehlen. Zum einen gibt es gute Markierungen, zum anderen folgt der Anstieg einem logischen Verlauf.

Einmal sieht es so aus, als würden den Bäumen Beine wachsen…

…dann entdecke ich die Stimmgabel des Waldes, mit der der Westwind seinen Kammerton findet.

HirschkogelBuerger_015 (CC)

Die jungen Nadelbäume sind noch mit Winter vollbepackt. Einzigartig verschwiegen ist die Landschaft.

So etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Auf einer Aufforstungsfläche befindet sich auf jedem Schneehügel…

…ein Gipfelkreuz? Grabkreuz? In Afrika gibt es Elefantenfriedhöfe, und bei uns Friedhöfe für katholischer Waldmäuse? Wo werden die Waldmäuse anderen Glaubens begraben? Fragen über Fragen bedrängen mich bei diesem Anblick. Darüber nachsinnend gehe ich weiter.

Ich zweige vom markierten Weg ab, um auf den Rücken des Größtenberges zu gelangen. Durch eine Schneise im Buchenwald komme ich in kurzer Zeit zum bewaldeten Grat.

Ein kurzes Stück am „Grat“ entlang…

…bleibt mir der Ausblick zu Breitenauer Spitz (1142 m) und Gaflenzer Kaibling (1167 m) verwehrt.

Ich erreiche das Gipfelplateau, und mangels Vermessungszeichen oder erkennbarer Erhöhung entscheide ich, den Gipfel hier zu sehen.

Obligatorisch und unverzichtbar Gipfelfoto: Größtenberg (907 m).

Beim Weiterweg bleibe ich am „Grat“, bis ich wieder zum eigentlichen markierten Aufstieg gelange.

Nochmals quere ich eine Forststraße und komme zum vorletzten Anstieg.

Die ganze Tour zeichnet sich durch das Fehlen jeglicher Schwierigkeit oder Steilheit aus. Sie führt immer in einer milden Steigung aufwärts. Orientierungsschwierigkeiten macht diese Tour ebenso wenig. Der nordseitige Anstieg lockt mich auch mit einer  schattigen Sommerbegehung.

Nach einer letzten Querung komme ich ein wenig oberhalb der alten Amstettnerhütte zu den Skipisten der Forsteralm. Bemerkenswert ist, dass diese Hütte 1931 auf oberösterreichischem Gebiet errichtet wurde und der Neubau nicht weit davon entfernt 1959 auf niederösterreichischem Gebiet. Ich kann oberhalb der Piste den bereits einmal beschriebenen letzten Wegabschnitt (Von den Malediven zum Hirschkogel) gehen.

Duden: der Wíndstrích, plural die -e, die Richtung des Windes, und die Linie, wodurch selbige angedeutet wird

An diesen Bäumen hat sich diese Linie materialisiert. Hier hat jeder Baum, aber auch wirklich jeder, seine eigene Linie.

Wie ein Westalpen-Gipfelkreuz, von Kälte und Sturm gezeichnet, präsentiert sich das Kreuz am Hirschkogel sogar mit Anraum.

Ich gehe noch ein kurzes Stück zum höchsten Punkt und betrachte den möglichen Weiterweg am Bergrücken. Auch die Landesgrenze zwischen Oberösterreich und Niederösterreich verläuft diesen entlang. Ob man ihn in seiner ganzen Länge auch mit Ski überschreiten kann? Warum nicht. Wieder ist eine Idee entstanden. So geht’s mir ständig. Ich muss sehr gesund sehr alt werden, um nur einen Bruchteil dieser Ideen zu verwirklichen.

Für den Rückweg nutze ich die Skipiste und biege oberhalb der Amstettner Hütte ab.

Für ein kurzes Stück lege ich nochmals Felle an. Ohne Felle ist auch der kürzeste  Anstieg sehr mühsam. Danach fahre ich neben der Aufstiegsspur ab. Geradeso reicht der Schnee noch, um ohne einzufädeln durch den Wald zu kommen. Im unteren Teil bleibe ich auf der Forststraße.

Am guten Schluss rascheln meine Ski schon am Straßenschotter. Das letzte Stück trage ich meine „Steinki“. Weiterfahren käme einer mutwilligen Skiquälerei gleich, das will ich meinen Gefährten nicht antun.

Diese Tour gleicht eher eine Skiwanderung. Die Abfahrt durch den Wald kann aber bei großen Neuschneemengen schon Fahrfreude aufkommen lassen. Ich werde aber sicher wiederkommen und diese Tour wiederholen, auch im Sommer aufsteigen und eine Runde drehen. Die Eroberung des Nahen bereitet mir großes Vergnügen und wird fortgesetzt.

Im Anstieg ca. 660 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 10 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.

Meine Quellen:

Ausschnitt aus Kompass Logo Karte 4309, Österreich digital.
ⒸKartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Lenzenweger (2009): Eisenwurzen, Nationalpark Kalkalpen. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.