Gute Zeit am Grete-Klinger-Steig

 
Sehr oft verantwortet man selbst gute Stunden im eigenen Leben. Für einen Bergwanderer wie mich, verspricht der Grete-Klinger-Steig solch gute Zeiten. Da Glück manchmal auch eine Überwindungsprämie ist, fordert die Begehung einiges an Anstrengung und auch etwas Mut. Ausgesetzt sind manche Passagen, und weit ist der Weg.

Bei meiner Anfahrt zur Hirnalm glänzen die Vordernberger Mauern schon einladend im Morgenlicht.

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Bei der Hirnalm (934 m) gibt es einen Wegweiser zum Barbarakreuz. Ich folge nur kurz der gelben Empfehlung, weil ich den Nutzen dieses Umweges nicht ganz einsehe und finde einen guten Steig, der direkt zum Grat hochleitet.

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Restwolken verunsichern mich ein wenig. Ich frage mich, ob sie sich gerade bilden oder auflösen. Zumindest zum Fahnenköpfl will ich unter Beobachtung der Wolkenspiele wandern.

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Jetzt folgt der steile Waldaufstieg unter den hellen Felsen der Vordernberger Mauern.

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Noch im Wald gibt es die ersten kurzen versicherten Stellen.

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Der Felsaufbau des Fahnenköpfls wird mit einem kurzen, steilen Aufschwung…

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…und über einen kurzen Grat zur roten Wetterfahne bestiegen.

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Gleich nach mir erreichen Vater und Tochter den Gipfel. Er achtet besorgt darauf, dass sein Kind zu jedem Zeitpunkt im Steig gesichert ist. Ich bin ohne Klettersteigset unterwegs. Obwohl ich kein Kletterer bin, getraue ich mir Klettersteige bis „C“ ohne Sicherung zu steigen.

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Voll Freude, obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Fahnenköpfl (1648 m).

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Der Waldrücken mit dem Tauchend (997 m) zieht ebenso nach Trofaiach, wie der westlich gelegene, breitere und höhere Mitterberg.

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Siegbald Zeller schreibt über diesen Tiefblick:„Wer hier den Blick in die Tiefe fallen lässt, dem fällt er direkt in die Schornsteine hinein, in die engen Gassen zwischen den historischen Häusern, vielleicht sogar in den schmiedeeisernen Brunnen auf dem altehrwürdigen Hauptplatz“.

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Jetzt sehe ich auch zum ersten mal den Thalerkogel (1655 m). Ein Schitourenziel im Vorjahr, das sich wetterbedingt in eine Nebelschlacht am Polster gewandelt hatte.

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Nach kurzer Zeit verlasse ich meine beiden Nachfolger und freue mich schon auf den nächsten Aufschwung. Das Wetter hat sich zu seiner trockenen Variante entschieden, und mein Mutakku ist vollgeladen.

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Ich nähere mich jetzt der Schlüsselstelle des Aufstieges. Zuerst führt der Steig über einen gut begehbaren felsigen Grat…

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…zu diesem senkrechten Köpfl. In den verschiedenen Berichten wird die Höhe von 10 m bis sogar 30 m geschätzt. Ich vermute, dass eher die 10 m stimmen werden. Ich greife beherzt an das Stahlseil, finde ausreichend Tritte und bin sehr schnell oben.

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Der Blick zurück zeigt das „psychologische Moment“, solche Aufschwünge ohne Sicherung zu steigen. Ohne gut zu fassendes Stahlseil würde ich mir diesen Aufstieg ganz gewiss nicht trauen.

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Nach der gelungenen Überwindung der Schlüsselstelle, sehe ich dem Weiterweg schon ein wenig gelassener entgegen.

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Das Fahnenköpfl kann auch westseitig umgangen werden. Den ganzen Nutzen verstehe ich nicht, da bis zum Rottörl noch vier ähnliche Stellen auf den Wanderer warten. Nicht mehr so hoch, aber doch senkrecht und ausgesetzt.

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Wieder folgt ein senkrechter Aufschwung, den ich mit geringer Körperkraftanwendung ebenfalls hochklettere.

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Als wären die Vordernberger Mauern eine Landschaft, die mir langsam stärkend in den Blutkreislauf sickert. Alle Müdigkeit und Sorge ist verflogen.

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Ich erreiche die Höhenkote (1753 m). Im Hintergrund ist bereits das Slesakkreuz zu sehen.

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Der Weg führt unter dem Zapfen mit dem Kreuz vorbei, und wieder lädt ein Stahlseil zum Klettern ein.

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Erklettert und fotografiert: Slesakkreuz (1753 m).

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Polster (1910 m), TAC-Spitze (2019 m), Vorndernberger Griesmauer (2016 m) und Leobnermauer (1870 m)

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Jetzt ist auch noch der Hochturm (2081 m) mit dem langen Rücken zum Edelweißboden zu erkennen.

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Ich muss mich mit meiner nahen Zukunft beschäftigen und versuche, den Weiterweg zu erkennen. Der Weiterweg ist gar nicht so einfach zu erraten, weil das Gehgelände immer wieder in kurze Kletterstellen mündet, welche ich aus der Entfernung nicht erkennen kann.

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Oft führt der Weg nur wenige Meter unter der Gratkante durch Latschen in leichtem Auf- und Ab zum…

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…nächsten Aufschwung.

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Immer größer wird die Dosis Landschaft in meinem Blutkreislauf. Aber die Müdigkeit beginnt sich jetzt doch ein wenig einzustellen.

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Dieser Steinmann, so glaube ich zumindest, kennzeichnet den höchsten Punkt der Vordernberger Mauern (1909 m).

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Wunderschön zerklüftet und zerrissen zeigt sich der Wilde Graben.

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Und ein erster umfassender Blick zu Reichenstein und Krumpensee wird dem Wanderer geschenkt.

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Fast jede Erhöhung abseits des Weges, ob sie einen Namen hat oder nicht, wird von mir erstiegen.

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Viel erwanderte Landschaft zeigt sich schon im Rückblick.

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Aber alles, was ich schon „weggewandert“ habe, scheint vor mir wieder dazu zu wachsen.

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Dieses Jeden-Mugel-Hinaufklettern stellt sich mitunter erst im Abklettern als heikel heraus.

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Im Rückblick zeigt sich der soeben bestiegene Felsen ohne Namen. Bereits im Grünen ist die Hinweistafel zur Quelle zu erkennen.

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Die wunderbare Hohe Zölz (1897 m) ist in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Unmarkiert ist sie vom Krumpensee leicht zu ersteigen. Im linken Bild ist zu erkennen, dass sich der Hüttstein mit jedem Regen schön langsam ins Tal begibt.

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Hier erreiche ich die kartografische Vermessungsanomalie des Vordernberger Zinkens. Er wird in den Karten mit der Höhenkote 1971 eindeutig nicht am höchsten Punkt angegeben. Der höchste Punkt ist der Grasrücken westlich davon mit 2010 m. Schon im ersten Führer zu den Eisenerzer Alpen von Scharfetter/Buchenauer wird die Höhe mit 2010 m gemessen.

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Mein Abstiegsweg vom Rottörl zur Krumpenalm am Fuße des Reichensteins schaut so nahe aus und ist doch noch so weit. Weil ich ganz nach der Devise: „wenn ich schon einmal da bin“ auch noch den…

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…Grüblzinken (Grüblmauer) besteigen will. Dass er allerdings einen Doppelgipfel hat, ist mir in der Planung entgangen. Ich kann den Weg unter seinen Felsabbrüchen gut erkennen. Spuren, die auf seinen Rücken führen, sehe ich aber nicht. Es wundert mich auch nicht. Viele Begehungen des Grete-Klinger-Steiges sind in den einschlägigen Foren bildreich dokumentiert. Eine Besteigung des Grüblzinkens konnte ich aber darunter nicht finden.

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Beim Blick in die Krumpen, zu Krumpensee und Krumpenalm, weiß ich jetzt schon, dass es ein guter Tag war: „Ein köstlicher unvergesslicher Tag. Dieser Tag ist hundert halb gelebte und vergessene Tage wert.“ (H. Hesse)

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Eine Aufgabe wartet noch auf mich.

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Durch hohes Gras, immer in der nähe der Felsabbrüche, steige ich auf. Die Gräser und Blumen sind trotz des sonnigen Tagesverlaufes noch benetzt und ganz feucht. Tief unter mir ist der Laugensack und die Präbichl Bundesstraße mit ihren Kehren zu sehen.

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Wie ein riesiger grüner Walrücken wuchtet sich der bereits überschrittene Vordernberger Zinken in die Höhe.

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Steil sind meine letzten Wiesenmeter zum ersten Gipfel…

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…des Grüblzinkens. In der Karte kann ich erkennen, dass der andere der Hauptgipfel ist.

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Vorsichtig, immer in Gratnähe (das hat seinen guten Grund), gehe ich zum höchsten Punkt.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Grüblzinken (1990 m).

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Wie eine geheimnisvolle, mächtige Burg aus einem Fantasy Roman, steht der Eisenerzer Reichenstein vor mir. Obwohl er den Grüblzinken nur um 175 Meter überragt, scheint er um vieles höher.

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Gegenüber der Polster (1910 m) mit seinem Gratarm zum Niederpolster (1796 m).

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Darf ich vorstellen: Schlund!

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Diese Bezeichnung ist mir schon Warnung genug. Kommt sie doch aus dem althochdeutschen schlingen und bezeichnet eine tiefe Öffnung. Die BEV Karte weist sogar ein eigenes Symbol dafür aus. Eine Höhle wird mit einem Halbbogen und darauf nach innen weisenden Zacken dargestellt. Der Schlund wird mittels eines schwarzen Punktes symbolisiert. Vielleicht werden in zukünftigen Weltallkarten schwarze Löcher auch mit einem solchen dargestellt.

Ich kann keine Informationen zu seiner Größe oder Tiefe bekommen. Weder in Führerwerken noch im Netz. Da er aber in der Karte eingezeichnet ist, kann ich mir vorstellen, dass es mehr Informationen gibt. Von mir befragte Einheimische wissen nicht einmal von seiner Existenz.

Im Gipfelbereich habe ich mich seinetwegen sehr vorsichtig bewegt. So weit ich mit respektvollem Darüberbeugen sehen kann, führt er weit in das Berginnere. Diese Spalte, Schlucht oder Abgrund, befindet sich wenige Meter unterhalb der Mitte der beiden Gipfel. Das ist auch für Schitourengeher gut zu wissen.

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In alle Himmelsrichtungen halte ich meine Kamera und fotografiere, als wären die Berge rundum ein letztes Mal zu sehen. Danach ist es aber an der Zeit, meine gelungene Runde zu schließen. Dieser Blick verrät mir, dass eine Überschreitung möglich ist. Die Schrofen kann ich gut umgehen. Zum Greifen nahe ist das Rössl (1855 m), und sogar den Wanderweg vom Präbichl kann ich erkennen.

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Ich erreiche über einfaches Gelände das Rottörl. Den Weiterweg zum Reichenstein (erst im Vorjahr besucht) erspare ich mir zu Gunsten eines gemütlichen Abstieges zum Krumpensee und einer Rast auf der Krumpenalm.

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Der soeben besuchte Grüblzinken ist schon wieder weit zurück.

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Bei einer Besteigung des Hochstadels sah ich im Gipfelbereich zwei Huskys in einem Scheefeld rumtollen. Blitzartig steigen in mir, beim Anblick dieses Schneefeldes, ähnliche Bedürfnisse hoch. Ich reiße mir mein verschwitzes Leiberl vom Körper und stürze mich  ins kalte Vergnügen.

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Lange schaue ich zum ruhenden Krumpensee und bin sehr zufrieden.

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Oberhalb der Krumpenalm erschreckt mich ein durchdringender, naher Pfiff.

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Der sympathische Kunstpfeifer befindet sich mit mir auf gleicher Höhe und verständigt…

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…wirklich alle von meiner Ankunft (Angetraute, Kinder, Kindeskinder, Kühe und den „Hiata“).

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Ich bleibe nur für ein Getränk und eine kurze Plauderei mit dem Halter. Die Alm hat sich schön herausgeputzt, und der Halter freut sich über jede Abwechslung mit den Tagesgästen. Nur Übernachten kann man nicht auf der Alm.

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Das in den Wintermonaten angefertige Türl mit kluger Schließe haben die Kälber am ersten Tag auf der Alm bereits durchschaut und geöffnet. So bleibt wieder nur der Drahtring als sicherer Schließmechanismus.

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Faszinierend ist die Quelle des Krumpenbaches. Der Bach tritt in der Breite von einigen Metern aus dem grünen Almboden aus, als würde eine unsichtbare Hand einen Badeschwamm ausdrücken. Er stürzt sogleich über eine Steilstufe hinab.

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Den Weg zurück zur Hirnalm bin ich bereits einmal, bei der Besteigung der Zölz, gewandert. Irgendwie habe ich diesen Abstieg kürzer in Erinnerung. Wahrscheinlich liegt es doch schon an meinen schweren Beinen, dass es sich „zieht“.

Im Anstieg ca. 1410 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Buchenauer (1976): Bergwandern in der Steiermark. Tyrolia Verlag, Innsbruck.

Hödl (1989): Bergerlebnis Steiermark. Verlag Styria, Graz.

Peterka (1982): Eisenerzer Alpen. AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Raffalt (2008): Steirische Almen: 88 genussvolle Alm- u. Hüttenwanderungen. Verlag Styria, Graz.

Scharfetter/Buchenauer (1978): Eisenerzer Alpen, Bergwandern, Klettern, Schifahren. Verlag Styria, Graz.

Zeller (2006): BergErleben Bd. 2, Eisenerzer Alpen, Hochschwab West. Verlag Gertraud Reisinger, Spielberg.


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.