Hochschneeberg (2076 m)

Schon früh morgens reise ich der aufgehenden Sonne entgegen. Denn im Morgenland liegt heute meine Gipfelsehnsucht. Ich war noch niemals am Zenit Niederösterreichs. Damit meine ich jetzt nicht Erwins Büro in St. Pölten, sondern den Hochschneeberg mit seiner höchsten Erhebung dem Klosterwappen (2076 m). Der Gipfelpunkt Niederösterreichs fehlt in meiner Gipfelbiographie noch.

Nach meinem Besuch der Wurzleiten (2066 m) mache ich nur einen Tag Pause und eile mit schweren Beinen in den Osten. Noch dazu hat mich der Schlafzauber diese Nacht verfehlt, und somit bin ich doppelt müde.

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Endlich in Puchberg angekommen, zwickt mich dieser Anblick in die Pupillen und weckt alle meine Lebensgeister. Jetzt finde ich es doch gut, so früh aufgebrochen zu sein.

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Ich parke mein Fahrzeug an der Talstation des Sesselliftes. Es ist schon viel los an diesem Freitag in Puchberg am Schneeberg. Der Weg zur Bürklehütte ist gut ausgeschildert und leicht zu finden. Zuerst wandere ich mit geringem Höhengewinn auf einer Forststraße,…

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…welche immer schmäler wird…

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…und in einen steinig-steilen Aufstieg zur Bürklehütte mündet.

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Ich erreiche, bereits jetzt schon schweißgebadet, diese wunderbar gepflegte Hütte. Heiß ist es hier auf 1320 m Seehöhe.

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Über den Status des Geheimtipps dürfte der Nandlgrat schon lange hinweg sein. Er ist mittlerweile ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Den Nördlichen Grafensteig quere ich heute nur, und zur Edelweißhütte komme ich über den Fadensteig.

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Die Breite Ries ist ein langsam fließender Schuttstrom und wird von den Schotterbächen des Novembergrates im Westen und dem Nandlgrat im Osten gespeist. Im Aufstieg werde ich heute immer wieder gegen die Steinströmung dieser Schotterzubringer ankämpfen und knöcheltief im Steinschutt versinken. Diese weite Fläche ist aber auch allerbestes Schitourenglände, wenn der Schneeberg seinem Namen gerecht wird.

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Ich hätte heute nicht noch einen Rasttag einlegen können. Der Wetterbericht hielt seine  Sonnenpistole auf mich gerichtet und zwang mich förmlich zu dieser Tour. Bin ich bergsüchtig? Die jährliche Anzahl meiner Touren weist mich noch nicht als Süchtigen aus. Allerdings könnte meine starke Abneigung gegen das Nichtaufbrechen zu einer Tour ein Hinweis sein.

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Rasch gelange ich zur Rieshütte. Ebenso gepflegt wie die Bürklehütte, allerdings mit einer gewichtig aussehenden Auszeichnung neben der Tür.

Dieses Schild halte ich für einen gut gelungenen Scherz. Im weltweiten Netz finde ich einfach keine Informationen über eine „International Association of Mountain hikers“. Gibt es diese Organisation wirklich und verleiht sie tatsächlich Auszeichnungen für Suppen auf entlegenen, nicht öffentlichen Berghütten?

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Auch ohne Auszeichnung werden die Suppen auf der Rieshütte munden. Ob sie allerdings so köstlich sind, wie die ersten Meter am Nandlgrat, kann ich natürlich nicht sagen. Der Steig führt nahe an den Abbrüchen deliziös über Schrofen, Felsnasen und auch durch Latschen.

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Erst weiter oben leitet der Anstieg vielfach über erdige, schottrige, unangenehme Rinnen und die schon erwähnten Kieselquellen zur Breiten Ries. Jetzt wird es langsam mühsam für mich, denn der Anstieg ist einfach nicht bereit, sich meiner mageren Tagesform anzupassen.

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Nur für kurze Zwischenpassagen verzichtet er auf Höhengewinn.

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Und wenn ich glaube, wehleidig werden zu können, lässt er mich strafweise auch gleich ein paar Meter absteigen, um danach umso heftiger…

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…wieder anzusteigen.

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Umso mehr ich meine Taktik vom Hochsteigen aufs Hochrasten verlege, desto öfter werde ich jetzt auch noch überholt.

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An den Hahnenkämpfen um die schnellsten Zeiten beteilige ich mich grundsätzlich nicht, und auch heute habe ich mich nicht um eine Startnummer angestellt.

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Ich gelange zum Steigbuch und weiß damit, dass ich bald auf der Hochfläche des Schneeberges anlangen werde.

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Der Blick zurück auf den bis dahin unschwierigen Nandlgrat.

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Von einem Felsköpfl geht es seilgesichert in eine Scharte,…

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…und auf der gegenüber liegenden Seite zuerst auf einem Steiglein und danach durch leichten Fels, wenige Meter bergauf. Das ist die schwierigste Stelle am ganzen Grat.

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Dieser umwindete Stecken markiert den Einstieg und somit auch den Ausstieg des Nandlgrates.

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Beim Ausstieg finde ich eine leicht abfallende, grüne, steindurchsetzte Hochfläche vor. Die sichtbaren Erhöhungen westlich von mir sind der Vestenkogel (1974 m) und dahinter der Kaiserstein (2061 m).

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In der Einschartung am Nandlgrat sind zwei Wanderer zu erkennen. Jetzt müssen sie nur noch das letzte Steilstück zur Hochfläche aufsteigen. Das ist auf diesem Foto aber nicht zu sehen.

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Ich raste nicht lange, sondern wandere über den Vestenkogel (auch Festenkogel geschrieben) gleich weiter zum Kaiserstein. Auf diesem Foto kann man die Schuttzubringer vom Nandlrat zur Breiten Ries gut erkennen.

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Rückblick vom Vestenkogel (1974) zur Ausstiegskante vom Nandlgrat (rechts der Bildmitte).

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Am Kaiserstein (2061 m) angekommen, halte ich mich nicht lange auf. Auch die Fischerhütte lasse ich links liegen, um gleich einmal…

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… auf einem sehr breiten Weg, mit vielen Touristen im Rücken,…

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…den höchsten Punkt Niederösterreichs aufzusuchen. Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Klosterwappen (2076 m).

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Das Klosterwappen ist die höchste Erhebung Niederösterreichs, aber nicht die schönste. Eine riesige Radaranlage überwacht die Luftgrenzen Österreichs, damit kein unberechtigter Fliegerflügel diese verletzt. Dass unsere E-Mails und Telefonate von der NSA mitgelesen oder mitgehört werden, ist dabei wirklich zweitrangig.

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Unter dem Gipfel tut sich der Ochsenboden mit dem Waxriegel (1888 m) und dem Damböckhaus auf. Hinter dem Waxriegel erreicht auch die Schneebergbahn ihren Endpunkt.

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Die Weitsicht ist eingeschränkt, dafür ist es fast windstill.

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Mein Gipfelfoto hat eine junge Ungarin gemacht. An einem weitsichtigen Tag hätte sie vermutlich in ihre Heimat schauen können. Zwischen Kaiserstein und Klosterwappen habe ich sozusagen eine ehemalige Landsmännin angetroffen. Zumindest hatten unsere Großeltern den selben Kaiser und mussten in den selben unsinnigen Krieg. Die Ausstellung „Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg 2014-2018“ auf der Schallerburg war wirklich sehenswert.

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Meine Gipfelrast verlege ich zur Fischerhütte.

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Viele Touristen haben mit der Bahn den Weg aufs Schneebergplateau „geschafft“. Trotzdem habe ich für kurze Zeit einen ganzen Tisch…

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…mit ein wenig Sonne und gebauschter Wolkenaussicht für mich alleine. Es kommt dann doch ein Pärchen an meinen Tisch. Ohne Gruß und in einem sprachlosen Nebeneinander setzen sie sich. Ich dagegen teile meinem Radler und meiner Kaspressknödelsuppe  meine Freude und mein Wohlwollen über ihr prächtiges Aussehen mit. Und erst nach dem ich sie liebevoll fotografiert habe, falle ich über sie her.

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Was dem Popeye sein Spinat ist, ist mir ein Kaspressknödel. Völlig regeneriert mache ich mich auf den Rückweg. Aber nicht über den wunderbaren Ochsenboden,…

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…sondern in Richtung Fadensteig führt mich mein Weg.

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Weitspurige Wege überziehen das Schneebergplateau.

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Es geht schottrig steil den Fadensteig hinab. Jetzt bin ich wieder konzentriert. Dieser sich so harmlos gebende Steilhang soll auf billigere Beute warten. Irgendein Bruder Leichtfuß wird schon noch kommen.

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Nicht nur die Breite Ries führt Schotter ins Tal. Zwischen dem Fadensteig und dem Nandlgrat befleißigen sich auch noch die Lahninggries und Rote Schütt um den Abtransport.

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Stellenweise ist das Gelände unangenehm, aber nie schwieirg.

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Viel rascher als vorberechnet, erreiche ich die…

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…Edelweißhütte. Die gewonnene Zeit wird sogleich genusssinnstiftend in eine Pause investiert. Der jetzt einfallende Nebel kümmert mich nicht mehr sonderlich.

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Die letzten Abstiegsmeter geht es ganz ohne Geröll über die Schipiste zum Ausgangspunkt zurück.

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Der letzte Blick zeigt mir statt dem Schneeberg nur noch einen Nebelberg. Völlig egal, denn trotz meiner müden Beine habe ich ein feines Tagerl am Schneeberg verbracht. Ich kann die Faszination der Wiener Bergkollegen für Rax und Schneeberg schon gut verstehen. Bei größerer örtlicher Nähe würde man mich hier auch öfter antreffen.

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Im Anstieg ca. 1250 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 13,2 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Szepfalusi/Kriz (2009): Bergerlebnis Schneeberg u. Rax. Styria Verlag, Graz.

Paulis Tourenbuch ist eine wahre Fundgrube an Ideen für Schneebergbesteigungen:

Schneeberg — Umrundung auf den Grafensteigen oder

Schneeberg aus dem Rohrbachgraben oder

Jagdsteige am Schneeberg

und noch viele andere Schneebergberichte. (abgerufen am 07.12.2014)


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region Schneeberg und Rax (Auswahl):

  • Rax Heukuppe
    Heukuppe (Rax) (2007m), Gamseck (1857m), Am hohen Stein (1725m)

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.