Im Maisonnenschatten aufs Steineck und zum Zwillingskogel

Ein würdiger Monatsletzter erwartet uns an diesem Sonntag. Der regenreiche Mai klingt in einem regenfrohen Wochenende aus. Auch heute Sonntag erwarten uns Nachmittagsgewitter, aber wie der Name schon sagt, nicht am Vormittag. Somit machen wir uns zu einer allseits beliebten Tour in der Nähe von Scharnstein auf. Das Steineck (1418 m) und vielleicht auch den Zwillingskogel (1402 m) wollen wir besuchen.

Wir parken auf dem kleinen Parkplatz ca. 1,6 km vor dem Jagdhaus Schrattenau. Viele leere Fahrzeuge stehen schon da. Und wo ist der wanderlustige Inhalt der Blechbüchsen? Pilgern Alle aufs Steineck oder vielleicht doch zum Laudachsee und den Katzenstein?

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Im Salzkammergut hat alles eine aufgezeichnete Vergangenheit. Patina allerorten. Selbst diese Forststraße ist schon 100 Jahre alt.

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Dabei ist vieles wieder sehr modern. Beim Jagdhaus treffen wir auf diesen  Wanderkreisverkehr.

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Wir wandern weiter bis zu einem Steinbruch und nehmen gleich den ersten Jagdsteig. Der Pfad ist dann doch sehr breitgetreten und gleicht einem gepflegten Wanderweg. Nur ein gewaltiger Windwurf zwingt uns die Beine ein wenig zu heben und die Köpfe einzuziehen.

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Wir queren diese Forststraße, und danach geht es nochmals so richtig steil weiter.

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Weil wir fälschlicherweise diese Pfadspuren für die Abkürzung der Abkürzung halten und weitergehen, verlieren wir für kurze Zeit die richtige Spur…

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…und gelangen auf diesen Ziehweg. Den verlassen wir auch gleich wieder und steigen die wenigen Meter…

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…dort hinauf, wo wir hingehören. Fehler erkannt – Fehler gebannt oder so ähnlich. Hier der Rückblick auf den „falschen“ Ziehweg.

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Jetzt sind erste Ausblicke möglich, und über den blauen Himmel freuen wir uns ebenso, wie über die Weitsicht.

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Das Sturmtief Niklas wollte eigentlich nur ein paar morsche Äste aus den Bäumen blasen,…

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…aber verschätzte sich etwas bei der Windstärke. Hier verlassen wir den Weg und wandern…

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…über den Kamm des Schrattensteins weiter.

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Felsnasen, die aus dem Grünen in die Luft springen: Rechts im Bild das Steineck (1418 m), in der Bildmitte das Trapez (1410 m) und links der Durchgangkogel (1360 m).

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Hoch überragt und fraglos dominiert wird die Landschaft vom Alpha-Berg, dem unbestrittenen Rudelführer der Berge um den Traunsee: dem Traunstein (1691 m).

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Ein letzter steinig-freundlicher Aufstieg bringt uns zum gut besuchten Gipfel.

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So viele Mücken am Gipfel sind, so viele Menschen sitzen hier eng beisammen. Das Steineck ist offenbar ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Wir wollen auch nicht lange bleiben und warten auf eine Gelegenheit, um uns in das Gipfelbuch einzuschreiben. Ein kleines Mädchen, mit der Zunge im Mundwinkel, graviert gerade ihren Namen ins Buch. Weil es von der Mutter zur Eile gedrängt wird, verschreibt es sich dabei. Ihre Mutter meint, dass es eh wurscht sei, aber ich sage ihr, dass es schon wichtig ist, mit dem richtigen Namen eingetragen zu sein, weil sonst alle glauben, ein ganz ein anderes Mädchen wäre am Gipfel gewesen. Das will sie jetzt auf keinen Fall, und somit warten Reinhard und ich noch ein wenig länger.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Steineck (1418 m).

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Altersmilde verfolgt Reinhard meine Bemühungen ums Gipfelfoto und Gipfelbuch. Weil man auf so viel besuchten Gipfeln die Luft zum Atmen nur noch aus zweiter Hand (Lunge) erhält, drängt Reinhard zum Aufbruch. Er will gleich weiter zum…

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…Trapez (1410 m).

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Ein paar schnelle Fotos, wie hier zum Hochkogel (1468 m) und dahinter dem doppelgipfeligen Erlagkogel (1575 m), mache ich dann doch noch.

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Der Katzenstein (1349 m) ist im Verbindungsgrat zum Traunstein fast nicht auszumachen.

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Dieses kurze Stück in die Einschartung zwischen Steineck und Trapez ist der markierte Normalweg, und darum sind so viele Menschen zu sehen.

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Steineck ist ein Name, der hier keine lange Erklärung braucht.

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Trapez, dahinter der Durchgangkogel und dann der Zwillingskogel.

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Das Trapez hat alle Menschen abgeschüttelt, und uns trennen nur wenige Aufstiegsmeter von seinem Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar, jetzt sogar mit Reinhard: Gipfelfoto Trapez (1410 m).

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Hier bleiben wir. Ein Segelflieger umkreist den Gipfel, und Reinhard fällt wieder einmal ein Zungenverknoter ein: „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugplatz platz. Auf dem Flugplatz nahm der Flugplatzspatz platz“. Ich weigere mich, das schnell zu wiederholen und sehe mir lieber den mittlerweile beschlossenen Weiterweg über den Durchgangkogel zum Zwillingskogel (1402 m) an.

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Der Blick in die ostseitigen Waldhänge und Scharnstein…

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…und die Schau in den Westen zu Hochkogel (1468 m), Traunsee und dem umwölkten Höllengebirge. Die diesigen Stunden am Berg sind weniger geräumig, als die hellen, alles rückt enger zusammen und ist doch nicht gut zu sehen.

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Aber über unserem Gipfel reißt die Wolkendecke auf. Ohne Wolken gibt es jetzt auch keine Maisonnenschatten. Das motiviert uns doppelt für den Weiterweg. Der Abstieg vom Trapez führt uns über diesen einfachen steinigen Wiesenhang.

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Ein letzter Blick ins Lainautal mit Hochstein und Traunstein und einem tiefstapelnden Wolkenhimmel.

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Der Weg weiter zum Durchgangkogel ist ein echter Filou. Tänzelnd spielt er abwechselnd mit den Windwurfbäumen und den grünen Abhängen und hat offensichtlich seine Freude damit.

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Das „Seiringer Gipfelkreuz“, errichtet am 1.12.2014 am Durchgangkogel (1360m).

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Jetzt erfolgt wieder ein kurzer, sehr steiler Abstieg bis zum Durchgang auf 1158 m.

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Und danach wieder ansteigend, fast immer an den steilen Abbrüchen entlang, auf den Zwillingskogel. Diese Tafeln zeigen mir meine berglichen Defizite in dieser Gegend: Auf der Mair Alm war ich nicht, den Laudachsee habe ich ebenso nicht besucht und den Katzenstein sowie den Hochkogel auch noch nicht bestiegen. Ich habe in dieser schönen Gegend noch viel vor.

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Ein Blick zurück.

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Ein Blick nach vor.

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Der Weg zieht sich ein wenig. Auf meine Frage, wie lange wir noch brauchen werden, antwortet Reinhard wie immer und überall mit:„Zehn Minuten“. Auf meine Nachfrage, ob es die langen zehn Minuten oder die kurzen zehn Minuten sein werden, antwortet er nicht mehr.

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Das würde unsereiner nie tun, aber für jedereiner lege ich meine Hand nicht ins Feuer.

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Die Beschriftungen und Markierungen verdanken wir unverkennbar Klaus Kaar. Der Markierungswart des Alpenvereins betreut auch den Weg auf den Hochsalm. Ihm sind die tollen handgeschriebenen Hinweise auf den Markierungen und Markierungstafeln zu verdanken.

Kurzweilig geht es über Felsnasen, durch Latschenfelder an steilen Felsabbrüchen entlang. Trotzdem sind es die langen zehn Minuten,…

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…bis wir am Fuße des Gipfelaufbaus anlangen.

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Wie aufgeschüttet ragt der Gipfel mit dem Kreuz auf.

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Sogar schriftlich bekommen wir es bestätigt.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Zwillingskogel (1402 m).

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Wie man unschwer erkennen kann, ist kein Gipfelbier im Bild. Wir überlegen nüchtern, wann der biertrinkende Wanderer ans Hopfengetränk-Einkaufen denkt:

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Nach einem netten Plausch mit einer Linzer Wanderin machen wir uns auf den Rückweg. Bis zum Durchgang geht’s am selben Weg zurück, und danach steigen wir zu den ostseitigen Forststraßen ab.

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Östlich über dem Almtal erkenne ich den Hochsalm (1405 m) und den Windhagkogel (1334 m). Noch weiter östlich ragen die Falkenmauer und Kremsmauer (1604 m) steil auf.

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Sogar den Pfannstein (1223 m) kann ich im Zoom erkennen.

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Irgendwo führt durch diese steilen Schrofen der Weg hinab. Der unbekannte Wegverlauf macht mich jetzt schon neugierig.

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Und tatsächlich. Auf einem schmalen Felsband, nur mit dünnen blauen Perlonseilen gesichert, zieht der Steig über steile Schrofen hinab. Durch den Regen der Vortage ist es ein rutschig-schmutziger Abstieg.

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Am Hauergraben-Sattel gelangen wir wieder auf die Forststraße, und auf der bleiben wir auch.

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Gefordert werden wir nur noch durch kleine Gegenanstiege. Und bevor sich noch zermürbende Langeweile breitmacht, sind wir zurück beim Auto.

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Unser Besuch galt heute dem Hausberg von Helmut Seiringer. Viele Besteigungsberichte zu allen Jahreszeiten von allen Himmelsrichtungen finden sich in seinem Blog. Die Aussichten, die wir heute nicht hatten, finden sich dort ebenso, wie die Blumen, die heute noch nicht geblüht haben oder schon wieder verblüht sind.

Im Anstieg ca. 1145 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,5 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Hauleitner (2010): Salzkammergut Ost, Dachstein, Traunstein, Totes Gebirge. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.