Karwendelschnuppern am Lamsenjoch

Von Pertisau führt die Mautstraße weit in den östlichen Randbereich des Karwendels. Ganze 8 km zieht die Straße ins breite Falzthurntal  bis zum Alpengasthof Gramai auf 1263 m. Wie soll ich das Karwendel mit wenigen Worten skizzieren? Vielleicht so: Das Karwendel ist wie das Xeis, aber ein bissl größer!

Wir parken unser Auto am riesigen, bustauglichen Parkplatz direkt bei der Gaststätte. Unsere Aufmerksamkeit gilt aber nicht der touristischen Infrastruktur, sondern wird sofort von den hoch aufragenden Kalkwänden im Talschluss angezogen und daran regelrecht festgenagelt.

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Bevor unsere Wanderung beginnen kann, müssen wir noch vorbei an Kashütt’n, Knödelhütt’n, Sauna, Streichelzoo und Abenteuerspielplatz.

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Aber wie so oft an solchen Brennpunkten, entspannt sich die Lage nur wenige hundert Meter nach diesen Futter- u. Spaßtrögen.

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Viele Rundwanderungen sind von diesem hohen Ausgangspunkt möglich. Für den unerfahrenen Wanderer bieten sich aber nur wenige Gipfelziele an. Dazu sind die Berge im Karwendel zu hoch und zu ernst.

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Der Abstieg durch diesen Einschnitt zwischen Sonnjoch und Hahnkampl wird unsere Runde beschließen.

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Wie ein weißer Leuchtturm im hellgrauen Kalkmeer weist uns die Lamsenspitze den Weg.

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Der erste Rückblick zeigt, wie der Schotterweg zum Talschluss zieht. Dieser Abschnitt wird vom nördlich gelegenen, riesigen Sonnjoch dominiert.

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Auf vielen Kehren (Parallelschwünge bergauf) steigen wir hoch. In unglaublichem Tempo überholt uns ein Bergläufer in Laufschuhen, kurzer Hose und mit nacktem Oberkörper. An diesem Körper schwabbelt und wackelt nichts. Fast sicher scheint mir, dass ich zwischen den Zehen mehr Fettzellen habe, als dieser Läufer an seinen Hüften…

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Am Fuße einer riesigen Kalkwand erreichen wir die Lamsenjochhütte auf 1953 m.

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Eine schöne alte Hütte (1905 erbaut) mit interessanter, abwechslungsreicher Geschichte.

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Dass Berge nicht nur schöne Stunden schenken, lässt sich in der kleinen Kapelle hinter der Hütte nachlesen. An den Wänden diese Kapelle befinden sich viele – zu viele – Gedenktafeln, welche an verunglückte Mitglieder der AV-Sektion Oberland erinnern.

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Die Lamsenjochhütte und das dahinter aufragende Schafjöchl (2157 m).

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Wir leisten unseren Hüttenerhaltungseuro und kaufen uns ein Getränk. Nach einer kurzen Fotopause gehen wir weiter. Unter den Ostabbrüchen der Lamsenspitze zieht der Steig sehr reizvoll zum westlichen Lamsenjoch. Hier mündet auch der Aufstiegsweg vom Binsalm-Niederleger aus dem Engtal ein.

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Spätestens auf zweitausend Meter stößt hier der Fels durchs Grün.

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Als hätte die Scharte zwischen Schafjöchl und Rauher Knöll  „naselaufen“. Nur wir können das „Laufen“ nicht sehen, dieses unablässige Absondern von allem, was der Berg nicht mehr haben will.

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Rechts der Bildmitte ist unser erstes Gipfelziel bereits zu erkennen.

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So blumenreich und bunt wie die Südseite des Rofans ist das Karwendel nicht. Umso mehr Aufmerksamkeit und Besuche bekommen die Blumen von ihren Bestäubern.

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Am westlichen Lamsenjoch zweigt unser Steig ab.

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In der Rückschau kann man das Zickzack des Aufstiegsweges und die Lamsenjochhütte gut überblicken.

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Auf breitem Weg näheren wir uns dem felsigen Aufbau des Hahnkampl (2080 m).

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Wir treffen auf einige Seilsicherungen, die es eigentlich gar nicht brauchen würde.

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Warum dieser Aufstieg als schwierig ausgewiesen wird, zeigt sich nicht bei seiner Begehung, sondern erst bei einem Gespräch mit einem deutschen Urlaubsgast am Gipfel.

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Der junge Deutsche ist von der anderen Seite zum Gipfel gewandert. Seine Frau sitzt hundert Meter unter dem Gipfel, weil dieses Gelände zu ausgesetzt für sie ist. Für den Weiterweg wurde dem jungen Wanderer von seinen Freunden eine Klettersteigausrüstung empfohlen… Ich spotte nicht über diese Vorsicht, sondern ich will auf die Unmöglichkeit aufmerksam machen, objektive Aussagen zu Schwierigkeit und Gefahrenempfinden zu treffen. Zu unterschiedlich ist das Einschätzen und die Wahrnehmung jedes einzelnen Wanderers.

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Unser erster Karwendelgipfel. Obligatorisch und unverzichtbar: Hahnkampl (2080 m).

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Aufs mächtige Sonnjoch (2457 m) wäre es jetzt gar nicht mehr so weit, meint meine Frau und bleibt zu meinem Glück sitzen. Der nahe Anblick täuscht, denn mit dem erforderlichen Abstieg vom Hahnkampl wären es doch noch mindesten 600 Höhenmeter zum Gipfel.

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Wie mit der Axt in den Kalk geschlagen. Kerbengleich wirken die Taleinschnitte – hier Blick aufs Engtal.

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Rechts im Bild ist der Gramaialm-Hochleger zu sehen. Die grüne Erhebung links der Bildmitte ist mein nächstes Ziel. Das Gramaijoch (2017 m) will ich vor dem Abstieg noch besteigen. Meine Frau nennt mich Gipfeljunkie, und weil sie clean ist, verzichtet sie auf diese Besteigung. Sie geht den markierten Weg.

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Diese Ausgesetztheit war der jungen deutschen Wanderin zuviel.

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Hinter meinem nächsten Ziel ragt das Gamsjoch (2452 m) über dem Engtal auf. Mein Ziel schaut aber einladender aus. Ich überlege, was der beste Aufstieg sein könnte. Vermutlich werde ich immer am Grat bleiben, aber das entscheidet sich erst, wenn ich davor stehe.

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In meiner Karte hat das Gramaijoch ein Gipfelkreuz. Ich kann aber keines erkennen – braucht es auch nicht.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto beim Bio-Gipfelkreuz Gramaijoch (2017 m).

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Der Anstieg aufs Gramaijoch führte dann doch nicht über den ganzen Grat, sondern über seine Mitte, durchs Grün, und erst im letzten Drittel auf den Rücken. Der Rückblick zeigt in der Bildmitte den Hahnkampl. Unterhalb, auf dem markierten Weg, ist meine Frau bereits Richung Gramaialm-Hochleger unterwegs.

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Vom Gipfel kann ich in das Engtal zur Engalm sehen. Im Talschluss ragen die Laliderer Spitze (2588 m) und die Dreizinkenspitze (2603 m) samt Lendenschurz aus Schnee auf.

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Das Sonnjoch (2457 m)

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Der Abstieg gestaltet sich latschenbedingt fast schwieriger als der Aufstieg. Kurz vor der Alm treffe ich auch wieder mit meiner Frau zusammen. Freudig nutzte sie meine  Abwesenheit, um in Ruhe nach versteinerten Resten von Tieren und Pflanzen zu suchen.

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Wir wandern an dem wunderbar gelegenen Gramaialm-Hochleger vorbei.

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Steil hinab, ohne langes Federlesen, rutscht der Steig ins Tal.

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Ein riesiges Schneebrett tarnt sich als Versteinerung und gibt uns eine Ahnung davon, wie es hier im Winter aussehen kann. Da werden die Schneerutsche und Lawinen vom Sonnjoch den Graben fast auffüllen.

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Wir gelangen wieder auf unseren Aufstiegsweg und haben nicht mehr weit zu unserem Ausgangspunkt. Mountainbiker kommen uns entgegen. Die unermüdlichen Kämpfernaturen unter ihnen werden sich zur Lamsenjochhütte hochtreten.

Uns fällt auf, obwohl wir an einem der touristischen Herzen Tirols wandern (Tirol hat davon mehrere), ist die Lederhosendichte (verkleidete Touristen und verkleidete Einheimische) bei weitem nicht so heimatfilmselig und gruselig, wie an den Seen des Salzkammerguts.

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Im Anstieg ca. 1010 HM und zurückgelegte Strecke ca. 12,8 km.

Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Demmel (2012): Karwendel. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Wutscher (2013): Achensee. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Zahel (2006): Die schönsten Gipfelziele zwischen Bodensee und Wien. Verlag Bruckmann, München.

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.