Kleines Gebirge ganz bunt – Rofan!

Unser heimeliges Basislager haben wir in einem kleinen Hotel in Pertisau aufgeschlagen. Das große Balkonfenster blickt gegen Westen. So werden wir vom roten Morgenlicht im Karwendel geweckt. Das Sonnjoch ist bereits aufgeglüht. Unser heutiges Sinnen liegt am anderen Ufer und wird erst im Abendrot ebenfalls erblühen. 

Für den gestrigen Tag war eine kurze Wetterverschlechterung angekündigt, und wir nutzten den Tag für Erkundungen von Schwaz und Innsbruck. Das Wetter wäre aber sehr wohl bergtauglich gewesen, doch behütete, schirmtragende und vor allem fotografierende japanische Touristen vor dem Goldenen Dachl beobachten, war auch sehr unterhaltsam.

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Wieder sind wir in großzügiger Laune und schenken uns nochmals die zweieinhalb Stunden Waldaufstieg.

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Wer auf den Bärenkopf (1991 m) will, hat vom Talboden noch 1060 Höhenmeter zu überwinden.

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Neuer Morgen, neuer Tag, neues Glück.

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Weit scheint der Weg zur Rofanspitze zu sein. Aus diesem Blickwinkel hat sie etwas von einer Brustwarze. Hoffentlich bekomme ich diesen Gedanken wieder aus meinem Kopf.

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Uns zeigt sich ein fantastischer Himmel über dem Karwendel…

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…und ein ebenso unglaublicher Himmel über den Hohen Tauern (Olperer in der Bildmitte?)

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Es gibt sie aber doch – die „lonesome cloud“ über den östlichen Hohen Tauern. Im Vordergrund ist der Grat bis zum Ebnerjoch (1952 m) zu sehen.

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Im Rofan gibt es viele Möglichkeiten, mehrere Gipfelbesteigungen aneinanderzureihen. Je nach Gusto, Kondition und Wetter kann man hier wunderbar variieren. Ich bin zwar ein Gipfelsammler, aber kein Gipfelhamsterer, und Skyrunner bin ich schon gar keiner. Somit werden wir uns über drei besuchte Gipfel freuen und die anderen unbesuchten, kommen in unsere Berge-Vorratsdose.

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Wir wollen über das Spieljoch zur Seekarlspitze, danach die Roßköpfe südlich umgehen, um im Anschluss über den Grat auf die Rofanspitze zu wandern. Die ersten 240 Höhenmeter führen uns am östlichen Anstieg zur Hochiss entlang (gestern im Abstieg begangen) bis zu dieser Abzweigung zum Spieljoch.

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Eidechsengleich absorbieren wir die morgendliche Sonnenwärme. Im Hintergrund wartet der geduldige Gschöllkopf (2039 m) wie jeden schönen Sommertag auf den großen Ansturm.

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Nach dem kurzen unkomplizierten steileren Anstieg geht es noch einfacher weiter.

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Bereits im unteren Drittel des Anstieges haben wir einen Stein mit wunderbaren Muschelversteinerungen gefunden. Zu schwer, um gleich mitgenommen zu werden, verstecken wir ihn und hoffen, dass er am Abend noch in seinem Versteck liegt. Dieser Stein ist zu meinem Glück aber nicht aus dem Boden zu kriegen (und wenn doch, wer würde ihn die ganze Wanderung tragen?) und so gibt es nur ein Foto.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Spieljoch (2236 m).

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Auch dieser Gipfel landet in unserer Gipfel-Vorratsdose: Haidachstellwand (2192 m).

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Unser nächstes Ziel: der zweithöchste Gipfel im Rofan, die Seekarlspitze (2236 m)

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Roßköpfe 2246 m

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Grün und Grau mit Weiß angereichert und Blau übertitelt ergibt dieses beispiellose Panorama.

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Zwischen Unnütz (links) und Guffert (rechts) sollte München zu erkennen sein.

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Das Karwendelwirrwarr kann ich nicht ganz entflechten, aber links ist der Hochnissl (2547 m) gut zu erkennen. Auch der Großer Bettelwurf (2726 m) gleich daneben ist zu sehen. Irgenwo dahinter müsste die Birkkarspitze 2749 und an guten Tagen sogar die Zugspitze (2963 m) zu sehen sein.

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Wir blicken auf den einmal grünen, einmal grauen aber immer gedellten, gewellten Plateauboden. Dazwischen leuchten noch immer vereinzelte Schneefelder auf.

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Der markierte Weg schnürlt ein Stückchen bergab, um danach unterhalb der Seekarlkspitze weiterzuführen.

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Östlich ist der Namensgeber unseres nächsten Gipfels zu sehen: Seekarlsee auf ca. 2100 m.

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Ein toller Rückblick in die Nordseite mit der vorgestern besuchten Hochiss (2299 m).

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Seekarlspitze (2261 m).

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Der nördliche Tiefblick zeigt links die Gamswandspitze (1937 m) und rechts das Seilegg (1981 m). Alle diese Gipfel wären ebenso erwanderbar und kommen somit in die Berge-Vorratsdose.

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Der Blick den Grat entlang in östlicher Richtung. Im Bildvordergrund ist die Nordseite der Roßköpfe zu sehen. Dahinter ist schon die Rofanspitze zu erkennen. Steil aufragend zeigt sich rechts im Bild der Sagzahn.

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Es gibt eine gesicherte Abstiegsmöglichkeit (Stahlseilsicherungen) vom Gipfel in die Scharte zwischen Seekarlspitze und Rossköpfe. Wir steigen aber weglos zum markierten Steig ab. Uns ist diese Variante lieber, weil wir ja auch nicht über die Roßköpfe (Klettersteig von dieser Seite), sondern südlich an ihnen vorbei wollen.

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Auch durch die Ostseite der Roßköpfe führt ein Klettersteig. Rechts der Bildmitte im oberen Drittel sind Kletterer zu sehen. Zwei junge Ostdeutsche Burschen versuchen ebenfalls hochzukommen, aber der Einstieg dürfte zu schwer für sie sein, und andere Klettersteigaspiranten warten schon ungeduldig. Das ist für mich ein gravierender Nachteil beliebter Klettersteige. Ständig hat man jemand Drängenden hinter, oder Langsamen vor sich. Umgekehrt wäre es natürlich g’scheiter, aber das ist selten so.

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Zum Glück müssen wir nicht ganz zu den ausgewaschenen Wegspuren hinunter steigen, sondern können immer in der Hangmitte weiterwandern.

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Rückblick zu den Roßköpfen.

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Lange Zeit war er nicht zu sehen: Grubasee unter den Ostbabbrüchen der Grubalackenspitze (2169 m).

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Vor lauter schauen und staunen verschenken wir ein paar Höhenmeter. Das korrigieren wir schnell wieder, und jetzt geht es nur noch den Grat entlang zur Rofanspitze.

Die Belohnung für den kurzen Aufstieg erfolgt sofort und überraschend. Am Grat angekommen, werden wir vom „Lächeln der Erde“ willkommen geheißen. Blumen sind das Lächeln der Erde (Ralph Waldo Emerson).

Die Königin der Berglumen: Alpen-Edelweiß…

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…und ihr nicht weniger schöner, bunter Hofstaat. Wir wandern in das Blumen-blinkende Auf und Nieder des langgezogenen Gipfelgrates.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto am floralen Höhepunkt dieser eindrucksvollen Wanderung. Es kommt nicht oft vor, dass soviel abwechslungsreiche Schönheit in so wenigen Höhenmetern verpackt ist. Das Rofan zeigt sich von seiner freigiebigen und großzügigen Seite.

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Wieder obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Rofanspitze (2259 m).

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Irgendwie ist es mir gelungen, die anderen Gipfelbesucher zumindest für zwei Fotos auszublenden. Aber da ist schon einiges los am Gipfel. Der Normalweg führt ohne ausgesetzte oder heikle Stellen auf diesen Zweitausender und ist somit auch für bergunerfahrene Wanderer „erschwinglich“.

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Sirenengleich versucht uns der Sagzahn (2228 m) anzulocken. Mit geringem zusätzlichen Aufwand könnte man zu ihm und dem dahinterliegenden Sonnjoch (2224 m) weiterwandern. Aber um bei diesem Bild zu bleiben, haben wir unsere Ohren seinen Lockrufen verschlossen und unsere Begierden an den Mast der Selbstbeschränkung gefesselt. Sein Besuch ist uns eine eigene, zukünftige Wanderung wert. Somit kommt er in die heute schon vielfach benötigte Berge-Vorratsdose. Weiters kommen in diese hinein…

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…die Guffertspitze (2195 m) und…

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…alle drei Unnützen (2078 m).

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Nach unserer Gipfelrast wandern wir den sanft fallenden Wiesengrat zum Schafsteigsattel weiter. Dieser Sattel bietet mit dem Schafsteig einen Übergang in den östlichen Teil des Rofans, ist aber wegen eines Murenabganges am Schafsteig zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes gesperrt. Der Blick in diesen soeben erwähnten Osten zeigt zwischen Marchspitze (2204 m), Latschberg (1949) und Roßkogel (1940 m) den Zireinersee. Zum Glück haben wir auch eine Bergsee-Vorratsdose.

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Der Rückblick zur Rofanspitze zeigt auch noch letzte Schneeaugen.

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Tiefblick ins Inntal und nach Kramsach.

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Auch der Rückweg lässt keine Monotonie aufkommen. Es gibt so viele Eindrücke,…

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…die von uns aufgesammelt werden.

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Zwischen den aufragenden Spitzen der Haidachstellwand (2192 m)…

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…und der Roßköpfe,…

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…wandern wir an Stein gewordenen Wasserfällen und Gärten voller Alpenrosen…

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…an diesen „Steinkaskaden“ vorbei.

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Nach einem kurzen Gegenanstieg gelangen wir wieder zur Bergstation der Seilbahn. Ich will noch den versteckten Muschelstein holen und finde nur noch ein geplündertes Versteck vor. Sogar ein wenig umgegraben hat der Finder, in der Hoffung, noch mehr Schätze bergen zu können. Ein wenig traurig sind wir über diesen Verlust schon, aber dieser fantastische Tag wiegt diesen Schwund hundertfach auf.

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Glücklich segeln wir mit der letzte Gondel abwärts und fühlen uns für Sekunden den Bergdohlen verwandt. (Adler wäre jetzt etwas vermessen).

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Im Anstieg ca. 800 Hm und zurückgelegte Strecke ca. 11,1 km.

Quellen

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Leider hat die Kompass Karte einen kleinen Fehler und die Gipfelbezeichnungen im Hauptkamm des Rofans sind nur halb zu lesen.

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Röder/Schmid (1975): Rofangebirge. AV-Führer. Bergverlag Rudolf Rother, München.

Wutscher (2013): Achensee. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Zahel (2006): Die schönsten Gipfelziele zwischen Bodensee und Wien. Verlag Bruckmann, München.

Zahel (2008): Bergseen die 70 schönsten Wandertouren in den Ostalpen. Verlag Bruckmann, München.

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.