Mayrwipfl (1736 m) – Frühlingsschitour im Februar

Heute holen wir den Mayrwipfl aus unserer Gipfelvorratsdose. Dieser kommode Schitourenberg befindet sich schon viel zu lange darin. Ehemals ein Geheimtipp, ist der Mayrwipfl heutzutage ein beliebtes Winterziel, auch bei Schneeschuhgehern. Dass es auf seinem Gipfel aber zugeht wie in einer Eduschofiliale, überrascht uns dann doch. 

Vom Hengstpass biegen wir beim Gasthof Schafflmühle in Richtung Wurbauer Kogel ab. In den Wintermonaten ist die Zufahrt bis zum Haslersgatter nicht möglich. Schon bei der Muttlingkapelle befindet sich der kleine Parkplatz. Wir sind die ersten und wundern uns darüber. Dann kommen doch noch Autos und Menschen. Wobei die Ankommenden alle miteinander nicht grüßen können – eine eigenartige Stimmung ergibt das wortlose, ungerührte nebeneinander. Sofort wird es noch um einige Grade kälter.

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Mit fantastischer Morgenbläue kündigt sich ein herrlicher Tag an. Allerdings in Begleitung von sehr, sehr frischen Temperaturen. Am Hengstpass hat es in diesen Morgenstunden frostklirrende, zähneschmerzende  minus 10 Grad. Diese Nichttemperatur beschleunigt natürlich unseren Aufbruch. In Bewegung kommen ist jetzt das Wichtigste, oder…

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wie Hans Krankl sagen würde: „Wir müssen in die Sonne kommen, alles andere ist primär.“

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Zuerst geht es die im Sommer befahrbare Forststraße hoch.

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Schnell gelangen wir zum tiefverschneiten Haslersgatter. Hier kann im Sommer geparkt werden, und hier ist eine der Haupteintrittspforten ins Reichraminger Hintergebirge.

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Auf breitgetretener Spur gehen wir in Richtung Kleinerberg (Sender) weiter…

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…und zweigen aber bald zu Bloßboden bzw. Mayralm ab.

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Nach einer kurzen Abfahrt (ich denke hier an den Rückweg: mit Fell, ohne Fell oder gar Schi tragen?) gelangen wir zum Bloßboden mit seiner Abzweigung zum Leitersteig. Diese Abzweigung lassen wir links liegen und ziehen durch…

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…glitzernd-glänzende Schneelandschaften weiter. Über der Reifmauer ist bereits der östlichste Gipfel des Sengsengebirges (Steyreck 1592 m) zu sehen.

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Auf dem ca. 1,2 km langen Ziehweg zur Mayralm ersteigen wir die nächsten zweihundert Höhenmeter.

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Auf der Mayralm unter einem tiefblauen Himmel, auf einer meterhohen, hochweißen Schneedecke prasselt ein augenblendender Sonnenregen auf uns nieder. Ich glaube ja sogar, das Ende der Troposphäre sehen zu können.

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Unser Tourenziel ist in der Bildmitte schon zu erkennen.

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Vom Almgelände der Mayralm führt eine kurze Abfahrt in das bewaldete Vorzimmer des Mayrwipfels.

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In der Abfahrt überhole ich Reinhard, und bei meinem Blick zurück weiß ich auch, warum mir so heiß geworden ist. Über Reinhards Kopf sieht man 27.357.1428.571.428.571 Atomkraftwerke bei der Arbeit. Es ist einfach fantastisch. Das nenne ich Festbeleuchtung.

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Das bewaldete Vorzimmer…

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…ist skandinavisch modern, etwas laublos eingerichtet,…

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…aber mit Fenster, und dieses bietet bereits fantastische Aussichten.

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Im letzten Stück wird der Anstieg nochmals richtig steil,…

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…und von einem höheren Standpunkt gelassener Meisterschaft schaut mir Reinhard bei meinen Bemühungen zu.

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Danach lehnt sich die Gipfelfläche zurück,…

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…und wir erreichen den höchsten Punkt.

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Ohne Anzuhalten touren wir am Gipfelkreuz vorbei. Wir wollen zuvor noch das Brandleck (1725 m) besuchen.

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Keine Spur führt weiter. Alle bleiben am Mayrwipfl oder umzingeln ihn. So gleiten wir auf Höhe der Latschenwipfel weiter. Fast kein Wind stört unsere Bergmeditation. Unglaublich schön ist es hier.

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Wenige Meter vom Mayrwipfel entfernt ist es ganz still. Dieses Gefühl von Weite und die jungfräuliche Reinheit des Schnees haben etwas Beglückendes für mich.

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Eine kurze Abfahrt mit Fellen an den Schiern ist immer spannend und gibt mir die Möglichkeit, in die Landschaft einzutauchen. Mittels einer Brezn ist es mir gegönnt, die Schneekonsistenz und Schneetemperatur mit meinem Gesicht und meinen Händen zu erforschen.

Dieses Foto entstand noch vor der Schneeerkundung. Links der Bildmitte ist unser Ziel leicht zu erkennen.

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Viel schneller als angenommen erreichen wir den Gipfel. Obligatorisch und unverzichtbar: froschgrünes Gipfelfoto Brandleck (1725 m), in alten Aufzeichnungen auch Brendleck genannt. Mit zunehmendem Alter verblasst das helle Grün der juvenilen Frösche. Der Unterschied ist auf diesem Foto gut zu erkennen.

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Gieranger (1735 m) und Gamsplan (1902 m), und rechts der Bildmitte der höchste Gipfel im Sengsengebirge: Hoher Nock (1963 m) oder doch Hohe Nock? Selbst Wolfgang Heitzmann variiert in seinen Publikationen die Geschlechterfrage. Im OEAV Führer Oberösterreichische Voralpen ist es der Hohe Nock, und im Buch über das Reichraminger Hintergebirge ist es die Hohe Nock. Ich mag diese Unentschiedenheit, und für mich ist der/die Nock die sympathische Conchita Wurst des Sengsengebirges.

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Der lange Rücken über den steilen Abbrüchen mit dem Rotgsol (1560 m) und dem Haderlauskögerl (1547 m).

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Trämpl (1424 m) und Alpstein (1443 m) sind durch den Luchsboden miteinander verbunden.

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Blick auf unseren Rückweg zum Mayrwipfl. Dahinter die Haller Mauern.

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Im Südwesten sehe ich das Warscheneck (2388 m) und die mächtigen Abbrüche des Toten Gebirges mit seiner gesamten Bergprominenz. Vom Großen Priel (2515 m) über die Spitzmauer (2446 m) bis zum Brandleck (2247 m) neben dem Hebenkas (2285m).

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Im Zoom bin ich auch dem Tamberg (1516 m) wieder nahe.

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Ein Emily Dickinson Gedicht beginnt mit den Worten: „Den Sommerhimmel sehn, ist Poesie, mag sie auch nie in Büchern stehn …“  Das will ich ich auch für diesen Winterhimmel gelten lassen.

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Nur zwei Schneeschuhgeher sind unseren Spuren zum Brandleck gefolgt. Zwei ältere, lustige, bärtige Herren. Schon auf der Mayralm hatten wir einen lachendlauten Wortwechsel.

Es ist nicht weit bis zum Gipfel und zur Gipfeljause.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Mayrwipfl (1736 m).

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Blick ins Reichraminger Hintergebirge. Mit dem großen Größtenberg (1724 m) und wieder dem Alpstein (1443 m) und dem Trämpl (1424 m). Rechts der Bildmitte der schneebedeckte lange Dürrensteigkamm mit dem Almkogel (1513 m).

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Nochmals der große Größtenberg (1724 m) und davor das Steyreck (1592 m) und parallel zu den Haller Mauern der Rücken mit dem Wasserklotz (1505 m). Dahinter die Gesäuse VIMs mit dem besonders gut erkennbaren Großen Buchstein (2224 m).

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Der Hochangernstock mit dem Nazogl (2057 m) und dahinter das Warscheneck (2388 m).

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Haller Mauern von links nach rechts: Bärenkarmauer (2172 m), Kesselkargrat (1925 m), Kreuzmauer (2091 m), Scheiblingstein (2197 m), Kleiner Pyhrgas (2023 m) und Großer Pyhrgas (2244 m).

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Großer Pyhrgas (2244 m), Karleck (1528 m) und Bosruck (1992 m).

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Das Gipfelsitzen gelingt uns ausgezeichnet, und Produkte der Brauerei Wieselburg unterstützen unsere intensiven Maßnahmen zur Selbstfürsorge. Aber auch diese Phase der Schitour endet einmal. Der Schnee hat aufgefirnt, ist aber noch nicht sulzig.

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Beste Abfahrtsvoraussetzungen auch für mich. Zuerst beginne ich mit meiner, den flüchtigen Zuseher täuschenden Carvingsimulation, um kurz darauf auf die Simulation zu verzichten und mit großen Schwüngen tatsächlich zu Carven. Reinhard staunt mit offenen Mund über die Eleganz meiner Schwünge.

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Der Hang ist aber viel zu kurz. Das Vorzimmer durchqueren wir auf der Aufstiegsspur, und gleich danach erwischt uns der erste Wiederanstieg. Das tut weh!

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Unbremsbar wäre bei eisigen Verhältnissen der lange enge Ziehweg von der Mayralm hinab. Ich wüsste nicht, wie ich da heil hinunter käme. Aber der Schnee ist heute weich, und gelegentliche Ausritte, bergwärts, bremsen den natürlichen Drang der Schi zum schneller werden.

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Ich kann mich im milden Nachmittagslicht…

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…nicht entscheiden, ob mir so eine Abfahrt lieber ist, oder ein Gegenanstieg,…

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…an dem die Schi dann auch noch getragen werden wollen.

Ich habe mich doch entschieden, die Abfahrt ist mir lieber.

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Eine großartige Tour im südöstlichen Teil des Sengsengebirges findet noch im wärmenden Sonnenlicht ihr Ende.

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Im Anstieg ca. 995 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 13,2 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Heitzmann, Harant (1999): Reichraminger Hintergebirge (Neuauflage) Ennsthaler Verlag, Steyr.

Stoderegger/Zehetner (2012): Schitourenführer Phyrn – Priel. Verlag Kilian, Vöcklabruck.

Die Sonne in Zahlen bei GEOlino (abgerufen am 25.4.2015)

Sommerbesteigung auf Paulis Tourenburch (abgerufen am 26.4.2015)

Sommerbesteigung auf bergliste.at (abgerufen am 26.4.2015)


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region Sengsengebirge (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.