Oppenbergs Winkelgasse

Die Winkelgasse ist eine mitten in London gelegene, verborgene Einkaufsmeile für Zauberer. Dieser Ort aus dem Harry Potter-Universum ist für Muggels (Nichtzauberer) unsichtbar. Ähnlich verhält es sich mit den Bergen rund um Oppenberg entlang des Strechengrabens und der Gulling. Vor den Augen der Bergmuggels verborgen bietet es für „Eingeweihte“ Gipfelerlebnisse der besonders einsamen Art. 

Gegenüber war ich schon (Hochhaide und Stein am Mandl), und auch am anderen Gegenüber war ich schon (Seekoppe und Hochgrößen). Heute will ich den Bergrücken dazwischen, vom Schüttkogel über den Tiefenkarspitz und Horninger Zinken zu den Schafzähnen und Schaföfen, überschreiten.

Um in die Winkelgasse zu kommen, ist ein kompliziertes Prozedere erforderlich: „Drei nach oben…zwei zur Seite…“. Wenn der richtige Backstein gefunden ist, klopft man dreimal mit dem Zauberstab gegen den Stein. Dann erscheint ein kleiner Spalt, der sich zu einem Torbogen vergrößert…“

Auf den Schüttkogel kommt man viel einfacher: Man fährt in Oppenberg bis zum Gehöft Großbichler und klopft nirgends. Dann stellt man sein Auto ab und wandert einfach auf der Forststraße immer entlang der Markierung bis zum ersten Willkommensschild. In manchen Gegenden der Steiermark sehen Willkommensschilder einfach so aus. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Auch hier kommt Zauberei ins Spiel, denn insgeheim flüstern diese Schilder dem Wanderer zu: „Ich meine es gar nicht so, geh‘ nur ruhig weiter, schön wird’s werden…“ ¹

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Der lange Beginn des Aufstieges führt markiert auf Forstraßen…

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…zu den Weidegründen der Horningalm.

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Die wenigen Schafwolken treiben an den Hängen des Horninger Zinkens ihre fantastischen Wolkenschaf-Schattenspiele.

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Nach Verlassen der Forststraße ist die Orientierung für ein kurzes Stück etwas verzwickt. Spätestens bei Erreichen dieses steinreichen Ziehweges löst sich alles in Wohlgefallen auf.

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Ich bahne mir meinen Weg an der Ostseite des Grießkegerls durch Beerengebüsch und dichtes Sommergrün.

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Gegenüber verflacht der Horninger Zinken mit jedem meiner errungenen Aufstiegsmeter.

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Nicht nur die Schatten der Wolkenschafe, auch hellgrüne Latschenschafe weiden geduldig am Fuße des Schüttkogels.

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Kurz vorm Grießkegerl spiegeln sich die Baumwipfel im dunklen, tümpligen Wasser. Unglaublich schön ist es hier. Zauberhaft.

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Obligatorisch und unverzichbar: Gipfelfoto Grießkegerl (1890 m).

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Gegenüber kann ich links im Bild etwas befremdlich, weil nämlich reißzahnartig, die Schafzähne erkennen, und rechts der Bildmitte den Horninger Zinken.

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Wie durch Zauberei flackern Winterbilder von einer Schitour auf die Schafzähne aus dem Jahr 2009 durch mein Gedächniskino. Sie vermischen sich mit dem Anblick dieser Sommerweiden.

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Immer wieder gelingt es mir, auf so einsamen Wanderungen regelrecht aus der Zeit zu fallen. Das „Hier und Jetzt“ vermischt sich mit dem was war und auch noch hätte sein können. Darum brauche ich nicht immer Begleitung und Mitwanderer.

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Der Weg züngelt jetzt unschwierig immer den Gratrücken entlang bis zum Schüttkogel.

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Hochrettelstein (2220 m), Seekoppe (2150 m), Hochgrößen (2115 m) und der östlich vorgelagerte Riednerzinken (1846 m).

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Nicht nur vor Liebe kann man Herzklopfen bekommen. So ein Rückblick lässt mein Herz auch vor Freude schneller schlagen.

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Niedereck und Rotleitenkoppe (1948 m)

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schüttkogel (2049 m). Das Gipfelbuch stammt aus dem Jahr 2008 und ist nicht einmal zu Hälfte vollgeschrieben.

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Muntere Mücken in Überzahl verkürzen meine Gipfelrast, und schwarmgewolkt erlauben sie mir nur ein paar Gipfelfotos: Mein Weiterweg zu Tiefenkarspitz und Horniger Zinken.

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Horniger Zinken, Schafzähne und Schaföfen

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Stein am Mandl ( 2043 m), Seegupf (2011 m), Diewaldgupf (2125 m), Moserspitz (2230 m), Hochhaide (2363 m) und in der Bildmitte die selten bestiegene Wurzleiten (2066 m).

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Im Süden sind zu sehen: die Bösensteine (2448 m) und der Sattel des Perwurzpolsters (1814 m). Darüber mugeln sich der Perwurzgupf (2082 m) und der Zinkenkogel (2233 m) in die Höhe. Und wie ich mit Gewissheit weiß, auch dort ist es überall schön…

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Auch diese riesige Talsperre mit ihren sichtbaren Schneeresten und Schuttfeldern hat einen Namen: Grimming (2351 m).

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Nicht allzu groß und mit einem Forststraßencut an der Wange erinnert mich der Blosen (1724 m) an Frank Ribery. Dahinter ist gerade noch der Hochangernstock und das Tote Gebirge zu erkennen.

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Blick in den lang gezogenen (10 km), von vielen jagdlichen Einrichtungen dominierten Strechengraben. Dieser Taleinschnitt ist für Normalwanderer (ohne Jagdgewehr und grüner Unterhose) gesperrt bzw. nur zu Fuß zugänglich.

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Zoomblick zur Wurzleiten

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Mein nächstes Ziel ist der Tiefenkarspitz. Die Wegmarkierung endet am Schüttkogel. Für mich gleicht das Verlassen markierter Wege ein wenig einer Befreiung, dem Freimachen von einer gut gemeinten Bevormundung.

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Feinstes Schitourengelände, wohin ich auch schaue.

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Blick zurück zum Schüttkogel – naja, die Ostseite in’s Geierkar ist vielleicht doch nicht so ein Schitourengelände. Dahinter ist die Rotleitenkoppe (1948 m) und danach der Wirtsspitz (2032 m) zu sehen.

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Der vielversprechende Blick auf die bevorstehende Gratwanderung zur Spitze des Horninger Zinkens (1989 m).

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Davor will ich aber noch auf den höchsten Punkt des Tiefenkarspitzes. Noch ein einfacher  Abstieg zu diesem Seenauge und ein kurzer Aufstieg, und ich bin…

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…am Tiefenkarspitz (1997 m). Obligatorisiert und unverzichtet.

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Nordöstlich geht es über diese unbenannten Erhöhungen noch ein kurzes Stück weiter. Ich ignoriere diesen Abstecher und konzentriere mich ganz auf den steilen Abstieg vom Tiefenkarspitz,…

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…um gleich im Anschluss, oberhalb des Haderkars, den vielversprechenden Gratanstieg zu beginnen.

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Nur leises Insektengesumse begleitet mich auf der sonnengebadeten Gratschneide. Grüne Stille und tiefe Einsamkeit lässt mich wieder einmal ganz inwendig werden.

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Rückblick zum Schüttkogel und seinen grünen begehbaren Graten. Ich bin den ganzen Tag keiner Menschenseele begegnet, nur Gamsseelen haben mich aus weiter Entfernung beobachtet.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Horninger Zinken (1989 m).

Mit mir ebenfalls am Gipfel sind äußerst bergtaugliche Fliegen. Da kein Lüftchen weht, werde ich Schweißgetränkter regelrecht belagert. Kappe, Brille, Rucksack und Kamera werden von den Insekten okkupiert. Selbst auf meinen fest geschlossenen Lippen krabbelt es. Jetzt heißt es nur nicht unkontrolliert, nur durch die Nase atmen und schnell weitergehen.

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Panoramablick zurück.

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Mein Weg führt oberhalb des Perschenkares weiter zu den Schafzähnen.

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Ich beschließe, jeden dieser aufragenden Felszähne zu besteigen. Das ist zwar eine Plackerei, aber wenn ich schon da bin…

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Ich bin vorsichtig, weil diese felsdurchsetzten Grasschrofen sehr steil sind. Bei Nässe kann ich die Besteigung nicht empfehlen. An Tagen wie diesen aber schon.

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Am ersten Zahn…

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… und am zweiten Zahn mit der Höhenkote (1917 m). Ich glaube aber, dass der erste Zahn den höchsten Punkt markiert. Wie auch immer – obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schafzähne (1917 m).

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Jetzt wartet nur noch einfaches Gehgelände auf mich. Einzig der Abstieg kann noch die eine oder andere Überraschung für mich bereit halten.

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Diesen Rücken bin ich mit Freunden und Frauenfreunden im Winter 2009 bei spannenden Schneeverhältnissen aufgestiegen und abgefahren.

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Im unteren Bildrand ist mein Grüppchen im Aufstieg zu sehen.

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Unberührte Winterlandschaft.

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Mit Schnee plombiert verlieren die Schafzähne ihre Konturen.

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Dieses Bild erzählt auch ohne Worte von den Abfahrtswonnen…

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Unter Schafzähnen stellte ich mir stumpfgemahlene Zahnreihen vor. Aber Bilder von Schafgebissen zeugen von der naheliegenden Benennung dieser Felsformationen.

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Ich schreite jetzt den ganzen Grat bis zu den Schaföfen und dem Gschiedereck ab.

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Ich glaube, ein Foto des ostseitigen Blick’s in den Strechengraben findet sich nicht oft im Internet.

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Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte, ist hier alles fantastisches Schitourengelände…

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto ohne eigentlichen Gipfel (Schaföfen 1899 m).

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Einem zufriedenen Handwerker gleich betrachte ich mein gelungenes Wanderwerkstück.

Berschriftet

In den Karten führt ein Jagdsteig vom Gschiedereck entlang der Schiederalpe zur Gschieder Jagdhütte. Dieser Weg existiert nur noch in kurzen Abschnitten. Besser ist es, wieder zu den Schafzähnen zurückzuwandern und den Rücken über die Schiroute abzusteigen. Es gibt dafür auch noch einen guten anderen Grund, wie auf den nächsten Fotos zu erkennen sein wird.

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Der größtenteils weglose Abstieg führt durch steiles, aber begehbares Gelände. Ich erreiche endlich die Quelle östlich der Gschiederhütte.

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Meine Schuhe versinken im feuchten tiefen Grund, und weglos „schmatze“ ich über diesen wollgrasgetupften Quellboden.

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Ich fasse noch etwas Wasser und finde auch wieder den alten Pfad.

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Aber nicht nur diesen alten Pfad, sondern auch einen neuen, meterhohen Wildzaun. Die Pächterin des riesigen Jagdgebietes im Strechengraben streckt ihre Fühler auch auf diese Seite des Berges aus. Die Konsequenz ist das zweimalige Absperren des alten Weges. Hilfreich wäre eventuell ein Hinweis am Gipfel, dass hier ein Schutzgebiet eingerichtet wurde. Eigentlich ist die Abgeschiedenheit dieses einsamen Gebietes Schutz genug, wozu braucht es diese Einzäunungen? Zumindest eine Überstiegstreppe für Wanderer wäre ein minimales Entgegenkommen. Aber nichts davon ist zu sehen. Es gelingt mir trotzdem, den Zaun zweimal, ohne ihn dabei zu beschädigen, zu überwinden. Allen Nachwanderern will ich aber empfehlen, entlang der Schiroute zur Gschieder Jagdhütte abzusteigen.

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Auch danach ist die Orientierung mangels eindeutiger, durchgehender Pfadspuren nicht immer ganz einfach.

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Bereits bei meiner Überschreitung von der Seekoppe zum Hochgrößen, oder den Schitouren rund um Oppenberg, habe ich diese Gipfel ins Auge gefasst. Den letzten Stupser habe ich aber von Helmut Seiringer und seinen großartigen Bildern erhalten.

Solchen Wanderungen mangelt es an nichts.

Im Anstieg ca. 1345 Hm und zurückgelegte Strecke ca. 16,4 km.

Quellen

Schuettkogel_161 (CC)

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

 

Form und Aufstellungsort der Schilder¹

In der Steiermark müssen bei Jagdsperren auf den Hinweistafeln die Bezirksverwaltungsbehörde, die Geschäftszahl des Bescheides und die Dauer der Sperre angeführt werden. Ansonsten ist die Sperre ungültig.

Weiter Informationen siehe schitouren.at.

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Informationen zur Winkelgasse und den wunderbaren Phantasien der J.K. Rowling findet man auf der Seite: http://de.harry-potter.wikia.com/wiki/Hauptseite

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Bildbeschriftung erfolgte mit:

PanoLab  Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Version:  v 1.0.2    © 2007 Christian Dellwo.

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Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Auferbauer (2004): Schitourenparadies Steiermark. Verlag Styria Pichler, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Jäckle (1926): Führer durch die Östlichen Niederen Tauern. Sektion Edelraute d. Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Wien.

 

 


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.