Osttirol erster Tag: Rund um die Sillianer Hütte

Inkubationszeit: wenige Stunden – keine Gegenmaßnahmen möglich – Dauer der Ansteckung: vermutlich lebenslang – Name des Virus: Osttirol! 

Unser Pflegebett steht in Obertilliach. Die erforderlichen Therapien finden durchwegs in der näheren Umgebung statt. Gleich unser erster Behandlungstag  führt uns auf den Hauptkamm der Karnischen Alpen.

Vor der Abfahrt lacht uns schon die 2599 m hohe Porze (Osttirols südlichster Berggipfel) entgegen. Westlich der Porze liegt unser heutiges Tagesziel.

Wir fahren durch das Tiroler Gailtal nach Sillian und weiter zur Leckfeldalm auf 1926 m. Bei jeder Ausweichmöglichkeit an der steilen Forststraße zur Alm parkt ein italienisches Auto. Pilzesucher noch und noch. Wir können uns jetzt vorstellen, dass dieses exzessive Schwammerlsuchen für die Osttiroler ein Problem darstellt.

Die Leckfeldalm. Und dahinter, hoch über Sillian, liegen unter weißem Wolkendampf die Villgratener Berge.

Wir entscheiden uns für den steileren Anstieg zum großen Heimkehrerkreuz auf der Schützenmahd (2373 m).

Bereits nach kurzer Gehzeit gibt die Wolkendecke viele Gipfelziele in den Villgratener Bergen frei, auch Tiefblicke nach Sillian sind jetzt möglich.

Wir erreichen den Startplatz der Paragleiter auf dem Gipfel des 2124 m hohen Sattel. Noch sind keine Flugartisten zu sehen, aber bei dieser fantastischen Startmöglichkeit wird sich hier schon einiges abspielen.

Der steile Aufstieg zum Heimkehrerkreuz erfolgt exakt am Kamm, parallel zum forststraßenähnlichen Normalweg. Im Zickzack einer unschönen Operationsnaht, zieht dieser in den Leckfeldsattel.

Der Steig führt an Zirben und Lärchen vorbei steil aufwärts.

Noch im steilsten Bereich, auf einem Felsen befindlich, zieht dieses blinkende und drehende „UFO“ unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Man kann dieses mit Spiegeln versehne Etwas von weitem erkennen, aber ob es außer sich zu drehen und in der Sonne zu blinken eine weitere Funktion erfüllt, können wir nicht feststellen.

Der Fruchtstand des Alpen-Petersbarts (Berg-Nelkenwurz).

Endivien-Habichtskraut

Meine vorauseilende Frau winkt mir gut gelaunt „von oben herab“ zu.

Obligatorisch und unverzichtbar unter dunkelblauem Himmel: Gipfelfoto Heimkehrerkreuz oder präziser Schützenmahd (2224 m).

Blick nach Osten zum Sillianer Haus und darüber der Hochgrubengipfel.

Blick nach Westen zum Helm mit dem Helmhaus. Das Helmhaus war ursprünglich die Sillianer Hütte und wurde nach dem Ersten Weltkrieg an Italien übereignet. Die Italiener verwendeten die Hütte als Grenzposten und Zollhaus. Jetzt wird eine Wiederinstandsetzung und touristische Nutzung der stark beschädigten Hütte überlegt.

Ich besteige noch über den einfach Kamm…

…über große Blöcke, die mich an die Niederen Tauern erinnern…

…das Füllhorn (2445 m).

Die Belohnung für die gar nicht so großen Mühen erfolgt in einem überwältigenden  Logenblick auf die Sextener Dolomiten.

Am Hauptkamm wieder mit meiner Frau vereint, besuchen wir noch den Helmgipfel samt Helmhaus. Monte Elmo nennen ihn die Italiener, für diese ist er mit einer Seilbahn von Vierschach, die auf 2060 m führt, ebenfalls leicht erreichbar.

Blick zur Hahnspielhütte und dem westlichsten Zweitausender der Karnischen Alpen, dem Hasenköpfl mit 2226 m.

Das Helmhaus wird von vielen Italienern regelrecht belagert.

Meine Frau erfreut sich an ihrem kurzzeitigen Italienaufenthalt. Ich mit ihr, aber zugleich können wir uns an den Ausblicken in die Südtiroler Dolomiten nicht sattsehen.

Aus den Eindrücken der näheren Ferne…

…und der unmittelbaren Nähe, ergibt sich ein unvergessliches Erinnerungspotpouri.

Alpen-Kratzdistel

Wir sind für Stunden…

…dem Himmel sehr nahe.

Immer bessere Einblicke gewähren uns die Sextener Dolomiten. Hier im Zoom die drei Zinnen.

Die Sillianer Hütte ist an diesem Tag natürlich gut besucht. Im Karnischen Hauptkamm ist sie auf 2447 m die höchstgelegene Hütte. Über den Normalweg von der Leckfeldalm finden auch viele Mountainbiker zu ihr. So weit wir beobachten können, schieben die meisten Biker das Rad den steilen Anstieg. Bergab sind sie unwidersprochen im Vorteil.

In alten Führerwerken und Karten findet man im Leckfeldsattel noch die Viktor-Hinterberger-Hütte verzeichnet. Diese Hütte wurde abgetragen und etwas höher die Sillianer Hütte eröffnet (1986).

Jetzt ist auch der Gipfel der Drei Schusterspitze (3152 m) wolkenfrei.

Nach einer ausgiebigen Rast mit einem guten, aber lieblos servierten Stück Speck (Speck auf Holzteller mit zwei Broten und sonst nix), wollen wir uns noch die Kriegsbunker am Obermahdsattel ansehen.

Welche Tragödien und menschliche Katastrophen haben sich in diesen Unterständen zu Kriegszeiten wohl ereignet?

„Bis zu sieben Meter Schnee im Winter, eisige Stürme, Lawinengefahr und Steinschlag. Daran starben im Winter mehr Menschen als durch Schüsse aus Maschinengewehren und Geschützen. Viele Soldaten waren diesen hohen Anforderungen nicht gewachsen und verübten Selbstmord.“ (Lehofer)

Ist dieses Graffiti im Bunker ein Original oder kopiert es ein Bild? Irgendwie kommt mir das Motiv bekannt vor.

Der Anblick der abschreckenden Haifischzähne (Buchenauer) der Pesariner Dolomiten.

Dieser so gelungene Tag soll für uns nicht enden, und so verlängern wir unsere Tour um einen weiteren Gipfel. Es geht auf das vor uns liegende Hornischegg weiter.

Wieder an Bunkereinbauten vorbei, besser gesagt oben d’rüber auf breitem Weg…

…erreichen wir das Hornischegg (2550 m). Die Italiener nennen diesen Gipfel Monte Arnese. Beschreiter des Karnischen Höhenweges können diesen Gipfel nordseitig umgehen.

Auf diesem Foto kann man links das Helmhaus am Grat erkennen. Der runde Grasmugel rechts ist der Hochgruben. Diesen werde ich beim Rückweg zur Sillianer Hütte noch überschreiten.

Die Wolkenspiele am tiefblauen Himmel verleihen der Szenerie  3-D Effekte in bester Kinoqualität.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Hochgruben (2538 m).

Vom Hochgruben in Richtung Lienzer Dolomiten fotografiert. Die Lichtverhältnisse lassen nicht allzuviele Erkenntnisse zu. Der beleuchtete Felsklotz im linken Bildteil ist der Spitzenstein (2265 m) und der Grasgipfel in der Bildmitte ist der leicht erreichbare Golzentipp (2317 m).

Wenn ich mich nich sehr täusche, kann ich hier den Großglockner erkennen.

Und jetzt bin ich mit meinem Berglatein am Ende. So viele Gipfel gäbe es zu bestimmen. So viele ragen im Westen auf. Vielleich habe ich den einen oder anderen Prominenten fotografiert und weiß es nicht einmal.

Auf diesem Foto kann man den Großteil unserer heutigen Wanderung überblicken. Ganz rechts im Bild das Heimkehrerkreuz, daneben das Füllhorn und ganz hinten das Helmhaus. Direkt vor mir liegt der Füllhornsee und die „Abstiegsnaht“ zum Ausgangspunkt.

Für Begeher des Karnischen Höhenweges interessant: So geht es nach der Sillianer Hütte östlich Richtung Obstanserseehütte weiter.

Ein letzter Blick zurück zum Hornischegg.

Ich gehe direkt über Geröll und Wiesenreste zu meiner wartenden Frau bei der Sillianer Hütte weiter.

Ein kurzer Abstecher zum Füllhornsee muss sein. Vieles in dieser Landschaft erinnert an die Niederen Tauern.

Wiederum viele Gipfel, die ich nicht benennen kann.

Etwas abseits des Abstiegsweges erstreckt sich fast hochmoorähnliches Gelände samt  Wasserfall und einer fotoscheuen Kreuzotter. Am Parkplatz werden wir von zwei Ungarn angesprochen, die ihre Rucksäcke für eine Überschreitung packen. Sie parken exakt vor einem Schild und wollen wissen, was darauf steht. Wir erklären ihnen, dass vor Weidevieh und den möglichen KFZ-Beschädigungen gewarnt wird. Sie überlegen kurz, da ihr Fahrzeug für einige Tage hier stehen wird und packen dann doch weiter.

Im Anstieg ca. 900 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 12,8 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Buchenauer (1986): Karnische Alpen. Leykam Verlag, Graz.

Gasser (1979): Erlebnis Osttirol. Verlag Leopold Stocker, Graz

Lehofer (1991): Wandern im Rhythmus der Berge. In: Land der Berge 4/1991.

Mair (1981): Osttiroler Wanderbuch. Tyrolia Verlag, Innsbruck.

Mair  (2010): Osttirol Süd. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Wecker  (2012): Karnischer Höhenweg. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

 

 


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