Sauangerkogel (1526 m)

Große Pläne habe ich für diesen Tag geschmiedet. Und wie ein Gärtner die übermütige Gartenhecke schneidet, so hat ein kleiner böser Infekt meine ambitionierten Tourenpläne gehörig zurechtgestutzt.


Sehr motiviert, aber etwas müde, gelange ich nach zwei Stunden Autofahrt am Parkplatz unterhalb des Schwabenbartels an meinen Ausgangspunkt. Der Parkplatz auf ca. 790 m ist an diesem sonnigen Samstag schon fast zur Gänze gefüllt.

Zum zweitenmal in meiner Wanderkarriere begegne ich einem Kassenautomaten an einem Wanderparkplatz. An diesen Anblick werde ich mich wohl oder übel gewöhnen müssen.

Sauangerkogel062 (CC)

Ich will übers Zirbeneck (unter „Mitnahme“ des Sauangerkogels) auf den Fölzstein, weiter zum Fölzkogel, danach über die Windscharte und die Fölzalm zurück wandern. In diversen Bergsteigerforen wird über den unmarkierten Zustieg, welcher gleich nach dem kleinen E-Werkt beginnt, ausführlich berichtet. Sogar Adi Mokrejs erwähnt diese Anstiegsmöglichkeit in seinem Wander-Atlas Steiermark.

Sauangerkogel002 (CC)

Es geht gleich sehr steil an der rechten Seite des Mitterbaches aufwärts. Auf der gegenüberliegende Bachseite kann ich die Wegbauten für die Kraftwerkswarte erkennen. Diese Stege führen aber nicht sehr weit und enden bald.

Der Weg ist immer sehr deutlich und gut zu erkennen.

Schwalbenwurz – Enzian

Diese Brücke überschreite ich nicht, da der Pfad noch an der rechten Seite weiterführt.

Erst dieser Steg führt..

…zu dieser Wiesenfläche. Erstmals kann ich das Zirbeneck und den Fölzstein sehen. Die Wiese überquere ich auf kaum erkennbaren Spuren. Für Zeiten ohne Spuren in der Wiese sei angemerkt: einfach überqueren und weder nach links oder rechts ausweichen. Anschließend findet sich der Pfad leicht wieder.

Danach zieht der Weg in einen steilen Schlag. Die Sonne brennt, und ich stolpere von einem Schweißausbruch in den nächsten. Der Puls hämmert schon nach kurzer Zeit stakkatoartig. Irgendetwas stimmt bei mir nicht.

Endlich erreiche ich die Jagdhütte auf ca. 1200 m. Ich fühle mich, als hätte ich meine ganze Wanderung bereits hinter mir, und ich dürfte auch entsprechend aussehen. Eine vorbeikommende Wanderin erlaubt sich die Frage, ob ich mich schon im Abstieg befinde. So elendig ist es mir schon lange nicht mehr ergangen.

Wiederum greife ich auf meine bewährte Sturheit zurück und gehe mit der Hundert-Schritte-Methode weiter. Aber ich „erfange“ mich einfach nicht und muss sogar auf die Fünfzig-Schritte-Methode downgraden.

Erstmals taucht der Sauangerkogel auf, und ich beschließe vorerst einmal, diesen selten bestiegenen Gipfel zu erreichen.

Mittlerweile fehlt mir schon die Kraft, auch nur auf den Brennsattel zu kommen. So quere ich, lediglich mit leichtem Höhengewinn, den Hang in Richtung Sauangerkogel. Immer wieder schnaufend und nicht wissend, wie das weitergehen soll.

Ich habe sehr viel Zeit für das kurze Stück benötigt. Jetzt suche ich Wegspuren an den Abbrüchen zum Karlgraben entlang.

Auf die Jägerschaft im Hochschwab ist wirklich Verlass. Natürlich gibt es einen guten Weg zum Gipfel. Direkt über die erste niedrigere Erhöhung führt der Pfad zum eigentlichen Gipfel.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Sauangerkogel (1526 m).

Blick zum Zirbeneck und den Fölzstein. Auch den Fölzkogel und den Karlhochkogel kann ich erkennen.

Südlich in unmittelbarer Gipfelnähe trägt die Nadelmauer ihren Namen zur Schau.

Die Meßnerin und dahinter der Trenchtlingstock.

Buchbergkogel und Zinken

Jetzt geht es mir schon so, dass ich auch im Abstieg bereits Pausen einlegen muss. Nach kurzer Zeit habe ich sofort wieder hohen Puls. Ich beschließe, endlich auf meine Körpersignale zu achten und auf den Weiteraufstieg zu verzichten. Anders gesagt, ich könnte keine fünfzig Höhenmeter mehr gehen.

Rückblick zum „Doppelgipfel“

Ein paar Schritte gehe ich noch in Richtung Zirbeneck, und danach mache ich mich daran, endlich aus der Sonne zu kommen. Die Erdanziehungskraft hat sich verdreifacht bei gleichzeitiger Halbierung des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Zumindest fühlt sich jeder Schritt so an.

Bei der Jagdhütte pausiere ich lange. Ich zwinge mich, eine Kleinigkeit zu essen und trinke viel. Ich werde diese Tour wiederholen, und bei der vorgefundenen Schönheit des Anstiegsweges freue ich mich jetzt schon darauf.

Arnika

Trotz meines Zustandes kann ich mich an der Schönheit des Weges freuen.

Endlich befinde ich mich wieder auf der Schnellstraße zwischen Parkplatz und der Fölzalm. Der Verkehr fließt zu dieser späten Stunde nur noch in eine Richtung.

Das Gold des Schwaben: Wasser

Auch zuhause ist mein Puls stark überhöht und der Blutdruck jenseits der gewünschten Werte. Ich suche in den frühen Abendstunden noch einen Arzt auf. Das EKG ist aber ohne Befund, und er ist der Meinung, ein zur Zeit grassierender Darminfekt könnte an meiner Misere schuld sein. Tatsächlich bin ich zwei Tage später vollkommen wiederhergestellt.

Im Anstieg ca. 895 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 10,8 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Hödl (2003): Wandererlebnis Hochschwab & Hohe Veitsch, Almen, Gipfelwege, Hütten. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten.

Mokrejs/Ostermayer (2009): Bergwander-Atlas Steiermark. Schall Verlag, Alland.

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.