Schafberg (1783 m)

Nach den ersten Schneefällen hat die Schafbergbahn für dieses Jahr ihren Betrieb eingestellt. Und weil ein bisschen Schnee noch keinen Winter macht, folge ich dem Lockruf aus dem Salzkammergut. Vom Ufer des Wolfgangsees (Krotensees) will ich den Schafberg besteigen und das bei sagenhaft warmen Novemberwetter.

Bei der Anfahrt auf der Autobahn zeigt das Thermometer nur 2° C. Die Landschaft wird von einem freuchten grauen Vorhang verdeckt. So stelle ich mir das Hochland in Schottland vor. Loch Ness Stimmung am Mondsee. Mit jedem Kilometer am See entlang werde ich langsamer, im Fahren und auch im Denken. Die Entschleunigung hat noch im Auto begonnen…

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…und setzt sich in mir fest, auch nach dem Aussteigen. Ganz anders als mein morgendlich verknittertes Gesicht ruht der kleine Krotensee faltenlos unter dem gelben Schloss am Hüttenstein. Und…

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…aufgefädelte Nebeltränen schimmern im müden Morgenlicht.

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Ich habe mein Auto ganz am Rand des Parkplatzes beim Batzenhäusl abgestellt. Wegweiser leiten mich unter dem Schloss Hüttenstein herum, bis zu einem Waldrandpfad.

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An wenigen Häusern in Winkl vorbei komme ich zur Waldschränke (611 m). Hier beginnt der nur vermeintlich etwas seltener begangene Aufstieg.

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Dass sich hier der Schafberg befinden soll, muss ich jetzt einfach der Karte und den Wegweisern glauben.

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Von Beginn weg befinde ich mich auf einem steilen, feuchten Waldanstieg.

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Sonderbar ist nur, dass dieser selten begangene Anstieg gerade heute regen Zuspruch erfährt. Hier wandern doch einige, oder eigentlich ganz viele. Meine Dialektanalyse erkennt lauter Einheimische.

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Ich bin nicht bereit, meinen Entschleunigungsmodus zu verlassen und werde immer wieder überholt. Am schnellsten von einer Dreiergruppe junger Männer. In bunter  Laufkleidung und Minirucksäcken fliegen sie an mir vorbei. Das ist ein Fight. Die leben das, was ich gar nicht leiden kann: Motivation durch kompetitiven Druck.

Auf dem Foto sind sie nicht mehr drauf, dafür waren sie zu schnell. Aber dass es immer heller und klarer wird, kann man gut erkennen.

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Und nach rund sechshundert Höhenmetern ändert sich alles. Ich lasse den Wald endlich hinter mir und komme in besonntes Almgelände. Mein Blick zurück erhält diesen ersten Schau-Appetizer und nach wenigen Gehminuten…

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…den zweiten. Endlich auf der Schafbergalm angekommen, weiten sich Weg und Landschaft. „Can what“ würde jetzt einer meiner Freunde sagen.

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Mit dem Erreichen des Almgeländes gelange ich auch in den Wind. Schnell flutsche ich in meine Weste, und ohne Rast gehe ich weiter.

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Der Anblick des Gipfelhotels täuscht Nähe vor. Aber der Gipfel liegt noch in stundenweiter Ferne.

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In früheren Zeiten brachte der Anschluss ans Eisenbahnnetz ganzen Städten und gar Landschaften wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand.

Am Schafberg ist es heute noch so. Seit 1893 ist die Zahnradbahn die Lebensader und befördert Tag für Tag den Lebensstoff für die Einrichtungen am Berg: Touristen und Ausflügler.

Steht die Bahn, ruht das ganze touristische Werkel.

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An der Schafbergalm kann Zu- oder Ausgestiegen werden. Viele Wanderer verlassen hier die Bahn, um die letzten 480 Höhenmeter weiterzuwandern.

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Der Anstieg führt ziemlich steil über Schrofen hoch. Hier quere ich zum zweitenmal den Schienenstrang.

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Ob die mickrigen Schneereste den heutigen Tag überstehen können? Ich glaub’s nicht.

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Manche werden zur Diva, wenn sie hungrig sind, und ich habe Sichtungen. Heute sehe ich vor meinem inneren Auge schon das rosa Hotel auf der Bergspitze. Auf meinem Hungerast schaukeln wie Weihnachtsbaumkugeln Bilder vom zuletzt gesehenen Kinofilm.

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Nach einem Müsliriegel passt wieder alles. So weit ist es nicht mehr.

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In diesen nebligen Herbsttagen wird die Sonne zum Goldenen Kalb. Näher als die Bergsteiger kommen ihr nur die Himmelspilze.

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Tiefblick zur Schafbergalm und Wolfgangsee. Den Mondsee werde ich heute…

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…so wie’s ausschaut…

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…nicht mehr sehen.

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Auch ohne Bahnbetrieb sind viele Menschen am Berg. Bei diesem Foto habe ich sie einfach nicht aufs Bild gelassen.

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Dann erreiche ich das Kreuz. Es befindet sich neben der Himmelspforte und nicht am höchsten Punkt.

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Beim Kreuz treffe ich wieder auf die drei schlanken Vorbeihaster von ganz unten. Sie steigen schon ab. Mit einem: „Auch schon da“, begrüßen sie mich. „Hast ein wenig länger gebraucht, wir sind schon über eine Stunde am Gipfel“ setzt der mit dem Trinkschlauch im Mundwinkel selbstgefällig nach. Und endlich einmal bin ich schlagfertig und nicht erst eine halbe Stunde später, wie sonst so oft. Ich antworte: „Mein Gott Buam, was ist denn schon dabei, einen Schwächeren abzuhängen“. Irgendwie war der gut, denke ich mir. Und vielleicht habe ich sie auch kognitiv überfordert, denn sie sagen nichts mehr und gehen weiter.

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Der Blick in den Norden zeigt mir die Kulmspitze (1095 m) und im besonnten Wiesenflecken die Buchberghütte. Der Attersee ist wie sein Nachbar, der Mondsee, völlig untergetaucht.

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Schon von Weitem kann ich sie hören. Die lautstark Telefonierenden, die ungeniert ins Handy plärrenden Nichtigkeitenverbreiter, die so tun, als wären sie mit dem Adressaten ihres Anrufs allein in der Welt. Viele Telefonschafe am Gipfel des Schafbergs.

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Heute finden sich aber auch scharenweise Wanderer ohne Telefon am Gipfel ein und manche sogar…

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…ohne Hemd. Einige meinen, dass es in diesem Jahr kühlere Sommertage hier heroben gegeben hätte, und ich glaube ihnen das.

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Für lange Zeit werde ich zu einem Oadaxl und bunkere bewegungslos die Sonnenwärme in jeder Faser meines Körpers.

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Hin und wieder bewege ich mich doch einen halben Meter.

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Für den Winter versorge ich meine rotfüßigen und gelbschnabeligen Freunde mit einer Fettschicht.

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Hinter dem Hotel befindet sich der Gipfelpunkt des Berges. Darum obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schafberg (1783 m).

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Und wieder einmal drängt sich die nahe Zukunft in mein Gesichtsfeld. Diese Schöne rechts von mir ist die Spinnerin (1725 m), und die will ich auch noch besuchen.

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Ich halte mich an den Pfad nahe den Nordabbrüchen. Am Bahnhof vorbei…

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…mit großartigen Ausblicken in den Nordosten (Höllengebirge) nähere ich mich der Einschartung.

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Wenige Meter unterm Gipfel der Spinnerin steht diese weiße Madonna am Grat.

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Mit der Marienstatue kann ich nicht konkurrieren, aber trotzdem obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Spinnerin (1725 m).

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Jetzt kann ich sogar zum Schwarzensee sehen. Der Vormauerstein (1450 m) scheint zum Greifen nahe. Die Landschaft ist an diesem Tag zurück in den Oktober gezappt.

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Ein häufiger Begleiter meiner diesjährigen Bergtouren: der Dachstein.

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Ich steige ab und mache mich auf die Suche…

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…nach dem Purtschellersteig. Ich finde ihn auch rasch. Und so rasch ich ihn gefunden habe, so schnell verliere ich ihn auch wieder. Ist der Steig schon nur für Geübte, so ist das steiglose Absteigen nur für Geübtere.

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Ich habe den Steig in meiner Unachtsamkeit wirklich verloren, aber in diesem Gelände, soferne nicht Schnee und Eis die Sache gefährlich machen, kann man sich seinen Weg problemlos selber suchen. Etwas später findet der Steig mich wieder.

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Schlüsselstelle?

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Ich gelange wieder zur Bahntrasse und wandere ein kurzes Stück auf ihr weiter.

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Das Abstiegsgelände in der Rückschau.

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Bevor ich noch zurück zur Schafbergalm gelange, zweige ich links ab. Über diesen unschwierigen Waldaufstieg gelange ich zum nächsten Gipfel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Reiningspitz (1460 m).

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Hinter dem Kreuz steige ich in einen kleinen Sattel ab und…

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…wenige Meter hoch zum Gipfel. Vierter und letzter Gipfel des heutigen Tages: Teufelhaus (1415 m).

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Zwischen den beiden Gipfeln, wieder im Sattel, finden sich Steigspuren, die an einem Jagdstand vorbei, zurück zum Bahnhof auf der Schafbergalm führen.

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Radfahrer sind noch auf der Alm und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Ich werde den Anstiegsweg durch den Wald auch wieder absteigen und keinen Umweg mehr wandern. Wenn die Kalender dünner werden, werden auch die Tage schmäler, und ich möchte noch bei Tageslicht unten ankommen.

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Nicht nur ich, auch der lange Spätnovembertag ermattet, und am…

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…Bergfuß angekommen, sehe ich gerade noch, wie der Himmel niedersinkt und sich den Berg holen kommt.

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Im Anstieg ca. 1330 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 17,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Das Foto der Telefonschafe von Jean luc Cornec wurde mir von Torsten Brauckhoff zur Verfügung gestellt.

Hauleitner (2010): Salzkammergut West, zwischen Salzburg und Bad Ischl. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Pilz (2007): Zwischen Ötscher und Wilden Kaiser. Ennsthaler Verlag, Steyr.

Reinisch/Pürcher (1992): Erlebnis Salzkammergut. Verlag Styria, Graz.

Senft (1994): Wandern im Salzkammergut. Verlag Leopold Stocker, Graz.

Helmut Seiringer (abgerufen am 22.2.2015)

Wolfs-BergeBlog II      (abgerufen am 22.2.2015)

360° IR Panorama Schafberg von Johann Steiniger (abgerufen am 22.2.2015)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EPILOG

Ich kann’s einfach nicht lassen. Ein paar SW Fotos habe ich auch noch gemacht.

Vom Gipfel über Mondsee und Attersee hinweg. In der Bildmitte der lange Rücken vom Höblingkogel (994 m) zum Koppenstein (1123 m).

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Nordwestlich ist jetzt auch die Kulmspitze (1095 m) zu erkennen.

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Rechts der Bildmitte die Drachenwand.

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Die Spinnerin (1725 m) und im Hintergrund das Höllengebirge.

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Diese Marienstatue wurde zur Erinnerung an den 1998 verunglückten Manfred Auer errichtet.

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FIN


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region Salzkammergut (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.