Schitour Gstoder (2140 m)

Ich habe eine gute Nacht verbracht. Zwar weit weg von Zuhause, aber dafür geschlafen wie daheim. Beim Schallerwirtenfrühstück treffen wir nur Schitourengeher. Verknitterte Gesichter und zerrupfte Haartürme (viele Mädels anwesend) besprechen die anstehenden Touren. Christoph und Angelika wollen auf den Preber, und das ist bei dem heutigen Prachtwetter verständlich. Auf Reinhard und mich wartet der Gstoder. Von der Nordseite müsste die Tour noch  von der Straße aus, durchgehend mit Schi, möglich sein.

Wir starten bei der Volksschule im Seetal (gleich neben der Straße – gegenüber ein Sägewerk). Reinhard geht mit den Schiern in der Hand links um das Schulgebäude, und ich glaube, rechts herum den kürzeren Weg zu finden. „Wer recht hat oder nicht, sagt euch gleich das Licht übernächste Foto“:

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An der Choreografie meines Siegestanzes muss ich noch arbeiten, die ist noch zu wenig ausgefeilt, da muss mehr Schmähung des Verlierers hinein. Reinhard ist völlig unbeeindruckt.

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Nach einem kurzen Straßenstück, gleich oberhalb des letzten Hauses, beginnt eine geschlossene Schneedecke. Trotz Nordseite ist es bereits in den Morgenstunden sehr warm.

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Das Kriterium dieses Aufstieges ist ein unendlich scheinender Forststraßenaufstieg. Nur drei kurze Unterbrecherstellen (Schi abschnallen – Bach überwinden – zehn Meter gehen – Schi wieder anschnallen) finden sich. Auf diesen 4 Kilometern ersteigen wir…

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…ca. 400 Höhenmeter bis zu den wunderbaren Gefilden der Seetaler Alm (Dorfer Hütte).

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Den Hütten gelingt es immer besser, den festen Griff des Winters abzustreifen.

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Der Blick in den Norden über unzählige Lärchen hinweg. Ein Herbstbesuch dieser Alm muss das reinste Augenvolksfest sein.

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Ab dem Almgelände entfaltet diese Tour ihre ganze Magie. Es folgt ein Schattentanz durch eine einzigartige Scherenschnittlandschaft.

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Weiter führt der Weg über einen riesigen, breiten, sanftmütigen Rücken. Allerfeinstes Tourengelände nur für uns. Kein Mensch ist zu sehen. Bäume und Berge begleiten unseren Aufstieg.

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Die Winterroute führt nördlich am ersten Gipfelfelsen vorbei in eine zuvor nicht einzusehende Einsenkung. Immer größer und mächtiger wird der Gstoder.

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Unter allerblauestem Himmel und bei allerbester Fernsicht erreichen wir beim alten Gipfelkreuz den höchsten Punkt.

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Während ich noch mit dem Rundumstaunen beschäftigt bin, zockelt Reinhard zum intakten Kreuz.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Gstoder (2140 m).

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Für diesen Tag wird mir der Gipfel zum Mittelpunkt der Welt.

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Im Osten die Seetaler Alpen mit dem Zirbitzkogel (2396 m).

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Die Frauenalpe (1997 m) ist über die Trogscharte (1698 m) mit der Ackerlhöhe (2040 m) verbunden.

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Der lange Zug vom Kreischberg zur Prankerhöhe (2166 m).

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Mein Blick streift über die wanderbare Dörfler Höhe zur Würflinghöhe (2198 m) und den Kilnprein (2408 m). Dahinter ragt der höchste Nockberg auf: Der Eisenhut (2441 m).

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Im Zoom ist der Etrachsee, der gestrige Ausgangspunkt für unsere Tour, auf das Edelfeld zu sehen.  Das Edelfeld (2308 m) ist der weiße Rücken links im Bild.

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Ohne Zoom rücken das Kasereck (2740 m), natürlich der Preber (2740 m) und der mächtige Rücken mit der Tockneralm (2357 m) in den Vordergrund.

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Das weiße Getümmel im Westen kann ich beim besten Willen nicht benennen. Ein Horizont nur aus Bergen. Alleine vom Schauen bin ich müde. Ich habe heute Berge für ein ganzes Wanderleben gesehen.

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Dieser fantastische Inselberg ganz ohne Palmen und anderem aussichtsbehindernden Schnickschnack hat mein Herz erobert. Auf diesem Gipfel will ich mit meiner Liebsten eine ganze Nacht lang Sternschnuppenzählen. Ich werde ganz sicher wiederkommen.

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Da wird doch glatt einer gelb vor Eifersucht.

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Die Kunst des schieren Gipfel-da-seins lassen wir zu Gunsten des besseren Aggregatzustandes des Schnees bleiben und fahren ab.

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Die Verhältnisse sind trotz der starken Tageserwärmung sehr gut, und mir gelingen feine Schwünge, ganz ohne die sonst üblichen Unstimmigkeiten mit meinen Schiern.

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An Pulverschneetagen gäbe es noch viele Möglichkeiten, mit großem Lustgewinn abzufahren.

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Der letzte magische Hang über den Seetaler Hütten ist erreicht…

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…und Reinhard hat schon Position bezogen.

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Wir waren heute den ganzen Tag ohne Kontakt mit anderen Tourengehern unterwegs. Immerhin ein Sonntag mit fantastischem Wetter. Uns wurde ganz ohne Werbetrommelei Zuteil, worüber Trojanow in Eistau schreibt: „Stille? Ein Gut, so knapp, dass es erfolgreich vermarktet wird…“

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Selbst im Abfahren zieht sich der Forststraßenweg. Wieder im Talgrund angelangt, tasten wir uns wie Eisbären von Eisscholle zu Eisscholle über jeden Schneeflecken, den wir noch vorfinden, tiefer.

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Die letzten Meter geht es dann doch wieder auf der aperen Straße an dieser…

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…alten, rachitischen Mühle vorbei…

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…zu unserem Auto am Fuße des Gstoders, des am weitesten im Osten gelegenen Punktes von Salzburg.

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Im Anstieg ca. 945 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Auferbauer (2004): Schitourenparadies Steiermark. Verlag Styria Pichler, Graz.

Frischenschlager  et al. (1994): Oberes Murtal Von Predlitz bis Bruck. Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Katschner (1984): Erlebnis Lungau: Kleinod im Salzburger Land. Verlag Leopold Stocker, Graz.

Mayer (2007): Lungau, Radstädter und Schladminger Tauern. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Trojanow (2011): Eistau. Verlag Hanser, München.

Zeller (2010): BergErleben Bd. 3, Wölzer Tauern, Rottenmanner Tauern, Schladminger Tauern. Verlag Gertraud Reisinger, Spielberg.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.