Schneeschuhpremiere in Atschreith

Viel Schnee ist gefallen in den letzten beiden Tagen – endlich Winter im Ybbstal. Ich besuche wieder einmal meine heimliche Liebe: die Stierlacke (924 m) auf dem Almbalkon von Waidhofen/Ybbs. Und zum ersten Mal versuche ich mich in Schneeschuhen. Alles hatte ich schon an den Füßen: Flossen, Gummistiefel, Fußballschuhe, Sneakers, Schlapfen, Jesuspatscherl. Nur High Heels und Schneeschuhe noch nicht. Hier stellen sich ähnliche Fragen des richtigen Gehens. Darum benutze ich die Antworten der Zeitschrift Brigitte fürs Laufen in High Heels einfach auch fürs Schneeschuhwandern.

Meine Frage: Wie gehe ich richtig in High Heels/Schneeschuhen?

Antwort Zeitschrift Brigitte: Die Beine leicht auswärts drehen, dabei zeigen die Zehen etwas nach außen. Die Füße so voreinander aufsetzen, als würde man auf einer Linie laufen.

Meine Frage: Welche Gehtechnik bringt mich weiter?

Antwort Zeitschrift Brigitte: Die Füße bewusst aufsetzen. Am besten die Knie etwas anheben und das Bein versuchen zu strecken, bevor es den Boden berührt.

Meine Frage: Wie gehe ich ohne mich der Peinlichkeit preiszugeben, als Anfänger erkennbar zu sein?

Antwort Zeitschrift Brigitte: Die Hüften weich, aber bestimmt, von Seite zu Seite schwingen lassen. Dabei stellt man sich am besten vor, dass die Bewegung in der Hüfte ihren Ursprung hat.

Der beste Tipp (Nr. 7) kommt aber jetzt:

Meine Frage: Wie kann ich mit meinen Schneeschuhen auch die arroganten Schitourengeher beeindrucken?

Antwort Zeitschrift Brigitte: Das Brustbein etwas heben, als würde man eine funkelnde Kette tragen, die man ins Licht halten möchte. Für ein selbstbewusstes Auftreten: auf ein Ziel zumarschieren. Sich nicht klein machen, sondern einen klaren Weg haben, eine Mission. Dabei die ganze Energie vorwärts und in eine Richtung lenken. Tipp: mit den Augen einen Gegenstand fixieren oder Blickkontakt zu jemandem aufbauen.

Hier gibt es den in Teilen zitierten Artikel: Auf High-Heels laufen – mit diesen Tipps und Absätzen klappt’s!

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Dermaßen gebrieft schlüpfe ich beim großen ehemaligen Jagdhaus der Rothschilds, noch auf der Forststraße, in meine Schneeschuhe. Ich wandere hoch zum eigentlichen Sommerparkplatz…

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…am Steinbruch und weiter zum Holzerbauernkreuz.

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Die glattgefahrene Forststraße ist der ideale Übungslaufsteg für einen Anfänger in solchen Schuhen. Und gut geht es. Die Krallen vermitteln Halt im schon glasig gepressten Schnee, und die Schuhe sind schmal. Ich kann ohne Verrenkungen ganz normal gehen. Am Holzerbauernkreuz lacht mir bereits das Herz – und die Sonne lacht mit.

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Noch ein kurzer Blick zu den Hütterkogeln (836 m)

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…mit einem Sommervergleichsbild,…

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…und schon wandere ich weiter. Etwas später verlasse ich die Forststraße, und am markierten 08er Wanderweg geht es endlich ins Gelände.

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Der Waldabschnitt endet aber bereits nach fünfhundert Metern, und ich betrete die Wiesen der Almlandschaft auf Atschreith.

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Das taugt mir. Die Schneedecke gleicht einem weithin ausgebreitetem Daunenkissen und ist derart weich, dass ich mit den Schneeschuhen tief einsinke. Wie ein Bioweinbauer beim Traubenstampfen muss ich die Beine bei jedem Schritt ordentlich heben.

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Ich zeichne meine erste eigene Schneeschuhspur in das pulvrige Weiß.

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Ich gelange zum Rabenstadel. Bis hierher gibt es Spuren anderer Wanderer. Den Weiterweg hat heute vor mir allerdings noch niemand betreten.

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Unberührtes Schneeneuland wartet auf mich. Links im Bild, den Zaun entlang, verläuft die tief verschneite Forststraße zum Reichenwaldberg und weiter zur ehemaligen Jausenstation Hochseeberg. Und weiter noch bis zur Forsteralm mit der Amstettnerhütte.

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Für den Vaterberg (1893 m) wird 2015 ein lautes, anstrengendes Jahr. Er steht im Mittelpunkt der NÖ Landesausstellung. (ÖTSCHER:REICH)

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Die beiden nächsten Fotos habe ich fast vom selben Fotostandpunkt fotografiert. Das ist jetzt nicht nur eine Schneewanderung, sondern auch eine…

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…Wolken-Sonne-Lichtspiel-Wanderung.

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Auch die nächsten Fotos sind fast am selben Fotostandpunkt entstanden,…

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…nur die Jahreszeit wechselt.

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Monsieur Peter ist der fantastische Graveur dieser Schmuckzeile im Schnee. In meinen Schulheften waren die wenigen Schmuckzeilen, die ich grobmotorisch fabrizierte, nicht wesentlich gerader.

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Auf diesem auch im Sommer kaum wahrnehmbaren Ziehweg geht es ein letztes Mal in den Wald.

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Schneepakete von den Bäumen bombardieren den unberührten Boden. Meteoriteneinschläge auf diesem Forststraßenplaneten.

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Viel zu schnell erreiche ich die Stierlacke (924 m).

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Ein blauweißer Prunksaal in diesem Schloss, das Ybbstaler Alpen heißt.

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Der Vergleich mit einem Sommerbild.

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Sommerbilder von unserer Wanderung im Mai 2012.

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Weil ich mit den Schneeschuhen so gut vorankomme und eine Romantikbestie bin, will ich für meine Frau ein Herz auf den Seeschnee skizzieren – und scheitere kläglich. Das Gebilde ähnelt mehr einem Erdapfel oder einem Fleischknödel. Aber Hans im Glück der ich bin, mag die meine Frau auch.

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Ich habe mir eine ideale Ersttour ausgesucht. Keine großen Steigungen, keine schrägen Lagen und natürlich keine eisigen Abhänge.

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Die Wolken-Licht- und Schneespiegelungen sind unglaublich intensiv. Sabbatical-Wochen der Natur.

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Ich wandere unsere übliche Sommerrunde über die große Hochfläche weiter.

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Man fühlt beim Schneeschuhwandern die unterschiedlichen Schneequalitäten besonders gut – einmal pulvrig angeweht, dann schon etwas angepresst, einmal tief einsinken und dann wiederum kann ich fast über die Oberfläche laufen.

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Jetzt steuere ich wieder den 08er Weitwanderweg an.

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In sanftem Gefälle…

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…verabschiede ich mich von den letzten Sonnenstrahlen…

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…und lande wieder auf der tief verschneiten Forststraße.

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Am Rabenstadel vorbei…

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…verbleibe ich auf der auch für Mountainbiker erlaubten Forststraße…

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…und betrete wieder das Schattenreich des Tals.

Ob es mir beim erstenmal mit High Heels ebenso gut ergeht? Ich glaube eher nicht. Denn das war heute von Anfang bis zum Schluss eine gelungene Veranstaltung. Wie dumm war ich denn, die Schneeschuhe schon ein Jahr unbenutzt im Keller belassen zu haben. Aber jetzt weiß ich, wie viel Spaß und Möglichkeiten in diesen unscheinbaren, unkomplizierten Schlapfen steckt. Und meine Tipp an jene, die im Winter den Schnee scheuen, weil sie nicht Schifahren können – Schneeschuhe kaufen und einfach losmarschieren. Die schenken jedem eine vierte Wanderjahreszeit.

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Im Anstieg ca. 345 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 7,5 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

 

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.