Vier Meter zuviel für den Wetterkogel

Die höchste Erhebung der Statutarstadt Waidhofen an der Ybbs befindet sich am äußersten Rand der Gemeindegrenze. Es ist der Wetterkogel mit 1111 m oder doch 1115 m? Die Stadtarchive verzeichnen die Faschingskoordinaten, die humorlosen Eichamtkarten den um vier Meter reichlicheren, aber damit auch faderen, Höhenwert. Viele Waidhofner lassen sich aber nicht beirren, und jeden 11.11. um 11:11 Uhr eines Jahres geht’s rund am Gipfel.

An diesem Novembertag (Faschingsbeginn) verwandelt sich der Wetterkogel für so manchen Besucher und auch manche Besucherin (an dieser Stelle will ich das Gendern nicht vergessen, denn wie im Guten so auch im Peinlichen) in einen Rauschmugel. Hier dürfte die Bezeichnung „einen Mugelrausch haben“ überhaupt ihren Ursprung haben. Gilt doch die Elf als Zahl der Maßlosigkeit und der Sünde.

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Ein Wetterwechsel steht an, Osttirol versinkt bereits im Schnee, und vielleicht kommt der Winter doch noch ins Ybbstal. Ich besuche den Wetterkogel von einem selten genutzten Ausgangspunkt. Vom Bauernhaus Kleinseeberg (560 m), nahe bei Opponitz, mache ich mich auf den Weg.

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Bei diesem Bauern herrscht das Gleichheitsgebot. Auch die Obstbäume werden mitgedüngt.

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Oberhalb des Bauernhauses zieht der Weg  über eine riesige Wiese in einer großen Schleife hoch. Vor mir kann ich nördlich den Obermitterkogel (897 m) ausmachen.

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Die heutige Tour auf den Wetterkogel ist eine Dazwischenwanderung. Irgendwie zwischen den Jahreszeiten, zwischen Winter und Frühling. Winter ist es nur kalendarisch, denn so ganz ohne Schnee ist er nicht glaubhaft. Frühling ist es auch noch nicht, das kraftvolle Anschieben und Sprießen der Vegetation, der bunte Blumenübermut, fehlt allenthalben.

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Der Weg führt an einer kleinen Jagdhütte vorbei auf einem alten Ziehweg und danach durch steileres, felsiges Waldgelände bis zur ehemaligen Jausenstation…

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…Hochseeberg auf 787 m.

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Hinter dem Bauernhaus findet sich ein erstes Kuriosum um den Wetterkogel. Der Weg ist beschildert, aber nicht markiert.

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Der Pfad ist auch ohne Markierung einfach auszumachen.

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In einem steileren Abschnitt sind dann auch Steinmännchen hilfreich.

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Ich erreiche bei einem kleinen Steinbruch die Forststraße. Letzte Schneereste fristen hier ein kärgliches Dasein. Ob ein Wintereinbruch für sie noch die Rettung bringt?

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Ich fürchte nicht, nach nur wenigen Metern sieht es auf der Forststraße so aus.

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Die Straße führt an dieser Jagdhütte vorbei, und gleich danach zweigt ein unmarkierter, aber dafür um so reichlicher betafelter Steig in Richtung Wetterkogel ab.

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Fast kein Grün begleitet diesen Aufstieg. In diesem Zwischenreich dominieren matte Grauschattierungen und erschlaffte Brauntöne.

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Nach einem kurzen Kampf gegen juvenile Buchen erreiche ich wieder einmal…

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…den höchsten Punkt am Wetterkogel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Wetterkogel 1111 m.

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Dieser Berg ist wirklich eine spinnerte Besonderheit. Er will partout nicht um vier Meter höher sein. Vier Meter mehr würden so manch anderen Berg glücklich machen. Der Dachstein (2996 m) wäre gar ein Dreitausender, so wie auch die Fünffingerspitze in den Südtiroler Dolomiten. Der Piz Zupo in der schweizer Berninagruppe könnte diese vier Meter auch sehr gut vertragen, dann würde sich nämlich dieser 3996 m hohe Berg in der erlauchten Gesellschaft der Viertausender wiederfinden. Aber dieser Wetterkogel ist anders. Die in der Eichamtkarte verzeichneten 1115 m will er nicht gelten lassen. Sein Hüttenstempel weist ebenso die niedrigere Höhe aus, wie auch…

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…die Karten des Schigebietes…

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…oder die Sonderbriefmarken samt Poststempel aus dem Jahre 2011.

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In den doch so genauen Karten des Eich- und Vermessungsamtes wird die Höhe mit 1115 m angegeben. Vielleicht ist dies ja einer der wenigen Fehler in diesen Karten, wie zum Beispiel die Höhenangabe für die Hochhaide. Diese ist mit 2663 m angegeben  und hat letztlich doch „nur“ 2363 m. Vielleicht stimmt ja weder die eine noch die andere Höhenangabe und der Berg ist 1109 m oder 1117 m hoch. Es ist aber ganz ohne Relevanz für die Faschingsgläubigen, denn die werden weiterhin jeden 11.11. am Gipfel stehen. Glaube versetzt nicht nur Berge, er verkleinert sie bei Bedarf auch.

Am Gipfel ist die Rastbank dem Hausherren des Kogels gewidmet:

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Hier findet man neben dem Strasser Ernstl allein neun Elfen auf engstem Raum. Sozusagen eine Primzahlrudelbildung.

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Dass der Wetterkogel ein oftmals sturmumtoster sein muss, ist an den zerrupften Buchen im Gipfelbereich zu erkennen. Wie zerfledderte Reisigbesen kehren sie den Himmel.

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Nach einer kurzen Rast steige ich in Richtung Thannscharte ab. In dieser Scharte findet sich auch das Ende der Forststraße, welche ich zuvor beim Jagdhaus verlassen habe. Slalom gewachsene Buchen krümmen sich in den blauen Himmel.

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Buchen, die es leid sind, sich bei Sturm und Schnee in den Himmel zu krümmen, vermodern kunstvoll am Waldboden.

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Mir fallen weiße „Markierungen“, alle mit schwarzen Nummerneinträgen auf. Noch kann ich mir keinen Reim darauf machen.

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Die Thannscharte (Forststraßenende) überquere ich einfach, und sofort findet sich auch  ein Steig.

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Ein leichter Anstieg bringt mich wieder hoch.

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Blick zur Voralm mit der Stumpfmauer (1770 m) und dem Gamsstein (1770 m). Jetzt erst, wie ich diesen Eintrag verfasse, sehe ich, dass die Beiden gleich hoch sind. Das ist mir zuvor nicht aufgefallen, obwohl ich sie schon bestiegen habe.

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Gehörig rupft der Föhnwind das Himmelsgefieder. Schneewolken sehen anders aus.

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Gegenüber, mit einem zarten Hauch von Weiß, ist der lange Rücken des Bauernbodens (Oisberg) zu sehen.

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Der Weg zum Hirschkogel findet sich immer am Bergrücken. Dieser ist der trennende Bergwall zwischen dem Oberen Ybbstal und dem oberösterreichischen Oberland.

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Ich bleibe aber nicht am Rücken, sondern zweige zum Hirschkogelkreuz ab. Wieder eine Besonderheit. Das Kreuz steht nicht am höchsten Punkt, sondern aussichtsfrei, einfach mitten im Wald.

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Wieder einmal erreiche ich das Hirschkogelkreuz. Um diese Jahreszeit sollte ich eingentlich auf Tourenschiern hier stehen.

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Durch diesen Waldschlag führt meine bevorzugte Schiroute in anderen Wintern zum Hirschkogel.

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Im Bild rechts ist der Buchenberg zu sehen. Waidhofen/Ybbs ist noch ganz benebelt, und nur die Basilika Sonntagberg fühlt sich nicht vom Himmel getrennt.

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Auf der steilen Hirschkogelpiste kommen mir auf wahrlich ausgesuchten Schneeresten  drei Schitourengeher entgegen. Um diese Abfahrt beneide ich sie nicht.

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Über den traurigen Anblick von Schigebieten ohne Menschen und fast ohne Schnee habe ich ja schon öfter geschrieben.

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Mein Weg führt an der Amstettner Hütte vorbei auf markierten Pfaden weiter. Ich bewege mich auf einem Abschnitt des Nord-Süd Wanderweges (08). Der Weitwanderweg verbindet den nördlichsten mit dem südlichsten Punkt Österreichs. Diese Etappe führt von Waidhofen/Ybbs über Hochseeberg, unter Umgehung des Wetterkogels, zur Amstettner Hütte. Von hier geht es weiter nach Hollenstein und über die Stumpfmauer (Dreiländereck) ins Ennstal und nach Altenmarkt.

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Nach der Amstettner Hütte geht es ein wenig bergab. Obwohl ich diesen Abschnitt schon öfter gewandert bin, muss ich wieder auf den Weg (Markierung) achten. In diesem Abschnitt ist die Wegführung ein wenig verwurbelt.

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Winterlandschaft 2013

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An dieser Stelle heißt es den Ziehweg rechts verlassen.

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Im Anschluss daran geht es wieder ein Stück bergauf (ca. 70 Hm).

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Wie blankgeputze, weiße Totenköpfe liegen sie im Wald. Durchnummeriert, damit es sichtbar auffällt, falls einer fehlen sollte. Weiß lackierte Steine in Kopfgröße wurden von den Bundesforsten zur Markierung der Grundgrenzen verwendet. Jetzt weiß ich auch, was es mit den weißen, fortlaufend nummerierten Markierungen auf den Bäumen am Wetterkogel auf sich hat.

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Das konnte mir der freundliche Altbauer von Hochseeberg erzählen. Auch, dass sie jetzt alle Eschen ausschneiden und entfernen müssen. Ein böser Pilz „wandert“ durch die Wälder und befällt die Eschenbäume. Ein effektives Gegenmittel wurde bislang nicht gefunden, und nun versucht man durch Abholzung die Pilzausbreitung einzudämmen.

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Ich erreiche wieder Hochseeberg. Links weist die Tafel zum Aufstieg auf den Wetterkogel. Rechts führt der Weg zur Amstettner Hütte.

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Auf schon bekanntem Pfad steige ich wieder in Richtung Kleinseeberg ab. Diese feine Tour zähle ich zu meinen Eroberungen des Nahen.

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Diesmal lege ich bei der Jagdhütte eine kleine Rast ein…

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…und blicke über die große Weide oberhalb des Bauernhauses.

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Ein kleines Stück des Ziehweges in der Wiese ist betoniert und wurde offensichtlich vom ruhmsüchtigen Hofhund…

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…zu seiner Verewiglichung missbraucht. Wie die Filmstars vor dem TCL Chinese Theatre in Los Angeles hat er seine Abdrücke vor dem Bauernhaus Kleinseeberg hinterlassen.

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Für einen Besuch am Wetterkogel muss man kein Klettervogel sein. Orientierungssinn schadet nicht, die Wege sind gut zu sehen und ausreichend beschildert. Ob man jetzt vom Schigebiet zur Amstettner Hütte spaziert und weiter über den Hirschkogel zum Wetterkogel wandert, oder ob man sich dem Fahrverbot widersetzt und von der B 121 in das Seebachtal einbiegt und bis zum Bauernhaus Hochseeberg hochfährt, um von dort los zu wandern, bleibt jedem selbst überlassen. Darüber hinaus gibt es ja noch den schönen Zugang vom Holzerbauern Kreuz über den Reichenwald, oder einfach meine heutige Route.

Im Anstieg ca. 735 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 10,4 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Baumgartner (1996): Wanderparadies Voralpen Zwischen Mostviertel und Mariazeller Bergland. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Tippelt (1995): Wanderführer Ybbstal & Ötscherland. Ennsthaler Verlag, Steyr.

 

 

 

 

 

 

Epilog

Wieder einmal ein S/W Foto Nachschlag:

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FIN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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