Seenslalom auf den Roßkogel

Wer am Berg zu spät kommt, den bestraft die Sonne. Viel zu spät haben wir unser Quartier verlassen und somit der Hitze die Chance gegeben, sich zu entfalten und aufzublühen, wie an einem späten Julinachmittag. Wir wollen zu den Seen auf der Tauplitz. Der Grundgedanke war gscheit – möglichst gleich hoch hinauf und erst dann mit der Anstrengung beginnen. Aber die Hitze war schneller.

Wir erreichen über die Mautstraße (€ 9,80) den großen Parkplatz auf der Tauplitzalm und  befinden uns damit schon auf ca. 1600 Meter Seehöhe. Trotzdem ist zu dieser frühen Vormittagsstunde das Licht schon glashart.

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Ein paar Schritte gewandert, einmal umgedreht und sogleich einen lieben Freund entdeckt: Der Dachstein wurde für uns in den letzten Tagen zu einem weißen Pol.

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Um den asphaltierten Straßen/Wegen und auch den vielen Menschen auszuweichen, nehmen wir den Waldsteig. Und der gefällt uns gleich einmal ausgesprochen gut.

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Noch ist die Tauplitzalm nicht erblüht, dafür sind wir zu früh dran. Trotzdem ist das Bild mit den hellgrünen Lärchen malerisch. Am Boden hingehauchtes Grün kündet vom beginnenden Frühling. Doch die Sonne hat schon richtige Sommergefühle und wird immer mehr zum feuerspeienden Drachen.

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Der Weg führt wieder in den stark bewirtschafteten, asphaltierten Bereich der Tauplitzalm zurück. Tatsächlich wird hier der Tourismusacker eifrig bestellt. Das soll so sein, aber darum sind wir nicht gekommen. Wir wandern am schwächelnden Tauplitzsee vorbei und sputen uns von hier wegzukommen.

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Ab dem Linzer Tauplitzhaus schwenken wir freimütig ins Gelände. Das bringt uns gleich einmal einen leicht unangenehmen Abstieg zurück zum Weg ein. Gabi wundert sich nicht mehr darüber, denn mein GPS macht mich mitunter übermütig. Wir gelangen zu einem Rastplatz mit Bänken oberhalb des Steirersees. Eltern versuchen ihre Zweijährige mit den Worten „schau doch, da ist ein See“ vom Plärren abzuhalten. Das gelingt aber nicht, nach kurzem Luftholen sirent die Kleine wie das Signalhorn eines 50 Tonnen Tankers weiter. Alle haben mein Mitgefühl, die Eltern und das Kleinkind, andererseits erleichtert es uns das Weitergehen.

Rechts im Bildhintergrund ist schon unser Tagesziel auszumachen.

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Wir steigen an den Jausenhütten ( zum Beispiel Trawenghütte) vorbei, direkt zum See ab. Der große Tross unserer „Mitwanderer“ geht zu unserem Glück den markierten Weg an der Nordseite oberhalb des Sees.

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Unverkennbar nistet der Sturzhahn (2028 m) direkt über dem See.

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Mit einem kleinen Bach sich kreuzend führen Spuren direkt zum See.

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So glanzvoll habe ich mir das nicht vorgestellt. Das nenne ich einen selbstbewußten Auftritt des Steirersees. Mit einem einzigen Seeaugenzwinkern verbannt er das verbaute Schigebiet aus unseren Augen und unserem Sinn.

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Das Seeufer teilen wir uns lediglich mit drei rastenden Wanderern ohne Schuhe und angeschwollenen Wangen.Mit der Jause im Mund quasi vollpappert, können sie nur undeutlich Grüßen. Es schmeckt offensichtlich und hörbar einfach zu gut.

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Mit seinen weißen Wandfluchten blitzt der Traweng (1981 m) ins Himmelblau.

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Gelassen wandern wir den Uferweg entlang. Es gibt viel zu sehen. Wir kommen auch noch an zwei Inseln vorbei, das helle Grün um diese Inseln verleiht dem Ganzen karibisches Flair (siehe Titelbild).

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In sanfter Steigung (ca. 140 Hm) geht es vom Steiersee auf ca. 1445 m zum Schwarzensee auf ca. 1549 m Seehöhe. Die Sonnenpeitsche hat jeden Schatten aus dem Land geprügelt. Es ist unsäglich heiß.

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Zum großen Glück erfolgt die optische Abkühlung nach einem kurzen Aufstieg. Heulschön liegt der Schwarzensee auf einmal vor uns. Auch ohne Dachsteinblick wie am Gosausee bin ich von diesem Anblick völlig überrascht.

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Dass dieser See vor drei Monaten noch zugefroren, schneebedeckt und vor allem frostklirrend mit Tourenschiern überquert werden konnte, ist für mich in dieser lastenden Bruthitze eben so unvorstellbar, wie eine Schitour in der Sahara oder der Mojave-Wüste.

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Der Schwarzensee ist kleiner als der Steirersee, und somit gelangen wir viel zu schnell an sein östliches Ende. Und nach einem kurzen Anstieg erreichen wir…

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…die gut besuchte Leistalmhütte (1647 m).

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Das wichtigste Einkehrargument sind heute die aufgespannten Schattenerzeugungsmaschinen. Völlig lautlos verrichten sie ihre wichtige Arbeit. Bei einem kalten Getränk und launigen Gesprächen im Schatten wollen unsere Hinterteile mit der Sitzbank verwachsen.

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Darum lassen wir die Pause nicht zu lange werden und machen uns auf den Weg. Denn mit einem auf der Bank klebenden Hintern ist noch kein Berg bestiegen worden. Einen Anruf bei Charly Gabl, ob das Wetter auch halten wird, können wir uns ersparen. Da passiert uns heute noch eher ein fliegender Pinguin, als dass eine Wolke am Himmel auftaucht.

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Bei unserem Aufbruch meinte der Wirt noch, dass wir die Markierung ja nicht verlassen sollen, das tun wir auch nicht, aber dafür werden wir von der Markierung verlassen. Schon nach kurzer Zeit ist sie weg. Aber wir halten Kurs, und so schwierig ist die Wegfindung jetzt auch nicht.

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Über der Leistalmhütte gut zu sehen (von links nach rechts): Gamspitz (2057 m), Salzstgeigjoch (1733m), Gamsstein (1994 m) und der Almkogel (2116 m). Alleine über das Salzsteigjoch gibt es über seine jahrhundertlange Bedeutung viel zu erzählen. Das verdient sich aber einen eigenen Blogbeitrag.

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Ich eile Gabi hinterher, weil mich mittlerweile die Sorge um mein Gipfelbier im Rucksack vorantreibt. André Heller mag „Verwunschen, verwunschen“ singen – mir geht eher „Verdunstet, verdunstet“ durch den Kopf.

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Nicht sonnengeküsst, sondern von der Sonne regelrecht niedergeschmust, erreichen wir den Gipfel. Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Roßkogel (1890 m).

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Der Roßkogel belohnt uns mit einer Batzenaussicht: Der Grimming (2351 m) ist selbsterklärend. Über dem Gnanitztal, uns direkt gegenüber, finden sich der Gwendlingstein (1645 m) und der Hechlstein (1814 m). Eine Überschreitung dieser beiden Gipfel möchte ich, vor allem im Herbst, wahrlich empfehlen.

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Jetzt rechts im Bild besser zu erkennen, der Almkogel (2116 m). Vor Jahren habe ich ihn von Hinterstoder über das Salzsteigjoch und unmarkiert über den Gamstein besucht. Häufiger wird er über unsere heutige Route bestiegen. Erst ab der Leistalmhütte führt ein markierter Weg zu ihm.

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Blick am Almkogel vorbei zu den Mölbingen (2336 m) und dem Schrocken (2281 m) und zum Warscheneck (2388 m).

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Rechts im Bild ist der Hochtausing (1823 m) zu sehen und links am waldigen Grat der Bärenfeuchtmölbing (1770 m). Der latschenbewachsene Grat links im Bild hat mit den Raidlingen seine höchsten Erhebungen.

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Lauwarmes Gipfelbier erleichtert mir den raschen Aufbruch vom Gipfel. Nicht „der Sonne entgegen“ ist unser Motto, sondern das Gegenteil. Wir kürzen in ziemlich direkter Weise ab und kommen so nicht mehr zur Alm.

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Ein letzer Blick zurück auf Gipfel und Abstiegsgelände. Das schaut nach herrlichem Schitourengelände aus.

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Am zuvor schon gewanderten Weg geht es am Schwarzensee vorbei,…

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…und danach steigen wir auf den markierten Steig über dem Steirersee hoch. Der Weg ist sehr abwechslungsreich und schenkt uns faszinierende Tiefblicke.

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Wandert man diese Steirerseeleiten entlang, erspart man sich natürlich die Abstiege zu den Seen und auch die erforderlichen Wiederanstiege. Aber das Uferwandern ist die Mehrmühe allemal wert.

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Diese Temperaturen sind meterologische Pfingstirrtümer und hauptverantwortlich für unsere Ermattung. Die Höhenmeter fallen bei dieser Wanderung moderat aus, nur die zurückgelegte Strecke (ca. 16 km) fordert doch.

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Wir kommen wieder zur Trawenghütte, und nach einem letzten, schon sehr langsam durchgeführten Aufstieg…

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…erreichen wir wieder das bewirtschaftete Plateau der Tauplitzalm.

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Weil ich die „ganze“ Tauplitz gesehen haben will, möchte ich über den stark verbauten Abschnitt wandern und einen Blick auf den Großsee werfen. Aber nach dem soeben Erlebten sind die Hotels und Liftanlagen jetzt gar nicht so unseres, und so gehen wir auf dem Waldanstieg zurück.

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Im Anstieg ca 710 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 16,2 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Hödl (2008): Wandererlebnis Totes Gebirge, Almen, Gipfelwege, Hütten. Residenz Verlag, St. Pölten.

Rabeder (2005): Totes Gebirge. AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Senft (1994): Wandern im Salzkammergut. Verlag Leopold Stocker, Graz.


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.