Silberrücken am Pfannstein

Schon bei meiner Besteigung der Kremsmauer fiel mir die einladende Almwippe zwischen Pfannstein und Herrentisch auf. Wie und wann ich sie besuchen werde war unklar, dass ich sie besuche aber gewiss. Heute ist es soweit. Begleitet von  meiner Frau und unserer Freundin Sabine besuche ich den Pfannstein.

Unsere weite Anreise führt uns aussichtsreich über die Höhe zwischen Grünburg und Oberschlierbach. Schon bald können wir uns am Anblick unseres heutigen Tageszieles erfreuen. Neben der Kremsmauer und der Falkenmauer ist weniger spektakulär auch „unser“ Pfannstein zu sehen.

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Wir stellen das Auto am höchsten Punkt des Ziehberg-Passes beim Graßnerkreuz auf einem kleinen Parkplatz ab.

Zeitgleich steigen auch einige Wandersfrauen mit einem erfahrenen „Wander-Silberrücken“ aus ihren Fahrzeugen. Lustige Wortwechsel sind die Folge, und weil ich nur mit zwei Frauen unterwegs bin, werde ich ausgelacht.

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Zuerst führt uns der markierte Weg durch ein großes, begehbares Frühlingsgemälde…

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…um danach, gleich hinter dem Bauernhaus Graßnergut, in den Wald zu ziehen.

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Der „Wander-Silberrücken“ ist mit seiner Gruppe schon voraus. Er hat mit einer so großen Gruppe sehr viel Verantwortung: Er ist für den Zusammenhalt, die Sicherheit und das Wohlergehen dieser verantwortlich. Er schlichtet interne Konflikte und trifft alle notwendigen Entscheidungen, wie zum Beispiel hinsichtlich Zeitpunkt und Richtung der Wanderschaft. (Quelle: Wikipedia).

Der Weg leitet über Wurzelgewusel…

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…sanft und gar nicht „giftig“ in Höhe.

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Es ist heute kein Aussichtstag, zu feucht sind die entscheidenden Luftschichten. Die Luftschichten, durch die wir wandern, sind aber schon ganz schön warm.

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Nach der Querung einer Forststraße geht es wieder in den Wald. Wir kommen zu einer Wegteilung und beschließen, weil wir uns alle so kräftig und gut fühlen, den Schabenreitnerstein auch zu besuchen. Sind ja nur 130 zusätzliche Höhenmeter…

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Der Steig führt am Rücken, parallel zum Normalweg, auf den felsigen Balkon dieses Gipfels mit dem eigenartigen Namen. Ich bin mir sicher, frägt man auf der Gradnalm 10 Besucher dieses Gipfels, könnten ihn nicht einmal drei vollständig und richtig bezeichnen. Der Name verklemmt sich irgendwie in den Gehirnwindungen und kommt nur in abgewandelter Form wieder zum Vorschein.

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Diesmal zu dritt und sehr vergnügt – trotzdem auch obligatorisch und sowieso unverzichtbar: Gipfelfoto Schabenreitnerstein (1143 m).

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Am Gipfel treffen wir wieder mit dem „Wander-Silberrücken“ und seiner Schar zusammen. Auch ist ein „Einzelgänger-Silberrücken“ auf dem Gipfel, und zum Glück kommt es zu keinen Drohgebärden oder gar Kampfszenen. Der Einzelgänger grüßt freundlich und zeigt zur Erleichterung aller kein Interesse an den Frauen.

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Links ist die Kremsmauer (1604 m) zu sehen, in der Bildmitte die bewaldete Seite des Herrentisches (an der anderen Seite zieht die Weidefläche der Gradnalm bis zum Gipfel) und der felsige Aufbau des Pfannsteins. Auf die Frage meiner Frau, ob wir vielleicht die gut sichtbare, so weit unten beginnende, steile Forststraße gehen müssen, verneine ich guten Glaubens und schlechten Wissens. Natürlich werden wir auf dieser Straße gehen.

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Aus meinen Karten ist nicht ersichtlich, dass sich der Schabenreitnerstein auf einem unübersehbaren Steig überschreiten lässt. Ich bin davon ausgegangen, irgendwo einen Abstieg suchen zu müssen. Das braucht es aber nicht, denn nur wenige Meter nach dem Gipfel führt ein guter Steig zum eigentlichen Pfad zurück.

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Wir steigen bis zur Sattelhald Jagdhütte (1010 m) ab, um dort wieder mit dem Aufstieg zu beginnen.

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Es zieht sich auf der Forststraße: breit und schnurgerade, steil, fad und heiß geht es ca. 1,5 km und 230 Höhenmeter bis zur Gradnalm. Der Anstieg vom Kremsursprung zur Gradnalm führt größtenteils über die Forstraße, und so bin ich mir sicher, dass der Weg vom Ziehberg-Sattel der schönere sein muss.

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Links der Bildmitte ist der Ramsauer Größtenberg (1458 m) und der mehrgipfelige Berg daneben ist der Große Spitzberg (1396 m) mit dem Kleinen Spitzberg (1366 m).

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Meine Frau entdeckt unseren ersten Enzian in diesem Jahr. Das lenkt uns beim  eintönigen Marsch auf der Forststraße ein wenig ab.

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Sabine und Gabi täuschen Müdigkeit vor, um ja gleich auf der Gradnalm einkehren zu können.

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Ich blicke in Richtung Herrentisch und überlege kurz, ob ich den Damen den Herren zeigen soll und wir zuerst diesen Gipfel noch besuchen. Aber sie zeigen mir die Dame und wir kehren ein…

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Interessantes Detail: die Gradnalm wurde erst nach dreißigjähriger Bauzeit! 1832 von einem gewissen Kaspar Zeitling fertigestellt.

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Es dürften ideale Windbedingungen herrschen. Vom nahen Flugplatz bei Micheldorf wird ein Segelflugzeug nach dem anderen in die Höhe gezogen und in die Freiheit entlassen.

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Oberhalb der Gradnalm starten Paragleiter und gewinnen rasch an Höhe.

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Wir gewinnen nicht ganz so schnell an Höhe, denn die letzten Meter zum Pfannstein sind sehr steil…

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…aber nie schwierig oder ausgesetzt.

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Obligatorisch und unverzichtbar auf einem Gipfel mit Haushaltsgerätenamen: Pfannstein (1423 m).

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Links der Bildmitte, das felsige Etwas am Waldkamm, ist der Schabenreitnerstein. Dahinter geht es ins Hausruckviertel und Mühlviertel.

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Kasberg (1747 m), Roßschopf (1647 m) und Jausenkogel (1514 m).

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Und der Chef im oberösterreichischen Bergland: Großer Priel (2515 m).

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Schön ist es am Gipfel des Pfannsteins…

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…aber die einen ruft die Gradnalm und mich der Rauhe Kalbling und der Herrentisch.

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Es ist nur ein Katzensprung.

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Am nordseitigen Fuße des Rauhen Kalblings entdecke ich zwischen Schneeresten auch noch Schneerosen. Bergwandern bedeutet oft ein vertikales Durchschreiten von  Jahreszeiten. An höheren Bergen kann man mitunter sogar drei Jahreszeiten an einem Tag erleben.

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Ein guter Steig führt über den windzerzausten Kamm zum Gipfel.

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Gipfelfoto Rauher Kalbling (1381 m).

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Ausblick zu Pfannstein und Herrentisch über der Gradnalm.

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Auch das felsige Wimmerl des Schabenreitnersteins ist wieder zu sehen.

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Schon am Weg zum Herrentisch kann ich wunderbar in den Lackergraben sehen.

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Ich gehe über diesen felsigen Aufbau…

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…am Startplatz der Paragleiter vorbei zum…

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…Herrentisch, an dem zwei Frauen ihre Jause essen.

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Ausblick vom Herrentisch  (1333 m).

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Nach einer kurzen Pause auf der Gradnalm machen wir uns an den Rückweg. Wieder bei der Jagdhütte angelangt, faszinieren uns die vielen Wege zur Gradnalm. Die muss überall zu finden sein, fast jeder Weg führt zu ihr – ach ja, die Erde ist rund!

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Der Weg gleicht abschnittsweise einer sonnendurchfluteten Allee.

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Die letzten Meter im Wald führen uns zu wunderbaren, bemoosten Baumkunstwerken.

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Fast unmerklich haben wir wieder die Jahreszeit gewechselt und betreten den blumengewordenen Frühling in Form dieser „trolligen“ Wiese.

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Ein wunderbarer Schnellkäfer freut sich ebenso über die vorgefundene Blütenpracht. Die Internetseite www.kerbtier.de ist eine großartige Datenbank mit unglaublichem Bildmaterial zur Bestimmung von Käfern.

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Wieder einmal trete ich mit mehr Gipfelideen als zuvor die Heimreise an. Vielleicht bin ich doch geschickt (mutig) genug, die Falkenmauer über den Westgrat zu besteigen. Den Höhenrücken zu Hollerberg und Mittagstein will ich sowiso noch überschreiten. Der Hochsalm und Windhagkogel warten ja auch noch auf mich. Und, und, und…

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Im Anstieg ca. 1015 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,2 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Hochhauser (2008): Oberösterreichische Almen 78 traumhafte Alm- u. Hüttenwanderungen. Verlag Styria, Graz.

Loderbauer/Luckeneder (2012): Wandern & Bergsteigen Oberösterreich. Kral Verlag, Berndorf.

Radinger (2009): Wandererlebnis Kalkalpen mit Haller Mauern. Residenz Verlag, St. Pölten.

 


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.