Stubwieswipfel

Ich habe einfach keine Idee für eine „lawinenunwahrscheinliche“ Schitour. Ich bin alleine unterwegs und möchte auch kein besonders abgelegenes Gelände befahren. Dafür will ich den Kassaautomaten auf der Wurzeralm mit eigenen Augen sehen – praktisch die Vorwegnahme der Schitourenzukunft in unseren Bergen. So entscheide ich mich für den Stubwieswipfel (1786 m). 

Selbstverständlich nutze ich den tollen, kostenlosen!!!!! Service der Lawinenwarndienste. Wie schon so oft in den letzten Wochen gilt die Lawinenwarnstufe 3 und somit heißt es, besonders achtsam sein.

Stubwies_112Für Tourenschigeher wurde ein eigener Parkplatz geschaffen. Bei der Zufahrt beeindrucken mich die riesigen Schneemengen.

Es gilt sibirische 13 Grad minus auszuhalten. Wieder einmal ziehe ich mich sehr warm an und weiß bereits beim Anziehen, dass ich dies spätestens im steilsten Stück unter der Sonneneinstrahlung bereuen werde.

Hier treffe ich auf den Leibhaftigen und erbringe meinen 4,– € Obolus, um „Auffahren“ zu können.

Trotz der frühen Stunde, ist der Parkplatz an der Wurzeralmbahn schon fast völlig ausgelastet. Windstilles, sonniges Faschingsdienstagferienwetter hat so seine Anziehungskraft.

Schon nach kurzer Zeit bewege ich mich in der Sonne entlang der Bahn.

Dieser Herr benötigt diesen neumodischen Schikram nicht. Er geht in flottem Tempo mit seinen Genagelten aufwärts.

In Tourenberichten zu diesem Aufstieg wird der Lärm der Bahn nicht erwähnt. Befinden sich die Züge in Bewegung, gibt es ein lautes Geräusch neben der Bahntrasse – auch wenn die Züge weit entfernt sind.

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Auf der Wurzeralm angekommen, beobachte ich in meiner Trinkpause das einladende, fröhliche Treiben. Lauter gutgelaunte, glückliche Menschen in bunter Kleidung. Welch Unterschied zu innerstädtischen Schwarz-Weiss-Ansichten.

Es gibt sogar einen Fünf-Tore-Slalom für die Kleinsten.

Hier muss ich ca. 40 Höhenmeter zu den Langlaufloipen „In der Filzen“ abfahren. Am Rückweg werde ich ob dieses Gegenanstieges sicher fluchen.

Im Abfahren kann ich schon die im Winter unbewirtschaftete Filzmoosalm sehen. Auch meinen Weiterweg kann ich erahnen. Im Prinzip folgt die Schispur dem Sommerweg.

Das Warscheneck samt seinem Südostgrat. Eine gut versicherte, nicht schwierige Variante führt aus dem Frauenkar auf den Gipfel. Der Abstieg über den Toten Mann (rechts im Bild) und den Brunnsteiner See, vervollkommneten meinen perfekten Bergtag damals im Juli 2006.

Mit meinen Aufstiegsfellen bin ich in der Langlaufloipe nicht sehr elegant unterwegs.

Selbstbewusst präsentiert sich mein Tourenziel mit seiner aufragenden Westwand.

Die Aufstiegsspur verrät mir, dass nicht viele seit den letzten Schneefällen von der Wurzeralm auf den Stubwieswipfel oder die Rote Wand aufgestiegen sind.

Stubwies_038Stubwies_042Hier befinde ich mich an der Wegteilung. Links geht´s zum Halskogel bzw. zur Roten Wand und rechts zum Stubwieswipfel.

Stubwies_047Stubwies_049Für meine Mühen werde ich mit Pulverschnee belohnt. Dies habe ich für den heutigen Tag nicht erhofft. Eher habe ich eine glattgetretene, eisige Aufstiegsspur und zerfahrene Hänge erwartet.

Während des Aufstieges verliere ich meinen Fotoapparat. Aber schon nach nicht allzuvielen Höhenmetern bemerke ich dies, und ich finde ihn neben der Aufstiegsspur. Eigentlich nur, weil ich dieses Foto von der Stubwiesalm und dem Halskogel machen will.

Es gibt keinerlei Abfahrtsspuren in diesem Bereich. Unglaublich, bei einem solch vermeintlich überrannten Berg.

Stubwies_057Stubwies_059Für mich überraschend, präsentiert sich nach einem steilen Anstieg nicht der Gipfelaufbau, sondern eine tiefverschneite Hochfläche.

Die Spur dreht nach Nordwesten, und endlich zeigt sich der Gipfelaufbau.

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Der Gipfelhang ist sehr steil und wäre er nicht schon begangen und befahren, würde ich ihn am heutigen Tag auslassen.

Allerdings stellt er sich aus der Nähe betrachtet als „harmlos“ heraus.

Stubwies_066Stubwies_067Wenige Meter unterhalb des Gipfels ist das Schidepot. Mit viel Wollen könnte man auch mit Schi zum Gipfelkreuz gehen. Ich bin aber kein begnadeter Schikünstler, und darum schnalle ich die Schi ab.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto vom Stubwieswipfel (1786 m).

Tolle Aussicht an diesem völlig wolkenlosen Tag.

Das Warscheneck mit dem Toten Mann.

Hier bin ich mir nicht sicher, ob das der Mitterberg ist. Ich glaube eher den Halskogel zu sehen – aber wo wäre dann der Mitterkogel?

Blick Richtung Windischgarsten und das Sengsengebirge mit dem Hohen Nock.

Östlich geht es weiter mit den Größtenberg(en).

Kleiner Pyhrgas und Großer Pyhrgas samt dem Karleck.

Das Gesäuse lacht an diesem Tag ebenfalls in den blauen Himmel. Rechts der Bildmitte hinter dem Karleck, kann ich den Pleschberg erkennen. Diesem werde ich bei nächster Gelegenheit einen Besuch abstatten.

Der geschundene Bosruck ist in seiner ganzen Länge vom Lahnerkogel über den Kitzstein bis zum Bosruckgipfel überblickbar. Nur acht Meter fehlen ihm zum Zweitausender. Ihm und mir ist das völlig egal.

Tiefblick zur Wurzeralm. Im Hintergrund kann man den Hochanger samt dem Eisernen Bergl erkennen.

Im Vordergrund das Schwarzeck und rechts im Bild der Wurzerkampl.

Filzmoosalm.

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Gegenüber am Warscheneck donnern zwei Lawinen ins Tal. Ich bin mit meiner Kamera viel zu langsam, um diese zu fotografieren.

Die Abfahrt mit meinen neuen Tourenschiern ist ein einziges, großes, viel zu kurzes Vergnügen.

Beim Gegenanstieg bin ich nicht faul und ziehe die Felle nochmals auf.

Über die Piste geht’s zurück zum Tourenparkplatz. Ich muss zugeben, dass so ein Pistentag auch seine Reize haben kann. Vielleicht besuche ich wiedereinmal im März das Hochkar. Wenn die meisten Schifahrer schon schimüde sind und im Tal die Blumen blühen, ist auf den Pisten nicht mehr viel los.

Die Heimfahrt führt mich über den Hengstpass.

Im Anstieg ca. 1041 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 12,7 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

 

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Rabeder (2005): Totes Gebirge, AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Schall et. al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost, Schall Verlag, Alland.

Stoderegger/Zehetner (2012) Schitourenführer Phyrn – Priel, Verlag
Kilian, Vöcklabruck.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.