Über den Waschenriegel (1824 m) auf Fölzstein (1946 m) und Fölzkogel (2023 m)

Heute werde ich endlich beenden, was ich 2012 begonnen habe. Ich will über das Zirbeneck auf Fölzstein und Fölzkogel wandern. Damals stellte mir ein drecksackiges, hundsfottiges, gemeines Virus ein Bein – heute bin ich wild entschlossen, und es müsste schon eine mutierte, geschlechtsreife Steinlaus kommen und mir einen ganzen Haxen wegfressen, um mich aufzuhalten.

Fölzkogel-Steinlaus

Bei der Zufahrt im Fölzgraben zum Parkplatz bietet sich dieser herrliche Anblick auf mein heutiges Tourenziel. Der begrünte Rücken in der Bildmitte ist der Waschenriegel (den werde ich heute überschreiten), und ganz rechts im Bild sieht man den Fölzstein (1946 m) aufragen (den werde ich heute mit meiner Anwesenheit optisch aufbessern).

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Den Anstieg zum Brennsattel will ich in diesem Tourenbericht nur kurz ausführen – eine umfangreiche Schilderung findet sich ja in meiner Tourenbeschreibung von 2012.

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Beim kleinen E-Werk betrete ich wieder den, nur im Anfangsdrittel brüchigen, Steig.

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Nach einem ersten Steilstück verflacht das Gelände rund um den Mitterbach. Wiederum gelange ich zu diesem Steg. Seine Schlagseite lässt mich aber diesmal zum Bach  absteigen. Lieber riskiere ich nasse Füße, als einen Köpfler ins steinseichte Gewässer. Erneut siegt meine erbärmliche Vorsicht über meinen Heldenmut.

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Abermals überschreite ich diesen herrlichen Wiesenflecken, und…

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…der Pfad beginnt gehörig anzusteigen. Er schlängelt sich, an der Zerbeneck-Jagdhütte vorbei,…

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…in endlosem Zickzack den Bergrücken hinauf. Der südseitige Anstieg lässt mich,…

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…fast erblindet vom eigenen Schweiß, den Umkehrpunkt meiner damaligen Tour erreichen, den Brennsattel mit dem Sauangerkogel (1526 m). Meine Erinnerung an die furchtbare Verfassung, in der ich mich befand, ist beim Anblick des Geländes so intensiv, dass ich jetzt sogar körperlich nachzufühlen beginne. Das kann ich natürlich gar nicht brauchen. Nichts wie weg, höhersteigen, Flucht nach oben lautet meine Devise.

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Bilderbuchschön sehen die Latschen, Felsen und Steilwiesen oberhalb des Höllgrabens aus. Heute habe ich noch genug Kräfte, um weiter zu wandern.

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Der Sauangerkogel bereits im Rückblick und vor mir…

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…das Zirbeneck mit dem Waschenriegel.

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Nicht nur die weite Hochschwabumgebung ist bemerkenswert. Selbst die Latschen sind diesmal nett zu mir und verschönern mir den Aufstieg – das tun sie nicht oft.

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Felsig-gezackte Abbrüche in allen nur malbaren Grautönen, und auf der anderen Seite finden sich alle im Farbkasten mischbaren Grüntöne. Diese Gratwanderung ist das großartige Herzstück dieser Tour.

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Den ganzen Tag bin ich keinem Menschen begegnet, und wieder einmal bin ich derjenige, der die Stille in ihrer Stille stört.

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Tief unter mir kann ich den Weg im Karlgraben erkennen.

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Am Waschenriegel angekommen, kann ich endlich auf die Hochfläche des Schwaben sehen.

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Facettenreich wie das Auge einer Fruchtfliege blickt mir das hügelige Hochschwabplateau entgegen. Nur durchbrochen von den hellen Felsflächen schimmert und glitzert die insektengrüne Landschaft unter dem blauen Himmel. Hier bleibe ich,…

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…weil’s Zeit zum Rasten ist und auch ein Steinmännchen den höchsten Punkt ziert. Gipfelfoto Waschenriegel (1824 m).

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Blick zurück auf die bereits durchwanderte Landschaft.

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Auch der Weiterweg sieht sehr einladend aus. Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, bietet die Wegfindung keinerlei Probleme. Dieser Weg wird ein leichter sein.

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Zwischen zwei Felsköpfen kann ich schon das Gipfelkreuz erblicken. Ein wohliges Gefühl befällt mich, und bald schon werde ich meinem magenjuckenden, ungeduldigen Hunger in den Hungerhimmel schicken können.

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Ich erreiche die Hochfläche und werde von niedrigen Steinmännchen und milden Pfadspuren zum Gipfel geleitet.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Fölzstein (1946 m).

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Ich lasse mich ins Gras fallen und gebe mich meinem stinkend faulen Rumhängertum hin. Schon vor längerem habe ich Gipfelliegen als persönliche Kernkompetenz ausgemacht. So schnell stehen wir nicht wieder auf, denken meine Beinmuskeln im Einklang mit mir. Im Liegen zoome ich das Schiestlhaus heran und…

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…fotografiere den Großen Winkelkogel (1957 m) und den Schartenspitz (1747 m). Beide landen natürlich in meiner Gipfelvorratsdose.

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Weit unter mir, im tiefgrünen Tal, ist die Fölzalm mit der Grasserhütte und der Herzerhütte zu sehen.

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Am nächsthöheren Punkt kann ich schon ein Steinmännchen erkennen, das will mir den Weiterweg zum dahinter sichtbaren Fölzkogel zeigen. Ich suche mir allerdings einen eigenen Weg. Denn gelegentlich muss ich meine Sinne beschäftigen, sonst verkümmert mir das Wandergehirn ja vollkommen.

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Ich lasse den markierten Steig zur Fölzalm rechts liegen und wandere über die herrliche Schwabenlandschaft, an schneebefüllten und…

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…gämsenbesetzten Dolinen vorbei.

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Viel zu früh stehe ich am Fuße des Fölzkogels – und schon bald findet sich auch dieser Schwabengipfel in meinem Tourenbuch.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Fölzkogel (2023 m).

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„Mit 2023 Metern der höchste Gipfel der Fölzalm. Sein vorgelagerter Felsabsturz ist der Fölzstein (1946 m). Wie auch anderswo im Schwaben wird dort der rasige Hauptgipfel als „Kogel“, sein niedriger Randabsturz als „Stein“ bezeichnet.“ (L. Buchenauer)

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Weil das Gipfelbuch vom Oktober 2005 ist, finde ich auch noch den Eintrag meines Freundes Reinhard darin. Der war bereits im Oktober 2007 hier.

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Jetzt passiert es mir aufs Neue: Trotz der vielen Bilder und Berichte im Internet zu dieser Wanderung, geschieht mir wieder einmal eine geographische Verzauberung. Lange bleibe ich staunend am Gipfel. Jetzt ist es mein Gipfel, und ich habe meine Geschichte zu seiner Besteigung. Ein wenig ist es im Bergwandern wie in der Literatur und dem Theater: auch dort liest jeder ein anderes Buch, jeder sieht ein anderes Stück.

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Direkt vom Gipfel steige ich zur Windscharte ab. Unterhalb des Schneefeldes werde ich nach Wegspuren zur Fölzalm Ausschau halten.

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Einem vergessenen Aprilscherz gleich (Paulis Tourenbuch), steht diese Tafel über der Einsattelung der Windscharte.

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Wegspuren und Steinmännchen weisen eine deutliche Spur in Richtung Karlhochkogel (2096 m) bzw. Obere Dullwitz. Ich halte mich allerdings streng rechts und weiß beim Anblick dieses Steinmännchens, dass ich den Steig zur Fölzalm gefunden habe.

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Es ist gar nicht so einfach, am Steig zu bleiben. Vom Gras verdeckt, dort und da ein wenig abgerutscht und viele Gamsspuren querend, macht es einem der Pfad gar nicht einfach, ihm treu zu bleiben.

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Mit aufmerksamen Augen gelingt es mir doch, und sobald die Latschen erreicht sind, ist der Weg ausgeschnitten und damit nur noch für völlige Weganalphabeten verfehlbar.

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Bei meiner Rast auf der Grasserhütte (Fölzalm 1484 m) spüre ich den anstrengenden Tag im ganzen Körper, und irgendwie sehe ich erheblich schlechter aus als nötig.

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Jetzt habe ich noch den langen, schottersteilen Abstieg durch die Steinbockleiten vor mir.

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Ein letzter Blick zurück auf die Ostabbrüche des Fölzsteins und den Abstiegsweg oberhalb der Grasserhütte.

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Der Weg ist in seinen steinigsteilen Abschnitten wirklich garstig, und erst im unteren…

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…Drittel wird der Pfad fußfreundlicher.

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Die wenigen Meter durch die Fölzklamm lassen mich die Redewendung:..

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„auf dem Holzweg sein“ in einem ganz neuen Licht betrachten.

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Noch ein Schluck kaltes Schwabenwasser, vor mir bereits das Auto und in meinen Beinen und in meinem Kopf die Erinnerung an diesen herrlichen Tag – es kann keinen besseren Augenblick geben.

Diese Wanderung an der Südseite des Hochschwabs ist ein vielbegangener „Geheimtipp“. Der Weg ist, obwohl unmarkiert, einfach zu finden. Nur der Abstieg über die Windscharte verlangt trotz vereinzelter Steinmännchen etwas Gespür in der Kunst der Wegverlierung und seiner gelegentlichen Wiederauffindung.

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Im Anstieg ca. 1265 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Leopold hat für seine Fölzkogelbesteigung, Anlauf über den Endriegel genommen. Schön.Weit. (abgerufen am 9.8.2016)

Auferbauer (2001): Hochschwab. Wanderführer, Bergverlag Rother, München

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Buchenauer (1960): Hochschwab. Leykam Verlag, Graz.

Frischenschlager  et al. (1999): Mürztaler Berge (Rax, Schneealpe u. Hohe Veitsch), Hochschwab, Eisenerzer Alpen. Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Hödl (2003): Wandererlebnis Hochschwab & Hohe Veitsch, Almen, Gipfelwege, Hütten. Verlag Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten.

Hödl/Hausegger (1993): Der Hochschwab Bergsteiger von einst erzählen. Verlag Styria, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Mokrejs/Ostermayer (2009): Bergwander-Atlas Steiermark. Schall Verlag, Alland.

Die Bildbeschriftung erfolgte mit:

PanoLab  Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Version:  v 1.0.2    © 2007 Christian Dellwo.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region Hochschwab (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.