Vom Schrabachauer Kogel zum Rapoldeck

Diesmal findet meine Tour nahezu in den Wohnzimmern von Sepp Larch und Sepp Hinding statt. Beide Alpinisten werden wohl hunderte Male auf dem Weyrer Hausberg gewesen sein. Der steile Gratanstieg ist, wenn er mehrfach hintereinander gegangen wird, eine saftige Trainingsstrecke – selbst für eine Achttausender Besteigung. Heute begehe ich aber den kniefreundlicheren Sepp-Larch-Steig im Anstieg und den Grat im Abstieg.

Ich lasse mein Fahrzeug in der Kälte stehen. Gleich nach dem Aussteigen zeigt mir die Rundumschau viele schon von mir besuchte Berge, aber auch einige, die sich noch in meiner Warteschleife befinden.

Am Dürrensteigkamm zeigt sich der Burgspitz (1429 m) mit seinem Ödboden schon weiß.

Auf dem langgezogenen Rücken der Stubau mit ihren Gipfeln Feichteck (1114 m) und Falkenstein (993 m) war ich seltsamerweise auch noch nicht.

Gleich zu Beginn meiner Wanderung werde ich von einem gelbrotschwarzen Fabelwesen begrüßt.

Edel und luxuriös nenne ich diese mit Steinplatten ausgelegte Forststraße.

Ich muss herzhaft lachen: Totempfähle und eine Weihnachtskrippe zeigen gelebte Ökumene in Weyer.

Das waldige Rapoldeck samt Grat. Mein Weg führt mich aber westlich um den Berg herum.

Zuerst geht es auf einer Forststraße den gut gekennzeichneten Weg entlang.

Rapoldeck010 (CC)Ich erreiche die Loibner Wiese und sehe schon den von mir angepeilten, baumbestandenen Grat. Etwas weiter südlich mündet der Weg von Kleinreifling in meinen markierten Aufstiegsweg ein.

Der Ennsberg (1373 m) verdeckt den dahinter befindlichen Almkogel (1513 m).

Nach Verlassen der Forststraße gefällt mir der Weg schon viel besser. Überhaupt gestalten sind Wanderungen in den „Zwischenjahreszeiten“ für mich inwendiger. Ich bin nicht durch Blumen, weite Fernschau und anderes abgelenkt und kann mich so sehr gut mit mir beschäftigen.

Abgelenkt nur durch Anforderungen der Wegfindung oder intensivere körperlicher Aktivität, welche zum Beispiel dieser kurze, steile Anstieg einfordert. Danach lande ich aber wieder…

…auf einer Forststraße.

Diese Straße wurde breit, in sehr steile Waldhänge, geschlagen.

Endlich kann ich die ersten Blicke auf den Gipfelrücken erhaschen.

Eigenartigerweise gibt es hier keine Markierungstafeln, aber ich bin mir sicher, dass ich diesen einmündenden Ziehweg weitergehen muss.

Der Ziehweg wandelt sich bald in einen schmalen Pfad…

…und müdet auf einer aufgelassenen Almfläche in den Verbindungsweg vom Rapoldeck zum Schrabachauer Kogel. Die Sonne schafft den angekündigten Durchbruch nicht, und es bleibt diesig und kalt.

Es bereitet mir Freude, durch zunehmend felsigeres Waldgelände immer höher aufsteigend…

…den immer schmaler werdenden Pfad zu folgen. Für die Überwindung einer schmalen, felsigen, Rampe benötige ich im Schnee sogar die Hilfe der kleinen Tannen am Rande des „Abgrundes“.

In der Mitte dieses Grates befindet sich die Gipfelbuchkassette. Der Weg dahin ist schon ohne Schnee ein wenig unangenehm. Heute bin ich aber besonders achtsam.

Endlich wieder einmal: Schrabachauer Kogel (1321 m)

Ich befinde mich anscheinend in einer besonderen Kälteschicht oder Kältezone. Es ist ohne Wind soviel kälter, als noch wenige Höhenmeter weiter unten, sodass ich mir dies nicht anders erklären kann. Ich halte mich nicht lange auf und flüchte in wärmere Zonen.

Ich muss den schneebedeckten Aufstieg jetzt im Abstieg gehen und benutze wieder einmal meinen darin geübten Hosenboden.

Kleinreifling ist gut zu sehen und darüber der Ennsberg, dahinter der halbe Dürrensteigkamm mit der Bodenwies (1540 m), dem Almkogel (1513 m) und dem Burgspitz (1429 m).

Sozusagen unter mir liegt auch mein nächster Gipfel, den ich im Abstieg besteigen werde: das Rapoldeck.

Ich lasse mich von meinem nassen Hosenboden nicht beim Fotografieren stören – empfinde ihn aber beim Gehen als ziemlich lästig, aber solche Touren erfordern einfach Opfer!

Diesen Weg kenne ich zu allen Jahreszeiten im Anstieg auch sehr gut,…

…da meine bisherigen Besteigungen immer über das Rapoldeck erfolgten.

Kurz vorm Rapoldeck ergibt sich dieser Tiefblick auf Kleinreifling.

Zu den eingangs erwähnten Alpinisten möchte ich nur anmerken, dass Sepp Hinding der erste Österreicher ist, der den Mount Everest von der schwierigen Nordseite bestiegen hat, noch dazu ohne Sauerstoff und im Alleingang.

Der 2011 verstorbene Sepp Larch war einer der großen Alpinisten der 50er Jahre. Viele Erstbegehungen im Gesäuse gehen auf sein Konto. Auch in den Westalpen war er sehr erfolgreich. Zum Beispiel ist er der siebte Besteiger der Eiger Nordwand oder der achte Besteiger des Matterhornes. Und natürlich die Erstbesteigung des Gasherbrum II mit Fritz Moravec und Hans Willenpart.

Obligatorisch und unverzichtbar, mein Gipfelfoto am Rapoldeck (1195 m).

Ich halte mich auch hier nicht lange auf und mache mich an den steilen Abstieg.

Der Baumbestand beruhigt mich, weil er mir Bremswirkung bei aus-dem-Ruder-geratener Abstiegsgeschwindigkeit verspricht.

Der Gratweg benutzt keine Forststraße, sondern quert sie nur.

Fast in Fallgeschwindigkei, ohne besondere äußere Vorkommnisse, erreiche ich…

…meinen Ausgangspunkt. Gerade aber diese Wanderungen, ohne große Vorkommnisse, ohne Aufregung, ohne äußere Ablenkung, haben ihren Seelencharme. Ich trete gestärkt die Heimreise an und denk‘ mir: „Ich werde gerne wiederkommen, vielleicht im Frühjahr, vielleicht mit Freunden“.

Im Anstieg ca. 890 Hm und zurückgelegte Entfernung ca.10,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Brunnthaler (2003): Sepp Hinding Alleingang am Everest. Ennsthaler Verlag, Steyr.

Hasitschka/Kren/Mokrejs(2008): Gesäuse-Pioniere.Schall Verlag GmbH, Alland.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.