Waldbergewanderung zu Hochsalm (1405 m) und Windhagkogel (1234 m)

Das Wetter ist wieder einmal sehr divenhaft und launisch. Es ist windig, bewölkt, und hoch oben in den Bergen fällt Schee. Der Radiowettermensch meint, dass Hochnebel und Wolken sich noch auflösen könnten. Ich glaube ihm kein Wort. Trotzdem, oder gerade darum, eröffne ich jetzt schon die Waldberge-Saison. Was kann es Schöneres geben, als an einem wolkigen Mittwoch Waldberge mit geringer Höhe zu besteigen?

Ich fahre nach Grünau im Almtal. Ich will den Janslkogel (1040 m), Hochsalm (1405 m) und Windhagkogel (1334 m) in einer großzügigen Runde miteinander verbinden.

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Dickflüssige Wolkenbäche fließen über das Himmelsbachbett. Verkehrte Welt. Die höheren Gipfel verschwinden darin, nur die niedrigeren Erhebungen bleiben sichtbar.

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Mein Ausgangspunkt ist der Gasthof Enzenbachmühle.

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Der Hochsalm ist bereits ausgeschildert.

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Nur wenige Meter hinter dem Gasthof beginnt eine Forststraße. Am Beginn dieser Forststraße parkt ein ÖAV-Bus und weitere Fahrzeuge mit Steyrer Kennzeichen. Wie sich noch herausstellen wird, ist die Mittwochsrunde des ÖAV-Steyr on Tour, mit dem Hochsalm als Ziel.

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Eine fahle Herbsttourstimmung liegt in mir und über der Landschaft. Sommermüde und schon winterbereit sind wir. Sogar der Bach seufzt nur so dahin.

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Der Weg zieht gleich einmal steil von der Forststraße weg und führt hoch über ihr in den unteren Taleinschnitt.

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Zweimal quere ich den Bach und hole dabei…

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…die Gruppe aus Steyr ein. Auf der Forststraße oberhalb dieses steilen Abhanges warten die Steyrer auf ihre Nachzügler. Der Weg führt weiter in Kehren den Wald hoch. Würde ich jetzt die Forststraße weiterwandern, käme ich auf sehr unkomplizierte Weise ebenfalls zum Janslkogel. Unkompliziert liegt mir aber nicht, und darum steige ich im Wald hoch, bis ich das Gefühl habe, dass es günstig ist, zum unmarkierten Gipfel abzuzweigen.

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Hier zweige ich ab, und über unschwieriges Gelände,…

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…sogar etwas im Abstieg,…

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…gelange ich zu diesem wilden Graben. Die Forststraße trennt mich vom Gipfelaufbau. Eigentlich wollte ich sie nicht betreten, aber ohne Hochsprungstange muss ich wohl.

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Diesen Felsaufbau umgehe ich auf Spurenresten an seiner rechten Seite und gelange ziemlich…

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…bequem auf den Janslkogel (1040 m).

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Der Blick nach oben zeigt mir mir meinen Weiterweg nur indirekt. Denn die OÖ-Voralpen sind Wald, vor allem Wald, alles ist aus Bäumen gemacht.

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Ich wandere wieder zum markierten Weg zurück und gelange…

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…zu dieser Jagdhütte.

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Jetzt verirren sich einige wenige Lichtpartikel auch zu mir und dem soeben besuchten  Janslkogel (1040 m). Dieses Zwischenspiel ist allerdings nur von kurzer Dauer. Bald schon…

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…kippt mythisches Licht über den Bergen meine Gefühlslage ins Mystische,…

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…und dabei widerfährt mir in diesem fahlfarbigen stillen Buchenwald…

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…eine Erscheinung! Eine vollständige Barbapapa-Abbildung zeigt sich mir auf diesem Baum. Unglaublich.

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Jesus-Abbildungen sind ja inflationär häufig – wie das Video darunter leicht beweisen kann. Aber Barbapapas sind wirklich seltene und echte Raritäten.

 

Von der Abbildung am Baum wird ein Lied in meinen Kopf gepflanzt: „Kommt und besucht mal…“ Nur mit Mühe werde ich es wieder los.

Meine ganze Aufmerksamkeit gehört jetzt dem Weiterweg. Der gefällt mir ausgesprochen gut. Oberhalb der Jagdhütte gleicht der Pfad den Stufen in einem holzhellen Treppenhaus.

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In Treppenhäusern ist das Stockwerk ausgeschildert und hier ganz liebevoll ebenso.

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Am Rücken angelangt, wende ich mich zur abseits liegenden Höhenkote 1309 m. Wie vermutet, findet ich nichts Erwähnenswertes.

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Wieder zurück an der Abzweigung ist der Weiterweg zu Mittagstein (1260 m) und Pfannstein (1223 m) angeschrieben. Vielleicht ein andermal, jetzt will ich zum Hochsalm.

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Am bewaldeten Grat kommt mir die Schar aus Steyr entgegen. Sie haben nur eine kurze Gipfelrast eingelegt, denn leichtes Nieseln und Nebelreißen hat es kalt und unbequem werden lassen.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Hochsalm (1405 m). In den Bildmittelpunkt hat sich allerdings ein alter Grenz- und Vermessungsstein gedrängt bzw. ist schon etwas länger dort. Lange zweihundertdrei Jahre steht er schon dort, er stammt aus dem Jahre 1811, als Napoleon den Süden Europas drangsalierte und Österreich unter Kaiser Franz I Staatsbankrott erlitt. Der steht bestimmt auch noch da, wenn ich schon längst meinen eigenen finalen Stein habe.

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Dass ich den höchsten Punkt der heutigen Wanderung erreicht habe, wird mir sogar schriftlich bestätigt.

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Die ganze Wanderung ist schon sehr wundersam gewesen, aber die Krönung findet sich am Gipfel. Neben dem Gipfelbuch entdecke ich in der Gipfelbuchkassette am Kreuz:

  • eine Mappe mit Wandervorschlägen
  • Klarsichthüllen mit diesen Wandervorschlägen zum Mitnehmen!
  • eine modische Lesebrille für vergessliche, kurzsichtige Besucher des Gipfels.

Solch ein Verwöhnprogramm für Wanderer habe ich noch nirgends vorgefunden.

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Sogar ein eigenes Blatt für meinen unmarkierten Weiterweg gibt es. Mit einer exakten Beschreibung der Überschreitung bis zum Windhagkogel. Ziemlich einzigartig, diese Freundlichkeit am Gipfel. Weniger angenehm zeigt sich das Wetter. Ich pausiere kurz und beobachte ein letztes Aufblühen der weißen Wände im Toten Gebirge und sonst nur noch abwelkende Helligkeit. Nebelstill ist es um mich.

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Der Winhagkogel zeigt doch wieder sein felsiges Gesicht im diesigen Grau. Steigspuren führen vom Hochsalm in direkter Linie zum Verbindungskamm hinab. Überall finden sich Farbpunkte. Diesen Abstieg kann man nicht verfehlen.

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Ich quere die Breneteck-Forststraße und bleibe immer am Kamm.

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Die roten Farbpunkte ziehen mich rechts vom Grat herunter. Auf diesem Bild kann man eine zweifache farbliche Orientierungshilfe erkennen. Der rote Farbpunkt weist mir meinen geografischen Standpunkt zu und bestätigt mir, auf dem rechten Weg zu sein. Die gelben Blätter orientieren mich in der Zeit, sie weisen auf die Jahreszeit hin.

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Die Spuren und Farbpunkte knicken an dieser Stelle vom Pfad links weg und führen in …

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…die Scharte beim Windhagkogel. Hier werde ich von konkurrierenden grünen Farbpunkten irritiert. Die zweigen wiederum ab und…

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…ziehen in eine steile grasbewachsene Wand. Das gefällt mir gar nicht, und ich bleibe am rotgepunkteten Weg. Nach der Scharte kommt ein Abstieg, der mir wiederum auch nicht behagt, aber dem Wegverlauf in den Wandervorschlägen am Gipfel entspricht. Dort steht  geschrieben: „(…) in die Scharte vor dem Windhagkogel. Dort mit ca. 60 m Höhenverlust auf „die andere Seite“ , wo man bald auf den unmarkierten, aber gut erkennbaren Weg, der von der Enzenbachmühle heraufzieht, erreicht.“

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Die ganzen 60 Höhenmeter steige ich nicht ab, denn jetzt will ich es doch wissen und kehre um. Ich wandere zurück in die Scharte. Dieses brüchige, grasige Wiesenwandl gilt es zu überwinden. Das gelingt mir auch ganz passabel, aber bei nassen Verhältnissen ist die Besteigung keine Empfehlung.

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Ein Blick zurück zeigt, wie hoch und steil es hinaufgeht.

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Danach ist es nicht mehr weit. Vom Vorgipfel wandere ich den Grat weiter, bis ich das Gipfelkreuz über den Abbrüchen erkennen kann.

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Nur für Minuten gibt es blaue Himmelsflecken, und darunter fertige ich das obligatorische und unverzichtbare Gipfelfoto vom Windhagkogel (1334 m) an.

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Der bescheidene Rundblick zeigt mir zumindest den Hochsalm (1405 m),…

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…Grünau im Almtal…

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…und Scharnstein.

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Der Blick zu den hohen Bergen ist mir trotz methodisch künstlerisch wertvoller Ausleuchtung nicht gegönnt.

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Kremsmauer (1604 m) und Falkenmauer (1569 m) sind auch nur schemenhaft zu erahnen.

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Durch die Waldhänge des Hochsalmzuges ziehen die weißen Bänder eines langen, zusammenhängenden Mountainbikertraumes. Vermutlich ein verbotener Traum, weil unerlaubt, untersagt, strafbar, unzulässig und tabu!

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Jetzt wird es am Gipfel spürbar kühler. Schneewinde streichen vom Toten Gebirge über den Kasberg (1747 m) zum Windhagkogel und bewegen mich zum Weiterwandern.

Im Abstieg Richtung Scharnstein verfehle ich die Abzweigung nach Grünau und bahne mir wieder einmal durch unwegsames Gelände den Weg selber.

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Danach gönne ich mir ein kurzes Forststraßenstück, um …

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…bei dieser eigenwilligen Jagdhütte…

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…den unmarkierten Weg wieder zu verfehlen. Irgendwo unterhalb der neuen Forststraße müsste sich der Pfad finden lassen. Ich dagegen stolpere diretissima durch hohes Gras und …

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…steile Waldschläge hinab.

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Auch nach diesem Waldschlag verfehle ich, sozusagen im Triple, wieder den Weg und taste mich noch einmal schneisenschlagend den Berg hinunter.

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Endlich wieder ein Weg, denke ich mir beim Anblick dieser schwarzen Schlange mit dem klingenden Namen Glöckerlweg. Nach den soeben erlebten Abstiegen eine echte Wohltat, eine Wegpraline sozusagen.

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Ein großer Steinsockel mit einem Vermessungszeichen überragt das Holzmeer und erlaubt mir diesen Tiefblick auf meinen Ausgangspunkt und östlich zu den höheren Nachbarn. Wie zum Beispiel…

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…links im Bild die Falkenmauer (1569 m), gegenüber, ebenfalls mit felsigen Abbrüchen ist der Geißstein (1279 m) zu sehen. In der Bildmitte dazwischen erkenne ich den Sonnspitz (1263 m) und daneben entweder die Rieserschneid (1390 m) oder die Reilerschneid (1284 m).

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Wie eine kleine Sonne scheint mir am Schluss der Wanderung das goldene Aufblitzen eines tapsigen Salamanders an diesem farbarmen Tag. Er ist selbst in seinem Versteck nicht zu übersehen.

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Besteigen wollte ich diese Berge schon länger. Den ersten Anstoß dazu erhielt ich bei  meiner Hochedl Überschreitung mit Reinhard, und bei meiner Pfannstein Besteigung habe ich den Besuch des gesamten Hochsalmzuges für mich beschlossen. Ein Teil davon ist mir heute gelungen. Nachgewandert bin ich die Tour von Helmut Seiringer. Er ist für mich der ungekrönte König der Berge im Salzkammergut. Welcher Blumenreichtum und welche Aussicht der Hochsalm an einem Tag im Juli bereit hält, ist in seiner Tourenbeschreibung bildreich dokumentiert.

Besonders erwähnenswert ist die Arbeit von Klaus Kaar. Der Markierungswart des Alpenvereins betreut auch den Weg auf den Hochsalm. Ihm sind die tollen handgeschriebenen Hinweise auf den Markierungen und Markierungstafeln zu verdanken. In einem Interview mit den OÖ Nachrichten erzählt er von seiner Arbeit. Auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön nach Wels!

 

Im Anstieg ca. 1265 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 13 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Helmut Seiringers Bildbericht auf Picasa (abgerufen am 11.1.2015)

Wikipedia über 1811 (abgerufen am 11.1.2015)

Hauleitner (2010): Salzkammergut Ost, Dachstein, Traunstein, Totes Gebirge. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Sieghartsleitner(2000): Wandern rund um den Nationalpark Kalkalpen. 45 ausgewählte Familienwanderungen. Ennsthaler Verlag, Steyr.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.