Wanderung ohne Gegend, oder ein Tag in der grauen Grotte.

Kein blauer Himmel, keine Sonne und somit auch keine Wärme. Nur unsere eingefrorenen Bewegungen im kalten Grau. Und gerade darum ein besonderer Tag im engen Taleinschnitt des Langgrabens bei Großraming. Auch der Steingraben und nomen est omen der Finstergraben werden von uns aufgesucht. Nebenbei haben wir das Geißhörndl (901 m), das Mittereck (1027 m), den Fahrenberg (1253 m) und die Brunntalmauer (1183 m) bestiegen.

Wir parken auf einem kleinen Parkplatz genau vor diesem mächtigen Haus im Talschluss des Langgrabens. Kalt ist es und grau. Schnell machen wir uns auf den Weg. Wie bei winterlichen Schitouren haben wir unsere Jacken hochgeschlossen und die Hauben tief über die Ohren gezogen.

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Unter einem Bach durchzuwandern gelingt mir auch nicht jeden Tag. Dieses Konstrukt erinnert mich an Kulissen in SF-Filmen.

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Wir wandern an steilen, naturgeschaffenen Rutschen vorbei, auf denen das Schmelzwasser und die Regenfälle beizeiten ins Tal teufeln.

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Wabernde Nebelgaze liegt über dem ganzen Land.

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An dieser Forststraßenbiegung, zwischen den beiden Stößen mit Ofenfutter, geht es für uns wieder einmal ins Gelände.

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Der Kinder-Suchbuch-Klassiker „Wo ist Walter?“ hat heute seine Freiluftpremiere.  Reinhard spielt schnaufend dieses Wimmelbildspiel mit mir.

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Zwischendurch verrät er sich aber immer wieder. Wir steigen durch hohes feuchtes Gras, über schneegedrückte Beerenstauden durch dornenreiche Vegetation hoch. In der Nachschau wäre der direkte Weg in den Sattel vielleicht gangbarer gewesen. Aber das ist jetzt auch nur eine Annahme.

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Wir gelangen zum felsigem Aufbau des Geißhörndls. Der Gipfel ist das aber noch nicht.

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Ohne Weg steige ich an einem alten Baumstumpf in seinem moosgrünen Steckschwamm vorbei.

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Wir wandern auf einem baumbewachsenen felsigen Grat weiter.

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So manchen Stein umgehen wir weglos…

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…bis zum waldigen Aufschwung des Gipfels.

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Obligatorisch und unverzichtbar, diesmal in Nebel gebettet: Gipfelfoto Geißhörndl (901 m).

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Wir gehen gleich weiter. Der Abstieg in den Sattel auf nassen Steinen und nassem Holz fordert unsere volle Konzentration. Trotzdem gelingt es mir, während des Abstieges viel launigen Blödsinn zu erzählen. Heute ist eindeutig mein Tag des Multitasking. Eigenartiger Weise wird Reinhard immer schneller. Sein Abstieg ähnelt einer Flucht. Aber wovor?

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Im Sattel angekommen, deutet sich der Weiterweg einladend und unschwierig an.

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Der Rückblick zeigt (fast) den soeben bestiegenen Gipfel.

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Pilzgewordene kalte Feuchtigkeit.

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Dort wo wir wegloses Waldgelände erwartet haben, befindet sich eine forststraßenähnliche Schneise im Wald. Reinhards Rache feiert jetzt ihre Auferstehung. Er erzählt ebenso großen philosophischen weltrettenden Unsinn wie ich noch wenige Minuten zuvor. In diesem wenig fordernden Gelände ist das aber auch nicht schwierig.

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Die Schneise mündet (wie könnte es auch anders sein) in eine echte Forststraße, und diese wiederum…

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…bringt uns ohne Umschweife zu unserem nächsten „Gipfel“. Das Mittereck (1027 m).

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Durch den Nebel…

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…hat die Welt ihren Himmel verloren.

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Der Weg vom Mittereck bis zum markierten Anstieg auf den Fahrenberg findet auf einer Forststraße statt. Das war aus unseren Karten nicht herauszulesen.

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Über den Ochsenboden erreichen wir den kurzen bewaldeten Gratanstieg. Die gewonnene Höhe lässt uns auf Sonne hoffen, irgendwo da über unseren Köpfen muss sie ihr Tagwerk verrichten.

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Weil es heute so zum Thema passt. In Auszügen ein Gedicht von Alfred Lichtenstein:

Nebel

Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.
Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.
Wir aber, die verrucht zum Tode taugen (…)

Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.
Und stechen stumm die weißen Elendsaugen
wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht.

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So zum Tode taugen wir dann doch nicht, und darum freuen wir uns über einen „an sich aussichtsreichen“ Gipfel. Obligatorisch und unverzichtbar: Fahrenberg (1253 m).

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Wir pausieren kurz und setzen unsere Tour anschließend in Richtung Brunntalmauer fort. Jetzt verwickelt sich unsere Wegfindung ein wenig. Es ist unglaublich, aber unsere Sichtweite verkürzt sich noch mehr. Keine fünf Meter weit können wir noch sehen. Weglos sind wir sowieso schon unterwegs. Wir treffen auf einen riesigen Felsklotz und suchen eine Umgehungsmöglichkeit, aber so ganz ohne Überblick ist das ein Hazardspiel.

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Nach einigen vergeblichen Anläufen, Auf- und Abstiegen, findet sich dann doch, direkt unter der Wand, ein schmales begehbares Band.

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Das wird die Schlüsselstelle gewesen sein hoffen wir, und in leichtem Gelände wandern wir weiter. Mittlerweile atmen wir Nebel ein und tragen ihn sogar innerlich mit uns.

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Selbst an den tief herabhängenden Ästen hängt der Nebel in Tropfenform.

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Durch wintergelbes Gras gibt es noch einen kurzen Anstieg zum letzten Gipfel des heutigen Tages.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Brunntalmauer (1183 m).

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Wie die Fantasie, schafft der Nebel stets neue und wieder verschwindende Wirklichkeiten. Diesen Haubenknilch mit den Sanddornlikör von der Insel Rügen kann sich allerdings kein Nebel ausdenken. So etwas schafft nur die unbarmherzige Wirklichkeit.

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Den rutschigen direkten Abstieg wollen wir vermeiden und bleiben darum noch am Rücken.

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Nordwestlich pfeift es ganz schön hinab.

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Vom Nebel gut ausgepolstert, verlieren die Abbrüche ihren Schrecken.

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Im Waldnebel wird der Grat immer schmäler und grünsteiniger.

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Nicht weit von uns, südlich von der Habichleralm, befindet sich die Preisner Höll-Luckn. Eine Höhle mit immerhin fast dreihundert Meter Gesamtlänge. Für Laien nicht befahrbar. Aber was ist das schon gegen die von uns entdeckte graue Grotte. Seit Stunden befahren wir sie und es findet sich einfach kein Ende.

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Dann ist es doch so weit. Wir vermuten nicht weit unter uns die Forststraße und steigen im steilen Waldgelände die ersten 80 Höhenmeter ab.

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Die Vermutung war richtig. Wir bleiben aber nicht lange auf der Forststraße, und einmal auf den Geschmack gekommen,…

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…hangeln  wir uns von Baum zu Baum den nächsten Waldhang in Richtung Steingraben hinunter. Danach bleiben wir aber am Forstweg und stiefeln so in Richtung Langgraben.

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Gegenüber können wir unseren ersten heutigen Gipfel, das Geißhörndl, mit seinem felsigen Aufbau erkennen.

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Als wäre es Bezahlfernsehen, wird unsere Sicht auf den Weiterweg von weißem Bildrauschen verschluckt.

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Wir gelangen wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Ein alter Bauer auf seinem fast ebenso alten Traktor mit einem Jauchetank am Hänger hält vor uns an. Das Bäuerlein hat offenbar Zeit und viel zu erzählen, aber ein jägerbefüllter SUV zwingt ihn auf der schmalen Straße zur Weiterfahrt. Wie wir gut sehen können, schüttet der Bauer die Jauche, auf zukünftigen Nutzen hoffend, in die Wiese oberhalb unseres Parkplatzes. Wohin der SUV die Jäger schüttet und ob das ebenso nutzbringend ist, kann ich leider nicht sagen.

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Im Anstieg ca. 1135 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,4 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

Weitere Unternehmungen in der Region OÖ Voralpen (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.