Wanderung zum Ochsenkogel oder wie ich zum Sechzehnender wurde

Besuch in der Zwischenwelt der Eisenerzer Alpen mit einem kurzen Abstecher in die Bronzezeit. Nicht ganz oben und nicht ganz unten findet meine heutige Wanderung statt. Größtenteils unmarkiert, immer wieder auf versteckten Pfaden, führt mich diese Wanderung zu den heimlichen Schönheiten oberhalb der Eisenerzer Ramsau.

Wie bereits im Vorjahr, wird mir der kürzeste Weg nach Eisenerz verwehrt, und ich muss auf die zugegebenermaßen schöne Route über den Erbsattel ausweichen. Kurz überlege ich, auf ein anderes Gipfelziel auszuweichen, aber weil ich meine Flexibilität daheim gelassen habe, halte ich an meinem Vorhaben fest.

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Erst für den Nachmittag sind Gewitter angekündigt, über dem Eisenerzer Reichenstein spielt sich das Wetter jetzt schon deppert.

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Am Parkplatz in der Lasitzen kämmen mir einzelne Windboen das Haupthaar ins Gesicht, und sogleich melodiert Helge Schneider in meinem Kopf (…schüttel dein Haar für mich. Baby, Baby, schüttel dein Haupthaar für mich…)

Schwarzenstein (1953 m) und Stadelstein (2070 m) sind dunkel umwölkt, aber meine westlichen Gipfelbedürfnisse warten unter blauem Himmel auf mich. Bingo.

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Diesen Weg im Lasitzengraben bin ich schon oft gegangen. Winters wie sommers.

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Wie schneemächtig die Eisenerzer Ramsau sein kann, ist auf den nächsten Bildern (Schitour vom 22. März 2013) gut zu erkennen:

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Fast schon Ende März passierte mir noch ein besonderes Pulverschneevergnügen.

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Nach dem Verlassen der Forststraße geht es fast eben auf diese Brücke zu, im Winter…

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…bedarf es einer regelrechten Abfahrt und eines Aufstiegs auf der anderen Seite, über meterhohe Schneeberge.

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Bei sehr hautfreundlichen 18 Grad entdecke ich im Lasitzengraben Dinge, die mir zuvor noch nie aufgefallen sind. Wie diesen Brunnen samt angeleinten beherzten Schöpfbecher.

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Die erste Zwischenstufe vor der Teicheneggalm ist erreicht, und ich kann (fast) meinen Ausgangspunkt am Fuße der Donnersalpe sehen.

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Wie in einem Wolkenfänger aus Stein bleibt das Schmutzigrau samt dazugehöriger Wolke am Dreigestirn Schwarzenstein, Stadelstein und Wildfeld hängen.

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Ich bleibe nicht auf der Teicheneggalm (1570 m), sondern wandere unverzüglich und unverzagt zum Plöschkogel (im Bildhintergrund) weiter.

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Zuerst bleibe ich auf einer einer Forststraße, immer achtsam, um diese Abzweigung ja nicht zu übersehen.

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Ich gelange zum Blauen Herrgott (ca. 1580 m). Das ist auch der Scheitelpunkt am weiten Weg in die Radmer (9 km).

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In den grünen Matten zum Plöschkogel findet sich eine gute Spur – Weg ist es nicht wirklich.

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Diesen steilen Waldschlag zum Kragelschinken bin ich bei meiner getanzten Schitour im vorigen Winter ebenfalls abgefahren. Am unteren Bildrand ist gerade noch der Blaue Herrgott zu sehen.

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Und so schaut’s im Winter aus (meine einsame Spur ist auch zu erkennen).

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Und auf dieser Schitour entstand auch die Idee zur heutigen Bergtour. Das liest sich in diesem Blogeintrag dann so:

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Am Plöschkogel sitze ich über einem ehemaligen Kupferbergwerk. In älteren Wander- bzw. Schitourenführern wird vor verdeckten Stolleneingängen und Erzlöchern gewarnt (Frischenschlager, Auferbauer). Gerade der Bereich des Plöschkogels bis zum Ochsenkogel diente auch als Schlackenhalde. Das macht mich neugierig, und somit drängt sich ein Sommerbesuch mit der Überschreitung dieses Rückens bis zum Lichteck einfach auf.“

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Plöschkogel (1668 m).

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Hinter dem Gipfelzeichen wippe ich über federnde Schwarzbeerbüsche und suche den Weiterweg zum Ochsenboden. Das gestaltet sich ganz einfach, denn schon nach wenigen Metern…

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…findet sich ein wunderbares Steiglein.

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Dieses uralte Bergbaugelände mit seinen Schlackenhalden wurde wieder in eine grüne Dichtung der Natur umgewandelt.

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Metallene Spinnweben vereinen sich mit dem Narbengeschwulsten der Bäume.

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Dass ich mich hier auf Bergbauabfällen und Schlackenbergen bewege, ist erstaunlich. Für mich ist das eine unglaublich schöne wässrig grüne Übertreibung.

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Lange ist es ganz still in dieser von der Gegenwart unberührten Landschaft. Sanftplötzlich ändert sich das – zuerst liegt es ungreifbar in der Luft und dann höre ich es ganz nahe,….

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…Äste brechen und ein sanftes Rauschen im Schwarzbeergebüsch begleitet das Erscheinen eines Rehbocks auf der Lichtung.

Wir blicken uns an, und er erkennt sofort mein innerstes wahres Wesen. Mit gesenktem Haupt überlässt er mir diesen majestätischen Brunftplatz. Denn sein Instikt sagt ihm, was ich inwendig wirklich bin: ein Sechszehnender am Weg zum Achtzehnender.

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Nachdem dieses Revier jetzt mir gehört, ist es noch schöner, und nun ich will mein ganzes Besitztum begutachten. Darum halte ich mich nicht länger auf und streife durch diese entrückte Landschaft weiter, um den „Gipfel“ des Ochsenbodens ausfindig zu machen.

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Gipfelbild mit Sechzehnender am Weg zum Achtzehnender: Ochsenboden (1634 m).

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Vielleicht sollte ich doch nicht so viel alleine wandern. Es macht einen mitunter sonderbar.

Unter dem Ochsenboden taucht eine Forststraße auf, und der Kaltenbachriedel zweigt nördlich ab. Das bewaldete Schupferl in der Bildmitte werde ich heute noch besteigen. Jetzt bleibe ich aber am Rücken, weil mein nächstes Ziel der Ochsenkogel ist.

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Blick in die Salchleiten.

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Hinter den Weitböden kann ich den sagenhaft schönen Grat von der Wolfleiten (1702 m) zur Achnerkuchel (1824 m) sehen. Auf dieser Wanderung wurde ich für meine Mühen ebenfalls reich entlohnt.

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Auf der Gipfelwiese Aug in Aug mit Hochkogel und Kaiserschild. Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Ochsenkogel (1620 m).

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Das Himmelsgeschehen ist noch immer sehr unentschieden. Einmal schaut es so aus, als würden Regenstürme losbrechen, und gleich darauf verdampft die Sonne die dunklen Wolken, bis nur noch Himmelsblau übrig ist.

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Am Schnepfenboden übernehmen wieder Wolken das Kommando. Ich wandere wild umweht und von vertragenen Regentropfen angenässt weiter.

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Dann erreicht der Regen auch mich. Es regnet nicht stark, und gewittrig schaut es auch nicht aus, ein wenig Zeit bleibt mir noch, denk‘ ich mir. In das Neongrün der Schwarzbeerensträucher mischen sich jetzt wundersame Rottongräser.

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Nur noch wenige Meter fehlen mir zum Lichteck, und die gehe ich jetzt auch.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Lichteck (1462 m). Im Hintergrund ist der Lugauer (2217 m) mit seinem Doppelgipfel gerade noch zu sehen. Auch der Bohnriedel (1349 m) ist zu sehen und wäre der logische Abschluss dieser Kammwanderung. Weil ich aber wiederkommen will, hebe ich mir diesen letzten Mugel für eine unschwierige Winterwanderung auf.

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Obwohl so nah, schaut er doch weit entfernt aus: der Zeiritzkampel (2125 m).

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Vor mir die Kaiserschildgruppe samt Halskogel (1624 m).

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Das Wolkenschwitzen hört wieder auf (Regen war es keiner), und darum beschließe ich auch noch, den lustig bebäumten Kaltenbachriedel zu besteigen.

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Auf der Forststraße umwandere ich den Abgrund, der mich von diesem letzten Gipfel trennt. Über ein Bodendenkmal (mittelbronzezeitlicher, mehrphasiger Schmelzplatz)  hinweg…

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…wandere ich die letzten Meter zum Gipfelschupferl.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelschupferlfoto Kaltenbachriedel (1457 m). Gegenüber ist das baumfreie Spitzerl der Donnersalpe (1539 m) zu sehen.

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Blick in die Eisenerzer Ramsau.

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Im Abstieg wandere ich an diesem Gewässer vorbei…

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…den steilen, ausgeholzten Waldhang hinab…

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…über das nächste Bodendenkmal hinweg (prähistorisches Kupferbergbaugebiet)

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…auf die Forststraße.

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Am langen Weg zurück habe ich genug Muße, um mein heutiges Tagwerk im Rückblick ausgiebig zu würdigen.

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Mit einem gemurmelten: „Nein, wirklich nicht “ eile ich an den Sprungschanzen vorbei. Denn wenn ich wirklich noch ein Achtzehnender werden will, muss ich solche Wagnisse, die nicht der Fortpflanzung oder Ernährung dienen, tunlichst auslassen. Somit gelange ich ohne Schanzenrekord, dafür aber wohlbehalten, wieder bei meinem Auto an.

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Im Anstieg ca. 880 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 16,6 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Untersuchungen zur bronzezeitlichen Kupfergewinnung in der Eisenerzer Ramsau, Steiermark: Erste schlackenkundliche Ergebnisse (abgerufen am 3.10.2014)

Peterka (1982): Eisenerzer Alpen. AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Scharfetter/Buchenauer (1978): Eisenerzer Alpen, Bergwandern, Klettern, Schifahren. Verlag Styria, Graz.


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.