Wer sucht, der findet und wer nicht sucht, der findet auch; Schneckenwand am Pass Gschütt.

Hier wird berichtet, wie wir auch ohne Lotto Sechser steinreich von dieser Wanderung heimkehren und nur durch unsere dünngenähten Rucksäcke gehindert, nicht auch noch schwerreich.

Morgenfoto bei unserem Quartier. Im Hintergrund ist das Gamsfeld (2027 m) zu sehen. Auf 1120 Meter, an dessen Südseite, befindet sich eine der bekanntesten Fossilien- Fundstellen der Nördlichen Kalkalpen. Um diesen Aufschluss zu besuchen, sind wir bereits gestern nach Russbach am Pass Gschütt gefahren. Denn schon lange wünscht sich Gabi einen Besuch dieser Fundstelle.

Obwohl erst Pfingsten, werden wir sommerfreundlich in Russbach empfangen. Greifvogelartig wacht der Heilige Geist im Kirchengewölbe von Russbach über die anstehenden Pfingstfeiertage.

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Wir beginnen unsere Wanderung bei der Kirche und diesem Brunnen.

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Gabi streicht mit sanfter Hand über die eingeschlossenen, geschliffenen Fossilien, sie umkreist den Brunnen, schöpft Wasser und wischt immer wieder den Brunnenrand  – Rituale der Vorlust.

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Wir wandern noch auf asphaltierter Straße den Traunwaldbach (Rinnbach) hoch. Die Zufahrt hierher wäre noch mit dem Auto möglich gewesen. Zumindest bis zu den großen Parkplätzen nach der Rinnbachbrücke (Parkobolus erwünscht).

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Viele Möglichkeiten tun sich auf. Das erklärt auch den großen, jetzt aber leeren, Parkplatz.

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Hinter dem Rußberg (1666 m) und seinen Schipisten deuten sich Dachstein und Gosaukamm schon an. Es ist heiß. Die ungemähten Sommerwiesen blühen fleißig. Noch befinden sich keine Kühe auf den Weiden.

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Beim zweiten Bauernhaus verlassen wir endlich die Straße und gelangen zu diesem Ziehweg. Jede Schattenminute wird von uns geschätzt, aber die Ungeduld, endlich diese Schneckenwand zu finden, wird für Gabi schon fast unerträglich.

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Immer wieder hält sie Ausschau, ob sie schon Vorboten der Fundstelle sichten kann.

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Der Steig leitet durch einen großen Waldschlag in die Höhe, und völlig unvermutet stehen wir…

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…vor der Schneckenwand. Wir haben Menschen in großen Mengen erwartet, und jetzt teilen wir uns mit den flinken Eidechsen im Gebüsch den ganzen Berg.

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Vor 85 Millionen Jahren entstand diese Massenablagerung der Russbachschnecke  und anderer Fossilienarten. Eine undenkbar lange Zeit. So lange wird es brauchen, bis Österreich, nach der uncrediblen Conchita Wurst aus Bad Mitterndorf, wieder einen Songcontest gewinnt oder gar einmal Fußball-Weltmeister wird (Wir brauchen einen Tom Neuwirth des Fußballs). Also eine unvorstellbar große Zeitspanne.

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Riesige Schneckenzöpfe ragen aus dem Boden, als wären es Früchte der Erde.

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Wie eine Honigbiene im Fliederbuschen umschwirrt Gabi den aufgerissenen Boden der Schneckenwand.

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Obwohl es heiß ist, verschwenden wir zur besseren Sichtbarmachung unsere kostbaren Trinkvorräte. Trochactaeon geht vor Durst.

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Und Gabis Bienenfleiß bleibt nicht unbelohnt.

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Auch ohne Sprengen und Graben erhält sie von der Schneckenwand ganz besondere Give-aways. Gabi badet in Hochgefühl und stopft ihren Rucksack mit den schönsten Fundstücken voll. Die echte Zerreißprobe für diesen Rucksack kommt aber noch.

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Wir beschließen weiterzugehen, aber nicht ohne gemeinsames Foto. Obligatorisch und unverzichtbar:Gipfel Fossilienfundstättenfoto Schneckenwand (1120 m).

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Der Gosaukamm zerhackt den aufgeheizten Vormittagshimmel.

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Die heiße Luft flimmert, und in sanfter Unrast schaukelt der Dachstein im hellen Blau.

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Bevor es in den Wald geht, ein Blick zurück. Links der Bildmitte ist das Tennengebirge zu sehen und der grünfelsige Rücken rechts davon ist der Bodenberg (1523 m).

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Wie ich glaube, steht uns ein langweiliger Forststraßenhatscher bevor. Aber es kommt ganz anders.

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Sonnenlichtfinger entfalten ganz vorsichtig die ängstlich zu Fäusten geballten Farnhände am Wegesrand.

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Bäche springen von den Hängen des Gamsfeldes. Weiterhin wandern wir ohne Schatten, sonnengeküsst in Richtung Osten. Wir queren über eine kleine Brücke den Randobach und wandern immer entlang des Gewässers talwärts.

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Dieser Randobach dürfte bei Regenfällen zum Jährzorn neigen und zu einem Vandalen der besonderen Art werden. Zum Schutze der Menschen vor seinen Wasserhorden wurden meterdicke „Stadt“mauern im Bachbett errichtet. Ich kann mir die uferlose Wut und Gewalt, mit der dieses Gewässer anschwillt und mit Steinen, Ästen und ganzen Bäumen auf diesen Schutzwall einprügelt, lautstark vorstellen.

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Blick in die Verwüstungszone bzw. das Bachbett oberhalb des Schutzwalles…

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…und bachabwärts.

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Unser Interesse gilt heute weniger der floralen, phantasievollen Seite der Natur, sondern ausschließlich den uralten, abgelegten, steingewordenen Evolutionsverlierern.

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Im Bachbett finden sich jetzt nicht nur Schnecken, sondern auch Muscheln und Korallen.

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Viele Fundstücke werden wieder zurückgelegt und durch „bessere“ ersetzt,…

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…denn Gabis Rucksack ist voll und die Tragfähigkeit meines Rucksacks…

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…endet bei Fundstücken wie diesem. Mag dieser Stein auch noch so viele Einschlüsse haben, mein Rucksack ist keine Scheibtruhe, und ich bin nicht Herkules.

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Gabi sichtet die Steine mittlerweile sogar von der Forststraße aus. Es ist der Findeblick, der sie quält. Denn finden und liegen lassen ist eine schwierige Kunst.

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Bis in die wohlgezügelten Haarspitzen freut sich Gabi mit jeder Faser ihres Wesens. Könnte doch nur dieser an den Bach gekettete Forstweg bis ans Schwarze Meer führen.

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Wir folgen dem Bachlauf bis zu den ersten Häusern und wandern…

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…an einem vielfach videoüberwachten Haus vorbei. Ob das wirklich so traumhaft ist, ständig im Fokus einer Überwachungskamera zu leben, weiß ich jetzt auch nicht. Oder weiß ich doch – nein danke!

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Wieder in Russbach zurück, danken wir dem Gamsfeld und seinen Bächen mit einem aufrichtigen „Vergelts Gott“.

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Gabi kann diese Funde ihrer kleinen Sammlung hinzufügen, aber mit einer Komplettierung dieser Anhäufung ist in diesem Leben nicht mehr zu rechnen, da es alleine ca. 170.000 Schneckenarten gibt. Diese Wanderung war noch besser als gehofft, und überhaupt ist Pfingsten in Russbach eine vorsaisonale, ruhige Angelegenheit. Wieder einmal eine nilpferdschwere Empfehlung.

Im Anstieg ca. 370 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 10,5 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Für Fossilieninteressierte (damit meine ich jetzt nicht junge Frauen die mit alten Männern liiert sind) gibt es viele Seiten im Netz. Steinkern.de ist nicht nur für den lernwilligen Laien eine echte Fundgrube.

Senft (1994): Wandern im Salzkammergut. Verlag Leopold Stocker, Graz.

 

 

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.