Wie wir einen Berg bestiegen, um Specklinsen zu essen und dabei das rote Hirschboudoir fanden.

Diese Wanderung ist den fleischlichen Begierden und herbstlichen Arterhaltungsmaßnahmen der Hirsche gewidmet. Der langgezogene Rücken westlich der Moaralm ist aber auch ein ideales Ziel für meinen Fährtensucherfreund und Tauernkenner Reinhard. Und mich, seinen Wander-Sancho Panza.

Bei meiner Runde ums Himmeleck im September 2011 fiel mir dieser „leicht“ bewaldete Rücken westlich der Moaralm ins Auge. Den könnte man doch überschreiten, dachte ich mir. Ich machte ein paar Fotos, und schon geriet er in Vergessenheit – aber nur bis zum heutigen Tag. Wir starten bei der Bergerhube (1198 m) am Tag vor dem kalendarischen Herbstbeginn. Nebel und kühle 7 °C lassen uns schneller losgehen als üblich.

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Wie schon in meinem letzten Blogeintrag freue ich mich über horntragendes, und in diesem Fall sogar körperhaariges, Weidevieh.

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Unsere Wanderung beginnt, wie so wie viele andere Wanderungen auch. Wir stapfen auf einer breiten Forststraße entlang. Wieder einmal zotteln wir an einem ins Grün geschütteten Bach vorbei. In diesem speziellen Fall heißt der Bach sogar Grünbach.

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Es fällt Reinhard schwer, sehr schwer, bei der Tour zu bleiben und nicht sogleich ins glückliche Reich der Schwammerlfinder zu wechseln. Bei uns zu Hause gibt es Schwammerljäger, die die weite Anreise hierher nicht scheuen, aber es völlig unverständlich finden, dass wir nur eines Gipfel wegen (mehrfaches Kopfschütteln) diese weite Strecke zurücklegen.

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Überall duftet es eierschwammerlgelb aus dem Unterholz.

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Wir erreichen die Moaralm. Diese lassen wir sogleich rechts liegen, um ins Moartörl weiterzuwandern. Noch befinden wir uns am markierten Weg. Schon können wir die  sanften Buckeln unseres Rückweges betrachten.

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Der Brandnerkogel (1786 m) und unser Abstiegsweg. Also unser Abstiegsweg wird erst im Abstieg entstehen.

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In sanfter Steigung geht es hoch.

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Wir kommen an zwei gebückt-emsigen Heidelbeersammlerinnen vorbei. Wir wechseln ein paar Worte und erfahren von den beiden, dass erst mit dem Raureif die gewünschte Süße in den Heidelbeeren entsteht.

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Hier führt der markierte Weg direkt zum Gipfel des Triebenfeldkogels.

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Wir wollen aber noch unterhalb des Kammes weiter auf einem alten Jagdsteig, zumindest bis zum Zirbenstein oder gar dem Zirbenkogel, wandern. Auf diesem Bild ist der Schwarzenstein im Kamm zu erkennen. Die Reichenstein-Gruppe eröffnet den Ausblicksreigen ins Gesäuse.

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Zu Beginn glauben wir noch an den Pfad.

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Immer wieder wird unser Glaube auf eine harte Probe gestellt.

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Bis uns diese neue Forststraße den letzten Glaubensnerv zieht. Es ist ein saublödes Gefühl, wenn man sich auf vermeintlich alten Wegspuren durchs Gebüsch schlägt und nur wenige Meter unterhalb die neue, breite Forststraße verläuft. Aber diese Straße ist nicht in unseren Karten verzeichnet, also ignorieren wir sie. Bei ihrem Anblick fällt mir  eine schön-bitterböse Pointe (Nazi-Witz) vom großartigen Dieter Hildebrandt ein: Sagt ein Grüner zum anderen: „Also, der Hitler, der war gar nicht so schlimm. Das mit den Autobahnen, das hätte er nicht machen sollen.“

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Wir wandern zwischen Forststraße (auf dieser zu gehen widerstrebt uns einfach) und dem Bergkamm etwas mühsam dahin. Vor- aber auch unter uns taucht der Zirbenkogel (1503 m) auf. Die Forststraße führt fast auf seinen Gipfel, und somit wollen wir ihn heute nicht mehr besteigen. Wunderbar dagegen ist die Aussicht auf den Eisenerzer Kamm und die Hochtorgruppe im Hintergrund.

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Wir finden ein Restl des Jagdsteiges und passieren ein vogelbeerrotes Tor.

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Kurz danach führt der Steig den Berg abwärts. Jetzt verlassen wir ihn und steigen im steilen Waldgelände auf. Wir wollen den Zirbenstein finden. In der Karte ist der Name verzeichnet, aber ohne Höhenangabe oder Gipfelzeichen. Übereinstimmend mit meinem GPS dürfte ich vom Zirbenstein ca. 10 Meter in die Tiefe blicken.

Zirbenstein (ca. 1540 m)

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Wie auf fast jedem Bergrücken pirscht auch hier ein schmaler Weg durchs Gebüsch. Schritt für Schritt tauchen wir in eine rote Gegenwelt ein.

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Uns gehen die Augen über: Adrianopelrot, Algolrot, Alizarinrot, Barbera-rot…

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Und selbst das Vöttleck (1888 m) leuchtet backsteinrot.

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Die Hirschbrunft steht am Scheitelpunkt ihrer Wonne. Wir betreten das Lustreich, das Boudoir des Rotwildes. Um uns röhrt und trenzt es wie im besten Dolby Surround Kino.

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Bevor wir zum ersten Gipfel des Tages kommen, machen wir noch einen Abstecher zu den geheimnisvoll-idyllischen Schwarzlacken.

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Als geachteter Hirschpsychologe erkenne ich sofort die lustanstoßende, hirschbrunftfördernde Wirkung dieses Erdenfleckens.

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Es ist unglaublich schön, und nur weil unser Magen das Denken übernommen hat (Specklinsen), wandern wir weiter. Wieder am Kamm, der feine Blick ins Gesäuse.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Single shot Schwarzkogel (1797 m). Im Hintergrund ist der Rücken von Gamsmauer (1959 m) zu Himmelkogel (2017 m) zu sehen.

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Wir bleiben immer am Rücken und versuchen für diese unermessliche Anzahl von Rottönen Namen zu finden. Arrasrot,  Bordeaurot, Cayennerot …

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… Dompfaffenrot, Drachenblutrot, Flamingorot.

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Der letzte kurze Anstieg ist geschafft, und wir befinden uns …

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… am höchsten Punkt dieser Tour. Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Triebenfeldkogel (1884 m).

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Dieser Nichtzweitausender hat unglaubliche Aussichtsqualitäten. „Ferne blickt uns an“ (Frame, 2011).

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Blick zurück über unseren Anstiegsweg. Der Rücken vom Vöttleck (1888 m) bis zum westlichen Schwarzkogel (1735 m) über Trieben. Der Verbindungsgrat vom Vöttleck zum Hühnerkogel (1793 m). Am Vöttleck war ich bereits bei einer Schitour, aber die anderen Gipfel kommen in meine Gipfelvorratsdose.

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Im Bildvordergrund rechts der namensähnliche Triebenstein (1810 m) und dahinter die Bösensteingruppe (2448 m) bis zur Hochhaide (2363 m)  bzw. den Zinkenkogel (2233 m).

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Im Gegenlicht der Mödringkogel (2142 m), Gamskögel (2386 m), Kleiner Grießstein (2175 m), Großer Grießstein (2337 m).

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Der Weiterweg über diese märchenhafte Heidelbeerschneide. Aber noch ist es nicht so weit.

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„Wenn Hormone schreien“  wäre ein möglicher Titel für diesen Blogeintrag gewesen. Ständiges sehnsuchtvolles Stöhnen und Röhren hat uns hierher begleitet. Nach einem langen, raukehligen ersten Seufzer folgen kurze, abgesetzte Grunzlaute. Das ähnelt dann schon einem Bitten und Betteln. Nicht einen dieser wimmernden, liebeskranken Geweihträger bekommen wir zu sehen, obwohl wir glauben, sogar das wilde Pochen in ihren Adern hören zu können. Kein Wunder bei diesem Gefilde. Als würde es dem Rotwild in den Sattel helfen wollen. Schwulstig, ausschweifend erscheint uns diese Landschaft. Alles mündet in Sinnlichkeit und ungehemmte Leidenschaft. Dass die Farbe Rot stimuliert, weiß auch der (weibliche) Mensch schon lange:

Boudoir der Kaiserein Marija Alexandrowna in der Eremitage (Wikipedia).

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Aber lustschwindlige Hirschen erscheinen uns jetzt nicht so wesentlich, denn das Knurren unserer Mägen hat mittlerweile eine ähnliche, bettelnde Lautstärke erreicht.

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Reinhard begibt sich in die Küche, und zu meinem großen Magenglück weiß er, was zu tun ist. Zuerst muss der Dosenöffner vorsichtig mit der Dose vertraut gemacht werden. Danach will das Gas aus dem Kocher gekitzelt werden. Gelingt beides, kennt das persönliche Glück keine Grenzen.

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Hirsche nehmen in der Brunftzeit keine Nahrung zu sich. Wir sind keine Hirsche und brünftig sind wir immer seltener.

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Immer mehr nähern wir uns der Erkenntnis, dass Essen sehr gut andere Genusssituationen ersetzen kann. Wir sind zufrieden, im Moment fehlt uns nichts.

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Wir rasten mit unseren gestopften Bäuchen im milden Sonnenschein und blinzeln zufrieden auf den Gipfelfelsen vor uns.

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Aber solche Herbstwanderungen werden durch das immer rascher schwindende Tageslicht begrenzt. Somit raffen wir uns auf, um unsere Tour fortzusetzen.

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Schon die ersten Schritte schenken uns neue Freude.

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Diese Wanderung bietet Alles und nicht weniger. Vor uns leuchtet der Brandnerkogel im milden Herbstlicht ganz natürlich in Brandrot. Davor glimmt es in Campari-Rot und Etruskerrot und, und …

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gefülltes Gipfelbauchfoto: Brandnerkogel (1786 m).

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Der Blick zurück zeigt das Moartörl, darüber aufragend links den Triebenfeldkogel und rechts das Himmeleck.

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Unter uns sonnt sich die Moaralm.

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Wir überschreiten den Gipfel und finden durchgehend Pfadspuren. Zuerst zu einer malerischen Hirschsuhle, und danach geht es den bewaldeten Rücken hinab.

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Diese Wanderung ist schöner gar nicht denkbar.

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Wir gelangen wieder in die Sonne und gehen zur liebevoll dekorierten Moaralm.

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Heute ist niemand mehr da. Mich amüsiert das Schild, welches gefinkelt über die Öffnungszeiten der Alm informiert.

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Es sind aber ausreichend Getränke im Trog hinter dem Haus eingekühlt. Wir sind durstig und Reinhard überkommt die Erkenntnis: „Zwa Radler san besser als ein Bier“.

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Nach kurzer Rast wandern wir den markierten Anstiegsweg zurück zur Bergerhube.

Interessant ist die Tatsache, dass ich fast nur Winterberichte vom Triebenfeldkogel im Netz gefunden habe. Keine Berichte von einer Überschreitung oder ähnliches. Aber ohne von unserer Tour zu wissen, hat Leopold (Paulis-Tourenbuch) nur drei Tage später diese Runde übers Vöttleck gemacht. Und wiederum drei Tage später auch Helmut (Helmuts Bergtouren). Beide haben ausführliche Berichte darüber veröffentlicht.

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Mit diesen Gipfeln habe ich meiner „Nebengipfelsammlung“ besonders delikate Exemplare hinzugefügt. Mein Wiederkommen ist gesichert. Reinhard, meinem geduldigen, verlässlichen, immer achtsamen Fährtensucher, hat diese Wanderung in ihrer Fülle ebenso überrascht, wie gefallen.

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Im Anstieg ca. 1155 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 18,8 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Frame (2011): Dem neuen Sommer entgegen, C.H. Beck Verlag, München.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Jäckle (1926): Führer durch die Östlichen Niederen Tauern. Sektion Edelraute d. Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Wien.

 

 

 


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.