Zinkenkogel im Schatten der Bösensteine

Das Paltental steckt noch unter einer kuscheligen Nebeldecke. Derweilen strecken sich die Hochhaide und das Stein am Mandl schon der Sonne entgegen. Sicherlich sind beide Berge in diesen Morgenstunden ein paar Meter höher, als in den Karten verzeichnet. Wir fahren über die Kaiserau nach Hohentauern.

Jäckle schreibt in seinem Führer von 1926 über diese, von uns leicht abgeänderte Runde: „Eine der bequemsten und bei schönem Wetter genußreichsten Kammwanderungen in den Rottenmanner Tauern. Vollkommen unschwierig, nur Ausdauer erforderlich“.

Unsere Runde führt vom Pölsental zum Perwurzpolster, Perwurzgupf, Zinkenkogel, Steinwandkogel, Schüttnerkogel und den Kohlmeisriedel zur Lackneralm.  

Wir werden zu dritt sein. Christoph kommt von Wien und verspätet sich etwas. Sein Anruf lässt uns aber auf sein Geheiß vorausgehen. So ziehen Reinhard und ich bei sehr frischen 4 Grad auf immerhin 1229 m los.

Wir wandern 5 Kilometer durch das morgendliche, dampfende Pölsental bis der Weg zum Perwurzpolster endlich anzusteigen beginnt. Beim Perwurzpolster hat man zwar nur wenige Höhenmeter in den Beinen, aber dafür bereits 7,5 Kilometer.

Unser Bergziel zeigt sich bereits hell ausgeleuchtet im großen Spiegel.

Im Vordergrund der Perwurtzgupf und dahinter der Zinkenkogel.

Im Anstieg zum Perwurzpolster mit Blick auf den Großen Hengst (2156 m).

Nach einem langen flachen Zustieg, zieht der Weg im wunderschönen Pölskar endlich am Fuße des Perwurzgupfes hoch. Den Kamm oberhalb des Kares wollen wir überschreiten.

Auf Höhe des Geißrinksees stößt Christoph zu uns. Christoph ist wie immer sehr schnell  unterwegs. Vermutlich hat er auf unseren gemeinsamen Bergtouren schon mehr Zeit mit dem Warten auf mich verbracht, als überhaupt mit der Parkplatzsuche in Wien.

Der kleine See ist fast wasserlos, und ich hoffe, dass er sich mit den nächsten Regenfällen wieder füllt.

Der Anstieg führt durch riesige Felder von Gämsheidepölstern. Auf den letzten Metern vor dem Erreichen des Perwurzpolsters schleicht sich mir dieses Lied in den Kopf: La le lu…

Wir pausieren nur kurz am Perwurzpolster, weil uns der eher selten besuchte Perwurzgupf schon ungeduldig zu sich winkt.

Links im Bild: Oberhalb des Strechengrabens ruht die Wurzleiten (2066 m), welche über den Seitenstallpolster (1840 m) mit der Sonntagskarspitze (2350 m) verbunden ist.

Hier kann man sehr schön den Anstieg vom Perwurzpolster durch ein riesiges Latschenfeld (Weg existiert) über die Perwurzleiten auf den Kleinen Bösenstein einsehen.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Perwurzgupf (2082 m). Ebenso im Bild sind fünf Stecken und der kleine Bösenstein (2395 m) zu sehen.

Noch ein Blick ins Pölskar: Der stark bewachsene Kamm oberhalb der Bildmitte findet seinen Ausgangspunkt vom Steinwandkogel und beheimatet die Gamshöhe. Dahinter ist noch der Schüttnerkogel und alles überragend, der Bruderkogel (2299 m), zu erkennen.

Der Weiterweg zum Zinken verspricht ein Ausflug ins Blaue zu werden.

Rechter Hand Tiefblick im Anstieg zum Zinkenkogel. Die Wagnerplan südlich der Perwurzalm gelegen, ist mir mit ihren unbenannten Erhöhungen bis dato völlig entgangen. Die höhere Bergreihe dahinter beherbergt allseits bekannte Gipfel wie den Wirtsspitz (2032 m) und den Schüttkogel (2049 m).

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Zinkenkogel (2233 m). Wie selten dieser wunderbare Gipfel besucht wird, kann man aus dem Gipfelbuch ersehen. Dies stammt  vom 11.8.2004 und ist nicht einmal zur Hälfte befüllt. Wir werden an diesem wunderbaren Tag nur zwei anderen Überschreitern begegnen.

Links im Bild ist der Kreuzkogel zu erkennen. Der lange Grat im Vordergrund ist der wunderschöne Kainzenboden, und der runde Rücken ist der Geierkogel (meine Wanderung vom 26. Mai 2012). Rechts hinter dem Geierkogel ist der Große Grießstein zu sehen und rechts davon der Sonntagskogel. Wiederum rechts neben dem Sonntagskogel ragt der Knaudachkogel auf. Verbunden mit einem tollen Grat, ist dieser wiederum mit der Hochleitenspitze und den Gamskögeln (meine Wanderung vom 7. Juni 2012).

Der Kamm sieht so aus, als ob er jetzt dringend von uns überschritten werden will.  Er zweigt in südliche Richtung ab, der Hauptkamm führt in westlicher Richtung weiter.

Der nächste Gipfel auf diesem Kamm ist der in den Karten unbezeichnete Wagnerplankogel (2104 m). Der Anstieg in gerader Linie führt über den Kleinen und den Großen Geierkogel zum Hochschwung (2196 m). Links ist noch der Regenkarspitz (2112 m) zu sehen. Der große Karboden wird aus dem Auwinkel und dem Ilmkar gebildet.

Im Vordergund ist die mir bis dahin völlig unbekannte „Mauer“ der Wagnerplan zu sehen. Dahinter links ist das Sommereck (2095 m), rechts der Wirtsspitz (2032 m) und der Schüttkogel (2049 m) zu erkennen. Nochmals dahinter der Hochgrössen (2115 m), Seekoppe (2150 m) und der Hochrettelstein (2220 m). Die Horizontlinie bilden Dachstein, Grimming, Totes Gebirge…

Der Blick nach Nordosten zeigt links im Bild die Wurzleiten (2066 m) und dann fast den ganzen Überschreitungsklassiger der Rottenmanner Tauern: Kleiner Bösenstein (2395 m), Sonntagskarspitze (2350 m), Dreistecken (2382 m), Hochhaide (2363 m) und ganz links das für mich so bedeutungsvolle Stein am Mandl (2043 m).

Diese Panoramaaufnahme kann ich mir ebensowenig,…

…wie eine Zoomaufnahme in die Eisenerzer Alpen mit der Lugauerplan als Orientierungshilfe, versagen.

Nach einer ausgedehnten Gipfelrast geht es immer den Grat entlang weiter.

Rückblick zum schon wieder weit entfernten Zinkenkogel.

Diese Rinne wird von Reinhard und Christoph auf ihre Schitauglichkeit genau überprüft und für befahrbar befunden.

Diese Gratwanderung stellt sich mit ihren Erhebungen und Kurven als eine echte Schönheit heraus. Darum ist es fast schon schade, dass wir bereits…

…den Steinwandkogel (2131 m) erreichen.

Das Bild zeigt den Rücken vom Steinwandkogel zur Gamshöhe. Auf die hundert Höhenmeter kommt es mir jetzt auch nicht mehr an, und ich besuche auch noch die Gamshöhe. Ursprünglich war ja sogar unser Abstieg über diesen Rücken geplant.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gamshöhe (2028 m). Im Hintergrund, die heute bereits  überschrittenen Gipfel.

Blick ins einsame Gamskar.

Am Steinwandkogel zurück, finde ich meine beiden Bergkollegen vom Schlaf gemeuchelt.

Wie ein Dieb schleiche ich mich leise davon und gewinne auf diese Weise einen wertvollen Vorsprung.

Der Blick vom Steinwandkogel zeigt den fast schon finalen Kammverlauf dieser Tour.

Immer wieder zeigen sich zuvor nicht sichtbare Schätze bei dieser Kammwanderung. Allen Überschreitern und Begehern dieses Kammes kann ich nur raten, die Gehzeit nicht zu knapp zu bemessen. Zum einen ist es doch weit, aber vor allem ist es viel zu schön, um darüber zu hetzen und nicht zu staunen.

Erst als ich bereits am Schüttnerkogel bin, tauchen die beiden Morpheusjünger in Sichtweite auf. Beim Warten geht mein Blick ins Autal und zeigt mir eine ganz andere Landschaft, als im vorletzten Schitourenwinter.

Wie leicht zu erkennen ist, kann ich nicht einen meiner Bergkameraden überreden, auch nicht mit roher Gewaltanwendung, vor der Kamera eine entsprechende Gipfelpose einzunehmen. Darum offensichtlich nicht für alle obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schüttnerkogel (2170 m).

Christoph beschließt über den Bruderkogel weiterzugehen, da er diesen noch nicht bestiegen hat. Reinhard und ich wollen über den Kohlmeisriedel, früher auch Kalmannsriegel bzw. Galmannsriegel benannt, absteigen.

Wir lassen uns Zeit, und ich kann Christoph am Weg zum Bruderkogel (rechts der Bildmitte) fotografieren. Der runde Rücken ist aber noch nicht der Bruderkogel, sondern eine Erhöhung ohne Namen mit 2045 m.

Ohne Schwierigkeiten erreichen wir den Kohlmeisriedel (1995 m), im Führer von Jäckle noch mit Kalmannsriegel (2013 m) bezeichnet.

Wir gehen immer weiter den immer schmäler werdenden Kamm entlang. Es gibt Jagdstände und damit auch Zustiege für den Jäger.

Endlich ist auch der Herr der Rottenmanner Tauern zu sehen: Das Spitzerl ist der Große Bösenstein (2448 m), davor der Kleine Bösenstein (2395 m) und der Langmannweg zum Großen Hengst (2156 m).

Von der Jagdhütte führt eine noch nicht in den Karten verzeichnete Forststraße zur Lackneralm.

Wir queren den Lackneralmbach…

…und erreichen bei beginnender Dämmerung unseren Ausgangspunkt. Wir haben diesen herrlichen Tag in den Rottenmanner Tauern perfekt zu nutzen gewusst. Wenige Meter vor dem Erreichen unseres Fahrzeuges ruft Christoph mit der Frage an an, ob bei uns alles in Ordnung sei, weil er schon 20 Minuten auf uns wartet…

Im Anstieg ca. 1500 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 22,5 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Buchenauer(1975): Verliebt in die Heimat. Leykam Verlag, Graz.

Buchenauer (1964): Auf einsamen Bergen. Das Bergland-Buch Verlag, Salzburg.

Frischenschlager  et al. (1994): Oberes Murtal Von Predlitz bis Bruck. Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Jäckle (1926): Führer durch die Östlichen Niederen Tauern. Sektion Edelraute d. Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Wien.

Zeller (2010): BergErleben Bd. 3, Wölzer Tauern, Rottenmanner Tauern, Schladminger Tauern. Verlag Gertraud Reisinger, Spielberg.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.