Zeit: je nachdem | ↗ : 874 hm | Distanz: 14,1 km | teils unmarkiert | mit meist deutlichen Wegspuren und viel Forststraße | Quellen: Karten | must have: nein, aber schade, wenn nicht | Gipfel: 1 Glöckel (1319 m)
Ausschnitt aus
Karte 4309, Österreich digital.
ⒸKartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.
Westlich von St. Gallen will ich die Spitzenbachklamm bis zum Sauboden hinaufwandern, um von dort auf das Glöckel (1319 m) zu gelangen. Vielen ist die Klamm als „Tal der Schmetterlinge“ (mehr als vierhundert Arten) bekannt. Und vermutlich birgt dieser abgeschiedene Ort als Sturmstimulus gerade deshalb große Gefahren für die Welt:
Fast bis zum Beginn der Klamm kann ich mit dem Auto zufahren. Die Spitzenbachklamm ist ein Naturdenkmal mit dem höchsten Schutzstatus der Steiermark. Hier der Link zum Listeneintrag.
Das stete Wasserrauschen wird mich am Weg durch die ganze Klamm begleiten – und ich mag das.
Wegen der Nord-Süd-Ausrichtung sollen hier viele Hochgebirgs– und wärmeliebende Pflanzen, darunter auch verschiedene Orchideenarten, zu finden sein. Dafür ist es freilich noch zu früh im Jahr.
Immer wieder rücken die Felswände ganz eng zusammen.
Vom Grund der Klamm aus betrachtet, ragen die Felstürme wie schmale bröckelnde Wolkenkratzer in den dunstigen Himmel.
Nach zirka zweieinhalb Kilometern und nicht einmal zweihundertfünfzig Höhenmetern gelange ich zur Abzweigung in den Eitelgraben. Hier könnte ich schon wieder zurückwandern und dabei einen Abstecher zur Teufelskirche machen.
Will ich aber nicht – für mich geht es geradeaus weiter.
Die Forststraße verzwergt sich zu einem schmalen Pfad, und es gibt viel Komorebi, das japanische Wort für Sonnenlicht, das durch die Blätter der Bäume gefiltert wird. Und am Boden …
… ikebanart es ordentlich.
Etwas später quert der Steig den Spitzenbach, und ein steiler Waldanstieg beginnt. Ein freundlicher Hinweis erinnert ans Wasserfassen. Eine meiner verspielten Gehirnwindungen denkt: Das wäre schon auch hilfreich, wenn man vor Antritt einer längeren Zug- oder Busreise einen Hinweis aufs Wasserlassen bekäme. Faszinierend, man ändert nur einen Buchstaben und erhält das Gegenteil.
Allerdings müsste die Quelle freigeräumt werden – es gurgelt und gluckert nicht. Wobei ich keine hygienischen Skrupel hätte, aus dem Spitzenbach zu trinken.
Später geht es weniger steil …
… zu einer Forststraße weiter.
Hoch über mir kann ich das Gipfelkreuz des Maierecks (1764 m) erkennen.
Hinter mir ist Wald.
Eine Wandermarkierung in Blitzform lässt mich über den weiteren Wegverlauf nachgrübeln. Wie geht man zackzick? Wie ist das gemeint?
Nach wenigen Metern findet sich am rechten Rand der Forststraße der Steig mit einer Markierungstafel.
Wiederum geht es die ersten Meter steil hinauf. Im oberen Abschnitt ist der Steig zwar noch erkennbar, aber nicht mehr besonders gut. Auch die Reste der Spitzenbergeralm kann ich nicht ausmachen.
Die Wegspuren münden in diese große Wiese unterhalb des Saubodens. Aufstiegspuren samt alter Markierungsreste finde ich am linken Rand der Wiese. Die Jagdhütte ist von hier noch nicht zu erkennen – aber das ändert sich schon bald.
Bei meiner Besteigung des Kleinen und Großen Maierecks bin ich schon einmal hier gestanden. Von der Oberlaussa, am Fuße des Hengstpasses, praktisch von der entgegengesetzten Seite, hier heraufgewandert: Im Bannkreis der Haller Mauern: Großes Maiereck (1764 m).
Bei dieser Wanderung kam es zu meiner ersten optischen Begegnung mit dem Glöckel. „Wie kann ich da hinaufkommen?“ war damals meine Frage. Heute finde ich hoffentlich die Antwort darauf.
Das kleine Jagdhaus steht auch heute wieder abweisend und verschlossen am Sauboden.
Mich umfängt beinahe vollkommene Stille. Selbst das Summen der Insekten ist kaum wahrnehmbar. Mit ihrem Netz am Marterl hofft eine Spinne auf göttlichen Beistand bei der Jagd – Fliegen und Käfer hoffen auf das Gegenteil.
Das lässt mich an die immer häufiger auf dem Rasen betenden Fußballer denken: Knieend, Hände zum Himmel erhoben oder gefaltet, die Augen oft geschlossen, verharren sie auf dem Spielfeld. Wenn in der gegnerischen Mannschaft ebenso gebetet wird, wonach vergibt der Fußballgott seine Gunstbeweise?
Vielleicht würfelt Gott doch.
Weil ich in meinen Blogeinträgen beim Gendern manchmal schlampig bin, versuche ich mit diesem Bild einen Ausgleich zu schaffen.
(Mein würfelndes Götterpaar ist KI-generiert)
Noch von der Forststraße blicke ich auf den selten bestiegenen Hieflerstutzen (1487 m) und die öfter besuchte Kampermauer (1394 m).
Am Zaun entlang, links der Jagdhütte, setze ich meinen Aufstieg fort. Ich halte auf den großen Felsen hin links der oberen Bildmitte zu, und tatsächlich …
… kann ich Pfadspuren erkennen, so deutlich wie das große E bei meinem gestrigen Augenarztbesuch. Und dieses Steiglein verlasse ich bis zum Glöckel nicht mehr.
Meist ist es sehr gut wanderbar, …
… und wenige Male muss ich genauer hinsehen.
Der Pfad führt zumeist unterhalb des Grates und selten auch direkt auf den Grat. Dann werden mir im Gegenlicht solche Scherenschnitt-Momente geschenkt.
Nach dem Überwandern eines vorletzten Buckels …
… muss ich noch eine zwei Meter hohe Felsstufe absteigen, …
… um wenig später den Gipfel zu erreichen.
Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Glöckel (1319 m).
Dem Gipfel ein paar Meter vorgelagert ist dieser Felsen, und von dort habe ich ohne störende Bäume …
… die bessere Aussicht.
Auf all den bezeichneten Bergen habe ich schonen einen Fuß gesetzt – oder Schneeschuh – oder Tourenski.
Die Hüttstatt (1523 m) und der Große Sulzkogel (1185 m) warten noch auf meinen Besuch.
Den Abstieg gestalte ich wie den Aufstieg …
… und werde fast noch Opfer eines Taschen Kapperldiebs. Offenbar hat es den Ast einfach zu sehr in den Zweigen gejuckt. Mein Kapperl bekomme ich jedoch sofort wieder zurück.
Einen Schlusstipp habe ich dieses Mal auch noch: In Weißenbach bei St. Gallen bekommt man beim Schönegger samstags schon ab 5.30 Uhr und sonntags ab 6.00 Uhr frisches Gebäck oder sogar Käse- und Wurstsemmeln. Für Gerneesser ist das eine wichtige Information – Höhenmeter und Wegfindung sind aber natürlich ebenso relevant.
Senf dazu? Sehr gerne!
Darf’s ein bisserl mehr sein?
Weitere Unternehmungen in der Region Ennstaler Alpen (Auswahl):
- Schafkogel 1550 m (Hochsur)
Schafkogel (1150m) - Heißhütte und Heißzinödl
Hochzinödl (2191m) - Wie wir uns Wildfrauen wie wild am Wildfrauensteig wünschen
Frauenmauer (1850m), Bosruck (1992m), Kitzstein (1925m) - Tat und Zweifel am Admonter Reichenstein
Admonter Reichenstein (2251m) - Kl. Bosruck (1466 m) und Karleck (1582 m)
Kleiner Bosruck (1466m), Karleck (1582m)
Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.
Die Bildbeschriftung erfolgte mit:
PanoLab Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Ⓒ Christian Dellwo.
Meine Quellen
https://www.steiermark.com/de/Gesaeuse/Urlaub-planen/Tourenportal/Spitzenbachklamm-das-Tal-der-Schmetterlinge_tour_853680 (abgerufen am 5.7.2026)
Tourenbeschreibung von Karl Linecker auf alpenvereinaktiv.com: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/gloeckel-1319m-vorderpoelzenbach-nationalpark-kalkalpen/804637997/#caml=b5i,2eoncn,7vxz0m,0,0 (abgerufen am 5.7.2026)
FIN


















































