Drill am Schleifeck und Schleifkogel

Vom Schleifkogel übers Schleifeck zum Lärchkogel will ich schon seit Jahren ziehen. Nach meiner Besteigung des Sonntagskogels mit seinem Bärntalrücken in unmittelbarer Nachbarschaft, ist die Zeit für diese Überschreitung heute gekommen. 

Bei der Anreise nach St. Johann an der Triebener Tauernpassstraße wuchtet sich der Bruderkogel (2299 m) mit seinen Gratarmen mächtig in die Höhe. Sein Besuch ist über alle Zustiege lohnenswert. Und wenn der Wind den Schnee nicht ganz bös‘ verblasen hat,  auch im Winter.

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Ich parke mein Fahrzeug am Parkplatz vor der Kirche und finde den Weg gleich nach dem Kirchenwirt. Die gestrige milde Nacht hat leider einen längeren Aufenthalt im Gastgarten meines Wirtes erfordert und mich den geplanten Zapfenstreich unvorsichtig übergehen lassen. Und das rächt sich heute. Denn schon im Namen „Schleifgraben“ oder „Schleifkogel“ und „Schleifeck“ steckt Zucht, Disziplin und Drill.

Bei diesem Schild frage ich mich, warum nicht Minigolf meine Passion ist.

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Aber wer kann einem solchen Anblick schon widerstehen? Meine Frau könnte das, und mein Sohn und meine Tochter und mein Fleischhauer und mein Automechaniker könnten das auch  –  aber  i c h  n i c h t  –  und so schlurfe ich mit meinem angedellten Bergbesteigungswillen in den Schleifgraben.

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Gleich am Beginn des Grabens heißt es kurz achtsam sein, um den Weg nicht zu verfehlen. Die Markierung wurde schon länger nicht mehr „nachgemalt“.

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Der Weg wechselt nie die orographische rechte Seite des Baches und zieht sacht durch Sträucher und dichten Pflanzenwuchs höher. Bis zum Einstieg in diesen Waldschlag.

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Sehr gewissenhaft wurde viel, viel Geäst und Gehölz immer exakt am Wanderweg gestapelt und regelrecht ineinander geflochten. Nach wenigen Metern verstehe ich auch den Sinn. Es dürfte sich um eine Hindernisbahn wie im militärischen Fünfkampf handeln. Der Schleifgraben will seinem Namen gerecht werden. „Die Hindernisbahn gehört als Königsdisziplin des Militärischen Fünfkampfs sicherlich zu den härtesten Herausforderungen im Sport überhaupt. Der Körper des Athleten wird aufs höchste Maß beansprucht. Die sehr unterschiedlichen Hindernisse verlangen den Athleten enorme Kräfte ab“ (Wikipedia).

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In meiner Verfassung bleibt der Rekord für die Hindernisbahn ungefährdet, und ich bin froh, endlich diesen fast weglosen unleidigen Aufstieg abgedient zu haben. Denn es steht geschrieben: „Ohne eine gewisse körperliche Grundvoraussetzung wäre die Hindernisbahn gar nicht zu bewältigen, hinter einem schnellen Lauf, der gleichzeitig graziös, leichtfüßig und geschmeidig ausschaut, stecken sehr viele harte Trainingseinheiten“ (Wikipedia).

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Auch dieser Holzschlag im steilen Gelände findet ein Ende, und bald kann ich auf einem guten Pfad weitergehen.

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Ich erreiche eine Jagdhütte mit ziemlich einfallslosen Namen.

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Nach der Hütte lichtet sich der Wald, und immer mehr Lärchen bestimmen die Vegetation. Selbsterklärend ist damit die Namensfindung für den dritten Gipfel des heutigen Tages.

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Die Forststraße auf die ich treffe, ist in den Karten noch nicht verzeichnet. Ebenso treffe ich auf eine moderne mobile „Abschussrampe“. Oder ist es einfach ein gefinkeltes Anhängermodell aus dem Lagerhaus? Möglicherweise heißt dieses Modell „Jägerglück“ oder noch besser: „Villa Hubertus“. Der allradbewegte Jäger kann es überall hin mitnehmen. Es macht im Kroatienurlaub ebenso wie am steirischen Badesee den besten Eindruck. Vor allem sind dem Waidmann damit seligmachende Morgenstunden immer und überall möglich.

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Endlich kann ich die Forststraße und meinen leichten Ärger darüber hinter mir lassen und über wunderbare Tauernhänge zum Schleifkogel wandern.

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Mit langsamen Schritten und schweren Beinen erreiche ich endlich den Gipfelaufbau.

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Obligatorisch und unverzichtbar: umwölktes Gipfelfoto Schleifkogel (2063 m).

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Auch heute wieder befindet sich zahlreiches Fluggetier am Gipfel. Hummelähnliche Brummer ebenso, wie unzählige Fliegen. Somit ist die Kürze des Aufenthaltes vorgegeben, und gerne gehe ich weiter.

Mein Weiterweg führt wie am Rand einer Trichterhälfte weiter zum Schleifeck.

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Von zahlreichen Wolken beschattet, zeigt sich gegenüber der Bruderkogel (2299 m), der Zinkenkogel (2233 m) und über dem Pölsental die Bösensteingruppe.

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Auch am Bärntalrücken spiegeln sich Wolken und Sonnenflecken. Der Geierkogel (2231 m) wird von der Sonne regelrecht „weggeblitzt“.

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Schön zu überblicken ist der Weg vom Knaudachkogel übers Mödringtörl zu Hochleitenspitze und Gamskogel.

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Das gelingt mir jetzt wirklich gut – das leichte Bergabgehen, im weichen, federnden Almboden vom Schleifkogel zum Schleifeck, mögen meine Beine.

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Nur noch ein kurzer Anstieg, denn dort oben wartet das Schleifeck auf mich.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelsteckenfoto Schleifeck (2048 m).

Im Hintergrund: Triebenertörl (1905 m) und Großer Grießstein (2337 m), Kleiner Grießstein (2175 m) und Knaudachkogel (2227 m).

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Der Rückblick.

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Auf wunderbare Weise entfaltet sich der Ochsenboden vor mir. In der Bildmitte das Gaaler Törl (2081 m) zwischen Hochleitenspitze (2329 m), Gamskogel (2386 m) auf der linken Seite und den Amachkogel (2312 m) auf der rechten Seite.

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Jetzt heißt es noch die vielen letzten Meter zum Lärchkogel weiterzuwandern. Mich beschleicht eine Ahnung. Entweder ist unsere Milchstraße sauer geworden, denn die Erdanziehungskraft hat sich verdoppelt und das spüre ich bei jedem Schritt, oder das letzte Bier gestern war schlecht.

In der Bildmitte ist der Lärchkogel zu sehen, und links ragt der Amachkogel (2312 m) hoch.

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Ich finde jedenfalls keinen Bierrhythmus und schnaufe mich zizerlweise hoch. Wären doch meine gestrigen Schlucke vom Bier ebenso klein ausgefallen, wie meine Schritte auf den Lärchkogel jetzt.

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Mit schwersten Beinen und müde wie eine Novemberfliege klatsche ich endlich am Gipfel auf.

Heute gar nicht so obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Lärchkogel (2258 m).

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Ich bin heute wieder keinem Menschen begegnet. Ich frage mich, wo die ganzen Teilnehmer am Outdoor-Boom geblieben sind. Meine Tourenwahl ist ja nicht immer abseits der Markierungen, und trotzdem treffe ich so selten auf andere Wanderer. Selbst das Gipfelbuch des Lärchkogels stammt aus dem Jahr 2002 und ist somit älter, als ein schulpflichtiges Kind.

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Blick zurück.

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Bei diesem Anblick steigen Erinnerungsbilder an eine prachtvolle Überschreitung hoch.

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Amachkogel (2312 m) und Kesseleck (2308 m).

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Der lange Rücken vom Kesseleck (2308 m) zum Bärnkopf (1914 m).

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Zwischen Gr. Grießstein (2337 m) und Sonntagskogel (2229 m) blinzelt der Admonter Reichenstein (2251 m) durch.

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Den breiten Rücken, welcher vom Gipfel Richtung Lerchgraben zieht, darf ich nicht weitergehen. Ich würde auf diese Weise nur sehr umständlich nach St. Johann zurück finden.

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Ich lasse mich die Schiroute in den Zechnerboden bzw. Zechnergraben „hinabfallen“.

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Schon fast zu weit gehe ich in den Grabeneinschnitt hinein.

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Trotzdem finde ich den markierten Steig im Sieglgraben ohne große Probleme und trotte des Nachdenkens auch schon müde die Forststraße bergab. Das Kommando haben meine Beine übernommen, und diensteifrig tragen mich diese Streber heimwärts.

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Der erste Blick auf St. Johann schreckt mich auf – noch so weit.

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Zwei Gipfelkreuze, wanderbares Gelände ohne Ausgesetztheiten, keinerlei Orientierungsschwierigkeiten und trotzdem keine Wanderer. Liegt es daran, dass es keine bewirtschaftete Hütte oder Alm gibt?

Liegt es daran, dass dieser Sporn des Kesseleckkammes (Gaaler Tauern) in der beschreibenden Literatur (Ausnahme Hödl) nur erwähnt, aber nicht ausführlicher besprochen wird?

Ich verstehe es nicht, und alle diese Erklärungsversuche befriedigen mich auch nicht. Ich habe heute unter „erschwerten“ Bedingungen einen gelungenen Bergtag erlebt und möchte diese Runde wirklich empfehlen.

Im Anstieg ca.1305 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 16 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München

Hödl (2008): Bergerlebnis Wölzer, Rottenmanner, Triebener Tauern und Seckauer Alpen. Steirische Verlagsgesellschaft, Graz.

Jäckle (1926): Führer durch die Östlichen Niederen Tauern. Sektion Edelraute d. Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Wien.

Schall et al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost. Schall Verlag, Alland.

Bildbeschriftung erfolgte mit:

PanoLab  Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Version:  v 1.0.2    © 2007 Christian Dellwo.

 


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.