Zeit: je nachdem | ↗ : 435 hm | Distanz: 9,3 km | unmarkiert | mit meist deutlichen Wegspuren und viel Forststraße | Quellen: Mundpropagande | must have: gibt es so etwas? | Gipfel: 1 Eibenberg
Ausschnitt aus
Karte 4309, Österreich digital.
ⒸKartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.
Im Südosten von Waidhofen an der Ybbs waldet sich der Eibenberg hoch. Obwohl er stets sichtbar und immer präsent ist, wissen nur wenige seinen Namen, und noch seltener wird er bestiegen. Vielleicht ändert sich das nun, denn seit Kurzem ziert ein Gipfelkreuz seinen höchsten Punkt.
Wie man den Gipfel erreicht und sich ins Gipfelbuch eintragen kann, obwohl kein markierter Weg hinaufführt, erzähle ich in diesem Blogeintrag.
Ausgangspunkt für diese Wanderung ist wieder einmal die Weitmannbrücke beim Schaukraftwerk Schwellöd.
Nach einem kurzen Stück am Radweg, den Fußballplatz entlang, biege ich in den Teschengraben ein.
Eine Eigenheit des Teschengrabens, welche ihn ganz besonders von den Straßen und Plätzen in Mailand (da waren wir gerade eben noch) unterscheidet, findet sich auf diesem Bild. Die Auflösung, ganz wie in der Sendung „Karambolage“, gibt es am Ende des Blogeintrags.
Den Aufstieg durch den Teschengraben habe ich in einer sehr umfänglichen Tourenbeschreibung bereits geschildert.
Unwiderstehliche Lockstofffallen in Waidhofen/Ybbs: Atschreith – Witkogel – Grasberg.
Kurzgefasst sind das nicht einmal 2,5 freundlich ansteigende Kilometer, die auch mit dem Auto oder Fahrrad bewältigt werden können.
Bei diesem Breitpfeilerbildstock auf dem kleinen Hochplateau (600 m), setze ich mit meiner Schilderung wieder fort. Bis hierher – und noch ein kleines Stück weiter – kann man mit dem Auto fahren. Damit haben auch ausgewiesene Couchspezialisten eine realistische Chance auf den Gipfelerfolg: Gerade einmal 140 Höhenmeter trennen sie noch vom höchsten Punkt.
Gegenüber befindet sich das 1912 von Louis Rothschild errichtete Jagdhaus.
Über die bewegte Geschichte dieses Hauses, die Nazis, die hier ihr Unwesen trieben, und warum auf Atschreith die Hirsche besonders fleischig sind und warum man beim Wandern von Mufflons überrascht werden kann, erzähle ich auch in dem schon eingangs erwähnten Blogeintrag. Hier nochmals der Link für alle, die das interessiert:
Unwiderstehliche Lockstofffallen in Waidhofen/Ybbs: Atschreith – Witkogel – Grasberg.
Der Jagdvilla gegenüber liegt ein riesiger umzäunter „Freiluftfestsaal“. Die aufwendig adaptierten ehemaligen Wirtschaftsgebäude werden als „elegante Hochzeitslocation“ angeboten, für diejenigen, die das Geld nicht ansehen müssen. Wahrscheinlich funktioniert das, weil außergewöhnliche Hochzeiten zu den gegenwärtigen Statussymbolen gehören, wie auch riesige Gartengriller, Siebträger Kaffeemaschinen oder Besuche in Haubenlokalen. Am Ende dieses Blogeintrags berichte ich noch von meinem Mailänder Heureka-Erlebnis zum Thema „gesellschaftlicher Status“ und wie man diesen sichtbar macht.
Vom Bildstock wandere ich die Schotterstraße entlang des Zaunes bis zu den Holzstößen hoch.
Danach gehe ich die hier im Bild rechts wegschwenkende Straße weiter.
Tiefblick zur „Hochzeitslocation“
Gleich danach treffe ich auf ein geöffnetes Sperrgatter.
Man darf hier getrost weitergehen, weil es nur zur Winterfütterungszeit geschlossen wird.
Und weil ich in Toleranz sehr gut bin, teile ich den Wald auch gerne mit Jägern. Nach nur wenigen Schritten gelange ich zur beachtlichen Wildfütterung. Hier gehe ich nicht geradeaus, sondern wandere links hoch.
Danach ist die Wegfindung bis zum Gipfel fast durchgehend selbsterklärend.
Das laubbedeckte Forststräßchen …
… geht in ein schmales Steiglein über, aus dem schon nach wenigen Metern ein unübersehbarer Steig wird.
In leichter Steigung führt er immer gerade aus, und es wandert sich gut.
Das Blätterdach begrünt das Licht der hell und warm scheinenden Sonne, und dieses Licht setzt sich dann den ganzen inneren Menschen fort. Und das ist dann das, was nach einem anstrengenden Tag bei mir wieder alles in Ordnung bringt.
Um mich duftet es nach Holz, frischen Blättern und noch feuchtem Gras.
Und weil es ein grüner Gratrücken ist, ist er blickdicht überwachsen, und nur dieses eine Fenster tut sich auf.
Dafür finden sich links und rechts des Weges florale Gutzerln:
Nach einem steilen kurzen Wiesenstück, der wirklich einzige steile Abschnitt im Aufstieg, …
… steht das neue Gipfelkreuz. Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen weist den Eibenberg mit 779 m aus, warum am Kreuz 778 m angeschrieben stehen, kann ich mir nicht erklären.
Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelkreuzfoto Eibenberg (779 m).
Die Errichtung verdankt sich, so weit ich das erkunden konnte, einer privaten Initiative und ich erlaube mir, ganz zurückhaltend, danke Ernst zu sagen.
Vom Kreuz führt der Pfad noch abfallend zum aussichtsreichen Gratrücken weiter. Weil ich schon einmal eine etwas findigere Eibenbergüberschreitung beschrieben habe: Eibenberg, lasse ich den Weiterweg diesmal aus, der könnte für ungeübte Wanderer zu Verwirrungen führen.
Ebenso könnte eine andere Aufstiegs- bzw. Abstiegsvariante in die Irre führen. Deshalb empfehle ich, für den Rückweg dieselbe Route wie für den Anstieg zu wählen.
Für alle, die gelegentlich menschenmüde sind, ist das eine stadtnahe und einladende Gelegenheit, dieser besonderen Form der Müdigkeit ein wenig nachzugeben.
Für diese Art der Erschöpfung empfiehlt sich Mailand hingegen eher weniger. Die Stadt zählt zu den wohlhabendsten Italiens und ist stets gut besucht. Das zeigt sich einerseits in ihrer hohen Millionärsdichte und andererseits darin, was manche Millionäre mit ihrem Geld anstellen.
Am Cimitero Monumentale kann man davon einen starken Eindruck gewinnen. Hier hatte ich auch mein Heureka-Erlebnis zum Thema „Status und dessen Sichtbarmachung“. Nach dem Besuch der Grabstätte Alessandro Manzonis in der Ehrenhalle durchwanderten wir den riesigen Friedhof.
Dabei tut sich eine ganz eigene Welt auf. Auf engem Raum und über lange Zeiträume hinweg wird sichtbar, wie das Mailänder Großbürgertum versucht, sich gegenseitig an Pracht und Glanz zu übertreffen. Hier zeigt sich die Bedeutung von Äußerlichkeiten – und wie teuer ihre Befriedigung erkauft werden muss.
Hunderte Mausoleen und Grabkapellen sowie noch mehr Gräber mit steinernen oder in Metall gegossenen Statuen sollen gesellschaftlichen Status über den Tod hinaus bewahren.
Manchen gelingt es nicht einmal im Tod, die eigene Überflüssigkeit anzuerkennen.
Bei solchen Friedhofsspaziergängen kommen mir stets die selben Gedanken: „Wie weiß man, wann man sein letztes Lebensjahr beginnt?“ und daraus sich ergebend: „Was du tun willst, das tue bald.“
Den Vogel in Sachen Statussicherung schießt jedoch die Familie Campari ab: Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci als lebensgroße bronzene Plastik. Die Mailänder nennen das Werk auch „Der letzte Aperitivo“.
Und selbst die Fahrt zur letzten Ruhestätte wird in einem Maserati zurückgelegt. Chapeau, Mailänder, das ist konsequent.
Jetzt komme ich noch zu meinem Bilderrätsel. Was unterscheidet dieses Bild aus Mailand ganz besonders vom Bild im Teschengraben?
Es ist der Postkasten! Wir haben in Mailand keinen einzigen Postkasten gefunden.
Wir schreiben noch Karten an unsere Lieben daheim. In vielen Städten wird es jedoch zunehmend schwieriger, Postkarten und Briefmarken zu kaufen – und vor allem eine Möglichkeit zum Aufgeben der Post zu finden. In Mailand konnten wir unsere Karten schließlich erst am Flughafen einwerfen.
Senf dazu? Sehr gerne!
Darf’s ein bisserl mehr sein?
Weitere Unternehmungen in der Region Ybbstaler Alpen (Auswahl):
- Schitourenquicki Freithofberg
Freithofberg (958m) - Heimspiel – Schitour auf den Schnabelberg (958 m)
Schnabelberg (958m) - Shortcut: Sonnstein (1019 m)
Steinkogel (910m), Sonnstein (1019m) - Schitour aufs Alpl (1405 m) von der Großen Kripp
Alpl (1405m) - Wie ich überflüssige Feuchtigkeiten verdampfe und dabei den Maißzinken (1075 m) besteige
Seeauberg (847m), Steinbauernberg (922m), Maißzinken (1075m)
Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.
Die Bildbeschriftung erfolgte mit:
PanoLab Beschriftungsprogramm für Panoramabilder Ⓒ Christian Dellwo.
EPILOG
Wir haben „natürlich“ auch das Geburtshaus Manzonis nahe der Mailänder Scala besucht.
In Manzonis Roman „Die Verlobten“ oder auch in einer neuen Übersetzung „Die Brautleute“, spielt der Gründer der Biblioteca Ambrosiana, der Erzbischof von Mailand, Kardinal Federica Borromeo eine wichtige Rolle. Diese Bibliothek wollte ich unbedingt sehen.
In der Schuhhauptstadt Italiens mit Waldviertlern unterwegs.
Im Ausgehviertel Navigli befindet sich die Kirche Santa Maria delle Grazie al Naviglio. Dort machten wir eine irritierende Beobachtung: Man kann dem Beichtenden und dem Beichtvater während der Beichte zusehen. Kurz vor Aufnahme dieses Bildes war der Beichtstuhl noch besetzt. Das wollte ich jedoch nicht fotografieren.
Viele Trattorien befinden sich in Navigli. Andere fotografieren ihr Essen, und ich habe meinen Hunger fotografiert. Appetit wäre in diesem Fall eine Untertreibung – etwa so, als würde man einen Tsunami als bewegte See bezeichnen.
Die Fondazione Prada ist ein Museums- und Ausstellungskomplex am Largo Isarco im Viertel Corvetto in Mailand. Hier verbrachten wir einen ganzen halben Tag. Dort befindet sich auch …
… die von Wes Anderson mitgestaltete Bar Luce. Dort zu sitzen war schon recht vergnüglich. Wir haben noch viele andere schöne, spannende und interessante Orte besucht und Mailand könnte uns wiedersehen.
FIN
Quellen:
Cimitero Monumentale (Mailand) auf Wikipedia (abgerufen am 4.6.2026)
WAIDHOFEN 1938 – 1945 HOCHRANGIGE VERTRETER DES NS-REGIMES IN WAIDHOFEN AN DER YBBS von Mag. Walter Zambal (abgerufen am 04.06.2020)
Zum Breitpfeilerbildstock auf Atschreith zitiere ich hier aus dem Buch: Denkmal am Wegrand. Sakrale Kleindenkmäler in der Stadtpfarre Waidhofen an der Ybbs: „Auf der Anhöhe Atschreith steht der Breitpfeilerbildstock mit Muttergottesstatue, Bilder von Herz Jesu und Herz Maria sowie vom Letzten Abendmahl. Vor ca. 150 Jahren sind in Atschreith zwei Häuser abgebrannt und ein Haus blieb damals vom Feuer verschont, sodass vermutlich der Bildstock aus Dankbarkeit errichtet wurde.“
Vortrag am 25.4.2017 vom Heimatforscher Heimo Cerny über die Geschichte Atschreiths. Weil so viele interessierte Menschen zu diesem Vortrag kamen, wurde er vom Salon Louis (wie treffend) des Rotschildschlosses in den größeren Kristallsal verlegt.

Cerny (2013): Das Jagdhaus und Forstgut Atschreith. Vorzugsausgabe privat. Elisabeth und Alfred Umdasch, Amstetten.
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