Heißhütte und Heißzinödl

Ich habe mich in der Überschrift nicht verhaut, das passt schon so – denn fast 40°C machen diese Wanderung zu einem echten Burner im doppelten Sinn.

Nur wenige Touren im Gesäuse oder Gseis, oder wie es jetzt gerne bezeichnet wird, im Xeis, sind auch für Bergwanderer erreichbar. Der Hochzinödl in der Zinödl-Lugauergruppe ist ein solcher Gipfel. Auch ist die kulinarisch oft gepriesene Hesshütte als letztes „Hochlager“ vor dem Gipfel, ein großer, stärkungstechnischer Vorteil.

Wir wollen einfach den wunderschönen Normalanstieg vom Kölblwirt über die Koderalm und weiter zur Stadlalm wandern. Unterhalb des Sulzkarhundes am Gamsbrunn vorbei, bis zur Hütte am Ennseck. Obwohl wir früh dran sind, ist vorm Kölblwirt nur noch unser Parkplatz frei. Schon die Morgentemperaturen sind beachtlich, selbst im Johnsbachtal auf ca. 860 Meter Seehöhe. Darum erhalten unsere Gesichter und Arme noch eine dicke Schutzschicht Sonnenmilch, und wir trinken noch einen großen Schluck aus der im Auto verbleibenden Wasserflasche.

Gleich zu Beginn unserer kulinarisch inspirierten Wanderung spendet uns dieser Staudenbaldachin wertvollen Schatten.

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Sogar der Wasserfall an der Wasserfallmauer zieht es heute vor, im Schatten zu bleiben.

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Der Weg ist steil und steinig, und holprig ist er auch. Sonnengeschützt und sommerbeduftet leitet er immer höher.

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Sobald aber die Bäume des Waldes zurücktreten, zeigt sich die alpine Landschaft im grellen Sonnenlicht.

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Hoch aufragende Kalkwände reflektieren das Sonnenlicht, und so erschweren viele   Lichtquerschläger das Anfertigen brauchbarer Fotos. Meine kleine Kamera hat mit diesen Hell-Dunkel Kontrasten und meinem fotografischen Unverstand ganz schön zu kämpfen.

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Weiter führt der Weg an fantastisch riesigen Felsblöcken vorbei…

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…zur Unteren Koderalm.

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Quietschmunteres Jungvieh verstellt uns den Weg und springt bei unserem Näherkommen spielerisch vergnügt davon.

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Trotz der tagelangen oder gar wochenlangen Hitze, gibt es viele quelldurchfeuchtete Abschnitte, welche am Geruch und der typischen Vegetation zu erkennen sind.

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Wir erreichen den langgezogenen Boden der Stadlalm und genießen unseren ersten Blick aufs Hochzinödl (2191 m) unter dem blaugefiederten Sommerhimmel.

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An den Ostabbrüchen des Steinkares entlang…

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…wandern wir durch das abwechslungsreiche, blumenprächtige Gefilde der Stadlalm.

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Die geforderten Höhenmeter haben wir fast zur Gänze einbezahlt, und somit können wir im leichten Auf und Ab, ohne Anstrengung, die Landschaft erkunden. Ab der Stadlalm wandern wir in der Sonne, aber zum Glück führt der Gamsbrunn noch reichlich kaltes Wasser und spendet uns Kühlung…

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Und dann ist sie schon zu sehen, die 1893 erbaute Hesshütte am Ennseck auf 1599 m Seehöhe, unter wolkenbefreitem Himmel. Auch kein Hochtor und kein Hochzinödl spenden Schatten, weil dieser Vormittag schon weit fortgeschritten ist.

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Heiß ersehnt ist dieser Besuch schon seit langem. Ohne Sonnenschirme und ohne den geringsten Lufthauch ist es drückend heiß auf der Terrasse. Auch lässt der Heißhunger auf sich warten, und meine Frau fühlt sich auch noch nicht richtig gefordert.

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Ich erzähle ihr von meinem ersten Gipfelgang auf den Hochzinödl offenbar so vielverheißend, dass sie entscheidet, diesem heißen Tipp sofort nachzugehn. Es schaut ja nicht mehr gar so weit aus, und vielleicht geht ja auch ein leichtes Lüftchen.

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Die ersten Meter liegen gleich einem Raketenstart unvorstellbar rasant hinter uns. Über steiles Geröll zieht der Weg durch brütende Latschen kompromisslos hoch.

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Ich überschlage die erforderlichen Höhenmeter bis zum Gipfel. Das werden unbeschattete fünfhundert vulkanische Höhenmeter.

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Bevor aber noch der tropisch angehauchte Anstieg einen Sprung in unserer Laune verursachen kann, taucht das…

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…Gipfelkreuz aus dem tiefblauen Himmelsmeer auf.

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Wer braucht schonen irgendeinen kulinarischen Firlefanz, wenn er stattdessen auf einem Gipfel stehen kann?

Somit obligatorisch, wohlverdient und unverzichtet: Gipfelfoto Hochzinödl (2191 m).

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Am Gipfel treffen wir auf drei junge Steirer und können den fotografischen Beweis der  These erbringen: Hitze schmilzt Gummischuhsohle!

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Die Aussicht vom Hochzinödl rollt ein Panorama vom Feinsten aus. Zum Aufwärmen, ein kleiner Selbsttest für Interessierte. Wo befinden sich: Peternscharte, Dachl, Roßkuppe, Hochtor, Planspitze?

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Ich habe den Schummelzettel am Gipfel des Hochzinödls abgeschrieben:

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Großer Buchstein (2224 m) und St. Gallener Spitz (2144 m), Kleiner Buchstein (1990 m) und Tieflimauer (1820 m)

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Eine eigene Geschichte verdient sich die wunderbare Sulzkaralm mit ihrem Sulzkarsee. Auch der Hartelsgraben zählt sicherlich zu den „Glanzpunkten in den österreichischen Kalkalpen“ (J. Andreas Janisch).

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Sulzkarhund und Rotofen, darüber die Gsuchmauer (2116 m).

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Lugauer (2217 m) und dahinter der Eisenerzer Reichenstein (2165 m), rechts ist der Zeiritzkampel (2125 m), davor ist die Jahrlingsmauer (1810 m) und Seemauer (2028 m) zu sehen.

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Tieflimauer (1820 m), Tamischbachturm (2035 m) und die Almmauer (1764 m).

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Die Wetterstation befindet sich nur wenige Meter neben dem Gipfelkreuz.

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Während Gabi das Schriftliche am Gipfel erledigt, stolpere ich mit dem Fotoapparat über die Hochfläche und bringe einfach keine aussagekräftigen Fotos zustande.

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Der gar nicht mehr so mysteriöse Kyselak findet sich auf der Gipfelbuchkassette verewigt. Wobei verewigt bei einem Sturm- und Wetterunbilden ausgesetzten Gipfelbehältnis ein großes Wort ist.

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Mit meiner Frau an meiner Seite ist kein Weg zu lang. Hoffentlich können wir noch viele Berge gemeinsam besteigen.

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Ein heißes Eisen müssen wir jetzt noch anfassen: Den Abstieg.

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Wieder werden wir von den w ä r m e n d e n und schützenden Latschen aufgenommen. Überhaupt sind Latschen für mich Kinder der Sonne.

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Ein Fußballspiel ist erst mit dem Abpfiff beendet, und eine Bergbesteigung mit dem gelungenen Abstieg. Diese philosophischen Untiefen finden im schottrig-rutschigen Abstieg (mit zartem, leisem Fluchen beschwört) ihre Bestätigung.

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Unbeschadet erreichen wir wieder das Ennseck. Weil wir gerade so gut im eigenen Schweiß baden, verzichten wir auf den Hüttenbesuch und verschieben unsere hedonistischen Gelüste auf den Kölbl- oder Ödsteinwirt im Talgrund.

So ganz nehmen wir mit dem Hitzestau unter unseren Kappen die sich bietenden Schönheiten nicht mehr wahr.

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Offenbar haben Kinderhände einem treuen Haustier ein würdiges Grab gestaltet.

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Hier entlang würden wir zum Wasserfallweg gelangen. Einer der vielen Anstiege und Wege im Gesäuse, die ich noch nicht gegangen bin.

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Von keinem Gletscher, sondern von vielen Wanderschuhen geschliffene Steine. Sozusagen eine Wanderschuhmoräne…

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Am Gamsbrunn vorbei erreichen wir wieder die Stadlalm. „Kuah – Stoa – Kuah – Stoa“ lautet unser Abstiegsmantra.

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Vor uns müsste der Ödstein zu erkennen sein. Der Weg zurück zieht sich dann doch ganz schön, immerhin haben wir ungeplant 1330 Höhenmeter in den Beinen und kein Kühlwasser in den Adern.

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Am Schluss bewältigen wir auch noch die „Schotterpiste des Grauens“…

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…und erreichen mit rauchenden Füßen das Johnsbachtal. Während wir unsere Energien am Berg gelassen haben, hat der Bauer das Winterheu fertig gemacht.

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Tatsächlich wurde an diesem Tag mit 39,9 °C eine der höchsten jemals in Österreich gemessenen Temperaturen verzeichnet. Auch auf den Bergen war bei Windstille keine Abkühlung mehr zu bekommen. Aber im Anschluss, beim Ödsteinwirten im Gastgarten, fand dieser perfekte Tag seinen angestrebten kulinarischen Abschluss. Unsere Heimfahrt erfolgte mit gutem Mundgefühl und der Erkenntnis: Sommer ist, wenn man sich abends die Füße waschen muss¹…

Im Anstieg ca. 1330 Hm und zurückgelegte Strecke ca. 17,7 km.

Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

 

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

End (1988): Gesäuseberge. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Frischenschlager  et al. (1996): Ennstal – Vom Dachstein bis zum Gesäuse. Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Heitzmann, Kren (2002): Gesäuse Nationalpark & Ennstaler Alpen. Steirische Verlagsgesellschaft, Graz.

Heitzmann (1989): Gesäuse. Landesverlag, Linz.

Heß/Pichl (1966): Gesäuseführer. Verlag Adolf Holzhausens Nfg., Wien.

Kren (2011): Tourenbuch Gesäuse Wege, Hütten, Gipfel. Schall Verlag, Alland.

Senft (1999): Wandern entlang von Enns und Steyr. Verlag Leopold Stocker, Graz.

Schwanda (1990): Das Gesäuse: Von der Alpenstange bis zum VII. Grad. Bergverlag Rother, München.

¹ausgeborgt von Ulligunde.com

 

 

 

 

 

 

 

Epilog

Am 6. Septemer 2004 war ich mit Franz auf selber Route am Hochzinödl. Nur den Abstieg vom Zinödl haben wir über den Panoramaweg und die Gass genommen.

Mein erster Besuch auf der Hesshütte. Damals entscheidet sich Franz nach einer Kaffeepause für den Weiterweg auf’s Zinödl – und ich bin natürlich sofort dabei.

Hochzinalt_000 (CC) Hochzinalt_001 (CC)

Wolkenspiele und niedrigere Temperaturen haben die Situation damals abwechslungsreicher und verträglicher gestaltet.

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Mit Franz am Hochzinödl. Das war ein großer Treppenstein zu meiner heutigen Wanderleidenschaft. Danke Francesco.

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Wenn ich die Bilder so betrachte, dann haben wir uns eindeutig stärker verändert als das Gebirg‘.

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FIN

 

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.