Tourabbruch in Pusterwald

Lawinenwarnstufe 3 – 4, Heizung im Auto kaputt, 2 Stunden Anreise und minus 14 Grad. Nicht gerade die idealen Ausgangsbedingungen für eine Schitour. In Pusterwald, an der Südseite der Tauern, werden wir von Sonnenschein und dem Hohenwart begrüßt. Unser Ziel ist entweder die Breieckkoppe (2144 m) oder die Schönfeldspitze (2282 m), vielleicht auch eine Erhebung dazwischen.

Meine Freunde wollen übers Wochenende in Pusterwald bleiben, da mir dies nicht möglich ist, bin ich mit dem eigenen Auto angereist – trotz einer nicht funktionierenden Heizung. So steige ich schon gewaltig zitternd aus dem fahrenden Kühlschrank.

Auch die Windfahnen am Kamm lassen mich nachdenklich werden.

Gabi, Christoph, Stefan

Schudus vulgo Reinhard

Markus vulgo Max

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Wir ziehen entlang der nicht sichtbaren Forststraße und den ebenfalls unsichtbaren Moaralmbach, zur Moaralmhütte.

Der Gangkogel zeigt sich schon mächtig im Talschluss. Rechts davon ist die Breiteckkoppe zu sehen sein, der Kreuzkogel versteckt sich hinter ihr.

Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich meine, auf diesem Foto den Hirnkogel festgehalten zu haben.

Windfahnen am Kamm zum Hainzl-Wasserkogel lassen mich noch mehr erzittern.

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Ohne großen Höhengewinn erreichen wir sehr bald die Moaralm. Wir alle versuchen durch erhöhtes Tempo, wenn schon nicht an Höhe, so doch an Körperwärme zu gewinnen.

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Stahlblauer, kalter, klarer Himmel.

Kurze Beratschlagung, ob die Tourenplanung nicht abgeändert werden soll. Sehr oft lässt sich eine Tour mit ihren Gefahren erst vor Ort richtig beurteilen.

Gabi meditiert derweilen daunengewärmt.

Wir entschließen uns, weiterzugehen. Ich erfriere während des Gehens. Zumindest fühlt es sich so an.

Im Anstieg zum Tierkessel bekomme ich gefühltes Herzflattern und beschließe, die Tour abzubrechen. Große Kälte ist bei Gefäßerkrankten durchaus ernstzunehmen. Und seit meinem Herzinfarkt vor zwei Jahren falle auch ich in diese Kategorie.

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Ich will alleine umkehren. Das Gelände ist flach und nicht schwierig, und ich bin es gewohnt, auch alleine unterwegs zu sein. Hier habe ich aber nicht mit der Solidarität meiner Kollegen gerechnet. Es ist sofort klar, dass ich nicht unbegleitet den Rückweg antreten werde. Max (ausgebildeter Bergretter) tritt mit mir die Rückreise an. Die anderen wollen noch ein Stück aufsteigen und die Verhältnisse prüfen.

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Max und ich fahren in den flachen Teil ab und bleiben im Windschatten und der Sonne sitzen. Schon nach kurzer Zeit taucht der erste Kollege auf. Auch dieser hat der großen Kälte wegen umgedreht.

Ich verjage Max auf die Breiteckkoppe. Er braucht einfach seinen Auslauf. In der Zwischenzeit tauchen auch alle anderen auf, und wir warten gemeinsam auf Max.

Blick auf die Breiteckkoppe mit den Abfahrtsspuren von Max.

Dieser Anstieg aus Hinterwinkel zum Pustereckjoch, Schönfeldspitze oder Breiteckkoppe, wird viel seltener begangen bzw. beschrieben, als die Standardtouren aus dem Bretsteingraben.

Im Anstieg ca. 400 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 8,5 km.

(Dieser Tourverlauf habe ich nachträglich eingezeichnet, es
handelt sich um keinen aufgezeichneten Track)

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Holl (2005): Niedere Tauern, AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Jäckle (1926): Führer durch die Östlichen Niederen Tauern, Sektion Edelraute d. Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Wien.

Schall et. al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost, Schall Verlag, Alland.

Zeller (2010): BergErleben Bd. 3, Wölzer Tauern, Rottenmanner Tauern, Schladminger Tauern, Verlag Gertraud Reisinger, Spielberg.

 

 


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