Gipfelwildern im Bretsteingraben

So schaut er also aus, mein zweihundertster Blogeintrag:

Meine Liebe zu einsamen Gegenden und wenig besuchten Gipfeln besitzt die verwandelnde Kraft, aus gewöhnlichen Bergen Sehnsuchtsziele zu machen. Im hintersten Bretsteingraben, dort wo Fuchs und Henne miteinander schlafen, befinden sich gleich fünf solcher Bergwunder. Zuvor muss ich als berichtender Wander-Hobbit dieser Geschichte, durch nebelige Düsternis autopilgern und den feindlich gesinnten Jäger-Gollum überlisten. Der glaubt nämlich, der Hainzl-Wasserkogel sei sein Schatz.

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Von Möderbrugg führt mich der lange Weg (20 km) zuerst den Pusterwaldbach entlang nach Bretstein und weiter bis zu Schwabergeralm. Und hier sieht die Welt schon ganz anders aus:

12° C, im Radio dudelt „Over the rainbow“, und in mir gurgelt bei diesem Anblick das pure Daseinsglück.

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Bis zur Schwabergerhütte (1511 m) kann ich zufahren und kurz davor parken.

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Und hier bewacht der grantige ältliche Jäger-Gollum den Bergring um den Bretsteingraben. Nicht am Bild zu sehen ist sein weißes Ripp-Unterhemd und seine lodenjagdgrüne Knickerbocker mit dem Hirschfänger.

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Er sitzt auf seiner Holzterrasse und beobachtet mich. Mit einem leichten Kopfnicken halte ich vor ihm an. In meinem Gesicht zeigt sich das devoteste einladendste Lächeln, zu dem ich fähig bin. In meiner Sprache findet sich ein Hauch von Mundart, und ich grüße freundlich:

Monsieur Peter – Guten Morgen, schön hast es da.
Jäger-Gollum – Was willst?
Monsieur Peter – Gibt es einen Steig auf den Hainzl-Wasserkogel?
Jäger-Gollum – Der ist g’sperrt.
Monsieur Peter – Das habe ich nicht gewusst, wo steht denn das?
Jäger-Gollum – Ganz unten is a Tafel, und überhaupt, so knapp vor der Brunft brauchst da net auffi.
Monsieur Peter – Ich bin jetzt zwei Stunden hergefahren, ich möchte da jetzt schon ganz gerne hinauf.
Jäger-Gollum – Jetzt habt’s eh den Kreuzkogel markiert, was wollts denn nu alles?
Monsieur Peter – Den Hainzl-Wasserkogel mag i.
Jäger-Gollum – Auf dem Hainzl-Wasserkogel ist ja eh nix obn, da versamst gar nix.
Monsieur Peter – Gibt es einen Steig hinauf?
Jäger-Gollum – Na, da brauchst net auffi, geh‘ aufn Kreuzkogel.
Monsieur Peter – Na ja, schaun mer mal wias ma einfallt – i geh jetzt, pfiat di.
Jäger-Gollum – Mein Schatz! Dieb! Wir hassen es auf immerdar!

Vielleicht habe ich mir diesen letzten Satz vom Jäger-Gollum auch nur eingebildet. Aber wer weiß…

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Schon Lieselotte Buchenauer schrieb bereits 1981 in ihrem Buch Höhenwege in den Niederen Tauern: „Der Bretsteingraben und seine Berge zählen zu den geheiligten Jagdgründen der Steiermark. Es wird dort manches getan, um Touristen fernzuhalten.“

Bis zum heutigen Tag hat sich offensichtlich nicht viel geändert. In diesem Buch schreibt Buchenauer aber auch noch davon:

„So ist etwa der hinterste Bretsteingraben sogar unserer österreichischen Landesvermessung nicht ganz bekannt geworden, denn sie hat einen tatsächlich vorhandenen auffallenden Gipfel über 2000 Meter in der Österreichischen Karte 1:50000 nicht zur Kenntnis genommen, d. h., weder kotiert noch benannt. Bei der Bevölkerung heißt er Bretsteiner Speikkogel, und wir haben ihn 1981 mit 2035 Meter vermessen. Weiße Flecke auf der Landkarte in Österreich! – diese Entdeckung hat mir und meinen Gefährten großes Vergnügen bereitet (eine Nachvermessung wurde beantragt). Über diesen offiziell noch nicht vorhandenen Gipfel wollen wir unsere Tour zum Kreuzkogel antreten.“

Ich will das auch. Nur beginne ich einen Zweitausender vorher – mit dem Hainzl Wasserkogel. Im Bild ist links der Rücken zum Hainzl-Wasserkogel und rechts der „unbekannte“ sehr dominante, riesige Bretsteiner Speikkogel (jetzt heißt er Moaralmkogel 2033 m) zu sehen.

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Ich bleibe für ein kurzes Stück am Ziehweg und schwenke aber bald schon in südlicher Richtung ins Gelände. Wie ich jetzt weiß, ist das vielleicht ein wenig zu früh gewesen, ich hätte dem Ziehweg noch ein gutes Stück folgen können.

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Das Gelände ist einfach zu lesen und stellt keine besonderen Anforderungen. Ich denke über das soeben geführte Gespräch nach. Was interessieren mich die brunftdummen Hirsche, ich bin ganz anderem Wild auf der Spur.

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Wenn ich mich umschaue, kann ich in den fantastischen Talschluss bis zum Kreuzkogel sehen.

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Die sanften Hänge laden mich ein, und ich mache mich an den Aufstieg. Links der Bildmitte liegt mein erstes Ziel. Am Grat kann ich einen kleinen Höcker erkennen, vielleicht ist das sogar der Gipfel.

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Über knietiefe Gras- und Beerenpölster wandere ich hoch. An diesem Jagdstand und einem kleinen See mache ich eine erste kurze Rast.

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Der intensive sonnenaufgeweckte Duft von tiefgründigen Moospölstern würzt die Luft um mich.
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Immer wieder bleibe ich stehen, um mich umzustaunen. Unter mir ist jetzt der Jagdstand mit dem kleinen See zu sehen.

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Ich gelange an den steinigen Gratbeginn des Hainzl-Wasserkogels. Der Steinbuckel ist eine Laune der Natur und noch nicht der Gipfel.

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Der Gipfelgrat wird breiter und viele kleine windgeschützte Einsenkungen haben auf einmal Platz. Das sind eindeutig…

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…die Wohnzimmer der Hirsche

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© Gary Larson

Im Hintergrund ist bereits der höchste Graszacken zu erkennen.

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Zwar irgendwie unerwünscht, aber trotzdem obligatorisch und unverzichtbar. Gipfelfoto auf dem „woja-eh-nix-obn-is-Gipfel“: Hainzl-Wasserkogel (2002 m).

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Und ob ich da etwas versäumt hätte. Der Grat östlich, den Bretsteingraben entlang bis zum Rauchkogel (1913 m), sieht überschreitbar aus.

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Blick in den Bretsteingraben zur Gamperhütte, die ich heute auch noch besuchen werde.

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Tiefblick in den Hinterwinkel mit der Moaralmhütte. Im Jänner 2011 habe ich hier eine Schitour abgebrochen, weil mir so kalt war. Dieser Tourabbruch findet sich mit vielen Fotos hier im Blog.

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Großhansl (2315 m), Hohenwart (2363 m) und Eiskarspitz (2350 m)

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Meine heutige Tagesreise kann ich schon gut überblicken: links der Gangkogel (2060 m), die doppelgipfelige Breiteckkoppe (2144 m), davor ist gerade noch der Moaralmkogel (2033 m) zu erkennen und rechts der Kreuzkogel (2109 m).

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Jetzt ist der Kreuzkogel (2109 m) ganz links im Bild, und der Gratweg ist bis zur ersten tiefen Einsenkung der Großen Windlucken (1857 m) zu sehen. Dahinter überragt der schöne Gratweg von den Gstemmerspitzen (2136 m) zum Hochrettelstein (2220 m) den Dazwischenrücken mit dem Brennkogel.

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Gegenüber sehe ich die felsige Seite des Schrattnerkogels (2104 m).
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Jetzt wandere ich auf den riesigen Rücken des Moaralmkogels zu. Mein Wildererherz ist jagdlustig. Die Lorbeeren dieses Gipfels will ich haben. Gipfelsammeln ist irgendwie auch ein jagender Akt.

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Blick in das Kar, das ich hochgekommen bin. Sogar den Jagdstand mit dem See kann ich gut erkennen.

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Ich steige zum tiefsten Punkt zwischen den beiden Bergen in die Bettlerscharte (1900 m) ab. Das war zu früheren Zeiten der Übergang von Pusterwald in den Bretsteingraben. Weiter ging es für unsere Vorfahren über den alten Römerweg und die Große Windlucken (1857 m) in die Gulling. Durch die Große Windlucken und über diesen nicht mehr wirklich erkennbaren Römerweg geht’s heute im Abstieg.

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Der soeben überschrittenen Kamm mit dem Hainzl-Wasserkogel.

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Der nun folgende Anstieg ist nur am Beginn steil, sonst immer einfach und endet mit diesem prächtigen Bild: dem Moarsee und der darüber aufragende Breiteckkoppe. Mein Herz eilt mir voraus und ist überall zugleich – der Rest von mir folgt langsam hinterher.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Moaralmkogel (2033 m) vulgo Bretsteiner Speikkogel.

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Auf Alpen-Panoramen.de habe ich dieses wunderbare, beschriftete Panorama von Gerhard Eidenberger gefunden. Den Screenshot habe ich verlinkt. Einfach ins Bild klicken.

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Der riesige Talschluss des Bretsteingrabens unter mir gleicht einem Tisch in der Puppenküche, gedeckt mit grünem Tischtuch und vielen blauen Spielzeugtellern.

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Darüber zeigt sich der Anstieg von der Großen Windlucken zum Schrattnerkogel.

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Geradeaus könnte ich jetzt direkt auf den Kreuzkogel wandern. Aus der Seescharte vor mir führt ein unmarkiertes Steiglein nördlich hinab zur Schwabergerhütte. Mich zieht allerdings der See magisch an, an seinen Ufern will ich rasten, und weglos steige ich zu ihm ab.

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Siegbald Zeller berichtet in seinem Buch von einem der schönsten Wollgrasvorkommen der Niederen Tauern zu Sommerbeginn. Vielleicht auch darum ist der Moarsee als Naturdenkmal ausgewiesen.

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Wieder einmal bin ich ganz im Moment angekommen. Und es gelingt mir vortrefflich: Im Augenblick zu bleiben und das Anderswohin-denken bleiben zu lassen…

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…die immer dünne Gegenwart dicker werden zu lassen, durch glückliche Aufmerksamkeit. Monsieur Peter ist gerade selig.

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Blick zurück zur soeben verlassenen Einschartung (am rechten Bildrand). Am Grat zum Kreuzkogel (Bildmitte) ist sogar ein Wanderer zu erkennen.

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Auf der anderen Seeseite steige ich (fast) weglos hoch,…

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…bis ich diesen Blick auf den Gangkogel habe. Den hatte ich eigentlich gar nicht so am Plan. Aber wie allen echten Wilderern fällt es mir über die Maßen schwer, mich im Angesicht der Beute zurückzuhalten.

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Auf dünnen Spuren im hohen Gras steige ich in den Sattel zwischen Breiteckkoppe und Gangkogel. Die Markierung auf diesem Stein gehört zum 937er Weg, der von Süden herkommt. Rasch überwinde ich die wenigen Meter auf den Gangkogel.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Gangkogel (2069 m) bzw. Pustereckspitze.

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Blick in den Hinterwinkel mit der Moaralm.

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Blick in den Siebenhütten Graben. Über Donnersbachwald und die Danklmayrhütte könnte man hier aufsteigen.
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Weit tragende Grasflächen. Betörend zarte, ins Braune wegkippende Grüntöne. Berge, die ich heute schon besucht habe. Nur der See ist durch die Grasrippe in der Bildmitte verdeckt.

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Ich steige ab und beginne mit dem steilen Aufstieg auf die Breiteckkoppe.

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Von Westen, über diesen Rücken mündet der markierte Weg von der Planneralm über den Plientensattel, den Hintergullingspitz und den Kreuzberg, auf der Breiteckkoppe ein.

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Die letzten steinigen Meter zwischen den beiden Gipfelerhöhungen.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Breiteckkoppe (2144 m).

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Hier kommt es zu einer besonderen Begegnung. Eine verwegene Gestalt schlägt bald nach mir mit einem Riesenseufzer am Gipfel auf. Die Gestalt heißt Peter und kommt vom anderen Ende der Welt. Weiter weg geht gar nicht: down under!
Mein beherzter schlankgewanderter Namensvetter aus Australien befindet sich am zwölften Tag seiner Ost-West-Überschreitung. Am Tag eins ist er an der burgenländischen Grenze gestartet. Heute führte ihn seine Wanderung von der Edelrautehütte über den Zinkenkogel und Hochschwung hierher. Bis zur Planneralm will er noch weiter wandern. Durchmüdet schaut er aus. Mit den Ärmeln eines Pullovers versucht er den Schmerz, den die einschneidenden Schultergurte seines schweren Rucksacks verursachen, in Schach zu halten. Sogar ein Zelt hat er im Gepäck, und ich habe vielmehr den Eindruck, dass der Rucksack mit ihm unterwegs ist. Wie ein zugelaufenes scheues Wildtier füttere ich ihn mit meinen Schokoladevorräten und teile meine Getränke mit ihm.

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Er kann nicht lange bleiben, bis zur Planneralm hat er noch gut fünf Stunden zu wandern, und er hofft, dass das Wetter noch so lange hält.

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Auch meine Sehnsucht sind alle vier Himmelsrichtungen – nur ich bin ein Bedenkenhaber, ein Staudenhocker, Befürchter, ein Abwäger, einer, der die warme Dusche nach einem Bergtag und sein weiches Bett einfach zu sehr schätzt. Wie zum Beispiel nach der pipifeinen Wanderung auf den Hochrettelstein (2220 m), rechts im Bild.
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Bald schon nach dem australischen Peter verlasse auch ich, der mostviertler Peter, den Gipfel in Richung Kreuzkogel.

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Immer die Wiesenkante entlang ist diese Wanderung so gut wie schön. Zum Beispiel dieser Grat. Den habe ich heute schon betreten und an seiner tiefsten Einsenkung verlassen, um zum Moarsee abzusteigen.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Kreuzkogel (2109 m).

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Die wechselnden Wolkenstimmungen am Gipfel nehmen mich ganz gefangen.

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Immer mehr Wolkenkissen polstern den Himmel.

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Noch ein Link zu einem Gerhard Eidenberger-Panorama auf Alpen-Panoramen.de. Einfach ins Bild klicken.

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Blick zurück zum Doppelgipfel der Breiteckkoppe.
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Wieder bin ich ganz allein, und beim Anblick von Hainzl-Wasserkogel und Moaralmspitze trifft mich die Wucht der Einsamkeit und Weite.

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Jetzt folge ich dem überraschend steinigen Gratweg zur Großen Windlucken.

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In besonders heißen Sommern erbeutet die Sonne alle diese Seen.

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Dieses Dahinwandern bereitet großen Spaß. Vor mir locken der Schrattnerkogel (2104 m) und der dahinterliegende Seitnerzinken (2164 m) gewaltig. Nächstes Jahr vielleicht, von der Gulling aus. Da ließe sich bestimmt eine schöne Runde finden.

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Blick von der Großen Windlucken (1857 m) in die Schwarzgulling. Gegenüber ist der Brennkogel (1871 m) zu sehen. Hier verlasse ich den Gratweg.

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Auf dem kaum mehr erahnbaren alten Römerweg steige ich durch Latschengassen zur Schwabergerhütte ab.
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Ohne Zweifel hat der Jäger-Gollum meinen Aufstieg auf den verbotenen Berg durch sein Fernglas beobachtet. Folglich weiche ich ihm jetzt lieber aus. Ich will keine Wiederholung des kleinen Ärgers am Beginn der Tour. Darum schleiche ich mich wie ein Wilderer zu meinem Auto und fahre bis zur nahen Gamper Hütte, um dort noch eine störungsfreie Heimfahrrast einzulegen.

Innerlich richte ich einen Appell an die Jägerschaft: „Jäger und Jägerinnen! Wir müssen für den September eine Einigung erzielen. Meine liebste Wanderjahreszeit in den Niederen Tauern, eure liebste Jagdzeit in den Niederen Tauern. Ich zwanghaft, ihr zwanghaft. Wir brauchen einen tragfähigen Kompromiss. Gute Vorschläge dazu an: blog@monsieurpeter.at“

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„300 bis 400 Jahre alt soll diese Hütte sein – so genau weiß man’s halt nicht“, schreibt Herbert Raffalt in seinem Buch über die Gamper Alm.

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Der nahe Strechengraben (praktisch im alleinigen Besitz der Familie Flick) ist wohl noch nicht genug. Nahe der Gamperhütte wird ein zusätzliches Flick-Domizil errichtet. Wandererfreundlicher wird der Bretsteingraben durch diesen Umstand bestimmt nicht.

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Auf der Heimfahrt besuche ich noch die Gedenkstätte des KZ-Nebenlagers Bretstein, denn Geschichte muss sichbar gemacht werden.
Auf der Hompage der Gedenkstätte finden sich Informationen zu dieser wichtigen Erinnerungsstätte. :

„Das KZ-Nebenlager Bretstein, ein Außenlager des KZ Mauthausen, bestand ab Juni 1941. Die Häftlinge (…) die zum Ausbau des Güterweges in den Bretsteingraben und zu Arbeiten in der Landwirtschaft herangezogen wurden. Das triste und unmenschliche Los der Gefangenen führte 1941 und 1942 zu mehreren Fluchtversuchen; dabei wurden sieben Häftlinge getötet. Im Juni 1943 wurde das KZ-Nebenlager Bretstein aufgelassen.“

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Friedrich Karl Flick weigerte sich (wie schon sein Vater bis zu seinem Tod), eine Entschädigung an die Zwangsarbeiter des Flick-Konzerns im Zweiten Weltkrieg zu leisten. Laut Aussage des früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel in der ARD-Tagesschau vom 6. Oktober 2006 hat Friedrich Karl Flick sich als einer der ganz wenigen Unternehmer in Deutschland nicht an dem Entschädigungsfond für die Zwangsarbeiter der Nazi-Zeit beteiligt. (Wikipedia)

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Der Ungeist dieser Zeit lebt noch immer in schmutzigen Winkeln kranker Geister, und wir sind noch lange nicht gerettet. In diesen Zeiten verschaffen sich eifernder Hass und eiternder Neid immer lauter Gehör. Die Geschichte hat es bereits einmal gezeigt: Es kommt lange weniger schlimm als angekündigt, bis es schlimmer kommt als befürchtet.

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Im Anstieg ca. 1000 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 11,8 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at.

Meine Quellen:

breiteckkoppel_-000Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Auferbauer(2014): Niedere Tauern Ost mit Murauer Bergen und Turracher Höhe. Wanderführer. Bergverlag Rother, München.

Buchenauer (1987): Höhenwege in den Niederen Tauern. Verlag Bruckmann, München.

Buchenauer(1975): Verliebt in die Heimat. Leykam Verlag, Graz.

Hödl (1989): Bergerlebnis Steiermark. Verlag Styria, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Mokrejs/Ostermayer (2009): Bergwander-Atlas Steiermark. Schall Verlag, Alland.

Raffalt (2008): Steirische Almen: 88 genussvolle Alm- u. Hüttenwanderungen. Verlag Styria, Graz.

Zeller (2010): BergErleben Bd. 3, Wölzer Tauern, Rottenmanner Tauern, Schladminger Tauern. Verlag Gertraud Reisinger, Spielberg.

Friedrich Karl Flick in Wikipedia (abgerufen am 15.11.2016)

Gedenkstätte-Bretstein (abgerufen am 15.11.2016)


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.