No-go! Ganz schlimm…

Bei der Recherche im Internet fand ich nicht viele Informationen zu meinem heutigen Tourenziel, aber dafür einen lustigen Eintrag: Eine Restaurantkritik mit der Überschrift: „No-go! Ganz schlimm…“.

Goganz klingt wie eine Name aus Tolkiens phantastischem „Herr der Ringe- Universum“. Goganz könnte der Name eines mächtigen Zauberers oder gar eines fürchterlichen Orks in diesem Roman sein. Er könnte aber auch einem kleinen großfüßigen Hobbit gehören. Ich mache mich also auf die Suche, und zu meinem Glück muss ich mich nicht in die stinkenden Abgründe Mordors begeben, sondern ich finde den Goganz in der kleinen Gemeinde Gresten-Land.

Ich parke mein Fahrzeug beim „Hammer unterm Oberhaus“. Die unverputzte, ziegelschöne Rückseite ist am Titelbild zu sehen. Für Nutzer eines Navis kann ich diesmal sogar eine Hausnummer angeben…

…Gamingerstr. 12 in Gresten, auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Diese Wiese oberhalb des Bauernhauses ist der Ausgangspunkt und zugleich der Zieleinlauf.

Gleich bei dem kleinen Brücklein starte ich meine Kurztour. Auf einem Schild findet sich die Bezeichung „Ybbsbachpromenade“. Eigenartig ist, dass in den Karten ein Brettlbach verzeichnet ist, und in einer anderen Beschreibung ist überhaupt von der „Kleinen Erlauf“ die Rede.

Für alle, die mit Hunden nicht so viel Freude haben, muss ich den bellenden aber offensichtlich friedfertigen Haushund erwähnen. Dieser begrüßt Neuankömmlinge lautstark, und man möchte nicht aus dem Auto aussteigen. Aber letztlich lässt er mich schwanzwedelnd in Ruhe.

Mein erster Tiefblick zur Bundesstraße und zum Ausgangspunkt.

Der Schnee auf der hochreichenden Wiese ist schwer und pappig. Es scheint, als will er mir mit Ungemach drohen, sollte ich in der Abfahrt nicht achtgeben.

Solch eine Wiese würde sich auch in Waidhofens Umgebung finden. Aber das Spannende sind nicht die vernichteten Höhenmeter oder die Abfahrt, sondern die neuen Aus- und Einblicke in meine unmittelbare Heimat. Ganz neue Berge wachsen in meinem sich weitenden Blickfeld hoch. Den einen oder anderen formschönen Kogel habe ich beim Kartenstudium einfach übersehen, und jetzt posiert er, meine Begehrlichkeit weckend, vor mir.

Der Hang besitzt die ideale Steilheit, um es bei Neuschnee so richtig stauben zu lassen.

Ich gelange ans Ende der Freifläche und muss meine Schi abschnallen, um über den Stacheldrahtzaun zu gelangen.

Gleich danach überquere ich einen Forstweg und gelange so zum markierten Weg. Ich folge diesem durch den Wald. Aber ebenso gut hätte ich auf der Forststraße bleiben können, denn diese trifft nach wenigen Metern mit dem Weg aus dem Wald zusammen.

Eine vermummte Gestalt eilt mit raschen Schritten an mir vorbei und kann dabei gar nicht die Zeit finden, diese vom Winter verzauberte Landschaft zu betrachten.

GoganzSchi_017 (CC)

GoganzSchi_019 (CC)Nur ein kurzes Stück gehe ich auf dieser Forststraße, denn schon bald öffnet sich der Wald…

…und gibt den Blick auf den Gipfel frei.

Zuvor besuche ich aber noch diesen mistelbehafteten Baum mit seiner Kapelle.

Sie heißt „Kapelle zur heiligen Familie“.

Der Schwarzenberg (958 m) steht wuchtig vor mir, dass er nicht einmal ein Tausender ist, sieht man ihm nicht an.

Rechts der Bildmitte ist der Prochenberg (1123 m) zu erkennen.

Bei dem kleinen Bauernhaus unter dem Goganz treffe ich auf eine große Gruppe Rodler. Sie werden mit dem Traktor vom Bauernhaus Reitbauer ca. 2 km herauftransportiert, um danach auf der schneebedeckten Straße wieder abzufahren. Danach werden sie wieder herauftransportiert und dieses Spiel wiederholt sich mit dem jungen Traktorlenker als ländlichen Sisyphos. Es juckt mich sehr, mir ebenfalls eine Rodel auszuborgen. Dummerweise mache ich es nicht. Jetzt finde ich es schade, und ich ärgere mich über meinen Mangel an Spontanität.

Jetzt will ich aber zum großen Gipfelkreuz.

Schon fast am Gipfel, kann ich in der Rückschau auf das langgezogene Gresten blicken. Unterhalb sehe ich zum Bauernhaus bzw. zur Jausenstation, über den bewaldeten Rücken links im Bild bin ich angestiegen.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto mit Schi (Goganz 743 m). In Osttirol habe ich über die besonders großen Heimkehrerkreuze gestaunt. Mit solchen Zeichen auf den Bergen findet jeder wieder nach Hause, dachte ich mir damals. Am Goganz ist ebenfalls ein besonders hohes Kreuz errichtet worden. Es wurde 1985 aufgestellt und ist der Nachfolger des ersten, bereits 1952 errichteten Kreuzes.

Hier zieht eine Spur auf einer beliebten Wanderroute in Richtung Dienstbergsattel.

Zwischen den Bäumen blitzt weiß der Ötscher durch.

Links der Schwarzenberg und rechts der Buchberg (871 m)

Welcher dieser Berge der Egger Berg (1134 m) oder der Spitzkogel (1109 m) oder einer der anderen begehrten Tausender Niederösterreichs ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen.

Rechts meines Aufstiegsweges zieht ebenfalls eine Schispur zum Gipfel. Ich glaube, dass ich bei einer Abfahrt über diesen Hang zumindest in die Nähe meines Autos kommen könnte. Aber vielleicht muss ich dann mehr Zäune übersteigen, und der Schnee lädt auch nicht gerade zu Experimenten ein. Darum fahre ich meinen Anstiegsweg ab.

Meine Abfahrt gestaltet sich nicht ganz so wie befürchtet, und mir gelingen sogar ein paar schöne Schwünge. Wieder beim Bauernhaus angelangt, freue ich mich über diese freundlichen Abschiedsworte…

Im Anstieg ca. 340 Hm und zurückgelegte Strecke ca. 4 km.

Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Pöll (1979): Zwischen Sonntagberg und Ötscher, 40 Rundwanderungen. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Tippelt (1995): Wanderführer Ybbstal & Ötscherland. Ennsthaler Verlag, Steyr.

Wilhelm Haberfehlner mit einer Beschreibung auf der Seite des Amstettner Alpenvereines.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.