Schafkogel 1550 m (Hochsur)

Mit dem Schafkogel oder auch Hochsur (1550 m ) kehre ich wieder einmal zu meinen Schitourenanfängen zurück. Die besten, wunderschönsten und supersten Kinder der Welt (deren Eigendefinition, siehe hier) schenkten mir 2009 den Schitouren-Atlas Ost aus dem Schall Verlag. Gelesen und gemacht war dann eins. Es war eine meiner ersten, sozusagen selbstverantworteten, Schitouren. Und die wiederhole ich heute.

Ich hätte schon am Vortag mit Reinhard und Max in die Tauernsüdseite fahren sollen und war dafür einfach zu müde. Eine heftige Arbeitswoche hat ihre Spuren hinterlassen. Gut meint es allerdings der heutige Tag mit mir. Blauer Himmel, frühlingshafte Temperaturen und freundliche Berggestalten. Den Haller Mauern vorgelagert sind diese Berge konziliant, entgegenkommend und liebenswürdig. Hier zu sehen: Grosser Mitterberg (1321 m) und kleiner Mitterberg (1155 m). Die Spur zur Rot-Kreuz-Kapelle ist schon sehr breit.

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Der Hochsur mit seinem freundlichen wiesenartigen Gipfelplateau und seinem höchsten Punkt dem Schafkogel (1550 m).

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Die Südseite der Kampermauer sympathisiert schon ein wenig mit dem Frühling und ich mit ihr. Also werde ich frei nach L. Resetarits zu einem Sympathisantensympathisanten.

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Weiß gestaffelt in Eis und Schnee glitzern die Haller Mauern mit dem mächtigen Hexenturm (2172 m) in der Morgensonne.

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Die erste Haltestelle meiner Erinnerung an diese Gegend ist die unterhalb der Straße liegende Rot-Kreuz-Kapelle. Wenige Meter neben der Kapelle quere ich den Rotkreuzbach.

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Blick zurück zum Parkplatz und der aufragenden Kampermauer (1394 m).

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Auf der Forststraße mit ein paar Abkürzern erreiche ich die letzte große freie Fläche vor dem steilen Waldanstieg.

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Es finden sich immer ein paar Aufstiegsspuren im Wald. Mit etwas Glück fädelt man in eine zu den eigenen konditionellen Fähigkeiten passende Spur ein. Der Waldabschnitt ist wirklich sausteil, aber andererseits ideal für die Abfahrt.

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Die Steilheit zwingt mich in einen sehr kurzschrittigen Aufstieg. Kurzatmig werde ich dann ganz von selbst.

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Vorfreude wuselt mir beim Anblick dieses unverspurten Geländes durch die Adern. Ob es jungfräulich auf mich warten wird?

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Nur selten ist im Anstieg ein freier Blick möglich.

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Der lange Rücken mit der Tannschwärze (1533 m), dem Schwarzkogel (1554 m) und im Vordergrund die Kampermauer (1394 m).

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Für den Aufstieg brauche ich schon meine Zeit. Immer in der Spur bleibend habe ich nicht viel nachzudenken und kann meinen Kopf für anderes verwenden. Mich beschäftigt zum Beispiel mehr die Frage, ob es ein Leben vor dem Tod gibt, als die Frage, ob es eines nach dem Tod geben mag. Heute ist es einfach. Heute brauche ich meine Sonnenbrille, um vom Leben nicht geblendet zu werden.

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Am Bergrücken angelangt, beginnt die Stunde der Ernte.

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Das sind die Gipfelbucheintragungen der Tourengeher. Der Hang unterhalb des Gipfelkreuzes ist bereits wild graviert. Schönschreiber und wilde Krakler haben ihn zerschrieben. Wer es bevorzugt, leere Seiten zu befüllen, ist auf diesem freundlichen Schitourenberg fehl am Platz. Das stimmt aber jetzt auch nicht ganz, denn in den breiten Waldschneisen finden sich immer noch weiße Blätter zum Erster sein.

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Ich will das schöne Plateau bis zu seinem höchsten Punkt überschreiten und gehe vorerst einmal am Gipfelkreuz vorbei.

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Auf der Schneedecke wechseln die schmalen Schatten der Bäume mit den mächtigen Sonnenflecken. Diese alljährliche Wiederverzauberung der Welt rührt mich in solchen Momenten besonders.

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Ich gelange zum Endpunkt des Wiesenplateaus. Weiße Weite umfängt mich, und alles um mich besitzt majestätische Größe.

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Ich kehre um und folge den Lärm-Lach-Lust-Lauten der Gipfelkreuzbesetzer.

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In niederer Eitelkeit lasse ich ein zweites Foto von mir machen, weil mir das erste missfällt: Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schafkogel (1550 m).

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Viele bunte Winterfreudige tummeln sich beim Gipfelkreuz.

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Sogar vier Bayern aus Passau sind für eine Tagestour auf den Schafkogel angereist. Aber es sind keine perfekten Bayern, Frevler sind hier am Gipfel. Diese Stammesmitglieder eines Bergvolks, das sich so viel auf sein Reinheitsgebot beim Bier einbildet (30. November 1487), sitzen mit Budweiser Bierdosen hier. Sie wissen sich von mir ertappt und tilgen diese tiefe Schmach mit einem Bestechungsversuch. Ich werde sozusagen FIFArisiert bzw. geblattert. Ein Blechweckerl wechselt den Besitzer und… mir schmeckts. Bierbrauen können auch unsere östlichen Nachbarn. Vielleicht erwische ich einmal ein paar Tschechen mit einem bayrischen Bier. Das wär‘ schon was. Hier meine Erkenntnisse zu Bier in Bayern:

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Vor lauter Bayern-Schimpfen (Autobahnmaut, Seehofer, NSA usw.) und Ösiwitze-Kontern bin ich viel zu lange am Gipfel. Der Schnee auf der Hochfläche ist schon ein wenig patzig, aber andererseits habe ich eine Batzen Aussicht.

Großes Maiereck (1764 m)

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In seiner Form unverkennbar im linken Bildhintergrund: der Tamischbachturm (2035 m). Viel näher schon der Kleine Buchstein (1990 m) und der Boss in der Runde: Großer Buchstein (2224 m).

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Der gar nicht so schwierig zu begehende Grat auf den Langstein (1998 m) und weiter zur Kreuzmauer (2091 m).

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Bevor der Schnee auch im Waldabschnitt weich wird, mache ich mich auf den Weg.

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Immer noch kommen vor allem Schneeschuhgeher auf den Gipfel.

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Der unbefahrene Teil hat doch wirklich auf mich gewartet. Erster zu sein passiert mir in meinem Berg- und Tourenleben auch nicht allzuoft. Das genieße ich jetzt und erzähle es jedem und jeder, die mir noch entgegenkommen. Und wenn man immer im hochbäumigen Waldabschnitt bleibt, kennt das Vergnügen nur umkurvbare Hindernisse. Überhaupt gelingen mir dieses Jahr die Abfahrten besonders gut. Entweder ist der Schnee besser, oder ich habe vielleicht doch ein wenig dazugelernt.

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Auf der großen Wiese halte ich mich am Rand, wo Baumschatten den Schnee länger kühlen.

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Den kurzen Gegenanstieg von der Rot-Kreuz-Kapelle zur Straße trage ich meine Schi und merke es gar nicht, weil ich so glücklich bin.

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Im Anstieg ca. 780 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 7,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Hochsur

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

McCormack. (1993): Tief in Bayern. Eine Ethnographie. Goldmann Verlag, München.

Schall et al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost. Schall Verlag, Alland.

Stoderegger/Zehetner (2012): Schitourenführer Phyrn – Priel. Verlag Kilian, Vöcklabruck.

 

 

 

 

 

 

 

EPILOG

2009 war ich am 8. April am Schafkogel, also exakt einen Monat später im Jahr.

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Das erkennt man am Schnee ganz gut. Der hat auch schon Regentage hinter sich. Diese Rinne habe ich bei meiner neuerlichen Tour verfehlt.

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Der Winter im diesem Jahr war mit großen…

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…Schneemengen gesegnet.

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Bei meinen Alleingängen bin ich immer besonders achtsam. In so ein Loch einfädeln oder einbrechen und verletzt nicht mehr herauskommen, brauche ich in meiner Tourenbiografie wirklich nicht.

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Selbst im Talgrund neben dem Rotkreuzbach liegt noch viel Schnee.

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Konditionell hat mich die Tour damals ganz schön gefordert, und vor der Waldabfahrt hatte ich großen Respekt. Und genau besehen ist es ja gar nich so lange her.

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FIN


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.