Tamberg (1516 m) und seine Überschreitung von Vorderstoder

Kälte und Neuschnee lassen höhere Berggipfel unangenehm gefährlich werden. Am benachbarten Pyhrgas sind in nur wenigen Stunden zwei Wanderer über ein steiles Schneefeld in der Hasenbergrinne zu Tode gestürzt. Und weil meine Gipfelvorratsdose auch viele niedrigere Gipfel beinhaltet, gewinnt der Tamberg die Gipfelziehung unter Auschluss des Rechtsweges.

Stilles ruhiges Allerheiligenwetter legt sich übers ganze Land. Es ist sehr warm und windstill. Wir fahren über den Hengstpass nach Vorderstoder und parken unser Fahrzeug in der Vorderramseben, am Fuße des Tambergs.

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Wir wandern auf der Asphaltstraße ein Stück zurück, um zuerst einmal das Spitzmäuerl zu besteigen.

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Vor einiger Zeit habe ich einen Zeitungsartikel über den Pfarrer von Vorderstoder gelesen. Tag für Tag besteigt der Geistliche den Tamberg. An manchen Tagen sogar mehrmals. Bei der Lektüre des Artikels bin ich überhaupt erst auf diesen, zwischen Sengsengebirge und Toten Gebrige eingezwängten, Zwicklberg aufmerksam geworden. Ein Schild weist uns den Weg des Pfarrers, aber bis in den Zölibat möchten wir dem Herrn Pfarrer nicht folgen, nur auf den Berg gehen wir mit.

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Ein einfacher Waldanstieg bringt uns rasch…

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…zum Spitzmäuerl (1100 m).

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Das Spitzmäuerl ist nicht schwer zu erklettern, aber der Abstieg…

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…erfolgt vorsichtig arschlings,…

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…das heißt von hintenherwärts (K.Valentin).

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Im Osten ist der Admonter Reichenstein (2251 m) gerade noch zu erkennen. Dominiert wird die Szenerie vom Großen Pyhrgas (2244 m).

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Wie unter einer Daunendecke eingebettet ruht der Warscheneckstock im Stodertal. Und wie ist es unter so einer Tuchent? Finster natürlich!

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Links im Bild ist der Seespitz (1574 m) über dem Gleinkersee zu sehen. Rechts der Bildmitte ragt der markante Gipfel des Stubwieswipfels (1786 m) hervor.

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Auf einem wirklich feinen Waldweg gelangen wir zur Rieseralm.

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Die Sonne bringt sich in Position und…

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…leuchtet das ganze Sengsengebirge aus. Ein herrliches Plätzchen, diese Rieseralm.

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Hoher Nock (1963 m), Hagler (1669 m) und Gamsplan (1902 m) haben schon ihre Schneehauben aufgesetzt.

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Dem Rohrauer Größtenberg (1810 m) stehe ich genau gegenüber.

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Der mächtige Hochsengs (1838 m) mit seinen Wandfluchten. Das Schillereck (1748 m) und der Spering (1605 m). Die Überschreitung des Sengsengebirges war einer meiner vielen persönlichen Bergglanzpunkte im Vorjahr.

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Bevor wir zum Tamberggipfel weiterwandern, wollen wir noch den Schmeißerkogel besuchen. An dieser Stelle steigen wir schon in den Wald. Wie sich noch herausstellen wird, hätten wir auf der linken Forststraße weitergehen sollen, denn diese neue Forststraße zerschneidet den Gipfelaufbau,…

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…und erst hier beginnt die Gipfelkuppe.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Schmeißerkogel (1324 m). Ein kleiner Gipfel braucht auch nur ein kleines Gipfelfoto.

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Zurück zur Rieseralm bleiben wir auf der Forststraße.

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Hier befindet sich auch die Abzweigung zur Filzmooser Alm. Wir bleiben aber am PFARRER-WEG.

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Einmal noch queren wir eine Forststraße…

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…und gelangen zum felsigen Aufbau des Tambergs.

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Ein Schmetterling (Admiral) zuckelt um uns herum, als würde er sich ausgelassen über diesen schönen Tag freuen. Immer wieder landet er auf sonnengewärmten Steinen, um nach kurzer Zeit wieder wärmetrunken davonzutorkeln. Und in den Wolkenflocken über uns…

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…tanzt sein Spiegelbild ebenso.

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So ein tolles Spiegelbild bekommen der Große Priel und seine Gang nicht zusammen.

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Dann endet auch der Anstieg auf diesen Berg.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Tamberg (1516 m). Reinhard und ich heute leider nur mit mittelblendendem Aussehen.

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Im Gipfelbuch finden ich diesen Eintrag aus dem Vorjahr. Heißt es bei den Benediktinern „Ora et labora“ (Bete und arbeite), dürfte es für den hiesigen Pfarrer „Ora et migra“ (Bete und wandere) heißen. Obwohl Allerheiligen sozusagen eine religiöse Stoßzeit ist und viel Arbeit auf jeden Pfarrer wartet, verrät ein leichter Weihrauchhauch das Nahen des Hausherren. Ein schmächtiger, hell gekleideter, bärtiger Mensch huscht an uns vorbei zum Gipfelkreuz. Er tippt es mit einem Finger nur kurz an und wendet sich blitzgeschwind wieder zum Abstieg. Nur ein freundliches Grüß Gott ist von ihm zu hören. Nicht der Heilige Geist war hier, sondern der Pfarrer von Vorderstoder, der schnell zur Messe muss. Ich habe nicht einmal Zeit, ein Foto von ihm zu machen, so geschwind ist er.

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Bei unser Ankunft ist der Gipfel gut besucht. Nicht nur der Herr Pfarrer steigt auf den Tamberg, auch andere Einheimische schätzen seine Aussichtsqualitäten. Von unserer weiten Anreise sind sie überrascht, und das wird besprochen. Auch Gerlinde Kaltenbrunners 8000er-Welt Projekt am Fuße des Großen Pyhrgas wird eifrig diskutiert. Nix Genaues weiß man nicht, aber jeder hat eine Meinung. Obwohl ich noch nie davon gehört habe, mische ich gehörig mit. Zum Beispiel soll der Besucher in einer Erlebnisbox die extreme Ausgesetztheit, Wind und Wetter bei einer Achtausender-Besteigung nachempfinden können. Eine Million Euro will die Toursimusregion Pyhrn-Priel in dieses Tourismusprojekt investieren (OÖ-Nachrichten vom 24.10.2014).

Die Gipfelbelegung wechselt immer wieder, und zwischendurch haben wir mit unserem, der Ewigkeit schon nahekommenden Gipfellungern, den Berg für uns alleine.

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Im Gipfelsitzen können wir den Warscheneckstock von der Zellerhütte bis zum Gipfel (2388 m) und den Schrocken (2281 m) überblicken.

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Nur eine zerrupfte Lärche trennt uns von der mächtigen Prielgruppe.

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Reinhard verspürt eine gewisse Popschschwere und bleibt darum sitzen. Ich rufe ihm die Aussicht zu: „Kremsmauer und dahinter die Falkenmauer“ rufe ich und „nein, den Pfannstein kann ich nicht sehen. Dahinter, das könnte der Hochsalm oder der Windhagkogel sein, sicher bin ich mir nicht“ melde ich noch.

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„Den Spering und das Schillereck kann ich gut erkennen, aber den Sender sehe ich nicht“ rufe ich ihm auch noch zu. Alle für mich benennbaren Gipfel erfährt er auf diese Weise.

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3D-Gipfelschauen am Tamberg (Blickrichtung Warscheneck). Weil im November die Tage schon kurz sind und wir die erforderliche Zeit für die Überschreitung vorsichtig einschätzen, setzen wir uns nach Mittag dann doch in Bewegung.

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Wir fragen nach dem Weiterweg. Einige sind ganz überrascht über diese Möglichkeit. Ein junger Mann zeigt uns wenige Meter unter dem Gipfel Steigspuren. Wir umgehen den großen Felsen in unmittelbarer Gipfelnähe und haben damit schon fast die ganze Schwierigkeit des Weiterwegs gelöst.

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Die vereinzelten Steinmänner und Steinfrauen markieren nicht wirklich einen Weg, sie sind mehr Richtungsvorschläge, Ideen für den Weiterweg.

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So gut es möglich ist, bleiben wir immer am Rücken. Nach einem kurzen Abstieg (ca. 100 Hm)…

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…folgt ein kurzer Aufstieg…

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…und der Westgipfel (1502 m) ist erreicht. Eine improvisierte Bank lädt zum Sitzen ein.  Am Weg hierher müssen wir an einer Höhle (Tambergklüften) vorbeigewandert sein. Nicht einmal in der BEV-Karte ist diese Höhle verzeichnet, aber Heitzmann/Harant erwähnen sie in ihrem OÖ-Voralpen Führer.

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Weiter geht es durch Windwurfgelände…

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…den Grat hinab.

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Wir wandern immer auf den Kasberg (1747 m) zu.

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Linker Hand der Kleine Priel (2136 m) und…

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…rechter Hand das Sengsengebirge.

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Die Wegfindung benötigt hin und wieder etwas Kreativität.

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Die letzten Aromaspuren vom Herbst empfangen uns auf der Hotzenreith.

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Wer behauptet, dass Bäume nur in den Himmel wachsen können, wird beim Blick in diese Hirschsuhle…

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…eines Besseren belehrt. Tief hinab reichen die Wipfel der Goldbäume.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Hotzenreith (1253 m). Heute gilt: kleiner Gipfel, kleines Foto.

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Wir wandern weiter zur Immerl Gsoll Jagdhütte und suchen auch dort…

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…den höchsten Punkt (1188 m). Eigenartigerweise ist in der Freytag und Berndt Wanderkarte (WK 082) und der digitalen BEV-Karte hier der Tamberg ausgewiesen!?!

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Nur Reinhard hat noch Mannerschnitten im Rucksack. Somit wird er für mich zum mächtigsten Mann im Stodertal. Er lässt mich seine Macht auch spüren. Auf diesem Foto kann man erkennen, was ich bereit bin zu tun, um eine  e i n z e l n e  Mannerschnitte von meinem Dompteur zu bekommen. Nicht auszudenken, was ich für eine ganze Packung tun würde…

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Wir wandern nicht ganz zur Jagdhütte zurück, denn gleich an der Wiese beginnt der markierte Weg. Noch ein letzter Blick zurück auf den soeben abgestiegen Waldrücken.

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Der Rückweg zieht sich ein wenig.

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Wir versäumen sogar eine Abzweigung. Zum Glück warnt unser langjähriger, durch viele Verhauer gut geschulter Instinkt schon nach kurzer Zeit. Mein Blick aufs GPS zeigt uns, dass die Forstraße, die wir links liegen ließen, weil sie bergauf führt, die richtige gewesen wäre. Also zurück und die Forststraße hinauf. Hundert Höhenmeter geht es nochmals hoch, und erst nach einer steilen Kehre findet sich dieser Pfad. Der führt uns…

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…mit mächtigen Ausblicken…

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…über eine große Wiese

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…an der Hubertuskapelle vorbei…

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…zurück zum Auto.

Uns ist mit dieser Überschreitung eine besonders schöne Tour gelungen. Wieder bestätig sich, dass alleine die Höhe eines Berges kein Gradmesser für das Vergnügen seiner Besteigung ist. Leider war es mir bei den gegebenen Lichtverhältnissen nicht möglich, schöne Fotos von der so präsenten Prielgruppe zu machen. Bis zum Dietlgut und Salzsteigjoch müsste man sehen können. Besonders im Frühjahr möchte ich zumindest die Besteigung des Tambergs empfehlen.

Im Anstieg ca. 1000 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 14,8 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

Tamberg

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Tambergüberschreitung von Helmut Seiringer (abgerufen am 11.2.2015)

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Radinger (2009): Wandererlebnis Kalkalpen mit Haller Mauern. Residenz Verlag, St. Pölten.

Sieghartsleitner(2000): Wandern rund um den Nationalpark Kalkalpen. 45 ausgewählte Familienwanderungen. Ennsthaler Verlag, Steyr.

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.