Auf das Feichteck (1114 m) bei Weyer

Diese Wanderung in der unmittelbaren Nähe meiner Heimatstadt bin ich mir schon lange schuldig. Aber so ist es oft mit dem Nahen. Man glaubt es jederzeit in der Hand zu haben und eilt lieber zu weit entfernten Destinationen. So geht Jahr um Jahr ins Land, und das Nahe bleibt unbesucht. Aber an diesem warmen Ostermontag schließe ich diese Lücke. Ich parke am Ortseingang von Weyer auf einem großen Parkplatz mit Brunnen und …

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…einer  Übersichtstafel. Alle für heute gedachten Landmarken sind darauf zu sehen. Der Kreuzberg, das Mühleck, als höchster Punkt das Feichteck, danach der Falkenstein und die Rotmäuer. Schaut irgendwie weit aus.

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Der geht nicht mit, der tut nur so als ob.

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Viele Wege führen auf den Kreuzberg. Mich zieht der Weg durch den Zwergerlwald magisch an. Vielleicht hoffe ich ja auf eine Begegnung mit dem Zwerg aus einer Franz Hohler Erzählung. Diese Geschichte heißt „Der grosse Zwerg“ und beginnt so:
„Es war einmal ein Zwerg, der war 1,89 m groß“. Ich liebe seine pointierten, fantasievollen, überraschenden Geschichten.

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Das Wegemenü ist in seiner Vielfalt verwirrend.

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Zahlreiche geschnitzte Wurzelzwerge in allen Erscheinungsformen begleiten mich im ersten Drittel der Wanderung. Entkommen sind sie der Phantasie und der gestaltenden Hand des Rudi Katzensteiner.

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Sogar im Wald ist es zu dieser frühen Stunde schon sommerlich. Heimelig ist es auch. Mich begleitet Kirchenglockenläuten, mir begegnen Menschen mit und ohne Nordic Walking Stecken, und mich überholen Jogger mit Hund und ohne Hund. So beginnt ein friedlicher, schützenswerter Feiertag in vielen kleinen Ortschaften Österreichs. Das ist österreichische Feiertagsgemütlichkeit.

Auf der großen Wegetafel ist es nicht angeführt, aber ich fühle mich von seinem Namen persönlich angesprochen. Das ist an mich adressiert. Dieses Wegerl kürzt oftmals den kehrenreichen Normalweg ab.

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Auf diesem Weg purzeln die ersten Höhenmeter flott. Aber nur so lange, bis ich gehörig zusammenzucke. Bei dieser Tafel denke ich mir – hoffentlich nicht heute.  Ich hab doch noch so viel zu tun.

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Aber so war sie nicht gemeint, diese Tafel. Auf diesen Treppen kommt der katholische Wanderer seinem Gott einfach ein Stückchen entgegen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Am Kreuzberg angekommen, verweile ich nicht lange. Obwohl die ungewöhnliche Kreuzigungsgruppe meine Aufmerksamkeit so in Anspruch nimmt, dass ich ganz auf ein Gipfelfoto vergesse. 1868 von Gabriel Frey als bemalte Blechschnittfiguren geschaffen, bietet sie einen ungewohnten Anblick.

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Die Aussicht zeigt Altbekanntes, und so pausiere ich nicht und wandere weiter.

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Vermeintlich erwische ich für einige Meter den falschen Weg und drehe nochmal um. Das wäre aber gar nicht notwendig gewesen, denn auch der „falsche“ Pfad hätte mich…

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…zum Kreuzbergboden geführt. Weiter wandere ich auf einem gut ausgeschilderten, breiten Spazierweg in Richtung Mühleck.

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Dort wo keine Bäume stehen, ist Aussicht. Alte Wanderregel.

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Links im Bild der Kühberg (1415 m) und rechts der Bildmitte die Bodenwies (1540 m).

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Ich habe dem Rapoldeck (1195 m) den Rücken zugekehrt und fühle mich in diesem Waldmeer wie ein kleines Segelboot mit Kurs Nord-Nord.

21.04.2014, 09:14 UTC
Pos.: 47.862095, 14.658243
Kurs: 180°
Speed über Grund: 2-2,5 Knoten
Wind: SW 2 Knoten
Weg: befestigt und frei
Bewölkung: 0/8
Jause: ausreichend

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Der Anblick des Dürrensteigkammes wird mich bis auf die hohen Weideflächen begleiten. Von links nach rechts: Ennsberg (1373 m), Hühnerkogel (1474 m), Almkogel (1513 m) Brunnbacheck (1472) und der Burgspitz (1429 m).

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Schon viele Meter davor erreichen mich Wohlgerüche. Kürzlich geschlagenes Buchenholz wird von der Sonne angewärmt und verströmt dabei köstlichen Harzgeruch. Ich verweile tief einatmend unter dieser Duftdusche. Aber mein Tagwerk ist noch nicht getan, und ich muss weiter.

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Noch immer bin ich auf dem Weg zum Mühleck. Der Frühling ist endlich da. Wie ein fleißiger Dachdecker deckt er die Baumdächer lautlos mit filigranen, grünen Blättern.

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Stromleitungen mit Gesäuseblick oder Gesäuseblick mit Stromleitungen. Ich kann mich für keine Bildüberschrift entscheiden.

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Blick auf Weyer.

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Der höchste Punkt am Mühleck (648 m) ist für mich kein Gipfel, sondern lediglich eine Ortsangabe.

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Ich gehe nur wenige Meter über den soeben beschrittenen Weg am Kamm zurück und schwenke in den Pfad zum Feichteck ein.

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Die Wanderung bringt mich durch einfaches Waldgelände, hier mit Blickrichtung Neudorf, immer höher.

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Dieser mächtige Waldrücken gegenüber gehört auch noch zur Stubau.

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Ich wandere mittlerweile auf einer Forststraße und erreiche diesen Umkehrplatz mit der Tafel „Forststraße Holzlucke“.

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Hier finden sich keine Markierungen mehr. Aus dem unmarkierten Steig in meiner Karte ist dieser Ziehweg geworden.

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Auf diesem Ziehweg treffe ich einen nicht mehr jungen Jäger (ohne Gewehr, sozusagen inkognito) mit seinem greisen Hund im hohen sechzehnten Lebensjahr. Von Zeit zu Zeit fährt der Jäger mit dem Auto bis zu diesem Umkehrplatz, damit der Hund, „der nicht mehr so kann,“ auch noch etwas erlebt. Er hat Bussarde beobachtet, „denn die finden jetzt, wo die Vegetation noch nicht so dicht ist, leicht Mäuse“.

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Der Ziehweg bringt mich wieder zu einer Forststraße, und dieser folge ich solange, bis ich den abgeholzten Gipfelaufbau vor mir habe. Mit wenigen Schritten bin ich ganz oben.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Feichteck (1114m).

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Bildbestimmend drängt sich der Schieferstein (1206 m) in den Aussichtsmittelpunkt.

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Am Gipfel findet meine erste Begegnung mit anderen Wanderern statt. Drei Unentwegte sind seit den Morgenstunden unterwegs, um die Gemeindegrenze von Gaflenz abzuschreiten. Sie erreichen den Gipfel vom Reutberg kommend und sind  dank eines gute-Laune-Saftes sehr lustig.

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Ausgezeichnet zu sehen ist auch die Lindaumauer (1103 m), der Halsberg (1042 m) und der Hiebberg (1018 m). Der Waldmugel im Vordergrund müsste demnach der Reutkogel (1025 m) sein.

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Die Lindaumauer im Zoom. Ganz rechts im Bild kann ich sogar den Sender ausmachen.

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Es weht ein leichter Wind, und so verschiebe ich meine Rast auf später. Ich steige den schönen Grat entlang weiter bis…

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…zu diesem Sender und danach hinab zu den großen Weideflächen der Stubau.

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Der Inkognito-Jäger erzählte mir auch, wie die großen Weideflächen entstanden sind. Weil die Holzbringung auf der plateauartigen Hochfläche sehr mühsam war, wurden die Bäume dort oben auch in der holzintensiven Kriegszeit nicht geschlagen. Nach 1945 fanden sich somit wunderbare Holzreserven auf der Stubau. Diese Vorräte wurden vom Forstamt Dreher sozusagen aufgelöst und nach der Schlägerung nicht wieder aufgeforstet. Es wurden somit diese weitläufigen Wiesen geschaffen.

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Zu meiner Rast in einer windgeschützten Mulde und meinem wohlerschwitzten Wiesenbier (statt des sonst üblichen Gipfelbieres) passt auch noch die Geschichte von einem Vorfahren dieses Waldbesitzers. Der junge Anton Dreher musste 1870 die Verantwortung für die Brauereien seiner Familie übernehmen. Das machte er aber so gut, dass der weltgrößte Braukonzern der damaligen Zeit daraus wurde. Lagerbier und Märzenbier sind seine Erfindungen. Die Familie verlor aber durch beide Weltkriege ihr ganzen Vermögen. Nur die Gutshöfe im Raum Schwechat und das Dreher’sche Forstamt in Weyer blieben in ihrem Besitz.

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Schön ist der Blick von den Hochweiden zu Ennsberg (1373 m), Hühnerkogel (1474 m), Almkogel (1513 m) und Burgspitz (1429 m).

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Die brauchen aber noch, bis sie kuhfest sind, denke ich mir beim Anblick einer ganzen Reihe von eingezäunten Bäumchen auf der Weide. Das zeigt mir, in welchen Zeiträumen die Natur „denkt“, ganz im Gegensatz zur sekundenschnellen, digitalen Zeitrechnung. Was schreibe ich da, sekundenschnell ist ja auch schon viel zu langsam.

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Bereits im Abstieg über die Weideflächen gebe ich acht, dass ich nicht auf der falschen Forststraße lande. Dieser kleine Ausschnitt im westlichen Teil der Weide führt mich auf den richtigen Weg.

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Durch hochstämmigen Wald wandere ich weiter abwärts, bis ein Wegweiser zur Falkenmauer weist. Ein kurzer Gegenanstieg (ca. 100 Hm)…

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…bringt mich zum felsigen Gipfelaufbau.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Falkenstein (993 m).

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Ich bin vom Ausblick ins Ennstal ganz gefesselt, und das Gipfelbuch ist regelrecht an den Gipfel gefesselt. So habe ich ein Gipfelbuch auch noch nicht vorgefunden.

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Tiefblick zur Enns in Fließrichtung Großraming.

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Der Taleinschnitt entlang des Ennsberges ist gut zu sehen. Dieser Einschnitt bringt den Wanderer zur Stallburgalm (1076 m) am Fuße des Burgspitzes (1429 m).

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Ich bleibe nicht lange und wandere das kurze Stück zu den Rotmäuern weiter.

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Bei den Rotmäuern eingetroffen, ergibt sich ein etwas anderer Blick: Flussaufwärts ins Ennstal und nach Weyer.

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Zerrupfte Angelegenheit am Gipfelfoto: Rotmäuer (837 m).

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Meinen Abstieg will ich etwas kürzer gestalten, und darum steige ich durch einen unordentlich verwachsenen, aufgeforsteten Waldhang ab. Dann gehe ich auf einer feinen, ordentlich verwachsenen, aus dem Stein gebrochenen, alten Forststraße weiter.

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Bei diesem Blick ins Tal weiß ich jetzt, dass 4 Kilometer Rückweg auf mich warten.

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Im rechten Bildteil sind die Rotmäuer gerade noch zu erkennen.

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Natürlich zeigt dieser Wegweiser in die Gegenrichtung. Aber egal. Dieser Abstecher macht das Kilometerkraut auch nicht mehr fett.

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Eine wandererfreundliche Besteigungsmöglichkeit (Trittstifte, Seil, Aufzug oder Ähnliches) findet sich nicht, und so muss ich es bei der reinen Betrachtung belassen.

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Der Weg zurück zieht sich. Situativ gute Laune machen die Schnitzideen am Wegrand. Wie in Suchbildern üblich, wollen sie erst einmal gefunden werden.

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Über den Geleisen der Bahn schließt sich endlich meine große Runde. Den Umweg zum Mühleck hätte es nicht gebraucht. Der übliche Anstieg über den Gasserlgraben zum Bauernhaus Großberg ist schon um vieles kürzer. Aber ich wollte ja keine Speedbegehung abliefern, und somit passt mir das schon. Das Feichteck würde ich besuchen, solange die Bäume noch nicht hochgewachsen sind. Jetzt gibt es noch Ausblicke, die in wenigen Jahren nicht mehr möglich sind.

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Im Anstieg ca. 1030 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 20 km.

Senf dazu? Sehr gerne

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Steffan/Tippelt (1977): Ybbstaler Alpen. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

www.geo-caching.net

http://www.dreherforst.at/de


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Weitere Unternehmungen in der Region OÖ Voralpen (Auswahl):

Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.