Törlstein Versuch

Ich bin schon wieder in Gedanken bei einer Überschreitung der Eisenerzer Alpen von Reichenstein zu Reichenstein. Bei diesen Überlegungen komme ich zum Schluss, dass ich dabei für eine zusätzliche Besteigung des Törlsteins (Hochstein) keine Lust verspüren werde. So entscheide ich mich heute für eine Schitour in das Hochtörl, um dann die letzten Höhenmeter auf den Hochstein zu Fuß aufzusteigen.

Auf dieser Übersichtstafel in Eisenerz, ist der unbenannte Gipfel zwischen Zwölferkogel und Stadelstein mein heutiges Ziel.

Schon bei der Zufahrt zum Parkplatz in der Galleiten ist ersichtlich, dass es in der Nacht nicht gefroren hat.

Um nicht allzuviel vom aufgeweichten Matsch an meine Schischuhe und Schi zu bekommen, parke ich verkehrt zum Schnee und adjustiere mich auf dem ebenso aufgeweichten Schneehügel.

Die Wetterprognose für den heutigen Tag war selbst für einen Optimisten nur mittelprächtig. Mit Regen wäre zu rechnen, und sonnig wäre es nur an der Adria.

Auf einfachem Forststraßenweg geht es zur Schafferalm.

In der Steiermark findet man an jedem Weg oder Sträßchen ein Marterl oder gar eine Kapelle.

Toerlstein_002Geradeaus ginge es zur Tullingeralm und weiter auf die Hohe Lins (2028 m).

Noch ein Marterl auf dem Weg zur Schafferalm.

Noch vor der Schafferalm zeigt sich unter bewölktem Himmel mein Tagesziel und seine höheren Nachbarn. Links der Hochstein (1860 m), der Stadelstein (2070 m) und der Schwarzenstein (1953 m).

Die Schafferalm ist auch im Winter an Wochenenden bewirtschaftet, und an schönen Tagen ist hier Einiges los.

Das Wetter verschlechtert sich, wie an dieser Zoomaufnahme des Höchstein gut ersichtlich ist.

Ich fühle mich aber mit der Gegend vertraut und befinde mich nicht in den Westalpen. Somit lasse ich mich von den wenigen Regentropfen nicht aufhalten und hoffe, dass der Regen nicht stärker wird.

Toerlstein_012Toerlstein_015Der Blick auf den Südwesthang von Auf der Stang (1716 m) wird heute meine weiteren Entscheidungen noch maßgeblich beeinflussen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme weiß ich aber davon noch nichts.

Hier kann ich schon das umwölkte und fast schneefreie Hochtörl einsehen.

Toerlstein_020Ich erreiche das Hochtörl und trage meine Schi die letzten Meter. Der Nieselregen hat aufgehört, und es weht trotzt „Düsenwirkung“ in so einem Einschnitt fast kein Lüftchen.

Toerlstein_024Hier geht mein Blick über den Erzberg in den Hochschwab. Das Wetter kann sich offensichtlich nicht entscheiden.

Dem Hochtörl gegenüber befindet sich der Arnikariedel (1758 m) und darunter der Aufstieg von der Moosalm auf den Stadelstein. Im Hintergrund kann man das mächtige Gößeck (2214 m) sehen.

Für mich heißt es jetzt, diesen steilen Gipfelhang die letzten Höhenmeter aufzusteigen. Sehr vertrauenswürdig, um 12 Uhr mittags, schaut er nicht aus.

Ich fasse mir ein Herz und steige ohne Schi ca. 50 Meter auf. Der Hang ist nass bis zum Grund.

Ich kann auch einen bereits abgerutschten Abschnitt erkennen und entscheide mich, diesen Aufstieg abzubrechen und unverzüglich wieder abzusteigen.

Toerlstein_033Der Hang besitzt dieselbe Südwestausrichtung wie der abgerutschte Hang auf der Stang.

Als Untergrund befindet sich wunderbarer „Rutschrasen“.

Hier der Blick vom Törl zum fast schon schneefreien Hang der Stang. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre nichts passiert. Aber ich bin alleine unterwegs, und so ein Hangrutsch würde für eine völlige Verschüttung ausreichen. Ich entscheide mich für die defensive Variante, setze mich in den Übergang zum Stadelstein und packe meine Jause aus. Zwei Gruppen Schitourengeher von der Moosalm kommend, kann ich vorbeiziehen sehen.

Der Himmel präsentiert sich mittlerweile fast wolkenlos. Ausblick zu Hochblaser (1771 m) und Kaltmauer (1929 m).

Der Pfaffenstein (1871 m).

Ich überlege noch, zum Stadelstein weiterzugehen. Da aber der Schnee mit Sicherheit kein Abfahrtsvergnügen erlaubt, lasse ich diese Überlegung wieder fallen und mache mich auf den Rückweg. Tatsächlich zeichnet sich meine Abfahrt durch viele „Geradeausabschnitte“ aus.

Nach dieser Tour bin ich wieder ein Stückchen „g’scheiter“, aber auch unversehrt, wieder zuhause angekommen.

Im Anstieg ca. 810 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 8,3 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen
Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Peterka (1982): Eisenerzer Alpen, AV Führer, Bergverlag Rother, München.

Frischenschlager et al. (1999): Mürztaler Berge (Rax, Schneealpe u. Hohe Veitsch), Hochschwab, Eisenerzer Alpen, Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Schall et al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost, Schall Verlag, Alland.

Scharfetter/Buchenauer (1978): Eisenerzer Alpen, Bergwandern, Klettern, Schifahren, Verlag Styria, Graz.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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