Moaralmsee und Bärfallspitze (2150 m)

Unsere gestrige Gjaidsteintour führte auf einen völlig vegetationslosen, trockenen Asteroidenfelsen über den Gletschern des Dachsteins. Heute ist alles anders. Wir tauchen in die feucht-grünen Tiefen der Niederen Tauern ein. Nicht einmal 18 Kilometer Luftlinie, nur das Ennstal zwischendrin, trennen diese beiden Touren. Wenn man aber die Bilder betrachtet, könnte ein windgepeitschter Ozean dazwischenliegen, aus so fernen Welten scheinen diese beiden Wanderungen zu sein. 

Wir wählen die Stanglalm als Ausgangspunkt für diese Wanderung. Ein feines Platzerl wurde für diese 2001, nach einem Murenabgang neu errichtete Hütte, gefunden.

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Blick über den kleinen See bei der Stanglalm zum Talschluss des Gumpentals. Besonderes Augenmerk verdient die in der Morgensonne lässig lungernde Ziege rechts im Bild. Auch am Schluss des Blogeintrags findet sich ein Bild von ihr.

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Wir wandern die Forststraße entlang zur Moaralm (Maralm). Wie Gestirne hoch über uns hängen der allseits bekannte Höchstein (2543 m) und sein allseits unbekannter Trabant, die Bärfallspitze (2150 m) im Himmelszelt.

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Wollgrasgepunktete Feuchtwiesen begleiten uns bis zur Moaralm.

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Bei der Moaralm beginnt der kehrenreiche Forststraßenaufstieg.

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Der Tag ist noch jung, aber die Hitze ist eine alte. Nicht einmal in der Nacht hat es in den letzten Tagen abgekühlt. Jedes Schattenfutzelchen wird von uns ausgenützt, und trotzdem glühen uns nach 300 Höhenmetern die Köpfe. Der Anblick dieses Wasserfalls weckt in uns kühlende Sehnsüchte.

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Unser stilles Sehnen wird erhört. Ein anderer Wasserfall erbarmt sich unserer roten Häupter. Schulterklopfend taschelt das Wasser auf Gabi….

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…und mich.

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Die Forststraße schaukelt sich in vielen Kehren durch eine märchenhafte Landschaft hoch. Vielleicht leben sie ja hier, die Zwerge mit den großen Ohren, deren eines ihnen als Bett, das andere aber zur Decke dient. Magellan hätte statt seiner gefährlichen Weltumsegelung, um diese Zwerge zu finden, hier suchen sollen.

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Dieses Bild ist ein Vorgriff und zeigt diese Zickzack-Wundnaht-Forststraße aus der „Vogelperspektive“.

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Wenige Meter vor der Oberen Moaralm zweigt der Weg in einen steinigfeuchten…

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…Lärchengürtel. Opulentes grünes Licht umfängt uns.

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Zwischen überfälligen Almrauschpölstern staunen wir nur noch.

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Noch sind wir nicht am See, aber schon sein Abflussbereich ist eine fesselnde Angelegenheit.

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Und dann stehen wir endlich am Ufer des Moaralmsees. Ein glänzender grünblauer Chrysokoll  liegt vor uns. Still ist es. Noch sind wir ganz alleine mit diesem riesigen Edelstein.

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Mächtig ragt über dem grünen Bergsee die Höchststein Norwand 600 Meter hoch auf, und weil Nordwände nun einmal finster und gefährlich dreinschauen müssen, bemüht sich die Wand um einen drohenden abweisenden Anblick.

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Aber an diesem sonnenhellen Scheinwerfertag leuchtet sogar die Nordwand, und ihre Gefährlichkeit will niemand so richtig glauben.

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Wir machen eine ausgiebige Rast und erfreuen uns an dieser wunderbaren Landschaft. Nach einiger Zeit sind Stimmen zu vernehmen. Eine Schülergruppe ist vom Hauser Kaibling über den Roßfeldsattel hierher gewandert. Alle haben Badesachen mit, und viele steigen auch in den See – zumindest bis zu den Knien. Dann geschieht doch das Unerwartete: Schwimmer im Moaralmsee unter dem Höchststein.

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Wir packen wieder unsere sieben Zwetschgen und brechen auf. Wo der Weg vom Roßfeldsattel beim See einmüdet, zieht auch ein Steig hoch zur Seescharte. Dort wollen wir hin. Danach auf die Bärfallspitze (2150 m) und über den Roßfeldsattel wieder zum See. Im Bild ganz rechts, neben der Karlspitze (2267 m) und Moaralmspitze (2267 m), liegt die Seescharte (Moaralmschartl). Schaut weder weit noch besonders steil aus.

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Steil ist es schon, aber weit ist es nicht. Trotzdem benötigen wir für dieses Stück eine kurzweilige Ewigkeit. Es gibt so viel zu sehen, und es ist einfach so schön.

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In diesem Hang gegenüber, unter der Moderspitze und auch noch unterhalb der Abbrüche, verläuft ein Steig vom See zur Filzscharte (2213 m), dem Tor zur Besteigung des Höchststeins. Auch von der Hans-Wödl-Hütte führt ein Weg in diese Scharte.

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Ich weiß gar nicht, wo ich meinen Blick ruhen lassen soll. Hier?

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Oder hier?

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Oder da?

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Der Welt entzogen, vorbei an Almrauschpölstern und völlig frei…

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…zwischen Himmel und See steigen wir…

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…über eine zuvor unsichtbare Geländestufe…

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…steil zum Seeschartl (Moaralmschartl) auf ca. 2070 m.

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Unverdrossen folgt Gabi sogleich Spuren direkt am felsigen Grat. Mit jedem Schritt werden diesen Spuren aber blasser, und der Grat wird immer abweisender.

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Gabi ist keine Feiglingin, aber die Anforderungen, die dieser Blockgrat an unser Klettertalent stellt, mundet uns jetzt gar nicht. Das ist nicht unsere Kragenweite. Wir steigen vorsichtig ins Schartl zurück und „finden“ den markierten Weg.

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Blick vom Seeschartl (Moaralmschartl) ins Schigebiet.

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Jetzt sind wir rucksacktragende Steinsurfer in einer holpriggrünen Brandungswelle. Von der Scharte ist es nicht mehr weit bis zum…

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…lange unsichtbaren Gipfelkreuz.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Bärfallspitze (2150 m).

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Der Hauser Kaibling ist mit seiner Aufstiegshilfe nicht weit entfernt. Trotzdem gibt es weder am Gipfel noch im Gipfelbuch ein Gerangel. Ganz alleine sind wir wieder einmal.

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Der Grat, den wir nicht bestiegen haben, und der Pfad ins Seeschartl sind gut zu sehen. Dahinter dunkel und abweisend der Zwiesling (2469 m) und die Ulmspitze (2409 m).

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Blick über das Schigebiet zur Planai.

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Diese sanfte Gratschneide ist aber unsere Kragenweite und wird uns in Richtung Hauser Kaibling zum Roßfeldsattel führen.

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Dachstein

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Höchststein (2543 m) und Zwiesling (2469 m)

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Blick ins Gumpental.

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Tiefblick zum Moaralmsee. Einheimische steigen hier direkt zum See ab.

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Wir wollen aber die Runde über den Roßfeldsattel machen.

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Wieder einmal ist die Erfüllung der Wunsch-Zielvorgabe von Gabi geglückt: Eine Tour mit großer landschaftlicher Exzellenz, floraler Üppigkeit bei gleichzeitiger Einsamkeitsanmutung und kühlender Seepräsenz.

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Der Rückweg über abwechslungsreiches Blockgelände zieht sich, und die eingestreuten Gegenanstiege (100 Hm) fordern die schweren Beine schon ein wenig.

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Gabi und ich, wir sind uns einig,…

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…diese Szenerie…

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…mit dem Moaralmsee im Herzen…

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…ist ein landschaftlicher Schmachtfetzen, der nicht so oft seinesgleichen hat.

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Die herumlungernde Ziege vom Vormittag hat von ihren Sklaven eine Schattierung gespendet bekommen und vermutlich den ganzen Tag noch kein Bein gerührt.

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Es sitzen nur ein paar Einheimische (Höchststeinbesteiger) an den Tischen. Die Stimmung ist gelöst und lustig, und jeder freut sich über seine verwanderten guten Stunden am Berg.

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Hervorragende Vorzüglichkeit zeichnet diese wundervolle Tour aus. Wie muss es erst im Herbst sein, wenn die Lärchen ins Goldene kippen? Da sind schon die 530 Höhenmeter von der Alm zum See eine Grand Tour.

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Im Anstieg ca. 940 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 12,1 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

 

Auferbauer (2000): Bergtourenparadies Steiermark: Alle 2000er vom Dachstein bis zur Koralpe. Verlag Styria, Graz.

Brandl (2003): Dachstein-Tauern. Wanderführer, Bergverlag Rother, München.

Buchenauer(1975): Verliebt in die Heimat. Leykam Verlag, Graz.

Frischenschlager et al. (1996): Ennstal – Vom Dachstein bis zum Gesäuse. Wanderführer, Leopold Stocker Verlag, Graz.

Hödl (2006): Bergerlebnis Schladminger Tauern. Steirische Verlagsgesellschaft, Graz.

Holl (2005): Niedere Tauern. AV-Führer, Bergverlag Rother, München.

Hoppe(2014): Pigafetta. Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main.

Raffalt (2008): Steirische Almen: 88 genussvolle Alm- u. Hüttenwanderungen. Verlag Styria, Graz.

Wödl (1924): Schladminger Tauern. Verlag Artaria, Wien.


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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.