Kühberg 1415 m

Wieder einmal in diesem verflixten Jahr bleibt mir nur ein Nachmittag für eine Bergtour. Mir scheint der einsame Kühberg bei Kleinreifling die richtige Wahl zu sein – und er erweist sich auch als solche. Sozusagen passgenau füllt diese etwas steile Kurzwanderung die Nachmittagsstunden.

Ich parke mein Fahrzeug am Parkplatz des früheren Schigebietes (Viehtaleralm). Eigentlich wollte ich direkt über die ehemalige Schipiste aufsteigen, um mir den Umweg über die markierte Forststraße zu ersparen. Aber sehr munteres Jungvieh, das genau so im Saft steht, wie die Wiesen rundum, begrüßt meine Ankunft muhend und in großer Aufgeregtheit. Es dürfte erst kurze Zeit auf der Weide sein. Diese muntere Stimmung bei den Tieren lässt mich einen großen Bogen gehen.

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Die windigen Vorboten der morgigen Föhnwetterlage sind mit mir zeitgleich eingetroffen, und gemeinsam steigen wir hoch.

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Ein kurzes Stück gehe ich auf der Forststraße, und nachdem ich genug Höhe gewonnen habe, quere ich oberhalb des übermütigen Jungviehs auf die grüne Schipiste.

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So weit werden sie ja doch nicht herauflaufen…

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Wenn man diese Abfahrten zu Fuß hochgeht, erweist sich das ehemalige Schigebiet als ganz beachtlich.

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Während meines Aufstieges kann ich der Wiese beim Wachsen regelrecht zusehen, und nicht nur der Wiese…

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Der Blick zum Dürrensteigkamm geht vom Burgspitz über den Almkogel, Wieser, Langlackenmauer, Ochsenkogel, Reiflingeck zur Bodenwies.

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Diese Wanderung ähnelt in ihrem Profil der Besteigung einer Skisprungschanze. Der erste Teil des Anstieges über die Piste gleicht der Besteigung der Aufsprungsbahn. Es folgt die Übergangshöhe, welche dem Schanzentisch gleichzusetzen ist. Und danach  führt der Steig steil und schmal den Grat bzw. Anlauf hoch.

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Auf diesem Bild ist der „Anlauf“ zu erkennen. Nur der Gipfel sitzt noch etwas weiter hinten.

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Ganz links Im Vordergrund: Der langgezogene Waldrücken mit dem Hochbrand (1242 m). Ganz rechts ist die kahle Erhöhung der Bodenwies (1540 m) zu sehen und am nächsten Bild kann man im Hintergrund das Maiereck (1764 m) und die Buchsteine (2224 bzw. 1990 m) erkennen.

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Dem angekündigten Föhnsturm ist ein berauschender Chlorophylsturm vorangegangen.

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Dunkles Grün, helles Grün, glitzerndes Grün, frisches Grün, getupftes Grün vor einem windgekehrten blauen Himmel.

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Die Wegfindung gestaltet sich sehr einfach: Immer am Grat hoch und dazu noch markiert.

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Dem Berg wurden viele Bäume „entnommen“, und nur einige sind wie Tannenborsten am Rücken stehen geblieben.

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An manchen Stellen wurde die Entnahme etwas radikaler betrieben. Sozusagen wurde einmal epiliert und an anderen Stellen radikal gewaxt.

An der gewaxten Stelle zieht der Weg am linken Rand hoch…

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…und oben angekommen ist es nicht mehr weit bis zum Gipfelkreuz.

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Bei mir können vermeintlich kleine Berggipfel intensive Gefühle auslösen. Jetzt ruhe ich in mir. Bis zum Kreuz bin ich keinem Menschen begegnet. Nur einzelne Windböen haben meinen Aufstieg begleitet. Schon mit meinen ersten Schritten habe ich mir den Arbeitsvormittag aus dem Kopf gegangen. Jetzt geht’s mir wieder einmal richtig gut.

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Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Kühberg (1415 m).

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Das Gipfelbuch wird im Kreuz versenkt. Solch eine Konstruktion kenne ich von keinem anderen Berg.

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Es ist sehr windig und diesig. Selbst die Nahsicht ist bereits eingeschränkt.

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Zwischen den Bäumen im Osten fallen die Stumpfmauer (1770 m) und der Tanzboden (1727 m) besonders  ins Auge, nur die Sicht ist (noch) von Bäumen verstellt.

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Eine weite Anreise hatte der Mühlviertler, der mir im Abstieg begegnet. Darum hat er sich nach der Besteigung der Bodenwies (1540 m) auch noch den Kühberg vorgenommen.

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An allen Seiten geht es steil hinab. Der Grat scheint der einzig vernüftige Weg auf diesen Berg zu sein.

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Die Bodenwies gilt ja den Botanikern als Blumenberg mit echten Raritäten. Am Kühberg kann ich zumindest in diesen Tagen nicht mit solchen Besonderheiten aufwarten. Schönheiten sind aber allemal zu bewundern:

Trollblume

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Voralpen-Kreuzblume

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Hier glaube ich ein Stattliches oder Manns-Knabenkraut vor mir zu haben. In dieser Orchideenfamilie gibt es so viele Varianten, so dass mir eine sichere Bestimmung oft nicht gelingt.

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Der mächtige Rücken des Ennsberges (1373 m). Die Überschreitung dieses Rückens bis zum Hühnerkogel (1747 m, mit Gipfelkreuz oberhalb der Stallburgalm) ist eine ausgiebige Bergwanderung, die sich sogar noch bis zum Almkogel (1513 m) usw. erweitern lässt. Bis zum Ennsboden geht das auch wunderbar mit Schiern.

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Meine Lieblingswanderhose hat über dem linken Knie eine verschließbare Tasche. In dieser verstaue ich gerne mein Handy. Nur wenn ich vergesse sie zu schließen, schiebe ich beim Gehen darin befindliche Gegenstände unbemerkt heraus. Heute ist es wieder einmal so weit, ich habe den Reisverschluss offen gelassen und irgendwo im Aufstieg  mein Handy verloren. Es hat mir lange nicht gefehlt, aber jetzt fällt es mir auf. Darum gehe ich in geringer Finder-Hoffnung den Anstiegsweg hinab.

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Der Berg hat mein unfreiwilliges Opfer angenommen und ich gebe meine Suche auf. Ich denke mir: „Was soll’s – alle paar Jahre kann man schon ein Drum am Berg vergessen, verlieren oder gar opfern“.

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Durch gröbere Bauarbeiten (Kraftwerksbau?) ist die normale Zufahrt zur Alm gesperrt, und man wird über den halben Berg auf alle befahrbaren Forststraßen umgeleitet. Damit ergeben sich aber für mich ganz neue Aussichten. Zum Beispiel der langgezogene Kamm mit dem Rapoldeck (1195 m) rechts der Bildmitte und dem Schrabachauer Kogel (1321 m) ganz links.

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Auch der Kühberg ist fast in seiner ganzen Pracht überblickbar.

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Bevor ich diese Wanderung irgendwann wiederholen werde, möchte ich den erst am heutigen Tag bewusst wahrgenommenen Rücken mit dem Hochbrand besuchen.

Im Anstieg ca. 635 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 6,4 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

Meine Quellen

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Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Heitzmann, Harant (1996): OÖ-Voralpen. OeAV-Führer, Ennsthaler Verlag, Steyr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EPILOG

Erstmals habe ich diese Tour am Sonntag den 11. September 2005 gemacht. Nur wenige Fotos lassen nicht vermuten, dass diese Tour im schon beginnenden Herbst gemacht wurden.

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Auch 2005 war der Anstieg schon sehr steil.

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Zum allerersten mal zeigte mir mein Freund Franz auf der Bodenwies sitzend den Kühberg: „Da musst auch einmal hinauf, is‘ net weit „. Danke Franz!

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Viele Insekten habe ich noch in Erinnerung – bei diesem Foto umschwirrten sie meinen verschwitzen Kopf und drängten sich auf’s Foto.

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FIN

 


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.