Zeitschenberg – Kathedrale aus Schnee

Nicht allzuviele Höhenmeter, von mir noch nicht besucht, die Anreise nicht allzuweit – der Hengstpass mit dem Zeitschenberg (1433 m) erfüllt diese Idealvorstellung für meine heutige Schitour. Nach meinem kränklichen Dezember steht der Spaß an der Freude im Vordergrund und darum diese feine Genußtour.

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Vor mir startet eine zehnköpfige Gruppe, die den Wasserklotz als Tourenziel hat. Vermutlich werde ich diese Herrschaften nicht mehr antreffen, weil mich meine Tour auf den westlich gegenüber liegenden Berg führt.

In einer Stunde wird der Parkplatz gewiss voll sein.

Am Tamberg (1516 m) vorbei, geht der Blick zum Kleinen und Großen Priel.

Dieses langsame Ziehen durch verschneite Winterwaldlandschaften, gehört zu meinen liebsten Beschäftigungen. Es gibt fast nichts Schöneres. In diesen Momenten kann ich meinen Kopf freigehen.

Beim Anblick dieser Tafel ensteht in mir der Wunsch, dieser Gegend einen längst überfälligen Sommerbesuch abzustatten. Ich möchte die Berge und Wege auch einmal ohne Schneeauflage sehen. Bis dato war ich immer nur im Winter hier.

Zeitschenberg_012In der Kreuzau angekommen, begrüßt mich der felsige Astein (1419 m), der westliche, niedrigere Gipfel des Wasserklotzes.

Links zeigt sich auch bereits der Zeitschenberg. Gegen meinen ursprünglichen Plan folge ich einer Spur, die hier vom Zeitschenberg kommend einmündet und zweige westlich ab.

Zu Beginn gibt es auch eine Aufstiegsspur.

Rückblick zum Spitzenbergriedel (1285 m).

Diese vermeintlich gute Aufstiegsspur verliert sich aber bald, und ich steige mehr oder weniger spurend, Abfahrtsspuren folgend auf.

Zeitschenberg_018Zeitschenberg_021Entgegen meiner ursprünglichen Hoffnung, gelingt es der Sonne nicht, den Hochnebel zu durchdringen.

Kurz vor dem Kamm taucht rechterhand die „echte“ Aufstiegsspur auf.

Ich bewege mich in dieser vermeintlich überlaufenen Gegend völlig alleine in der Spur. Zumindest kann ich niemanden vor oder hinter mir erkennen. Nur ganz zu Beginn war ich der Meinung, einen Nachfolger zu sehen. Ich sehe ihn nicht mehr, und es ist ganz still.

Mein Bergziel hat die Vorhänge vorgezogen. Geschlossen scheint’s.

Am Kamm betrete ich das Reich der Schneekönigin. Jeden Moment erwarte ich ihr Erscheinen. In der Weihnachtszeit gab es immer die tschechischen Märchenfilme im Fernsehen. Ich habe diese Filme nicht oft gesehen, aber dafür meine Frau – und wenn jetzt so ein Film gezeigt wird, schaut sie sich diese Filme gerne wieder an und ich mit ihr.

Diese Stelle wurde anscheinend zum Wintergipfel erklärt. Das kleine Plateau ist zertreten und es führt die letzten Höhenmeter keine Spur mehr weiter. Nur noch Abfahrtsspuren sind zu sehen.

Zeitschenberg_031Das will ich für mich aber nicht gelten lassen. So versuche ich, über den letzten steilen Anstieg durch tiefen Schnee einen Weg zu bahnen.

Zeitschenberg_033Hier heißt es, eine Spur zu legen. Bergauf ist es ganz schön mühsam. Bergab wird es durch die Schneemassen eine stark gebremste, gemütliche Abfahrt werden.

Zeitschenberg_037Hier ist der letzte Aufschwung. Danach müsste es nach meinem GPS eher gemütlich den Grat entlang zum höchsten Punkt gehen.

Zeitschenberg_039Durch eine fantastische, eben märchenhafte Winterlandschaft, stapfe ich trotz Schi, zum Gipfel.

Zeitschenberg_044Stellenweise blitzt ein kleinwenig blauer Himmel durch.

Zeitschenberg_048Zeitschenberg_054Am Gipfel angekommen.

Ich fühle mich wie in einer großen Kirche. Die Sonne gleicht einem großen Mandala im Kirchenfenster.

Bei Windstille schaufle ich mir eine kleine Bank und genieße die „entrische“ Stimmung. Nach einer halben Stunde tauchen drei Schneeschuhgeher auf. Diese sind meiner etwas eigenwillig gelegten Spur gefolgt.

Obligatorisch und unverzichtbar: Gipfelfoto Zeitschenberg (1433 m).

Noch mit den Fellen an den Schiern gehe ich in der Spur retour.

Zeitschenberg_062Am Wintergipfel eingetroffen, habe ich durch die schlechte Sicht sogar kurzzeitig ein Orientierungsproblem.

Die Abfahrt gestaltet sich aber so wie von mir vermutet. Durch die Schneemassen gebremst, geht es vergnüglich langsam, die Hänge hinab.

Durchs selber Spuren und Wegfinden, wurde aus diesem kleinen Ausflug eine richtig feine Schitour. Ich freue mich jetzt schon auf meine nächste Tour in dieser Gegend. Vielleicht gibt es dann wieder bessere Sicht – aber für diese Tour war das Entrische genau richtig.

Im Anstieg ca. 470 Hm und zurückgelegte Entfernung ca. 6,6 km.

Senf dazu? Sehr gerne!

blog@monsieurpeter.at

 

Meine Quellen

Ausschnitt aus Karte 4309, Österreich digital. ©Kartografie: Kompass-Karten GmbH, Lizenz-Nr.8-0512-ILB.

Mörth/Potuschak (1990): Schitouren zwischen Enns- und Steyrtal, Ennsthaler Verlag, Steyr.

Schall et. al. (2008): Schitouren-Atlas Österreich Ost, Schall Verlag, Alland.


Darf’s ein bisserl mehr sein?

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Besonders Umtriebige können auch noch im Tourenbuch und der Gipfelliste stöbern oder auf der Tourenkarte herum strawanzen.